20. Das beste Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast

Das war so eine Sache. Ich las wahnsinnig gern, aber ich ließ mir auch hier nichts vorschreiben.
Mal abgesehen davon, daß ich längst haufenweise Erwachsenenbücher las, als auf dem Lehrplan noch Kinder- und Jugendliteratur stand.
Die nächste Sache war die schematische Interpretation der Literatur. Das ist halt Schule. So wie heute bei jedem Buch und jeder Geschichtsepoche über die Rolle der Frau gesprochen wird, mußten wir das Augenmerk legen auf den Proletarier, Underdog oder aufgeklärten Bürgerlichen (der dann doch in den Fesseln seiner Zeit etc.). Laaangweilig!
Wir lasen Thomas Mann Mario und der Zauberer und es ging hartnäckig immer nur um das eine: da ist einer, der Menschen verführt und einer, der ihm widersteht. Was meint das? Ja, antifaschistischer Widerstand…, bla…
Ich interessierte mich in dieser Zeit eher für Dr. Faustus und hatte Wälsungenblut und Der Tod in Venedig gelesen.
Als ich dann Lehrer hatte, die sich ein wenig mehr Freiheiten trauten, über Stilistik sprachen und auch freies Schreiben über die Texte zuließen, hatte ich längst mein Interesse ans Theater verloren. Ich pinselte nebenbei in der Theaterkantine noch ein paar Gedichtinterpretationen, über die sich dann die Deutschlehrerin fast überschlug vor Lob, aber mich interessierte es nicht mehr richtig. Trotzdem bin ich ihr dankbar dafür, daß sie mein freies Denken zugelassen hat.
Viel vom der Schulliteratur habe ich Jahre später dann gern ode überhaupt erst einmal gelesen. Die Kunst bestand schließlich darin, einen Aufsatz über Faust zu schreiben und ihn nicht gelesen zu haben.
Und der Faust, der treibt mich noch immer um, das ist eines der wichtigsten Bücher.
Der ganze Fragebogen.

Auch das noch:

6 Gedanken zu „20. Das beste Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast

  1. Das mit dem Faust freut mich. Manchmal sehe ich da mein Alter in den Vordergrund gerückt, weil ich noch aus einer Generation stamme, bei dem der Faust besonders gut ankam.

  2. lesend… auf meinen zugfahrten… bin ich froh, der schule und der analyse entronnen zu sein.
    manchmal lese ich einen autor nochmal, den man uns damals verabreicht hat und kommt zu ganz unterschiedlichen empfindungen. der hoch verehrte hesse langweilt mich, der faszinierende max frisch fasziniert mich immer noch.
    und gerade auf dem heimweg von hamburg stellte ich fest, dass der neue j. iriving, durch dessen erste zweihundert seiten ich mich gleich dreimal quälte, nun seit seite vierhundert, mich vollkommen gefangen nimmt.

  3. REPLY:
    Analyse war in der Schule kein Problem. Wirklich keines. Der Deutschprofessor der letzten zwei Jahre brachte uns auf Lyrik und ein Drittel der Klasse haben einen Beruf, der mit der deutschen Sprache zusammen hängt.
    Hesse bedeutet mir heute auch nicht mehr das, was er einmal hat. Langweilig ist er gar nicht, aber er ist ein „Mannautor“. Es ist vollkommen logisch, dass er eine Frau langweilt. Mir ist sein mannbezogen heute auch ziemlich widerlich. Er kommt mir ziemlich verklemmt vor.
    Aber das ist ja das Gute. Von ihm habe ich gelernt, dass Vögeln das Wichtigste ist. Und das ist nicht langweilig:)

  4. Das beste Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast:

    Lenz. Deutschstunde.
    Wassermann. Das Gold von Caxamalca, Novelle.

  5. REPLY:
    Lenz stand leider nicht auf ostdeutschen Lehrplänen. Aber ich mag ihn.

  6. REPLY:
    bei irving ist das doch eigentlich immer umgekehrt grandiose erste 200 seiten, dann 150 durchhängende, bei denen man sich fragt, warum er weitergeschrieben hat und man selbst weiterlesen sollte und was das alles oll und dann 50 seiten riesenfinale mit pauke und trompeten.

    hesse…
    narziß und goldmund habe ich durchgelesen und sofort wieder vergessen. den steppenwolf habe ich jedesmal nach 20 seiten wieder wegelegt. vielleicht ist es tatsächlich diese druckvolle verklemmtheit, die mich nervte.

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