29.9. 10

Es war nicht mehr viel zu tun morgens. Die Sachen in den Trolley packen, Reisebrote schmieren und den Rest der verderblichen Lebensmittel den Schweinen bringen.
M.T. gab mir das gesamte Salz mit, das er ein paar Tage zuvor gesammelt hatte und verpackte mir eine kleine Flasche Olio Picante sorgfältig mit Tüten und Gaffer-Tape.
Dann fuhren wir los, in Sonne, Wärme und wolkenlosem Himmel. Es ging zunächst in den Süden, nach Cagliari, wo mein Flieger nach Berlin abging, am späten Nachmittag würde M.T. dann im Norden in Alghero ebenfalls nach Deutschland fliegen.

Ein schneller Abschied, dann durften ich auch schon in der Sicherheitsschleuse die Wanderschuhe ausziehen und allen meine salzverkrusteteten (Meerwasser! Nichts anderes!) Socken zeigen.

Die braven Deutsche standen schon am Gate Schlange und ich setzte mich in aller Ruhe zu einer Abschiedsrunde Salat mit Thunfisch und Rosato in die Agriolas-Bar.
Neben mir saßen zwei Russen. Er, dicklich, mittelalt, reichlich merkbefreit, sprach nur Russisch und schmatzte und schlürfte vor sich hin. Sie jung und schön, sprach gutes Englisch und war ausnahmsweise nicht wie eine Edelhure aufgemacht, sondern trug ein kleines Schwarzes, Dutt und die unvermeidlichen Killer-High-Heels.
Ich höre gern die Gespräche der Russen mit. Mir fallen längst vergessene Vokalbeln ein und manchmal muß ich mich bremsen, mich nicht an der Konversation zu beteiligen.

Zehn Minuten vor dem Abflug ging ich an Bord. Man blickte mich hoffnungvoll an. Ich war die Letzte. Ups. Ich setzte mich in der ersten Reihe neben zwei polnische oder balkanische Teenager. Die optimale Entscheidung war das nicht, denn sie schnatterten unentwegt, fotografierten sich im Blitzlicht und strömten das starke Zibet-Odeur dunkelhaarigen Frauen aus. Noch verstärkt dadurch, daß sie komplett in schwarze Plastikfasern gekeidet waren.

Vor der Berliner Kälte flüchtete ich erst nach drinnen und dann bald noch weiter nach drinnen ins Bett.

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