Verglüht

Das wars dann mit Tagebuch. Die Tage sind derzeit einfach zu voll.
Am Wochenende waren wir in Dresden, weil der Graf an einer Tagung teilnahm und ich floh, nachdem ich den Grafen morgens abgeliefert hatte, immer nur in die Kühle. Am Samstag saß ich unter einer Weide neben dem Schloß Pillnitz im Schatten, am Sonntag ging ich gleich ins Militärhistorische Museum, weil es da kühl und menschenleer war.
Wir hatten Quartier in Loschwitz und benahmen uns genau so wie die Touristen in Berlin. Saßen in den Touribiergärten, fanden disneylandhaft hergerichtete Stadtteile allerliebst und suchten cool places in der Neustadt. Meine Lieblingsorte, das Nymphenbad morgens bei Sonnenaufgang und der Friedrichstädter Neptunbrunnen, den ich noch als trockene zerfallene Ruine kenne, ließen wir aus, zu heiß, zu früh.

Das Militärhistorische Museum ließ mich sehr erstaunt zurück. Zum einen fand ich es ganz groß, Krieg und Militär so tief in gesellschaftlichen und kulturellen Kontext einzubetten, zum anderen fühlte ich mich schwerst überpädagogisiert. So, wie die Ausstellung gestaltet ist (ich habe im historischen Teil allerdings nur die Neuzeit gesehen, das ist alles viel zu umfänglich, aber das Konzept zieht sich durch), lässt sie Militaria-Fetischisten gottseidank draußen, urteilsfähige Menschen kommen aber zu kurz, finde ich.
Man stelle sich vor, eine Gesellschaft definiert ihr Verhältnis zu Nacktheit und Sexualität neu und baut eine Gemäldegalerie um. Statt der üblichen Ansammlung schwelgenden Fleisches in mannigfachen Aktionen und Posen inklusive Erklärungen zu Künstlern und Ikonografie gibt es nun die Schlummernde Venus, einen Mädchenraubschinken und Leda und den Schwan, aber immer nur ein Bild, verbunden mit einem Wust von Erklärungen zu Schwänen, Reitunterricht und einem Exkurs zu Schlafbekleidung, damit sich ja niemand daran erregt.
Ja, das Verhältnis zu gesellschaftlich sanktionierter Aggression hat sich massiv gewandelt, wie überhaupt das Verhältnis zum Umgang mit Aggressionen. Aber wie verändern sich Gesellschaften dann? Haben wir wirklich eine Strategie dafür? Man muss nicht Ian Morris heißen, um zu wissen, dass Krieg allzu statische und undurchlässige Gesellschaften durcheinanderwirbelt, ein Vorgang, der qua Besitzstandswahrung sonst seltenst passiert.
Auch dem  Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs schleppen Kriege hinterher. Die friedliche Revolution war nur in einem historisch engen Zeitraum und Areal tatsächlich eine, wenn wir uns aktuelle Ereignisse anschauen.
Meiner Familie, Menschen, die allesamt am Kriege führen nicht interessiert waren, hat der zweite Weltkrieg im Ergebnis einen gesellschaftlichen Aufstieg aus der Arbeiterschicht ermöglicht, den sie sonst nie gemacht hätten. Hätte es Alternativen gegeben?
Haben wir Alternativen? Warum lesen wir dann heute noch für Managementtechniken Sunzi und Clausewitz? Mit diesen Fragen kam ich aus dem Museum.
Zumindest eine Frage hatte sich mir beantwortet. Am Abend vorher diskutierte der Graf mit mir über Uniformen und warum die Infanterie nicht so augenfällig gekleidet ist, wie die Marine oder die Flieger. Ich lernte etwas über den Krieg der Massen im industriellen Zeitalter, der den Krieg Mann gegen Mann ablöste und die neuen personifizierten Helden, Flieger und U-Boot-Kapitäne.

Am Montag fuhren wir zurück und hielten für ein Stündchen in Zabeltitz, um das Schloss anzusehen. Das liegt sehr verwunschen und still in eine ruhigen Heidelandschaft. Leider ist es keine Unterkunft, es gehört der Stadt Großenhain, die es scheinbar als Eventlocation benutzt.

Dann hatte uns Berlin wieder, mit Lärm von der Weinerei, der sich nach Mitternacht aus dem Spielplatz fortsetzte, europäische Spielkinder eben, und Hitze, fürchterlicher Hitze.

16/7/14 Tagebuchbloggen

Gestern klingelte der Wecker früh, weil ich mich mit einer Freundin traf, deren Website eine neue Struktur und die eine Einführung in Facebook für ihre berufliche Seite braucht. Bei Facebook kann ich nur sagen: Einfach machen. Das ist so komplex, das kann man nicht erklären.
Danach brachten der Graf und ich die Nähmaschine zum Händler, damit er uns in zwei Tagen das Stickmodul vorführen kann. Wie immer standen wir erst mal in diesem Laden, der ist seit kurzem übervoll und ich konnte mit Freude feststellen, dass mein englisches Nähvokabular gut abrufbar ist. Die Verkäuferin verstand eine Kundin nicht, die dicke Nadeln und Garn für die Nähmaschine brauchte, um eine Hängematte zu nähen.

Dann fuhren wir nach Friedrichshain zur Wasserstelle, der Kühlschrank soll demnächst mal an die Leitung abgeschlossen werden. Der Laden hat Websitegewirr. Hier und hier. (Verschiedene Zielgruppen???) Die bräuchten auch mal jemand, der ihnen die Kommunikation sortiert. Ich mags ja nicht, wenn man mich so anbrüllt bzw. mir Eso-Kram aufschwatzt.

Da wir gerade in der Richtung Osten unterwegs waren, fuhren wir weiter stadtauswärts und testeten die Seen um Kaulsdorf/Mahlsdorf/Biesdorf. Wir schwammen eine Stunde im Habermannsee und machten wunderbare Sozialstudien über alte und junge Ossis.
Als ich wieder Richtung Ufer schwamm, waren an meinem Einstieg zwei junge Frauen im See, die die ganze Zeit wassertretend plauderten. Über ihre aktuelle Diät, was sie essen dürften und was nicht, wie ihre Gewichtsentwicklung sei, wie sie gesündigt hätten, dass sie die Woche über jeden Tag Sport treiben müssten, damit sie am Wochenende bei Muttern mal Kuchen und Kartoffelsalat zu sich nehmen könnten. Ich kriegte Ohrensausen von diesem körper- und essenreglementierenden Gerede.
Als ich mich abtrocknete, beschlossen sie auch, aus dem Wasser zu kommen. Denn: “Boah, das zieht schon richtig an den Oberschenkeln und Armen, wenn man so lange schwimmt.” Ja, nee, is klar.
Die eine war normal, die andere vom Körpertyp her etwas weich und üppig. Völlig normale, unterschiedlichen Menschen also. Vielleicht ist diese Körper- und Ernährungsfixiertheit ja auch eine Form von Volksablenkung. Sie frisst Braintime.

Der Abend verging mit Schreiben über Tracht und Dirndl am offenen Fenster.
Und wenn mir jemand weiterhelfen kann, wie ich ein “for editorial use” getaggtes AP-Foto ins Blog bekomme, ohne abgemahnt zu werden, bin ich sehr dankbar. Ich muss das Foto ja nicht umsonst haben, wenn es kostet und ich es mir leisten kann.

15/7/14 Tagebuchbloggen

Der Zustand der zu kurzen Tage hält an. So langsam komme ich darauf, dass es daran liegen könnte, dass ich neben dem Urlaub mit dem Mann noch mein Pensum an Arbeit und Freizeit packen will. Klassisches Miz Kitty-Multitasking “dit schaffen wir schon alles, bis wir auf die Schnauze falln”.
Ich sortierte die Ideen einer Kundin, die sie mir am Wochenende in 5 oder 6 Mails rüberschickte. Dann kam ein Schreibpensum. Außerdem liegt ein schönes Projekt im Nestchen, dass aus dem Anlass vom Samstag stammt.
Danach war es auch schon wieder so weit, dass ich mir ein Gesicht aufmalen und zu Tante und Cousine fuhr, die um die Ecke eine Eventagentur betreiben. Auch wenn wir nur 5 Minuten mit dem Fahrrad voneinander entfernt sind, wir schaffen es nur alle Jubeljahre, uns zu sehen, denn wenn ich in Richtung Mauerpark fahre.
So verging der Nachmittag sehr schnell. Danach saßen der Graf und ich noch etwas im Fleury und schlenderten durch unseren Kiez. Was für ein schöner Tag!

14/7/14

Der Zustand, dass die Tage zu wenig Stunden haben, hält an. Gestern machte ich mit einem Tag Distanz für mich eine Analyse des Anlasses am Samstag, das beschäftigte mich ziemlich lange. Eine kurze Pixelschubsen-Schicht folgte. Und mir kam die Erkenntnis, dass ich lange auf die Bezahlung einer Rechnung warten kann, wenn ich den Vertrag noch nicht an die Institution zurückgesendet habe. Kopf -> Tisch.
Da mal wieder eine Urlaubsanschaffung ansteht, telefonierte ich herum, wer uns ein Stickmodul für meine Nähmaschine vorführen kann. Das ist super. Die Verkaufsdamen in den Nähmaschinenläden machen nämlich nichts lieber, als Maschinen vorzuführen, die über einen Computer zu steuern sind. Nicht. Aber für hunderte Euro etwas zu kaufen, das man nicht arbeiten sieht, das geht ja wohl gar nicht.
Dann machte ich an meinem Kleid weiter. Ich kam sehr schnell in die Phase “ich hatte mir das toller vorgestellt”. Der Stoff hat haptisch einen höheren Plastikanteil als vermutet, denn die Viskosefäden sind fast vollständig von Synthetikfäden umwebt. Das gibt Kittelschürzen-Feeling. Dann sah meine nonchalante Balance-Änderung vorn doch nicht so gut aus, wie erhofft. Meh. Aber ich war flott und präzise, Wenigstens was.
Ich hoffe einfach inständig darauf, da ich demnächst eine Handvoll Schnitte zusammen habe, die ich immer wieder machen kann, ohne mir jedes Mal einen Wolf zu ändern.
Zwischendurch rührte ich mal Spaghetti zusammen, aber im Große und Ganzen war das  der Montag.