Sisypha

Seit 10 Tagen habe ich dieses Blog, meine Firmenseite, mein Alt-Blog und noch eine aus Freundschaft gehostete und betreute Seite alle zwei Tage abwechselnd platt gemacht und wieder neu aufgesetzt. Beim letzten Mal war aber auch eindeutig ich schuld. Man klickt nicht auf russische Links in Kommentaren, auch wenn sie von der re:publica handeln.

So langsam verarbeite ich die re:publica. Zunächst war es für mich vor allem Fremde-Menschen-Gedröhne, viele fremde Menschen. Aber eigentlich sind viele garnicht so fremd. Ich hätte die Frau Coolcat gerne etwas länger gesprochen, aber das ergab sich leider nicht, wir rauschten immer nur grüßend aneinander vorbei. Auch die Frau @ruhepuls und ich wollen uns demnächst mal mit nem Kaffee beiseite setzen.
Heute schwirrt gerade ein Gespräch über Twitter, warum so wenig Frauen als Speaker unterwegs waren. Quintessenz scheint zu sein: Eigentlich ein Problem, aber … wir wollen das garnicht. Wir haben und lieber gegenseitig ganz doll lieb und bleiben in der Reserve, könnte ja sein, daß uns jemand doof findet. (Ich hab das jetzt mal ein bißchen überspitzt.) Mädels, das kann doch nicht euer Ernst sein?
Jemand wie Cindy Gallop super finden, aber selber nicht mal zu nichtpornösen, ganz braven Themen die Zähne auseinander bekommen? (Ok., kochen. Kochen geht grade noch.)
Meine Schlußfolgerung aus den Panels, die ich gesehen habe war: Kitty, nächstes Jahr würdest du ganz gern sprechen. Dein Berufsthema paßt nämlich ganz gut rein. Du hast das gleiche moderne Wissen, wie die kleinen Fohlen, die ihre Semesterarbeit präsentierten und dazu noch eine Menge Erfahrung. Und dazu kommt noch ein ernst gemeintes Angebot: Eine Stunde Training vorher bei mir für jede Frau, die Angst hat, da oben zu stehen und ihre Meinung sichtbar zu vertreten. Zeigt euch, statt Deko zu spielen.

In der Wohnung nähern sich die Bauarbeiten dem Ende. Zeit wirds, es zog sich durch die zweimal eine Woche Unterbrechung, einmal, weil ich krank war, einmal durch die re:publica. Es gibt eigentlich nur noch drei Orte auf den 135 qm, wo man sich entspannt aufhalten kann: Die Badewanne, das Bett und die Küche. Überall klebt Mörtelstaub. Und aus einem simplen zugemauerten Türdurchbruch kamen über eine Tonne Mörtel und Ziegelsteine zum Vorschein. Auf weiteres haben wir verzichtet. Wir hätten für die Träger quer durch einen scheitrechten Bogen schlitzen und noch mal mehr als anderthalb Tonnen Schutt produzieren müssen.
Ich habe derzeit meine Lieblingsbeschäftigung: Putz an die Wand bringen. Der Graf zog vorgestern die scharfen Höschen an und bewegte die muskulösen Marathonbeine drei Stunden jeweils vier steile Stockwerke rauf und runter, bis die Tonne Schutt im Hänger eines Entsorgers verschwunden war. Gestern hatte er dann einen Gang, als hätten ihm die Jungs von Moskau-Inkasso mit einem Baseballschläger in die Kniekehlen gehauen.

Was ich vermelden kann, ist eigentlich nichts Neues. Aus mal ein paar gute Tage haben, ist mal ein paar schlechte Tage haben geworden. Das ist ein Riesenfortschritt. Aber ich muß mich damit anfreunden, daß meine Arbeitsfähigkeit nie wieder richtig zurückkehren wird. Zu einem Teil habe ich mich angepaßt. Ich arbeite ohne Multitasking und muß nicht mehr ständig planlos Feuerwehr spielen. Aber als Zeitlimit ist momentan 15 Stunden die Woche gesetzt. Mehr geht definitv nicht. Vielleicht können es 20 werden. Was, bei reiflicher Überlegung, zur Konsequenz hat, daß ich mich um einen Versehrtenstatus bemühen müßte, wenn ich diese Einbuße an Erwerbsfähigkeit nicht auf des Grafen und meinem Rücken allein kompensieren würde. Invalidin an der Medienfront sozusagen. Narf.

Auch das noch:

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5 Gedanken zu „Sisypha

  1. Ach liebe Frau Koma,
    der Invalidenstatus ist kein so schlechter Status. Ich tat mich auch erst schwer damit, aber es bringt vor allem finanzielle Erleichterung.
    Falls Hilfe gebraucht wird dann einfach anmailen und bei nem Kaffee alles besprechen.
    Ick hab da schon Erfahrung … ;-)
    So und jetzt Kopf hoch und in die Zukunft geschaut.

    • Hach, danke. Es soll ja auch nicht auf immer und ewig sein. (Außerdem ist mein Onkel auch mit Schwerbehinderung Partner in einer Unternehmensberatung.)
      Na wann machen wir das mal mit dem Kaffee?

  2. es gab so viele leute da, mit denen ich gern mehr zeit verbracht hätte. nächstes jahr müssen wir das besser organisieren :)

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