Aus dem Nähkästchen

Da einer dieser glücklichen Castingshowgewinner sich gerade geweigert hat, zum ESC zu gehen, hier mal ein paar Hintergrundvermutungen: Die Gewinner von Castingshows sind mutmaßlich* verpflichtet, sich hinterher vom Produzenten eine fest definierte Zeit vermarkten zu lassen. Das könnten durchaus ein paar Jahre sein.
Damit wird es fast unmöglich, so fette Fische, wie die Teilnahme am ESC-Vorausscheid in den Teich zurückzuwerfen. (Denn die bringen wiederum lukrative Synergien.) Dass der Mann rund dreht und im ganzen mit der Situation nicht richtig zurecht kommt, zeigen die Beleidigungsvorwürfe und dass er heftig krank und nicht gerade happy auf der Bühne steht.
Das ist die Krux, wenn man Laien und Kleinkünstler „entdeckt“. Talent und Begabung ist das eine. Zu einem vermarktbaren Profi wird jemand, wenn er dann auch noch in harten Arbeitssituationen einsatzfähig ist und eine gewisse Resilienz mitbringt, was den Umgang mit Öffentlichkeit angeht. Und überhaupt will.

Die Aussage „Ich bin ein kleiner Sänger“ zeigt, dass der Mann gut weiß, wer er ist und was er will. Das Management wird im Strahl gekotzt haben. Respekt für diesen Mut. Ein Rausbeamen aus der angestammten Zielgruppe kann einen Künstler vernichten.
Dagegen Widerstand zu leisten ist nicht einfach. Die Verträge verlangen vermutlich weitgehenden Gehorsam und drohen mit hohen Konventionalstrafen im Fall der unbegründeten Ablehnung eines Auftrages oder beim Verraten von Hintergründen. Ein Großteil der Klauseln aus diesen Verträge ist vermutlich sittenwidrig. Nur, die Talente haben in der Regel kein Geld, sich darüber vor Gericht auseinanderzusetzen, denn schon so eine Konventionalstrafe in Höhe mehrerer Jahreseinkommen aus dem früheren Leben kann für die finanzielle Vernichtung sorgen. An Prozesse ist da gar nicht zu denken  Die Konventionalstrafe wird vermutlich gleich von den Einkünften aus dem Vermarktungsvertrag abgezogen, die drehen dir also wahrscheinlich den Hahn zu, damit du die Klappe hältst und brav mitmachst. Denn andere Einkünfte hast du in der Regel nicht mehr. Kaum einer zuckt nach dem gewonnen Castingwettbewerb mit den Schultern und geht wieder normal arbeiten.
Aber es gibt ja bei allen Castingshows ein Publikum.

Ich weiß, warum ich aus dieser Branche raus bin.

*ich benutze hier mal aus Gründen diese Form von Deutsch, wie die konkreten Verträge aussehen, weil ich nicht, ich kenne aber eine Menge Verträge

Auch das noch:

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3 Gedanken zu „Aus dem Nähkästchen

  1. Ob sich der Vertrag mit der ESC und der Castingvertrag da widersprechen?
    Öffentlichkeit muss man erst aushalten können. Für ihn war es wohl nicht auszuhalten.
    Nicht mehr mitzuspielen, da haben Sie recht, ist ganz schön mutig.

  2. Das erinnert mich an die Nichte einer Kollegin, einem musikalischen „Wunderkind“, die von ihrer Familie fast zum Musikstudium geprügelt worden wäre, und die sich mit gerade einmal siebzehn Jahren hinstellte und sagte: Ich kann vor Konzerten vor lauter Angst nächtelang nicht schlafen, hänge direkt davor jedes Mal über der Kloschüssel, und so stelle ich mir mein Berufsleben einfach nicht vor! Kluges Kind. Sie studiert jetzt Jura.

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