14.8. 10

Samstage sind ja immer so eine Sache. Denn obwohl der Mann und ich Freiberufler sind, gehen wir natürlich dann auf den Markt, wenn es alle tun. Aber an diesem Morgen war ohnehin schon alles besorgt und es regnete in Strömen. Ich wollte am liebsten im Bett bleiben ud zog den Moment des Austehens mit Kaffee und Zeitung noch etwas in die Länge.
Nach dem Frühstück tat ich diese fiese, längst ausstehende Sache. Ich kaufte mir zwei Hosen in der nächstgrößeren Weite. Grmpf.
Als wäre es nicht genug, daß ich derzeit aus den Umzugskisten Kleidung zutage förderte, die jetzt vielleicht meiner Tochter paßt.
Dann fuhr ich nach Schöneberg und packte und räumte wieder ein wenig. Nach einer Stunde kam der Ranger. Der Ranger ist Rheinländer und war mit mir in der Klinik. Er hatte sich die herzensbeste Rheinländerin geschnappt, die sich dort aufhielt und so sind nun zwei Menschen Mitte 50, die aus Einsamkeit und Arbeitsüberforderung depressiv wurden, ziemlich glücklich – und ich wünsche mir für die beiden, daß es lange so bleibt.
Der Ranger hatte mir eine Leiter und ein Tapetenabweichgerät geborgt, die nun wieder selbst brauchte, weil er mit der herzensguten Rheinländerin zusammenzieht.
Wir saßen noch auf einen Kaffee zusammen ud er hatte sehr viel zu erzählen. Unter anderem davon, daß er bei einer Stippvisite in der Klinik vier unserer Mitpatienten traf, die es draußen nicht geschafft hatten und wieder retour kamen. Bis auf einen, dem Überarbeitung (und Fitmach-Drogen?) heftig aufs Hirn geschlagen sind, waren es die üblichen Verdächtigen: Allein lebend, ohne Arbeit.
Die Zeit verging wie im Flug. Ich machte noch ein paar Handgriffe im Nestchen und fuhr zurück nach C-Burg. Am Abend gab es ein Treffen mit Freunden, die arbeitshalber in Moskau leben und ihren Urlaub in Deutschland machen. Sie berichteten, daß in Moskau die Luft unerträglich sei, wenn der Wind den Rauch der Brände heranträgt. Alle haben Angst vor Vergiftungen. Der Mann hat in der Firma, die er leitet, den Mitarbeitern freigestellt, ob sie zur Arbeit kommen oder die Stadt verlassen, da er die Verantwortung für Schäden nicht tragen will.
Der Abend verging mit viel Geblödel und Spaß, denn der Freundeskreis um dese Leute sieht sich nicht mehr so oft. Die zwei Kinder, die mit von der Partie waren, spielten geduldig bis nach Mitternacht mit Pokemon-Karten.
Ich war mit Kopfschmerzen aufgewacht und fiel, trotz Alkoholvermeidung, wieder mit Kopfschmerzen ins Bett.

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