Jenseits der digitalen Kluft

Sehr bemerkenswertes Gespräch mit der besten und dienstältesten Freundin. Jetzt subjektiv notiert, hat sie vielleicht anders im Kopf.
Ich rede darüber, daß die Wahrscheinlichkeit hoch ist, daß ich Männer, potentielle Partnerschaftskanditaten, treffen werde, die jenseits der digitalen Kluft leben. Die weder verstehen werden, was ich im Netz tue, noch den anderen Ansatz von privater Öffentlichkeit kennen (wollen). Die geängstigt, veränderungsresistent oder konservativ kulturkritisch sind.
Wie die Freundin meint, daß ich das zu akzeptieren hätte und ich dann wieder den Weg in die richtige Kommunikation mit richtigen Menschen fände.
Nein, dafür lebe ich schon viel zu sehr in der Moderne, das ginge nicht. Mein digitales Leben gefällt mir, es bereichert mich.
Das ist wie einem Internetausdrucker oder Dateien-in-Verzeichnis-Kopierer das Wesen von Suchfunktionen, CMS und Datenbanken zu erklären. Das Denken ist anders.
Die Freundin ist die einzige (neben der Familie, aber das ist was anderes), mit der ich noch stundenlang telefoniere. Das Festnetz habe ich vor allem noch wegen ihr, weil das unser Verständigungsweg ist, zusammen mit während der Telefonate aufgerufenen Webseiten und hin und her gehenden Dateien.
Als ich ich sagte, daß ein Mann, der mein Tun im Netz nicht akzeptiert, kein Partner für mich wäre und sie fragt, was denn wäre, wenn sie mir sagen würde, daß sie das nicht gut findet und ich ihr antworte, daß damit unsere Freundschaft auf dem Spiel stünde, gibt es mir einen Ruck. Ich habe so etwas noch nie gesagt. Wir kennen uns mehr als 25 Jahre, wir können über alles reden.
Dann der übliche Exkurs: zu privat, völlig unverständlich, so etwas in die Öffentlichkeit zu bringen, Pseudokontakte, soziale Verarmung, Vereinsamung, etc. Das kommt von einer Schriftstellerin, die ein sehr gastfreundliches Haus mit vielen Besuchern hat und die ihr Grundstück zweimal jährlich für Fremde öffnet, um Einblicke in ihr Leben und Schaffen zu zeigen.
So wie HeMan, der, wenn ich mit ihm übers Bloggen sprach oder ihm einen Text schickte, der mir gefiel, sich echauffierte, daß die Leute, die Zeit hätten, so was zu schreiben und kommentieren, alles arbeitslose Loser wären. Das kam von einem Menschen, der kein Telefonat unter einer halben Stunde führen konnte, ob geschäftlich oder privat.
Es verunsichert mich, mich so weit von meinen Nächsten zu befinden.

Auch das noch:

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46 Gedanken zu „Jenseits der digitalen Kluft

  1. diese angebliche vereinsamung durch 2.0 ist doch ein witz. durchs bloggen und die vernetzung auf facebook habe ich mehr soziale kontakte im „echten“ leben, als wenn ich nicht bloggen würde.

  2. REPLY:
    Ja wir, die wir diesen Austausch seit Jahren erleben, wissen das. Aber auch ich habe eine Freundin, die sich immer wieder erleichtert äußert, wenn ich mich persönlich mit Internetbekanntschaften treffe – sie sorgt sich, diese Nähe könnte eingebildet sein. Doch auch wenn diese Art des Kontaktes nichts für sie ist (was ich respektiere), akzeptiert sie, dass andere anders sind und freut sich für mich.

  3. Einspruch, Einspruch, Einspruch.

    Lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen von Menschen, die offensichtlich gängige Klischees unreflektiert übernehmen. Meine Einstellung für mich persönlich: Ich erwarte nicht, dass jeder Mensch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis versteht, was soziale Netzwerke anno 2010 sind, was sie können und wo ihre Grenzen sind, aber ich erwarte soviel Aufgeschlossenheit, dass nicht auf Vorurteilen herumgeritten wird.

    Anmerkung: Der beste aller Ehemänner und ich haben uns im Netz kennengelernt; wir haben beide nicht gesucht und uns trotzdem gefunden. Von Losertum kann keine Rede sein, und auch bei jenem Teil unseres Freundes- und Bekanntenkreises, der via Internet zu uns gestoßen ist, findet sich niemand, den man auch nur annähernd als Nerd bezeichnen könnte. Wir haben jeder für sich und auch mitsammen via Inet viele interessante, liebenswerte und unsere Leben realiter bereichernde Menschen kennengelernt, denen wir aus geografischen und beruflichen Gründen sonst nie begegnet wären.

  4. REPLY:
    ja, das begreife ich als den großen gewinn. daß wir der statistik ein schnippchen schlagen und auch noch jenseits der 35 viele neue menschen kennenlernen und das wir jederzeit die freiheit haben, uns zu treffen.

  5. REPLY:
    das mit dem losertum hat mich wirklich umgehauen, vor allem weil es von jemandem kam, der vor 5 jahren einer der vorreiter des mobile marketing in deutschland war (allerdings als vertreter des klassischen marketings und die brücke zu den jungen technologien schlagend).
    wenn ich dann immer aufzählte, welche berufe und personen hinter den nicknames standen, war das für kurze zeit akzeptiert, bis das vorurteil wieder aufploppte.

  6. Immer diese Mauslegastheniker ;-) Ich finde es schlimm, wie sich jemand 2011 noch als Internetverweigerer outen kann (wenn er nicht gerade weit jenseits der 70 ist oder so…), aber es gibt erschreckend viele Leute selbst in unserem Alter (oder gar zehn, fünfzehn Jahre jünger), die von tuten und blasen aber mal sowas von keine Ahnung haben – und auch gar nicht haben wollen. Das sind genau die, die dann angerannt kommen, wenn ihr Drucker nicht druckt oder irgendsoein Sch… „Du kennst Dich doch mit Computern aus“ – „Ja, mit richtigen Computern, geh mir fort mit Deinem Windows-Geraffel…“. Oder sich darüber beklagen, daß sie ja gar nicht mehr mit ihren Kindern mitkommen, was das alles angeht – selbst Schuld sage ich nur. Man kann schließlich alles lernen, wenn man nur will (OK, manche Leute sind in der Tat einfach zu blöd für Computer, da ist dann Hopfen und Malz verloren). Oder die eben solche Schwachsinnsthesen von der „digitalen Einsamkeit“ unreflektiert nachplappern, ohne auch nur im Entferntesten zu wissen, was wir hier eigentlich so treiben. Ne, also mit so jemand könnte ich auch nicht. Genausowenig wie mit einer Musikhasserin.

  7. ich glaube, dass das selbstverständliche integrieren der virtuellen welt in das eigene leben die „eingeborenen“ von den „zugereisten“ unterscheidet. und noch sind die zugereisten in der überzahl. also die, die nicht integrieren.

    mir gehts wie den meisten hier: wie viele interessante, spannende und nette menschen hätte ich nie kennengelernt, wenn es das internet nicht gäbe. mein leben wäre so viel ärmer!

    das – unser – leben im netz nicht zu akzeptieren empfinde ich als unglaublich seltsam! es ist „nur“ eine weitere welt, die man sich erschließen kann oder auch nicht. ebenso wie fremdsprachige kulturen. oder neue sportarten. oder was auch immer.
    es käme doch auch niemand auf die idee, einen menschen nicht zu akzeptieren, der sich beispielsweise die welt des wintersports erschlossen und dort andere menschen kennengelernt hat, nur weil der nicht-akzeptierende schnee nicht mag.
    (keine ahnung, ob mein beispiel verständlich ist – es war ein sehr langer tag heute …)

    zusammengefasst läuft es wohl – wie so oft – auf ein misstrauen allem unbekannten gegenüber hinaus. aber wieviel neues und schönes man sich damit verbaut …

  8. ahhh, virtualmono hat dieselbe idee, war schneller und hat es noch netter formuliert :o)

  9. Also ich finde ihr Bekannter hat Recht!
    Ich bin derjenige den er gemeint hat. Ich bin EU-Rentner,hab also nichts zu tun und wahnsinnig viel Zeit um diese auch im Internet zu verbringen. Hmm, aber irgendwie mach ich ja auch noch anderes, z.B. mich mit ihnen zum Kaffee in einem schönen Café treffen und darüber austauschen was Mann und Frau noch so machen. Lass ihn reden. Meine Schwiegermutter (Mitte 60) fragte mich letztens erst wie ich das mit dem Blog mache und ob ich ihr das twittern zeigen kann. Also ich hab wirklich viel zu tun und finde trotzdem noch die Zeit für’s Internet und meine Lieben.
    Vielleicht ist der Kommentar etwas verwirrend, aber ich denke es sind nicht nur Menschen die viel Zeit haben die das Internet leer saugen auf der Suche nach Informationen oder einfach nur Unterhaltung. Wenn mich jemand beim ZEITHABEN unterstützen will, meldet euch bei mir. Kontakt über Frau Koma.
    Und jetzt eine gute Nacht. Morgen ist wieder ein anstrengender Tag mit viel ZEITHABEN oder auch nicht.

  10. REPLY:
    Ich weiß ja, daß sie sich Gedanken macht, wie die Freundin von Frau Kaltmamsell auch.
    Es gibt so viele, die im Internet nur Nutzer sind und nicht Gestalter. Die Facebook z.B. nur nutzen, um Spiele zu spielen, die ihnen angeboten werden.
    Ich gestalte, wie viele andere hier auch, Inhalte fürs Netz.
    Und das mit der Technik… Das verfolgt mich seit ich mit Computer zu tun hab. – Wobei die Freundin dafür einen sehr fitten Sohn hat.

  11. REPLY:
    Nee, sehr verständliches Beispiel. Wintersport ist ja auch sehr gefährlich. Es ist kalt, man kann sich was brechen…

  12. REPLY:
    Bitte nicht lachen. Ich habe gerade begriffen, was eu-Rentner bedeutet. Ich dachte immer, das hätte mit der eu zu tun…
    Aber Scherz beiseite, zeithaben ist was wunderbares.

  13. REPLY:
    *g* – das dachte ich im ersten Moment auch (EU)… aber spassig stelle ich mir das auch nicht vor, auch wenn man dann vielleicht jede Menge „Zeit hat“ (letztendlich hat ja sowieso jeder gleich viel Zeit, nämlich 24 Stunden pro Tag – und wer sich Zeit läßt, der hat auch Zeit, denn nehmen kann man sie sich sowieso nicht, woher auch?).

  14. REPLY:
    gutes benehmen bringt einen weiter, hat meine oma immer gesagt.
    sie sind ein gutes beispiel für leute, die wenig wissen, aber viel meinen.

  15. REPLY:
    Ein Beispiel bin ich für niemanden. Soviel Einschätzung aus sowenig Kenntnis ist schon beinahe amüsant. Der Spruch der Oma hat sich offenbar noch nicht in der kompletten Familie herumgesprochen …
    Aber das ist Ihr Blog und Ihre Kreise sollen nicht weiter gestört werden …

  16. So genug um diesen Eintrag gestrichen, jetzt haue ich auch noch i die Tasten, obwohl fast alles, was ich nach meinen Besuchen auf diesem Eintrag schreiben wollte, bereits auf ide eine oder andere Art geschrieben wurde, aber es geht a auch irgendwie um die Interaktivität.
    Auch ich könnte mir einen Partner jenseits der digitalen Kluft nicht wirklich vorstellen. Mein Zukünftiger Ex nutzt das Netz eher interpassiv, auch ihm sind Blogs
    und BloggerInnen eher fremd, auf Facebook geht er ganz in der
    Farmarbeit auf. 

    Freunde, Familiemitglieder und viele Menschen in der Bergheimat können und wollen nicht verstehen, was ich da mit diesem Internet habe – die meisten wissen es auch gar nicht. Die Mutter ist eifersüchtig, wenn ich bei meinen Versuchen neben "Marienhof" zum Netbook greife.

    Gerade während der Trennung in den letzten Monaten, ist mir das Netz Netz und bereichert mein wirkliches Leben unendlich. Hätte ich es nicht wäre ich sehr einsam und müsste viel allein in Lokalen rumhängen um Menschen zu treffen, kennenzulernen, ich mag’s mir gar nicht ausmalen…

    @ steppenhung: Mein Erstkontakt war die Black Box 1992 also gleich eine Art Community, aber ich kannte wen, der damals schon länger eine Compuserve-Adresse hatte, das hat mir sehr imponiert…

    Einfach eine zusätzliche Welt…

  17. Also ich verstehe nicht, was damit gemeint ist. Aber da wird mich hoffentlich noch jemand aufklären:)
    Also ich bin im Internet und ich bin stolz darauf ein NERD zu sein. Erst seit dem Internet weiß ich überhaupt, dass ich einer bin. Ich war es schon viel früher:)
    Aber was ist schon das Internet? Compuserve – da war man noch echte Elite. Das heute schon jeder ins Internet kann, finde ich überhaupt nicht gut. Diese Leute sollen alle vereinsamen Wer weiß denn schon, was dieses Internet überhaupt ist und wo es wohnt? Wo befindet sich denn das Internet?
    Und überhaupt: alles Schlechte kommt vom Internet. Kinderpornografie, Nazi-Verabredungen, Revolutionen – ganz schlimm ist das.
    Außerdem ist das ja alles ganz falsch. Es ist ja gar nicht das Internet. Das hat’s schon 1980 gegeben. Niemand hat davon gewusst, außer eben ich und andere NERDs. Eigentlich ist damit WWW gemeint und die Nachfolge und mittlerweile wieder das Internet in einer ganz anderen Ausprägung, wenn ich z.B. Skype betrachte. (Obwohl ganz ohne www geht das ja auch nicht.)
    Aber eins sage ich allen denen, die sich mit dem Internet nicht auseinander setzen wollen:
    ihr gehört in die Appalachen, zu den Amish, zu den islamischen Fundamentalisten. Oder ihr seid anständig und bekehrt euch zu einem asiatischen Einsiedlertum mit einer Tasse Reis täglich. Denn ohne Internet ist bereits 90% eurer Lebensgrundlage vernichtet. Ihr dürft weder im Supermarkt einkaufen, noch ein Auto fahren (außer ein Ford Model-T), noch Fernsehen oder Musik aus der Konserve hören. Selbst Filme im Kino dürft ihr euch nicht ansehen.

    Ja, es ist schon besser, ohne Internet zu leben, aber ihr müsst euch eure eigene Musik machen und nicht etwas aus der Konserve holen.
    So und jetzt geh ich wieder Klavier üben für ein Konzert, das ich geben werde, wo einige der Zuhörer durch das Internet mit mir verbunden sind und daher auch persönlich eingeladen werden.

    Also jetzt: WAS IST DAS INTERNET?

  18. REPLY:
    Liebe Frau Koma, es geht doch eigentlich nur mal wieder um Toleranz.
    Auf beiden Seiten.
    Eine Freundschaft oder Partnerschaft primär von Hobbys oder Vorlieben abhängig zu machen, heißt ja nichts anderes, als das der Mensch selbst nur sekundär von Belang ist.
    Da entgeht einem eine ganze Menge. Finde ich. :-)

  19. REPLY:
    was er nicht gesagt hat, lesen sie bitte richtig.
    er hat bezweifelt, daß autoren von blogs beruflich erfolgreiche menschen sind. Was widerlegen konnte.
    Denn die, mit denen ich umgang habe, sind es.

  20. REPLY:
    Ich glaube, ich kann mich als beruflich erfolgreich bezeichnen. Aber jetzt, wo ich über die Gefahren des Bloggens aufgeklärt worden bin, höre ich wohl besser auf damit:))

  21. REPLY:
    *prust* das ist wie mit den Zügen, die schneller als hundert Stundenkilometer fahren. Die Luft entweicht aus der hinteren Tür und die Passagiere ersticken. Gefährlich. Da fährt man doch besser mit der Kutsche.

  22. REPLY:
    Wie schön, dass jemand noch Großbuchstaben verwendet!

  23. Vorurteile sind immer, immer blöd. Ich habe auch so eine Freundin, die diesen Loser/Blogger-Vergleich mal angedeutet hat, es scheint aber mehr so eine Angst vorm persönlichen Schreiben generell und ein Unverständnis gegenüber dem Schreiben ohne Lohn zu sein.
    Weiter kommt sie nicht in ihren Gedanken, weil sie das Netz gar nicht versteht, diesen Reichtum an Infomationen, Stilen, Kulturen und Medien, das Exponentielle daran – sie braucht es nicht, sie hat keinen Hunger nach mehr, ihr kulturelles Interesse begnügt sich mit gelegentlichem Theater oder einem Buch ab und zu. Sie ist damit zufrieden, sie hat keine Zeit, es ist keine Priorität bei ihr. Und sie schreibt nicht. Das ist glaube ich der Hauptunterschied zwischen den Ufern der digitalen Kluft – die meisten Netzmenschen sind doch Gernschreiber, oder nicht? Und Neugierige, für die technologisches keine Grenze darstellt, sondern eine Brücke. (mon dieu, ich übe grade Großschreiben – ich kanns nicht mehr!). Soziale Netze sind ein riesiger Gewinn, aber wenn man schon satt ist?

    In meinem Freundeskreis gibt es sehr viele Leute ohne Netzidentität. Die meisten haben Kinder und Partner, sicher ist das Netz ein Zeitfresser, den Singles besser im Alltag unterbringen können. Ein Mann mit Vorurteilen wäre anstrengend, einer ohne Netz wär okay, auch wenn das gefühlt fast so wie „unkultiviert“ oder „uninteressiert“ rüberkommt. Kultur ist immer Verschwendung, immer ein Surplus an Energie und Leidenschaft, vielleicht ist das Netzleben ein sicherer Indikator dafür, dass jemand wach und beweglich ist, und hungrig bleiben wird.

  24. So oder so … die beschriebene Verunsicherung ist ein Symptom für Ihre Unsicherheit mit sich selbst, Frau Koma; wenn Sie Dinge (zu sehr) für andere tun, (zu sehr) abhängig von deren Reflektion werden/sind, dann nehmen solcherart Selbstbefragungen überhand. Auch sich HIERHER zu wenden mit solchen Überlegungen, gehört wohl dazu. Im Kern sind solche Reaktionen wie die der besten Freundin zusätzlich auch Sorgen um die eigene „Wichtigkeit“; ein Ergebnis von 2.0 scheint die Osmose von Innen- und Außenbeziehungen, das Ineinaderübergehen unterschiedlicher Sphären der Beziehungsnähe zu sein, unäbhängig vom körperlichen Kontakt.
    Alles, was Sie nicht für den Broterwerb tun, sollte Selbstzweck und nicht Anpassungs-, Ergebenheits- also „Dazugehörgeste“ sein. Dann kommen Sie nicht in die Situation, fragen zu wollen/müssen, was Nächste von dem privaten Tun halten. Sie tun es (für sich, fürs Selbstverständnis) mit innerer Wärme und ohne zu zittern.

  25. REPLY:
    Diese Trennung zwischen Arbeit und Freizeit ist nicht mehr zeitgemäss. Kontakte wie die in den sozialen Medien sind weder „Anpassungs-“ noch „Ergebenheitsgesten“ – es sind Beziehungen! Zwischen gleichberechtigten Teilnehmern im Netz.

  26. REPLY:
    Pardon.
    Diese Entgegnung selbst ist ein Symptom von Anpassung, Anpassung daran, dass sich mit Projektleben, Kostenlospraktizieren und potenzierter Selbstausbeutung (ökonomische Ursachen?) die „Verbindungen“ zwischen den Akteuren (mediale Folge?) ändern. Ich jedenfalls werde weiterhin „angepisst“ reagieren, wenn mein Gegenüber im „Kuchenrausch“ smart surft, während wir eigentlich miteinander reden wollten …
    Nichts für ungut.

  27. REPLY:
    das ruft die nostalgische erinnerung an meine erste email-adresse wach, die aus einer zahlenreihe bestand.

  28. REPLY:
    mäh! meine erste mailadresse war von aol.
    gut gebellt, steppenhund. es gibt halt einen unterschied zwischen internetpassivisten und -aktivisten.
    das ist wie im kaffeehaus nebenherstehen und zuhören, was diskutiert wird, aber selbst nicht den mund aufmachen.
    (die kaffeehausanalogie wird weiter unten noch etwas ausgeführt)

  29. REPLY:
    das mit dem satt verstünde ich. aber auch als vorsteherin einer großfamilie oder lehrerin kann man „satt“ sein und mag nach feierabend nicht mehr.
    aber eben auch nicht mehr ins theater, ins konzert oder in den sprachkurs, etwas neues lernen. offen bleiben für neues, auch wenn es erst einmal fremd daherkommt, das ist wichtig.
    ein mann ohne netz. hm. diese unkenntnis müßte er in anderer hinsicht doppelt und dreifach kompensieren. denn er erschiene mir sehr alt.

  30. REPLY:
    Anpassungs-, Ergebenheits- also „Dazugehörgeste“ it das nicht auch der grund, warum sie hier wieder und wieder kommentieren? auch mit bedenken und dagegensein sucht man kontakt, in diesem fall virtuellen kontakt. und sie sind mir wesentlich unbekannter als 80% meiner kommentatoren.
    es gibt eine art etikette unter den bloggern. wer wertend kommentiert, sollte auch den mut haben, sich selbst zu zeigen. passive raisonneure werden für feige gehalten.

    ich kann ihre angst verstehen. lesen sie sennett „die tyrannei der intimität“. er schreibt in einem kapitel über die veränderung der kommunikationsstrukturen in den wachsenden großstädten london, wien, paris im 18. jahrhundert. plötzlich sitzen im kaffeehaus leute miteinander am tisch und diskutieren, die sich oft nur aus diesem zusammenhang, vom sehen und reden kennen. sie sind weder miteinander verwandt, noch verschwägert, noch gleiche standes oder verfolgen großartig gemeinsame interessen. da werden plötzlich in der öffentlichkeit politische oder philosophische pläne ausgeheckt, spione tauchen auf, geständnisse werden gemacht. das gab es bisher nur in clubs, salons und hinterzimmern, wo klar war, wer dabei war und es zugangshürden gab.
    was unterscheidet eine kaffeehausrunde von einer diskussion im netz? die körperliche präsenz? (übrigens war es die zeit, in der es verpönt wurde, andere menschen zu berühren. das victorianische zeitalter dämmerte) die speicherfähigkeit? 10-15 menschen nehmen die diskussion aus dem kaffeehaus im kopf nach hause und verbreiten sie. das ist unpräziser als die speichermöglichkeiten des netzes. übrigens vergißt das netz sehr schnell. man muß es nur zu bedienen wissen.

    die diskussion zwischen meiner freundin und mir hat mich deshalb emotional so angekickt, weil ich ihr nicht zugetraut habe, das sie so unfähig ist, sich in diesem teil meines lebens hineinzudenken.
    wie wenn mir meine älteste freundin plötzlich sagen würde, sie hätte ja nichts gegen homosexualität, es wär aber schon abartig und es würde sie freuen, wenn ich mich therapieren ließe, um mich wieder auf normale kontakte einlassen zu können.

  31. REPLY:
    Sie junges Dirndl. Wenn sie von AOL war, dann hatte AOL schon Compuserve gekauft. Das war ja schon die Verwässerung #1 :)

  32. REPLY:
    … verehrte Frau Koma, wissen Sie, diese Etikette könnte mich ja noch kalt lassen; Sie aber womöglich zu nötigen, auf einen gefühlt unappetitlichen Störer reagieren zu müssen, werde ich Ihnen ganz sicher nicht weiter zumuten.

  33. REPLY:
    @glam – 100046.430 *hihi*… Zahlen konnte ich mir schon immer sofort und unbegrenzt lange merken, mein allererstes Passwort auf der Uni-Sperry weiss ich auch immer noch, weil es mit einer Nummer anfing.

  34. REPLY:
    ich habe jetzt die anonymen kommentare ausgeschaltet.
    die sollen doch bei spon bleiben.

  35. REPLY:
    sind besserwisser etwa auch nur einfache menschen?

    (das geht ja ab hier in den kommentaren, ist ja fast wie in der echten wahren onlinepresse, wo sich im schutze eines bekloppten nicks ein nicht-notwendigerweise-normaler normalverbraucher mal so richtig auskotzen kann!)

  36. Ich habe mich vor einigen Jahren länglich mit einer langjährigen Freundin verkracht. Sie warf mir mein Online-Leben vor und verweigerte sich, in meinem Blog zu lesen.

    Ich finde es übrigens interessant, dass durchaus einige Freunde und Freundinnen nicht meine Texte im Netz lesen, obwohl sie immer herumschwärmen, dass ich doch so gut und mehr schreiben müsste. Aber dem Publikationsmedium verweigern sie sich, was ich völligen Quatsch finde. Da bin ich arrogant genug, zu sagen: Wer sich für mich und mein Leben interessiert, von dem erwarte ich als Freund oder Freundin einfach, ab und an mal auch und sei es noch so unverbindlich in diesen Teil meines Lebens hineinzuschauen.

    Bei aller Liebe: Es kommt mir auch immer furchtbar gestrig vor, wenn jemand keinen Funkfernsprecher oder Internet hat. Aber das ist meine höchst subjektive Empfindung.

    Die besagte Freundin lebte und lebt übrigens immer an einem anderen Ort und gerade sie müsste eigentlich die Qualitäten des Internets und des Kontakts miteinander schätzen können. Schaun wir mal. Es gibt eine vorsichtige Annäherung, nach sechs Jahren, ausgelöst durch den Tod nun ihres Vaters. Und sie hat sogar schon mal im Blog kommentiert und wir wollen uns demnächst wieder einmal treffen, wenn es im RL passt.

    Und in einen Mann verlieben, der diesen Teil meines Lebens so gar nicht akzeptieren oder verspotten würde? Nein, wahrscheinlich nicht.

  37. REPLY:
    ich bin zwiegespalten. daß heman nicht mitlas, fand ich angenehm.
    aber jemand, der das, was ich schreibe, so komplett ignoriert (da geht es mir genauso wie ihnen), weil es nicht im richtigen medium stattfindet, da krieg ich n fön.
    so hat sich auch meine allerbeste studienfreundin disqualifiziert. sie bewegte sich nach dem abschuß in richtung oper und staatstheater, ich in richtung schauspiel und fernsehen. und dann kam irgendwann der spruch von ihr, sie könne meinen job und die firmengründung nicht ernstnehmen, weil es nichts mit kunst zu tun hätte. da ist mir damals die kuchengabel aus der hand gefallen.

  38. REPLY:
    ich habe auch lange mit twitter gefremdelt. inzwischen ist das meine bürokonversation. mal mehr, mal weniger.
    das, was früher live-bloggen war, ist jetzt twitter.
    und was sie da über ihre letzten 10 jahre sagen, das kann ich nur unterstreichen.

  39. das geschriebene wort ist ein anderes als das gesprochene. es ist meist durchdachter oder zumindest kopiert. allein deswegen lehne ich diese oberflächlichkeitsdebatte grundlegend ab. da wird verbal oft deutlich seichter ausgetauscht.

    und die losernummer ist auch irgendwie durch. es gibt selbsterständlich viele spinner und selbsttherapierende im netz. aber warum auch nicht, das entspricht in etwa dem schnitt der bevölkerung. ich habe ebensoviele erfolgreiche wie gescheiterte existenzen online kennen gelernt. und ich habe wirklich zu 100% nur nette leute dann auch „real“ getroffen [das geschriebene wort kann sich über einen längeren zeitraum nicht verstellen]. aber das für mich wichtigste: ohne das internet gäbe es meinen sohn, im prinzip mein ganzes leben der letzten 10 jahre nicht. ich könnte definitiv niemals mit jemandem zusammen leben, der das ganze nicht versteht.

    btw.: ich verweigere selber vor dem twitter [finde ich okay, aber ist halt nix für mich] und facebook krimskrams [finde ich vollkacke], mein online verhalten ist also durchaus ein ambivalentes.

  40. Vor einigen Jahren galt es noch als chick, sich mit dem „INTERNET“ nicht auszukennen. Ich glaube aber, diese Gruppe wird immer kleiner, stirbt weg oder orientiert sich neu. Abgesehen von der Vereinsmeierei gibt es nirgendwo soviel soziale Interaktion wie im Internet, über Orts- und Altersgrenzen hinaus. Die digitale Kluft wird sich schließen, und spätestens in 10 Jahren hat der Internetabstinenzler den Status des digitalen Analphabeten.

  41. REPLY:
    gut beobachtet.
    deshalb geht es mir auch so, daß ich menschen, die ich kennenlerne, die mit internet nichts am hut haben wollen, als alt und nicht mehr neugierig empfinde.

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