23.07. 2019

Um 3:30 Uhr aufgestanden. Irgendwie stadtfein gemacht. Der Graf fuhr mich zum Bahnhof.
Im fast leeren Zug eingeschlafen, mit dem Hintern zum Gang. Vom eigenen, sehr lauten Schnarchen, völlig verdreht zwischen den Sitzen hängend, umgeben von Pendlern aufgewacht. Eine verwirrte Entschuldigung ob meines derangierten Zustands und Benehmens in die Runde gesprochen.
Zum Zahnarzt gefahren, der schon die Lupenbrille aufhatte und der mich nach Beklopfen des gestern übel schmerzenden Zahns (der, als er die Terminvereinbarung mitbekam, natürlich sofort ruhig wurde) in den Raum mit Liege, Mikroskop und Röntgengerät brachte.
Die Zahnwurzel war entzündet und bei der Wärme könne das nur schlimmer werden.
Das war etwas überfallartig und unerwartet. Als alter Zahnarztschisser bin ich gern auf so etwas vorbereitet. Er bohrte sich durch die Krone, bastelte eine halbe Stunde mit winzigen Geräten und machte die Baustelle erstmal wieder zu. Der Abschluss der Arbeiten wird Ende August passieren. Danach saß ich eine Viertelstunde im Wartezimmer, um zu realisieren, daß ich noch lebe. (Da tat nichts weh. Das ist meisterhafte und sehr zugewandte Arbeit. Aber es gab in der Kindheit mal einen Zahnarztbesuch, der mir Wurzelkanalbehandlungen in den Bereich von Folter verschoben hatte.)
Ins Lafayette gegangen und vorsichtig, ohne den Kaffee aus dem tauben Mund laufen zu lassen, gefrühstückt. Beim Kleiderschweden einen divenhaften scmhwarzen Sonnenhut gekauft, denn es wurde heiß. Dort ein bißchen Klamotten gekuckt. Es ist im Moment übel. Die Preise sind immer mehr gefallen, die Materialien werden immer schlechter und eine Kollektion jagt die andere. Wer will so was kaufen?
Nach Kreuzberg auf den Stoffmarkt gefahren. Manchmal frage ich mich, ob die jungen Männer, die direkt an der Tür stehen und stationenlang nicht aussteigen, von jemand dafür bezahlt werden. In jeder U-Bahntür so ein verpeilter Jungmann, der höchst verwundert darüber ist, daß sich andere hektisch an ihm vorbei schieben.
Gleich am Anfang vom Markt am Naturstoff-Stand 50 Meter Schleiernessel gekauft. Bei der Gelegenheit noch zwei Kilo Kirschen mitgenommen.
Mit dem Herrn Lucky telefoniert, der mich aufpicken würde. In eine winzige leere Kaffeebar gesetzt, die Kreuzberg-Kooperativen-Style hatte. Man verkaufte Mao-Anzüge und Mützen aus Kaffeesäcken. Paßt ins Hipster-Universum. Espresso auf Eis getrunken.
(Immer wieder nach innen gehorcht, wie es aussieht. Es war schließlich sehr warm, ich hatte jede Menge Procain im Körper, das ich schlecht vertrage, war in der Nacht aufgestanden und hatte kaum Ruheplätze gefunden. Eigentlich müßte ich ein panisches Wrack sein. Aber mir ging es gut.)
Nach einer halben Stunde vorm LPG in der Reichenberger aufgestellt, und siehe da, ein schickes rotes Auto kam.
Herr Lucky nebst Gatte fuhren mit mir aufs Dorf. Ich schlief auf dem Rücksitz etwas, wir machten Pause und aßen Eis und dann fuhren wir weiter.

Auf dem Dorf angekommen, erstmal alle einquartiert, zur Nachbarin gegangen und Salat, Eier und Sauerkirschen geholt. Im Gegenzug Süßkirschen aus der Stadt hingebracht.
Durchs Haus geführt und auf der Terrasse Wein getrunken.

Köstlich von Herrn Luckys Gatten bekocht worden, mit Doraden aus den Ofen, Salat und Kartoffelspalten. (Gut, Salat und Kartoffeln waren Teamwork, aber die Doraden waren ein Gedicht.)
In die Nacht hinein geplaudert. In der Dämmerung beherrschte ein hohes Mückensirren den Himmel.

Irgendwann in der Küche aufgeräumt und ins Bett gefallen.

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