Sonntagspost

Das wird mal wieder ein Mäanderartikel, Sonntags geht nix anderes.
Leider werden ein oder zwei Links fehlen, Artikel, die ich eigentlich empfehlen wollte und nicht mehr finde. (Wie war das mit Read Later oder so? Das ist bei mir wie mit Kalendern, man sollte sie benutzen.)

Einen habe ich sofort parat, weil ich ihn gestern Abend las und ein Tränchen der Rührung verdrückte. Frau Modeste schreibt übers Prinzessin sein. Später fiel mir ein, dass die Prinzessinnenphase bei mir nur kurz war und ich mich nach langen Crossdressing-Jahren als Cowboy, Indianerhäuptling, Pirat und Kosmonaut für die Variante Größenwahn entschied und als griechische Göttin zum Fasching antrat.
Dann las ich den Artikel Das Putzgen der Frau Hausdrachen (die leider wenig bloggt) und weiß wieder, warum bloggen wichtig ist. Als Erinnerungsspeicher, als Sammlung kultureller Pattern. Im letzten Jahr konnte kaum jemand der Diskussion über Geschlechterrollen ausweichen. Mir stieß daran immer wieder auf, wie weit verbal formulierter Anspruch und auch selbst gelebte Realität auseinanderklafften. Was mir oft weh tut und ich letztlich auch nicht ernst nehmen kann, ist normal. Der fortschrittliche Politiker weigert sich, den Besen in die Hand zu nehmen und lässt das seine Frau, die Professorin oder seine Tochter, die Regisseurin, machen.
Wir reproduzieren unmerklich oft jahrhundertealte Handlungen und Haltungen, ohne uns dessen bewusst zu sein. Darauf zu verzichten fällt schwer und sehr gern erklärt man es mit biologistischen Thesen. Nicht wenige Frauen, die sich in einer Zeit, in der Arbeit mit körperlicher Kraft selten wird, ihren Lebensunterhalt selbst verdienen, daten nur Männer über 1,85m. Ein schneller Redner und Denker, recht feministisch, aber auf Grund seiner Lebensphilosophie arm wie eine Kirchenmaus, ist anhaltend und nicht selbst gewählt Single, dabei ist er nicht mal häßlich, heratswütig oder sehr wählerisch. So Sachen.
Frau Brüllen macht sich kluge Gedanken darüber, dass für eine Frau in einem Bewerbungsgespräch unsichtbar immer die Ehefrau des einstellenden Chefs mit am Tisch sitzt und deren beider Wertesystem als unsichtbarer Elefant dazu: Ich bin nicht deine Frau.
Was mich darauf bringt, dass ich 1994 Riesenglück hatte, als Mutter mit Kind und Lebensgefährten, der nicht der Vater war und damals noch relevanter Ostherkunft, im Einstellungsgespräch für den karrierebestimmenden Job einer zwanzig Jahre älteren Unternehmerin gegenüberzusitzen, die ein ähnliches Leben wie ich geführt hatte. Alleinerziehend, mit einem Kind von einem schwarzen Musiker, der sich als weitestgehend sorgeunfähig erwies, jüngerer Lebensgefährte, der sich gut kümmerte und sie dazu sehr ehrgeizig. Es passiert viel über Identifikation. Menschen, die uns ähnlich sind, bekommen einen Bonus.
Schon daher ist es Bullshit, ausschließlich an Männer zu appellieren, freiwillig auf Privilegien und tief geprägte Normen zu verzichten. Die Dynamik pflanzt sich auch (und wahrscheinlich wirkungsvoller) anders fort, Frauen geben automatisch Frauen, die eine ähnliche Entwicklung wie sie machen, die Chance. Nur dafür müssen Frauen überhaupt erstmal in die Position kommen (wollen), etwas zu entscheiden und Chancen vergeben zu können, die über das Einstellen einer Putzfrau hinaus gehen.
(Das Einstellen einer schönen jungen Frau als Marketingtool ist ein anderes Kapitel.)

Seit Wochen wälze ich an einem Text, dessen grundlegender Ansatz immer noch zu verwischt war. Jetzt war das Wort plötzlich da: Einstiegsbarrieren. Inwieweit überwinden wir mit unserer Ausbildung Einstiegsbarrieren in das Arbeitsleben, wie hoch setzen wir diese überhaupt oder wo steigen wir ein und was passiert, wenn wir plötzlich mit vielen mit gleichen Kenntnissen und Fertigkeiten, die auch diese Einstiegsbarrieren gewählt haben, auf einem Markt herumstehen und nach Interessenten suchen, die unsere Kenntnisse und Fertigkeiten bezahlenswert benötigen und was das ganze mit dem Satz „mach, woran du Spaß hast“ zu tun hat. Ok., dann kann ich demnächst mal losschreiben.

Ach und dann haben der Graf uns seit Tagen und Wochen immer mal wieder Gedanken darüber gemacht, warum es Restaurants gibt, die die Teller so voll laden, dass selbst wir, die wir gut zulangen können, überfordert sind und warum das gerade in der Sorte Gastronomie der Fall ist, wo die Kunden sehr nach dem Preis schauen.

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3 Gedanken zu „Sonntagspost

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