Tagebuchbloggen – 5. Oktober

Mit Daten habe ich es nicht so, ich bin schon wieder verrutscht…
Der gestrige Tag war sonnig und morgens knackig kühl. In feiertäglicher Verpeiltheit verpaßten wir die Autobahn-Ausfahrt ins Oderkaff (Datsche und Stadtwohnung liegen 10 Landstraßenkilometer oder 2 Autobahnausfahrten voneinander entfernt, die Landstraße ist aber gerade gesperrt) und landeten in Polen. Aus der Not eine Tugend machend, tankten wir und kauften im Supermarkt ein, unter anderem super leckere Piroggen mit Käse-Spinat- und Pilz-Sauerkraut-Füllung, dazu noch Bigos.
Auf dem Weg ins Schlaubetal stoppten wir kurz in Lossow. Ich wollte dem Grafen die Steile Wand (eine Steilwand mit schönem Blick über die Oder) und den Burgwall zeigen. Ich war als Kind mit der Schule dort und hatte kaum noch Erinnerungen. Aber so unspektakulär, wie das, was wir da sahen, war das früher nicht. Eine Schautafel, auf der „bedeutendster Nänänä Brandenburgs“ stand, eine Rundweg um einen Acker, ein paar Trampelpfade und jede Menge Gestrüpp und Unterholz, sonst nix, absolut nix, kein Blick auf den Fluss, keine Geländeformation. Wieder mal ein Beleg für typisch brandenburgisches Understatement. Vielleicht auch, weil ein Teil der Trampelpfade übers Bahngleis führt. Irgendwo fand ich auch einen Zeitungseintrag, dass das Gelände um die Steile Wand mittlerweile zugewachsen ist.

Wir parkten das Auto am Kupferhammer und liefen durchs Schlaubetal. Schon nach drei Schritten fand ich die ersten Pilze, dabei einen Flockenstieligen Hexenröhrling wie aus dem Bilderbuch, aber ich war mir nicht so 100% sicher, weil ich den nicht kannte. Dann kamen  noch ein paar Schirmpilze und Maronen dazu, aber es hielt sich in Grenzen.
Bald wurde es auch sehr dämmerig, im Tal unter den Bäumen sahen wir kaum noch etwas und deshalb kehrten wir um.
Die Gastwirtschaft Kupferhammer mieden wir. Was in meiner Kindheit ein beliebtes Restaurant war, in dem der Gesellschaftssaal an jedem Wochenende ausgebucht war, ist jetzt ein stiller Ort. Ich habe keine Ahnung, warum, denn die anderen Mühlengasthöfe sind voll. Ich war zweimal in den letzten sechs Jahren dort, mißgelaunte Leute servieren einem öden Kaffee und Kuchen, die dunkelgrünen Igelit-Tischdecken gibt es seit Urzeiten, die Wirtsleute scheinen keine begabte Gastgeber zu sein.
An diesem Tag galt das Gesetz der Serie, auch auf dem Rückweg verfuhren wir uns noch einmal kräftig, bevor wir unsere Piroggen essen konnten.

Da bei meinen Eltern die Welt noch in Ordnung ist und das Sofa mit Blick auf den Fernseher steht und Internet nicht ihr Ding ist, ließen wir die Glotze laufen.
Zuerst schauten wir eine Variation zum Thema „bedrohte Unschuld“ an. Ann-Kathrin Kramer gibt die alleinerziehende Mutter, die unschuldig in einem mexikanischen Gefängnis landet. Ok., die ARD, weiß zu variiieren, diesmal ist es nicht Afrika und Vroni Ferres spielt nicht die Hauptrolle. Das ganze Intro bis zu Verhaftung, das die blonde Frau als Unschuldsengel aufbauen soll, ist von einer solchen Einfalt, dass in meinem Kopf immer nur Marcel Reich-Ranicki das Wort DRECK!!! wiederholte. Sie wissen schon.
Eine der Produktionen, bei denen sich alle Beteiligten leicht verlegen grinsend ansehen und sich sagen: „Es gibt gut Kohle dafür und die Quote stimmt!“
Das Machwerk ist von 2007, da war ich noch im Agenten-Job, fünf Jahre später wiederholt man das dann im Hauptabendprogramm am Wochenende, diese Branche tritt auf der Stelle, scheints mir.
Dann zappten wir in dieses Udo-Jürgens-Biopic, das auch an mir vorbeigegangen war. Nach einiger Skepsis verstand ich die Verabredungen, die Regie baute Bilder zur Familiengeschichte, kleine in sich abgeschlossene Szenen mit hohen emotionalen Bögen. Und da war es dann auch völlig egal, das der Vater im Winter nach Kärnten zurückkommt, (alle spielen, sie frieren sich einen Wolf) und die Bäume in vollem Grün stehen und fett mit Kunstschnee bepudert sind. Guter Film, super Schauspieler. Hat mir gefallen.

PS. Tagbuchbloggen und WMDEDGT fallen gerade zusammen, die Linkliste aller Beiträge gibt es hier.

Auch das noch:

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Ein Gedanke zu „Tagebuchbloggen – 5. Oktober

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