Wegen Trunkenheit

hatte ich ganz vergessen: Ich habe auf dem Schlachtensee tatsächlich einen Schwan aus der Hand gefüttert. Fühlt sich in etwa so an, wie bei einem Pferd, man ist sich nicht sicher, ob der Finger hinterher noch dran ist.

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Gestern war dann endlich Tag X. Ich hatte mit einer sehr akribischen Sprecherin schon seit Monaten für eine Hörbuch-Aufnahme, besser für einen Trailer dafür, geprobt. Erotische Literatur, naja, eher schon literarisch-pornografisch.
Es gab schon immer mal wieder den Moment, wo wir vor lauter aufgworfenen Lippen, störrischem Blondhaar (er), bzw. weichen, seidigen Haarvorhängen, rosa-bräunlichen Pigmentierungen (sie) und stehenden (er) bzw. hängenden (sie) Geschlechtsmerkmalen leichte Übersättigungserscheinungen hatten, ähnlich der von zuviel Süßkram.
Gestern saßen wir auch noch mit einem echten Sahneschnittchen im Studio und mußten über die per Tonspur transportierte Pornösität von Sätzen, wie … ach, sie wolln das garnicht wissen … diskutieren. Irgendwann hatte kein Begriff mehr jungfräuliche Bedeutung, ob sich nun die Sprecherin die Lippen befeuchten sollte, ich in eine saftige Pflaume biß oder der Ständer (fürs Buch) gerichtet werden mußte.
Zu Hause angekommen, hätte ich nur noch das Bügelbrett geben können. Die Produktion von Antörnendem ist sehr sehr abtörnend.
Statt dessen schaute ich mir mit dem Grafen lieber den Sonnenuntergang im Mauerpark an.

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Instagram hat mich jetzt auch und zwar mit #609060 (bitte einfach googeln oder in Instagram suchen), wo sich normale Frauen – es entspann sich auch gleich der Disput, was normal sei – also Frauen fotografieren sich in echt. Nicht weil sie grad so toll dünn sind, Model werden wollen oder mit Photoshop gebastelt haben, sondern so, wie sie am Tage herumlaufen. Zuerst nahm ich das als zu eng wahr, denn als Homeofficer gehe ich seltener vor die Tür und oft bin ich dann entweder nur Mülltonnen-fein oder richtig schick und furchtbar in Eile. Als sich dann aber die ersten Zu-Hause-Mütter-und -Arbeiterinnen fotografierten, sagte ich mir: Du solltest auch, Kitty!
Nun bin ich mittlerweile sehr schlecht darauf eingerichtet. Mein alter Silberrücken tuts noch, Geld für ein neues Schlau-Telefon ist nicht da und Instagram, das sich dafür anbietet, war für mich immer uninteressant, weil da vornenehmlich Essensfotos, die aussahen wie aus dem Kochbuch meiner Mutter, gepostet wurden. (Und diesen „Hach! Entsättigte Farben!“-Hype kenne ich schon aus der Kunstfilmerei bis zum Abwinken.)
Ok., jetzt bin ich also auch dabei. Ich habe schon einen exklusiven optischen Filter im Telefon, seit mir vor 2 Jahren auf Sardinien dieser Salzschleier auf die Linse diffundiert ist und die App läuft auf meinem alten Betriebssystem auch nicht mehr. Ich knipse, sende ans iPad und poste von dort. Kompliziert, aber macht Spaß.
(Für alle, die sich noch nicht richtig wahrgenommen fühlen – ich muß  mich erstmal eingewöhnen.)

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Manchmal fällt man echt rein beim Restaurant-Testen. Der Graf lümmelt neben mir und gummelt in sich rein, daß er 40 Tacken für einmal richtig übel werden ausgegeben hat und ich habe noch immer das Odeur von leicht angegangenem Fleisch in den Sinnen.
Dabei sah das Foto einer Essensportion, das wir auf Twitter entdeckt hatten, verführerisch aus. Und uns war wieder mal nach Wiener Schnitzel. Also radelten der Graf und ich in die Fichtestraße ins Wirtshaus zum Mitterhofer. Die Karte sah sofort nach „Au ja, ich eß mich einmal durch!“ aus. Aber beim zweiten Bissen hätte ich das Fleisch reklamieren müssen. Nun ist das so, daß ich auf bestimmte Dinge sehr, sehr sensibel reagiere. Ich schmecke und rieche ranzige Butter, Kork im Wein oder leicht hinübernes Fleisch schon, wenn andere noch die Schultern zucken und verständnislos schauen. Ich wollte mich einfach nicht blamieren und den Abend nicht versauen, indem mir ein empörter Koch erklärt, das wäre spezielles Spezial-Biokalbfleisch, das müsse doch aber immer so usw. Es war auch nur die eine Seite des Schnitzels, die ziemlich angegangen war, die andere schmeckte halbwegs ok. Wer weiß, was war, vielleicht der Anschnitt des Stücks von gestern, denn es war erst am späten Nachmittag… Auch mir ist nicht wohl und ich habe eigentlich einen Pferdemagen. Selbst ein Schnaps half nicht.

Ich hab dann mal eine Mail hingeschickt, mal schauen, was passiert. Ärgerlich.

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