30.7. 10

Endlich Freitag.
Da meine alten Arbeitsrituale so langsam auslaufen, genieße ich sie. Freitag ist der Rechnung-schreib-Tag. Da ich einige komplizierte Abrechnungen aufgeschoben hatte, beschäftigte mich das bis zum Mittag.
Dann kam der Mann und wir bauten die Regale auf. Zunächst kamen wir bis zu dem Punkt: „Oh, da haben wir zwei Sachen verkehrt herum eingeschraubt, jetzt müssen wir die Sch… wieder auseinanderbauen.“ Dann sahen wir, das das vorvorletzte Billy dort nicht umsonst noch lag. Es hatte einen schweren Schlag an präsenter Stelle abbekommen.
Also komplett auseinanderbauen, wieder einpacken, zurück zu IKEA.
Dort eine Wartenummer ziehen (40 Leute vor uns) und aufs rote Ledersofa fallen, neben ein paar Schwangeren, von denen ich hoffte, das sie nicht gleich hier platzen und gebären.
Ich war inzwischen komplett unterzuckert und stierte nur noch vor mich hin. Der Mann machte sich im Bistro auf die Jagd nach etwas zu essen und rettete mein Leben mit einem kleinen Pappbecher Kötbullar und Cola.
Der Umtausch ging schnell. Auf dem Parkplatz wunderte sich der Mann darüber, was solo einkaufende Frauen so allein in ihr Autochen wuchten können. Ich grinste nur, das ist doch normal. Für einen Menschen, der IKEA nur zum Teelichter kaufen betritt und sich ansonsten seine nach 3-4 Monaten endlich gelieferten Möbel von Handwerkern aufbauen läßt, mag das verwunderlich sein.
Zurückgekehrt machten wir uns wieder ans Schrauben. Mittlerweile ohne die Aubauanleitung zu konsultieren. Als wir das Billy dann neben das 4 Jahre alte stellten, das mir das Kind dagelassen hatte, sahen wir einen eklatanten Qualitätsunterschied.

Auf dem Weg erzählte ich dem Mann Anke Gröners Geschichte erst mal ganz wertungsfrei.
Stell dir vor der Postbote klingelt, du machst auf und er hält dir ein Paket mit den Worten: „Ich habe ein Geschenk für dich.“ entgegen. Als du danach greifen willst, zieht er es weg und sagt: „Aber erst bitte sagen.“ Du sagst völlig baff und brav „Bitte!“, bekommst dein Paket und wirst dann von ihm etas anzüglich gefragt, ob du verheiratet seist.
Der Mann meinte dazu, er hätte mit Sicherheit nicht Bitte gesagt, sondern die Annahme des Päckchens verweigert und diesem Idioten die Tür vor der Nase zugeschlagen. Danach hätte er bei DHL ein Faß aufgemacht. Hätte dort angerufen und denen erzählt, daß der Paketbote eklatant die Grenzen des Professionellen überschritten hätte und verlangt, daß ihm jemand anders umgehend das Päckchen zustellt.
Das sagt der altgediente Werber: Demütigendes und grenzüberschreitendes Verhalten von Leuten, die einen treffen, weil sie einen Dienstleistungsjob ausüben, darf nicht hingenommen werden, weder von Frauen noch von Männern. Der Arbeitgeber bekommt sofort Feedback und zwar mit dem ganzen Schwung der Wut.
Nur werden Frauen hinterher als schlechtgedingste Zicken bewertet.

Nach diesem Tag und dieser Woche ging ich auf dem Zahnfleisch. Ich wollte nur noch Ruhe und durchlief dann doch noch aus Nettigkeit das „komm wir kochen nicht, sondern gehen eine Kleinigkeit essen, aber in ein Restaurant mit vielen Leuten und Essen, das dir und mir schmeckt“. Die Suche nach diesem Ort dauerte allein eine halbe Stunde.
Danach hatte dann eine im Hintergrund laufende ebay-Auktion nicht das gebracht, was erhofft war – unter anderem, weil sie beim ausgiebigen Restaurantbesuch etwas unterging – und so war die Stimmung fürs Wochenende perfekt.

Auch das noch:

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  • Uff!Uff! Meine Sonnenbrille ist wieder aufgetaucht!
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5 Gedanken zu „30.7. 10

  1. Muss in der Luft liegen, denn mein derzeitiger Status befindet sich bei: Mühsam beherrscht. Soll heißen: Ein Unwetter, das darauf wartet, sich zu ereignen.

  2. Was der Mann als Reaktion schildert, klingt plausibel und ich kenne ein paar Frauen, die auch tatsächlich so reagiert hätten. Aber selbst als Mann werde ich manchmal von Frechheiten so überrascht, dass ich quasi sprachlos bleibe und mir erst später ausdenke, wie ich reagieren hätte sollen.
    Ich vermute, dass Frauen viel öfter in so eine Rolle gedrängt werden und das dann noch sexistisch rüber kommt. Aber Männer können genauso überrollt werden und es ist ebenso ärgerlich. In Wirklichkeit ist es doch so, dass man von der Dummheit eines anderen Menschen angegriffen wird und zuuu zivilisiert ist, um ihm sofort „eine in die Gosch’n zu hauen.“

  3. REPLY:
    die schockstarre ist das eine und die konditionierung als braves mädchen bei vielen frauen das andere. da brave mädchen ist in solchen situationen sofort uns ungebeten zur stelle.

  4. REPLY:
    ach, ich war nur müde. aber der mann ist ein typ, der nichts in sich reinfrisst, sondern alles rausläßt, bis es ihm wieder besser geht.

  5. und die schockstarre und konditionierung macht es notwendig heute mädchen anders zu konditionieren und sie frühzeitig mit dem umgang solcher situationen vertraut zu machen. es gibt wohl nichts schockierenderes für einen „angreifer“ als einen gekonnten gegenschlag.

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