Vigil 63

Sie wissen ja, die Sache mit den Erlebnissen beim Einkauf.

Ich stehe am Spargelbüdchen am Alexanderplatz. Ein älterer Herr (in dieser Gegend gibt es noch Ureinwohner) verlangt 4 Stangen Spargel, nicht so teuren. Die Verkäuferin sucht den billigste und besten raus, er zahlt 1,85€, scheint nicht viel Geld zu haben und hatte sicher mal bessere Zeiten. Er fragt die Verkäüfern, weshalb sie sich diesen Job in der zugigen Plastikhütte antut, obwohl sie erkältet ist. Sie kommt ins Reden.

Nee, nee ick komm von Cottbus. Ick mach dir hier jerne. In Cottbus jibts nüscht, keene Arbeet.
Wollt dit Jobcenter mir 12 Stunden die Woche nach Hoyerswerda schickn. Zwee Stundn Fahrt sind zumutbar, ejal für wie viel Arbeitsstundn.
Da hab ick jesacht, da jeh ick lieber für die Saison hierher. Fahr ick einundneviertel Stunde. Außadem kannick hier bei’n Kindern schlafn.
Sacht dit Jobcenter, dit könn sie nicht untastützn, Berlin wird nich jenehmicht.
Als würdick dit brauchn. Ick schlaf schon nicht unter de Brücke hier.
Ick hab noch 9 Jahre bis zur Rente, die kriegn mich nich kleen!

Ansonsten war der Tag ein schöner. Mit einem Nähnerdtreffen bei der GLS-Bank. Endlich Frau Suschna und Die Linkshänderin kennengelernt. Es war mir eine große Freude.

Auch das noch:

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  • Uff!Uff! Meine Sonnenbrille ist wieder aufgetaucht!

3 Gedanken zu „Vigil 63

  1. Leider ist das erst der Anfang von der Armut im Alter. Vielleicht passiert ja ein Wunder oder ein Volk bewegt sich ja doch noch einmal. Nach einer Weltreise fühle ich mich in Deutschland wieder sehr unwohl. Nirgends in der Welt ist es so kalt wie hier, kalte Herzen voller Gier und Neid.

  2. Ich weiß nicht, es scheint mir ein sehr deutsches Verhalten zu sein, den Mitdeutschen Kalterzigkeit, Gier, Neid und was es sonst noch Unangenehmes gibt, zu unterstellen.
    Als „Zugewanderte“ hatte ich den Eindruck nie, bewege mich aber vielleicht auch in den falschen Kreisen. Die deutsche Unfähigkeit, die eigenen Leute mal irgendwie aus positiven Augen zu sehen, finde ich dafür recht ausgeprägt. Ich meine, Selbstkritik ist ja gut und schön, aber zu viel davon macht miesepetrig.

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