14.7. 10

Ein wichtiger Tag. Um 9 Uhr stellte ich mein Auto an der Tanke an der Ecke ab. Es sollte noch einmal vollständig durchgeputzt werden, bevor ich zum Wertschätzungstermin fuhr.
Ich hübschte mich schweißfest auf und nahm meinen kleinen Panzer wieder in Empfang. Der junge Mann, scheinbar ein Ferienjobber, zeigte mir jeden entdeckten Kratzer. Als ich vom Hof fuhr, rief er mir noch nach: „Lieber das nächste Mal finanzieren und nicht leasen, dann dürfen sie das tolle Auto behalten und müssen nicht noch Kohle abdrücken.“ Süß.
Der Empfang in der „Mercedes-Welt am Salzufer“, wie man sich nennt, war wie immer, wenn ich dort ohne männliche Begleitung erscheine.
Man winkt mich wirsch weg „dit jeht hia nich“, als ich an der falschen Stelle parke. Ein alter Herr, der gleiches tut und sich aus seiner S-Klasse hangelt, wird wesentlich freundlicher darauf angesprochen.
Mein Verkäufer ist trotz Terminvereinbarung noch nicht am Arbeitsplatz. Ich frage mich durch und werde an einen Counter geschickt, der der richtige sein soll.
„Icke? Wer hat Sie denn zu mir jeschickt?“, fragt der Typ hinterm Schreibtisch, aber erbarmt sich dann doch meiner. Er nimmt die Daten auf, flippt mir einen Getränkegutschein über den Tisch und bescheidet mich, zu warten, der Verkäufer käme zu mir, wenn alles fertig sei, um das Ergebnis mit mir durchzusprechen.
Nachdem ich meine große Cola Light („Eiskaffee jibts nich auf den Gutschein, nur warmen und Softdrinks!“) getrunken, den Tagesspiegel zweimal und die Berliner Morgenpost einmal gelesen hatte, waren fast anderthalb Stunden um und mir reichte die Warterei.
Ich erkundigte mich beim Spender des Getränkegutscheins, ob der Wagen noch nicht fertig sei.
„Na schon lange! Wartnse ma.“
Ich machte ihm klar, daß ich nicht mehr warten wollte, weil mein nächster Termin anrückte. Er ging mit mir zu einer jungen Dame, die per Walkie-Talkie eine andere junge Dame kontaktierte, was denn der Verkäufer mache.
„Hattn Kundengespräch.!“
„Sarense ihm, die Frau … Wieshießensienochma? wartet auch auf ihn.“
…Spratzelfarz…
„Ja und, wat hatter jesacht?“
„Sie solln sich hinsetzen und warten.“
Ich war auf 180. Das die finanzielle Kulanz nicht ganz groß ist, wenn man kein Nachfolgemodell wählt, das wußte ich.
Das niemand auch nur ein Interesse daran hatte, eine markentreue Kundin bei der Stange zu halten und manierlich zu behandeln, auch wenn sie vielleicht erst in zwei oder drei Jahren wiederkommt, stank mir gewaltig. (Und ich habe dort keine Kettcars geleast.)
Ich telefonierte und verschob die nachfolgenden Termine. Am liebsten wäre ich sofort gegangen. Dann stand der Verkäufer glücksstrahlend vor mir, merkte aber sehr schnell, daß ich angefressen war und machte es kurz.
„Das ist teuer. Summe X.“
Ich überschlug alles kurz, zog die Minderkilometer ab, da ich den Wagen aus Krankheitsgründen ein halbes Jahr nicht gefahren war und fand es einigermaßen erträglich.
Den Verkäufer zog es schon wieder zum nächsten Kunden.
Ich sagte die Termine trotzdem ab. Die Hitze machte mir zu schaffen. Außerdem muß ich etwas aufpassen, wohin ich gerade meine Energie packe. Gerade die Leute, an denen ich Jahre nichts verdient habe möchten jetzt eine ausgiebige persönliche Beratung und möglichst in einer Kneipe in ihrem Stadtviertel. Ich sage natürlich erst einmal aus schlechtem Gewissen Ja und ärgere mich hinterher krumm und dämlich.
Ich fuhr nach C-Burg, hielt eine Siesta und setzte mich an die Arbeit. Am Tag zuvor hatte Babeltext, das neue Arbeitsfeld, den ersten Auftrag. Bezahlt. Was heißt, daß ich langsam in die Hufe kommen mußte, eine ordentliche Homepage zu machen. Sonst existiere ich ja garnicht mehr.
So verbrachte ich den Abend im Schein von Tastatur und Petroleumlampe auf dem Balkon.

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