Von trüber Kälte zu kalter Helle

Sollten Sie im Moment gute Laune haben, lesen Sie das besser nicht.

Im Moment habe ich die Wahl zwischen mit dem falschen Bein aufstehen oder aber tagsüber gar nicht in Tritt kommen und nachts hyperaktiv rumrödeln. Das ist beides mentalhygienisch nicht so optimal. Aber es ist halt die schlimme, endlose Zeit von Januar bis Ende Februar, die in Berlin sehr unangenehm sein kann, weil kalt, eklig und trübe.
Im hinteren Eingang vom U-Bahnhof Rosenthaler Platz trocknen wieder stinkende Urinseen, in denen die hier ansässige Population polnischer Penner nachts auch schläft, weil der Park zu kalt ist. Auf dem Bahnsteig taumeln sie besoffen und zugedröhnt herum, es ist eine Frage der Zeit, bis mal einer vor die U-Bahn fällt.
Wer von diesen Leuten noch in der Lage ist, einige Zeit ohne Alk und Zigarette auszukommen, geht in die Bibliothek und wärmt sich auf. Und stinkt. Infernalisch.

Aber auch der normale männliche mittelalte Bibliotheksbenutzer kann ein niederschlagendes Odeur entwickeln. Nach ungeduscht, in Klamotten im ungelüfteten Raum auf dem Sofa rumgeranzt und Pizza gegessen und anschließend im T-Shirt geschlafen. Dann geht mann morgens in die Bib und lüftet etwas aus. Wääääh!

Führen wir das Thema olfaktorisch auffällige Männer noch etwas fort. Ich habe in dieser Woche zwei Krankenhäuser betreten. Zweimal kamen mir Männer in Unterwäsche entgegen, als sei das normal. Ist das das Schicksal des männlichen Berliner Singles, nach einem Herzkasper ohne Notfalltasche im Krankenhaus zu landen und in den Einlieferungsklamotten rumzuschlurfen, weil Tinderdates einen leider nicht im Krankenhaus besuchen und Sachen bringen? – Allerdings, laut Herrn Glamourdick, der einige Zeit in einem Berliner Krankenhaus weilte, bringen manche Herren für einen eintägigen Aufenthalt weder Zahnbürste noch Handtuch mit, haben aber jede Menge Besuch.
Die Menschen, die am nächsten Morgen Hand an diese Typen legen müssen, tun mir echt leid.

Um bei unangenehmen Männern zu bleiben: Ich habe den orangefarbenen Mann aus meinen sozialen Netzwerken entfernt und mit ihm die albernen Memes, die seine Frau zum armen Opfer reden (seine Ex Ivana war intelligent, schön und clever, warum sollte die aktuelle Trophy Wive es nicht sein?) und die Panikmeldungen, die seine Handlungen begleiten. Was nutzt es, Dinge, auf deren Entwicklung man keinen Einfluss hat, anzustarren und seine Energie in hysterische Witzeleien, Erregung und Angstlust zu verschwenden? Vor der eigenen Tür zu kehren war noch nie so wichtig wie heute.

Nebenher: Ich habe keine Sorge um Falschmeldungen und Lügen. Ich habe eher Angst vor der enormen Wirksamkeit von geschickten Ausschnitten aus der Realität. Siehe das Video, das den amerikanischen Präsidenten als Despoten über sein armes Plastikhascherl charakterisieren sollte. Wer genau hingeschaut hatte, sah beim zweiten Mal, dass es ein Ausschnitt aus einem anderen Kontext war. Für solche Propaganda und Halbwahrheiten ist jede Seite empfänglich. Es hilft nur, wachsam und misstrauisch zu bleiben und immer wieder zu recherchieren und nachzufragen, was wirklich dahinter steckt und wem es nutzt.

Aber es war nicht alles schlecht in dieser Woche. Wir fuhren in schwärzester Nebel-Nacht durch Mecklenburg, um Wildschweinbraten zu essen und am nächsten Tag schien wieder die Sonne. Ich schwamm ziemlich schnell, ich schlief lange Nächte tief und hing noch ein Mittagsschläfchen dran und dem Kind geht es gut und der Babybauch wird immer runder.
Der Schnee auf 745m Höhe macht spaß und lässt mich von meinen im Keller wartenden Langlaufski träumen, die dereinst zur Ausstattung der Biathlon-Olympiamannschaft der DDR 1972 gehörten. 2m lang und mit Stahlkanten. Damit kommt man überall hin.

Was will ich mehr?

 

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