07.09. 2019

Der Graf mähte und ich harkte. Zwischendurch tröpfelte es mal von Himmel und flogen schreiende Kraniche vorbei.
Dann fuhr der Graf nach Berlin und ich harkte weiter. Ich mag das ja. So unterkomplexe, aber abwechslungsreiche Tätigkeit, die einen im Fluß sein läßt. Schwimmen und Langlaufen sind auch so. Ich komme dabei in Trance und wenn ich nicht mal aufs Klo müßte oder Durst hätte, würde ich erst aufhören, wenn es dunkel ist.
Aber so weit ließ ich es nicht kommen, ich wollte noch etwas auf der Terrasse sitzen, bevor es kalt wurde.
Ich kochte Nudeln mit Ketchup und freute mich beim durchgehen immer wieder darüber, daß das Klima im Gartensalon so angenehm anders ist, seit das Loch zum Keller geschlossen ist. Wenn die Nachmittagssonne hereinscheint, wird der Raum ziemlich warm.
Ich blinzelte ins Abendlicht und trank mir mit Weinschorle einen kleinen Schwips an.
Dann ging ich hoch und saß lesend im Sessel. Es wird abends in der Mansarde schon etwas frisch. Also etwas. Frisch wäre 15 oder 16 Grad, nicht 19.
Ansonsten wird die Rückkunft des Grafen erwartet, der sich mit dem Zug verfahren hat.
(Die Horror-Vorstellung meiner Jugend in der DDR. Irgendeinen marginalen kurzen Halt während einer nächtlichen langen Fahrt in einem leeren Zug zu verpassen und an einem Endbahnhof im Nirgendwo stranden. Es hatte schon so mancher von 22 bis 4 Uhr in Müncheberg in der ungeheizten Schalterhalle auf einer Holzbank geschlafen. Auch das käme wieder, würde der Individualverkehr stark eingeschränkt.)

Ach und das noch. In der Senke einen großen bräunlichen Vogel gesehen, der mit langem Schnabel etwas aus der Erde pickte. War das womöglich die ominöse Waldschnepfe? Ich schlich mich an. Er ließ sich nicht stören und flog erst ein paar Meter vor mir weg. Es war aber ein Grünspecht, der konzentriert Ameisen aus der Erde geschleckt hatte.

Auch das noch:

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4 Gedanken zu „07.09. 2019

    • Provokation liegt mir fern. Sollte der Individualverkehr durch Verbote, Steuern und Abgaben sehr viel eingeschränkter sein – weil Menschen es sich nicht mehr leisten können (hohe Abgaben auf bestimmte Technologien) oder weil bestimmte Formen von Mobilität restriktiv reguliert werden (Verbot von Verbrennungsmotoren z.b.) werden doch keine Unterscheidungen für Stadt und Land getroffen.
      Ich kenne eine Gesellschaft, die wenig Individualverkehr hatte, die DDR war bis 1989 so. Daran erinnere ich mich oft, wenn ich das Szenario durchspiele, in dem wir wieder vorwiegend auf den ÖPNV und Zugverkehr bauen.

  1. Welche Quelle hast du für die Aussage, dass Regulierungen nicht zwischen städtischen Kommunen und ländlichen unterscheiden werden? Schon heute können Kommunen Fahrverbote für ihren Zuständigkeitsbereich aussprechen (und tun das auch), können sie kommunale Verkehrspolitik betreiben, die nicht für andere Kommunen, für Bundesländer oder gar für den Staat gelten müssen. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass diese Entscheidungsstruktur und die föderalistische Basis des deutschen Grundgesetzes geändert werden sollen.

    Psychologisch kann ich deine Angst nachvollziehen, jede Form von Regulierung werde zu einem totalitären System wie in der DDR führen. Aber auf der Vernunftebene ist dir hoffentlich bewusst sein, wie wenig realistisch das ist.

    • Ich spiele das „was wäre wenn“-Spiel. Wenn Menschen laut verkünden, es wäre an der Zeit, Verbrennungsmotoren zu verbieten und den Individualverkehr einzuschränken/abzuschaffen, denke ich in vielen Situationen an meine Kindheit und Jugend und die Mühseligkeiten bis Unmöglichkeiten.
      Im übrigen sind die Vorschriften, ältere Heizungen und Öfen abzuschaffen oder Klärgruben so auszustatten, daß sie fast Trinkwasser entlassen, überhaupt nicht nach Stadt und Land differenziert. Es ist egal, daß hier in der Vorpommerschen Gegend 50 Einwohner pro Quadratkilometer leben, es ist dafür eine Menge Geld auszugeben. Deshalb sind globale Verbotsszenarien in anderer Hinsicht so unwahrscheinlich nicht, denn sie sind einfach.
      Ich bin noch gar nicht so weit, durch die Hysterie, was denn am besten gleich verboten werden sollte, gedanklich durchzudringen, um die realistischen Möglichkeiten zu erfassen.

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