Die Gier, oh die Gier

Jetzt geht es los, das Verteilen, eins für dich, eins für mich, eins für mich, keins für dich. Alles klar? Wir wollen uns doch nicht streiten!
Mein Vater, mit dem Blick eines verwirrten Zugtieres, nickt alles ab. Er kann zwar ellenlange Formeln ausdenken und aufschreiben, die beweisen, das etwas von der Größe einer Zigarre tatsächlich fliegen kann, aber bei den ätsche-bätsche-ich bin schneller!-Spielen hat er immer verloren. Leider hat er mir das vererbt, zusammen mit einem leichten Asperger-Syndrom. Ich kompensiere das sonst mit Akribie und Bestimmtheit, aber in dieser Geschichte habe ich nichts zu sagen.
Das Haus ist voll mit Dingen, die kaum noch jemand braucht. Schon gar keiner, der ein flexibles Leben führt: ledergebundene Dichtergesamtausgaben, Kristall, Silber, Goldrandporzellan für ein ganzes Heer, Zinn, Tischleinen, Teppiche, Militaria, Antiquitäten und in Halbsätzen wird klar, daß die Hauptstücke alle schon einmal klammheimlich außer Haus waren, zum Schätzen. Einer weiß um den Wert der Dinge und hütet sich, konkret darüber zu sprechen, der andere möchte sich ungern damit beschäftigen, er kann die Gegenstände seiner Kindheit nicht in Geld ausdrücken.
Der eine ist ein windiger und erfolgreicher Geschäftsmann, der andere ein am Leben gescheiterter Wissenschaftler.

Auch das noch:

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5 Gedanken zu „Die Gier, oh die Gier

  1. Ich erinnere mich, wie «gute» Freunde das Teppichgeschäft meines Großvaters leer räumten, damit meine Oma noch schneller in die Pleite rutscht.

    Ich erinnere ich auch, das Einzige was ich von meiner Oma gewollt hätte, wäre ihr Steingutsalzfass gewesen: Müll. Ich habe mir dann später auf dem Antikmarkt selber eins gekauft. Das es nicht dasselbe ist, tut heute noch weh.

  2. Oh je… wenn man einen Menschen wirklich kennenlernen will, dann soll man mit ihm in Urlaub fahren… oder eine Erbschaft mit ihm teilen… heisst es…
    An letzterem ist schon so manche Familie(nidylle) zerbrochen…
    Und was mir sonst noch dazu eingefallen ist… das schreib ich jetzt besser gar nicht…
    Viele Grüße
    Aurisa

  3. …aus welchem film nochmal stammt dieses wundervoll zitat, dass wir nichts wirklich besitzen sondern nur für unsere lebenszeit eigentümer sind, um es dann wieder weiterzugeben?

  4. REPLY:
    es tut mir leid. ja, bei geld wird aus blut doch wasser… du weisst gar nicht wie sehr ich das kenne. es hat gar kein sinn sich darüber aufzuregen.

  5. familiären Umfeld waren zwei im selben Ort wohnhafte Brüder jahrelang wegen einer mickrigen Erbschaft, auf die keiner der beiden angewiesen war, so zerstritten, dass man sie nicht einmal bei Familienfeiern gleichzeitig zu Gesicht bekam.

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