Im Dschungel unterm Regenbogen

Gestern abend radete ich von Schöneberg nach Kreuzberg, bepackt wie ein Hamsterer. Denn ich hatte Kartoffeln, Eier, Butter, Schinken und einen kleinen Kitty-Schoki-Kuchen im Rucksack.
Am Maibach-Ufer stockte die Tour, wie allwöchentlich hatten sich die LKWs der Markthändler ineinander verknäult.
Mit strammem akademischen Viertel kam ich beim Herrn Lucky an. Dort erwartete mich bereits der Hausherr mit einer eine gekühlten Flasche Sekt und drei Pfund Spargel.
Die Schälarbeiten mußten in der Küche stattfinden, da über uns grade ein Gewitter für den heutigen Weltuntergang probte. Das brauchte aber nicht lange und verabschiedete sich mit einem Regenbogen und Abendlicht in Eistönen.
So aßen wir denn im hauseigenen Dschungel, umgeben von wilden Ranken, Knospen und Blüten, die nach dem Gewitter wieder sanfte Abendparfums verklappten. Bis auf die leider zusammengerutschte Hollandaise (ist mir ewig nicht mehr passiert) ein Genuß, aber selbst die schmeckte, sie offenbarte nur, wie brutal viel Butter in ihr ist.
Daß Spargel in Verbndung mit Alkohol bewußtseinserweiternd wirken kann, wußte ich garnicht. Um uns herum war alles überscharf, gleißend und intensiv farbig.
(Vielleicht ist ja der georgische Tschatascha auch aus weiteren Dingen als Pflaumen, die ich zu riechen glaubte, gebrannt.)
Der Vollmond ließ uns, warum auch immer, in Ruhe. Wir philosopierten über die Liebe im Allgemeinen und die Lust im besonderen. Mein Credo für alle Lebenslagen war auch hier: Machen ist besser als Denken und Reden.
Als ich nach Mitternacht aufbrach, kochte Kreuzberg. Massen an jungen Menschen gingen für die hedonische Revolution auf der Straße. Die Spezies Sommermann, die Frau Modeste neulich so treffend kategorisierte, wie auch Mädchen auf klapprigen Fahrrädern mit pinkfarbenen Velourslederstiefelchen.
Good old Schöneberg schlief schon, wie erwartet, und auch ich rutschte in einen trunkenen Schlaf.

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6 Gedanken zu „Im Dschungel unterm Regenbogen

  1. Herz, wir hatten doch besprochen, es ist eine ganz besondere „körnige“ Hollandaise, und die wird der Superhit, wenn wir sie erstmal vermarkten…
    Eigentlich hat nur noch der Vollmond gefehlt, aber der kam auch Stunden später nicht um die Ecke, gömisch!
    Schee wars, Sie sind immer herzlich willkommen in der Villa Lucky! Und den winzigkleinen (öh) Rest vom Kuchen gibts gleich.

  2. Das hört sich schön an. Spargel gab es heute auch, allerdings in weniger charmanter Gesellschaft.

  3. REPLY:
    ich habe gestern auch noch auf den vollmond gewartet. wo der sich rumtreibt!
    und ich vergaß, die kreation hieß sauce hollandaise grenée…

  4. REPLY:
    Nein, die Eltern vom J. waren da und sprachen vier Stunden immer das Gleiche.

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