This Boots Are Made For Walkin‘

Ich habe mal in einem Buch über weibliche Gesundheit gelesen, dass weibliches Schuhwerk nicht nur zierend und fluchthindernd ist  (wie ich es vorher einsortierte), sondern dass das Einschließen der Füße in absurden Positionen sich auf Körper und Seele in der Gesamtheit auswirkt. Energieflüsse werden gehemmt und bestimmte Muskelpartien überspannt, andere wiederum kaum benutzt. Ergebnis ist das Weibchen mit gut präsentierten Brüsten, schlanken Beinen, präsentem Arsch, vom Hohlkreuz aus dem Focus gerückter Scham und entspanntem Beckenboden. Allzeit bereit, aber zurückhaltend, nur beschränkt handlungsfähig, aber begehrenswert schön.
(Nebenbemerkung: Körperoptimierung durch Deformierung ist weder eine Erscheinung moderner Zeiten noch eine, die sich nur auf Frauen beschränkt. Dazu braucht man nur altvordere Ethnologiebände zu durchblättern oder sich Bodybuilder-Fotos anzusehen.)
Und es funktioniert. Ich habe in meinem früheren Beruf alle Nase lang Massen von Fotos sichten müssen. Mein Rat an die Damen war irgendwann: Egal, was du sonst bei der Fotosession an hast, zieh High Heels an, dann stimmt die Körperspannung, man sieht die Schuhe ohnehin nicht. Wobei das Plaudern aus dem Nähkästchen allein schon Bände füllen würde…

Mit der Näherei beschäftige ich mich nun weniger mit der Präsentation von Frauen als Projektionsfläche, als mit der Skulpturierung von Körpern und dem Anbringen geeigneter Sichtlöcher auf die Haut. Was wir Frauen mit Kleidung, Haaren und Posen tun, zeigt der V-Effekt solcher Fotos am besten:
Männer in den Kleidern ihrer Freundinnen
Männer mit Damenfrisuren
Männer in Pin up-Posen
Immer mal darüber nachzudenken hindert uns nicht, unser Potential einmal mehr gezielt einzusetzen, damit eine starke Schulter zum Anlehnen zu uns findet, mit dem wir am Kamin ein gutes Glas Rotwein / am Strand unter Palmen / am nächsten Morgen mit Toast das Bett vollkrümeln (bitte die Singlebörsen-Textbausteine ihrer Wahl einsetzen) oder einen Mann, mit dem wir das Bett zusammenkrachen lassen können und mit dem wir den Rest des Lebens in den Sonnenuntergang reiten.

Meine Gedanken mäandern heute. Das muss die Nebenwirkung eines der in letzter Zeit leider häufig gewordenen Kopfschmerzanfälle sein. Je Hitzewallung desto Kopfschmerz. Aber es besteht Hoffnung, dass der ganze Sch… in eine paar Jahren vorbei ist.

Was ich eigentlich schreiben wollte. Das mit den Schuhen. Gestern Abend, nachdem ich beim Flanieren mit dem Gatten die letzten 1000 m nur noch unter Aufbietung von Ginger-Rogers-mäßiger Willenskraft schaffte (trotz meiner fußfreundlichen 15 Jahre alten Donna-Karan-Schuhe), recherchierte ich unter dem Stichwort „bequeme Schuhe“ im Netz nach denselben. Targeting sei Dank werde ich nun den Rest des Lebens Werbung für Blutdruckmeßgeräte und Damenkontinenzartikel angezeigt bekommen.
Das Ergebnis der Recherche macht Hoffnung. Es gibt nicht nur Oma- oder Ökotreter.
Weibliche Kleidung braucht nun mal weibliche Schuhe. Früher war ich ein- oder zweimal die Woche mit hohen Schuhen unterwegs. Meist so, dass ich nicht mehr als fünfzig Meter damit laufen musste und den Rest des Abends rumstand oder -saß. Den Rest der Zeit trug ich moderne Bequemschuhe: Sneakers, Wanderschuhe, Birkenstocks oder – sobald es warm war – Zehensandalen mit Korkfußbett.
Nun, auf dem Weg eine Dame zu werden, tut Veränderung not. Ich mag die Schuhe von Arcus sehr (Achtung, furchtabre Website!), zumindest die mit dem Ti-Leisten, ich hatte gestern ein Paar Clarks-Sandalen aus geflochtenem Leder an, die sehr schön sind, aber… braune und schwarze Schuhe für zarte helle Sommerkleider? Dann sind wir auch ganz schnell bei beige des Grauens unserer Großmütter. Ich werde wohl rote Schuhe brauchen für den nächsten Sommer…

Auch das noch:

10 Gedanken zu „This Boots Are Made For Walkin‘

  1. Der Unterschied zu historischen Schönheitsbemühungen ist halt die De-Elitisierung (Wort selbst erfunden): Seinerzeit war es ein minimaler Anteil der Gesellschaft, der zu sowas Zeit, Geld und Energie hatte, heute fühlen sich große Teile der Gesellschaft gemeint.
    Wirklich schöne Schuhe, in denen sich weite Strecken laufen lassen – man möchte meinen, dass da ein Markt ist. Doch vielleicht sind Füße so verschieden, vor allem mit mehr Lebensjahren, dass das Ideal nur mit Maßarbeit zu erreichen ist.

    • Schönes Wort!
      Ja, wir können uns heute in breiten Bevölkerungsschichten den Luxus von Schönheitspflege leisten. Aber auch in ganz einfachen Gesellschaften gibt es Körperzierden und -veränderungen, um dazu zu gehören und akzeptiert zu werden – spirituell wie sozial. Schmucknarben, Tatoos, Erdbemalungen, Kleidung (und wenn es nur eine Bastschnur ist).

  2. Was so als Ideal weiblicher Schönheit in den einzelnen Gesellschaften gilt, ist unglaublich interessant. Schauen Sie sich mal bolivianische Frauen an, ziemlich klein sind sie , und rundlich. Und sie tragen noch mehrere Röcke übereinander, um noch voluminöser zu erscheinen.
    An sie muss ich immer denken, wenn es um Normen und Körperformen geht.

    Bei den Schuhen bin ich jetzt bei Think und Tiggers angelangt. Bequem und haben trotzdem Absatz, auf dem man stehen kann. Die Modelle differieren stark, von extrem skurill bis normal und tragbar.
    Ja, auch in Rot.

    • Ich habe bei Think ein paar Favoriten gefunden, die werden es wohl sein. Im Online-Ausverkauf sind sie ja gut erschwinglich. Sind die eigentlich sehr weit?

    • Think sind ziemlich weit, die Tiggers auch. Ich steh ziemlich breit auf der Erde:)

  3. Beige mag ich auch nicht haben. Hellgrau oder silber. Oder so ein ganz zartes Eau de Nile.

    • Meine heißgeliebten Donna-Karan-Schuhe sind von einem gelblichen Zartgrau. Aber es scheint unmöglich, so eine Farbe noch mal zu finden…

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  5. Nicht nur die Schuhe selber, auch Kleidung selber verändert Energieflüsse, um bei dieser Formulierung zu bleiben. Stichwort: Reformkleidung, die einherging mit den Anfängen der Emanzipation. Es hat Gründe, weshalb ich seit Jahren eng sitzende Kleidung buchstäblich nicht (mehr) ertrage.

    Was die Schuhe angeht, rate ich Ihnen, zu versuchen, an Produkte von ara und Gabor zu kommen. Schönes Schuhwerk für alle Gelegenheiten und in vielen Farben, dazu äußerst komfortabel. Eine italienische Marke, mit der ich in dieser Richtung ebenfalls gute Erfahrungen gemacht habe, ist „Brunella“; überhaupt lohnt es, sich bei italienischen Schuhherstellern umzuschauen.

    • Ich weiß nicht warum, Ara und Gabor funktionieren schon nicht mehr. – Oder ich habe mit bisher die falschen Sorten davon angesehen. Miene Füße sind heikle Sensibelchen geworden, auch beim Joggen. Wahrscheinlich als Reaktion auf die 20 Kilo mehr, die sie zu tragen haben.

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