07.11. 2019

Weiter an der Großen Rochade gearbeitet. Die Werkstatt des Grafen zieht in den vorderen Salon und die dort gelagerten Sachen in die beiden Räume im Ostgiebel.
Dr Graf fuhr irgendwann nach Berlin los und kam noch mal retour, weil Schlüssel vergessen und am frühen Abend kam die Gutshausnachbarin mit dem Kater. Soweit ich das sehen konnte, ist er Nebelgrau getigert mit weißem Latz. Er verschwand sofort hinter der Spüle und sein Blick sagte: Dieser Tag kann echt weg. Kein Wunder. Erst Tierarzt und Narkose und abbe Familienjuwelen, dann irgendwo aus der Transportkiste geschmissen, wo eine Babykatze einen Buckel macht. Die beiden werden sich schon zusammen raufen.

06.11. 2019

Aufgestanden, die Katze gefüttert (sie frißt so viel, daß ich mir immer kaum vorstellen kann, daß das in sie reinpaßt), gefrühstückt.
Mit den Nachbarn vom nächstgelegnen Gutshaus telefoniert, die haben so eine Art Auffangstelle für Katzen. Nach einigem hin- und herüberlegen, ob ich vielleicht zwei Kater von 6 Monaten nehmen wolle und die kleine bunte Katze wird in der Auffangstelle aufgepäppelt (Neien! Die geb ich nicht her! Auch weil ich glaube, sie ist übern Berg.), zieht morgen, frisch von der Kastration kommend, ein Kater (der Bruder der beiden anderen) hier ein. Er ist Baustellenbewohner und hat Erfahrung mit unerzogenen Jungkätzchen. Hoffentlich funktioniert das.
Dann fuhren wir nach Rostock und klapperten Baumärkte ab. Bei den beiden ersten hielt ich mich wacker. Im Bauhaus suchte ich dann die dort vorsorglich aufgestellten Bänke mit Ruhekissen auf. Während der Graf Schrauben sichtete, machte ich sogar ein kleines Schläfchen.
Ich bekam die Bestätigung, daß das mir dem Kater klappt, während wir Goldrandteller im Gebrauchtkaufhaus sichteten. Jetzt haben wir genügend Teller, daß wir vielen Menschen Suppe ausgeben können.
Ich machte Zwischenstopp im Freßnapf und kaufte ein paar Notwendigkeiten für den neuen Mitbewohner. Solche Läden sind für mich fremde Welt. Teuer und alles ist marketingtechnisch emotional besetzt.
Dann aßen wir bei Ikea und kauften nicht mehr als Servietten und Kekse.
Zurückgekehrt, ging ich in die Badewanne, mein Rücken zwickte schon seit gestern Abend.
Und jetzt ist Schlafenszeit.

WMDEDGT November 2019

Frau Brüllen fragt immer am Monatsfünften, was wir den ganzen Tag gemacht haben.

Ich stand um 7 Uhr auf und ging hinunter, die Katze füttern.
Seit gestern wohnt die kleine bunte Katze in der ehemaligen Küche am Seiteneingang und lernt Hofkatze und Mäusejägerin.* Dann heizte ich den Ofen an und frühstückte in Ruhe. Draußen regnete es seit 36 Stunden.
Gegen 11 gingen wir in einer Regenpause nach draußen. Der Graf war gestern Abend mit dem Transporter auf der Wiese stecken geblieben. Er puzzelte mit Spaten und Wagenheber Bretter und Bohlen unter die Reifen. Der Boden hat derzeit die Konsistenz von Wackelpudding. Ich blieb Laub harkend in der Nähe, falls er Assistenz brauchte und die Katze tobte über die Wiese. Die Kühe des Biobauern waren von den Weiden wieder in den Stall getrieben worden und erzählten sich lautstark wie der Sommer war. (Und riefen nach ihren Kälbern? Keine Ahnung. Aber die sollten jetzt weg sein, die waren ja schon groß.)
Irgendwann fing es wieder an zu regnen, ich harkte weiter, zog aber die Katze unter dem Auto vor und brachte sie rein.
Der Graf war irgendwann aus dem Loch raus, mußte aber noch 30 Meter matschige Wiese überwinden, ohne sich wieder festzufahren. Ich harkte weiter und war langsam feucht.
Irgendwann war es geschafft und ich auch.
Ich setze eine Waschmaschine mit unseren schmutzigen und nassen Sachen an, machte das Curry von gestern warm und ging unter die heiße Dusche. Wir aßen, es regnete und wurde langsam dunkler. Ich war hundemüde, die letzte Woche war anstrengend.
Ich cancelte die Baumarkttour, die der Graf mit mir geplant hatte, baute noch einen gerade gelieferten Katzenschlafplatz, eine ovale Höhle aus Filz, zusammen und brachte sie nach unten. Das war eine gute Wahl. Fortan war die Katze da nur noch mit Futter herauszubekommen.
Ich machte es ihr nach, legte mich hin und schlief fast drei Stunden.
Dann hing ich Wäsche auf, räumte die Geschirrspülmaschine aus und setzte mich strickend vor den Fernseher. Und dann war Schlafenszeit. Im Kuhstall aber noch nicht, die Damen haben grade eine aufregende Zeit.

Nachtrag: Ich dachte beim Laub harken intensiv und lange darüber nach, wie wichtig es ist, ab einem bestimmten Alter seine Dinge geordnet zu haben. Materiell, finanziell und mental. Die Freundin, die mich gestern wegen des Nachlasses ihrer Eltern um Hilfe bat, hat kucken lassen, warum sie es nicht schafft. Das Haus ist völlig kaputt und noch nicht abgezahlt, es ist messihaft zugestopft und Schulden und unbezahlte Rechnungen gibt es auch. Sie wiederum kann noch nicht loslassen und will die irrsinnige Anhäufung von Zeug detailliert sichten. Ich kannte ihre Eltern. Das hätte ich nie gedacht. Sie müssen gelebt haben, als wären sie unsterblich.

Die anderen Einträge sind hier.

*Das war ja alles ganz anders gedacht, es sollten zwei Maikätzchen sein, von denen eine starb und die andere nun bei der Freundin meines Bruders lebt. Dann gab es bei den Nachbarn noch einen Septemberwurf und ich hatte mit wenig gutem Gefühl (weil zu spät im Jahr für Hofkatzen) zugesagt, zwei zu nehmen, sie sollten aber lange bei der Mutter bleiben, bis sie viel gelernt hatten und kräftig waren. Man kann ja prima Pläne machen… Als die Kleinen drei Wochen alt waren, kurz vor dem Kälteeinbruch Anfang Oktober, verstieß die Mutter sie. Die Nachbarin und ich zogen drei mit der Hand auf, von denen zwei es nicht schafften. Die Bunte war von Anfang an die kräftigste, sie hat es bis jetzt gut überstanden, obwohl es lange nicht so aussah und sie einiges an Entwicklung nachholen muß. Eigentlich sollte sie bis Ende des Jahres zu Katz und Kater zurück in den Stall, aber die Mutter verjagte sie. Und nun ist sie jetzt schon bei uns und bekommt wahrscheinlich noch eine Gefährtin an die Seite.
Der Graf ist erst mal so mittel amüsiert, weil: ist klein, wuselt rum und hört nicht aufs Wort, aber das wird sich schon geben.

04.11. 2019

Einfach nur müde.
Und ein etwas schlechtes Gewissen. Die Freundin, deren Mutter so plötzlich starb, fragte, ob wir kommen können, um zu helfen. Der Nachlass ist großes Chaos auf 400qm. Aber das ist fast der Job, den wir hier seit anderthalb Jahren täglich machen. Dann kämen noch 7 Stunden Fahrt dazu. Ich mußte das absagen.