WMDEDGT November 2015

Frau Brüllen fragt wieder, was wir am Monatsfünften gemacht haben.

Ich bin relativ spät aufgestanden, so gegen 8:30 Uhr. Aber es war ja Samstag, da ist das ok. Ich hübschte mich nach dem Duschen etwas, zog eine neu genähte Lieblingshose an, aus dünnem schwarzem Viskosejersey (eine nettere Variante der Jogginghose) und dazu ein schwarz-graues Ringelshirt.
Dann machte ich Frühstück. Das Seelchen verlangte warmen Grießbrei mit Zucker und Zimt statt kühlem Joghurt mit Früchten. Ich kochte glutenfreien Maisgrieß mit Milch, etwas Butter und einem Stück Vanillestange.
Dann setzte ich mich mit Kaffee und meinem Grießbreischüsselchen an die Zeitungen des Tages und las meine Timeline. Auf Facebook fand ich den Link zum tumblr

Die leeren Gesichter des deutschen Kinos

Ich amüsierte mich vortrefflich und nannte den Style kurz und bündig Caspar-David-Friedrich-Acting. Das große Geworfensein in die Welt und die Weite.
Wobei dieses „Gesichts-Rügen“, wie es jemand nannte, für mich tatsächlich eine Erklärung hat. Die qualitativ gute und seriöse Schauspielausbildung in Deutschland findet ausschließlich für die Theaterbühne statt. Schauspielerei auf der Bühne ist eine ganz andere Technik als für die Kamera. Viel Größer, Symbolischer, Beschreibender, mit Ganzkörpereinsatz. Wenn man dann noch, wie einige der dort Abgebildeten, nach der Brecht- und nicht in der Stanislawski-Lehre ausgebildet wurde*, dann liegt die völlige Entleerung der Mimik vor der Großaufnahme wesentlich näher als das Strassbergsche** „denk an die Blumenwiese als du fünf warst und du hast den authentischen Glow“.
Also das wäre meine Lach- und Sachgeschichte dazu.
Noch ein Nachsatz: Til Schweiger kommt aus der Strassberg-Schule. Der ist kein Theaterschauspieler. Diese Nasennebenhöhlensprechtechnik hätten sie ihm an einer deutschen Schauspielschule nicht durchgehen lassen.
(ah, in den Facebook-Kommentaren empören sich die ersten Schauspielerinnen über meinen Acting-Witz)

Nach dem Frühstück räumte ich die Spülmaschine aus und packte gebügelte Wäsche in den Schrank. Dann erinnerte ich mich daran, dass ich meine eBooks mit Calibre sichern wollte. Besser ist es, bevor mir in einem Lizenzstreit gekaufte Bücher unterm A… weggezogen werden. Nur, ärgerlicherweise läuft die Kindle-App nicht mehr auf Snow Leopard, ich kann mich bei meinem Amazon-Konto nicht anmelden. Da ist dann eben so, wenn ein Macbook 8 Jahre alt ist.
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Ich überlegte gerade, ob ich am aktuellen Chevron-Quilt weiternähe oder die Baskenmütze im Fair Isle-Muster weiter stricke, da klingelte eine liebe Freundin, die ihr Fahrrad in unserem Keller geparkt hatte.
Wir trinken Kaffee und plaudern ein wenig und ich erzähle davon, dass es mir mit der unerwartet positiven Änderung meiner Situation nicht spontan besser geht. Es geht um so viel, es ist so viel zu klären und ich fühle mich oft sehr kraft-, rat- und hilflos, dazu mißtrauisch bis ängstlich, was gar nicht so meine Art ist. Die Freundin hilft mit einem spontan diktierten Schriftsatz sehr, sehr weiter.
Als sie gegangen war, muss ich mich erst einmal hinlegen, etwas lesen und eine Runde schlafen. Ich las Das Testament der Jessie Lamb (Amazon-Link) zu Ende. Ein spannendes Buch, dessen Schluss zumindest ich sehr schwierig finde. Aber ich will nicht spoilern.
Als ich wieder wach war, regnete es so, dass ich das Vorhaben, einen Spaziergang zu machen, schnell aufgebe.
Ich strickte mein Fair Isle-Mützchen weiter und höre dazu Metro 2034 (Amazon-Link) als Hörbuch. Die Stimmung des Romans wird von meiner Stimmung und der verregneten Schwärze draußen gedoppelt.

Gegen halb neun Uhr abends überlegten wir, was wir noch essen könnten. Mir reichten Käsebrote mit rohen Gemüseschnitzen, der Graf holte etwas aus der Focacceria gegenüber und ich bekam ein Teilchen mit Thunfisch und Gemüse.
Dann strickte ich weiter, bis ich die Farben nicht mehr sehen konnte und ging zu Bett.

Das war mein Samstag. Es ist gerade alles etwas komisch und anstrengend und ich schleiche umher, als hätte mich jemand verprügelt, aber da muss ich durch.

Ach und als Bonustrack gibt es noch zwei schöne Autoren-Blogpost-Empfehlungen. Das Geheimnis des grauen Greifers und Like a Virchow.

Die anderen Einträge stehen hier.

 

*Kurz und grob umrissen: Stanislawski läßt den Schauspieler die Rolle fühlen und sich identifizieren, Brecht orientiert sich u.a. am asiatischen Theater und lässt die Schauspieler die Figur aus Elementen „bauen“ und distanziert vorführen, sie sind quasi Puppenspieler ihrer selbst.
** Wieder kurz und grob: Lee Strassberg ist der Vater der Camera Acting-Lehre. Er entwickelte den Stanislawskischen Ansatz, sich in eine Rolle einzufühlen, weiter für die Kamera. – Die oft sehr nahe ist und nur Teile des Körpers aufnimmt und damit Informationen über den Zustand der Filmfigur übertragen will. Da ist schon das Einfühlen zu groß, da reichen winzige Gedanken- und Erinnerungsblitze für einen Widerschein auf dem Gesicht.

WMDEDGT August 2016

Frau Brüllen fragt wieder an diesem Monatsfünften, was die Menschen aus dem Internet den ganzen Tag gemacht haben.
Nun. Dieser Freitag war ein Reisetag. Wir fahren ein paar Tage weg. Nach Dresden, um am Samstag Hinterhermsdorf am Zielort des 30km-Panoramalaufes zu stehen, am Sonntag wieder ein Stück Elbe zu schwimmen und am Montag und Dienstag ein wenig durch die Lausitz zu fahren.

Ich stand um 8 Uhr auf, machte mir einen Kaffee und räumte und kramte in fünf verschiedenen Ecken gleichzeitig. Die Wäsche, die ich gestern Mittag aufgehängt hatte, war immer noch klamm. Mein Rock mit den pinken Sternen brauchte noch schnell einen neuen Gummibund. Die Spülmaschine musste ausgeräumt und mit Gläsern befüllt werden… und und und.
Dann rief ich mich aber erst einmal zur Ordnung, frühstückte von 9 bis 10 Uhr und schaute ein wenig die Onlinezeitungen an.
Dabei meldete sich der Ersatzteilhändler für Haushaltsgeräte, dass er die Thermosicherung, die im Bügeleisen kaputt gegangen war, vorrätig hätte. Wir telefonierten kurz und er erklärte mir noch, dass er zusätzlich Quetschverbinder mitschickt, denn an dieser heißen Stelle kann man nicht löten. Das Ganze kostet mit Versand um die 6€. Das Einsenden der Bügelstation ins Reparaturzentrum nach Ungarn hätte pauschal 240€ gekostet und sicher hätte man uns erklärt, dass sich die Instandsetzung eines so alten Gerätes nicht lohnt und ob wir zum Sonderpreis von fast 450€ ein neues haben wollen. Das kann man sich echt nicht ausdenken. Seit wir erst mal schauen, ob wir nicht etwas selbst reparieren können, sparen wir Geld, brauchen aber Zeit. Der Kundendienst bringt das oft nicht mehr.* Früher hätte ich mir für 250€ ein neues Gerät eines anderen Herstellers gekauft, das ich schon länger im Blick habe. Aber wozu?

Dann räumte ich die Spülmaschine aus, nahm mir gegen halb 11 den Rock vor und sah, dass das Gummiband, das ich verwenden wollte, einen Zentimeter zu breit war. Also ging ich schnell ins Kurzwarengeschäft und kaufte 3 cm breites. Das Einsetzen ging fix, um halb 12 war ich fertig.
Ich legte alle Kleidung bereit, die ich brauchen würde. Ich durfte meinen Badeanzug nicht vergessen und der Graf, der irgendwann aufgestanden war, suchte seine Badehose.
Bei diesen Temperaturen – immer noch warm, aber mit einem Hauch Herbst – ist Sachen packen blöd. Jede Strickjacke ist mir zu warm, doch sobald es dämmert, wird es sehr kühl. Und Hosen mag ich derzeit überhaupt nicht anziehen. Für die Stadt bin ich mit meinen Röcken und Kleidern gut angezogen, aber sobald wir damit ins Sachsen auf Land kommen, bin ich haltlos overdressed. Damen-Luxus-Probleme also.

Gegen ein Uhr hatte ich alles in der Tasche verstaut. Nun klingelten wir noch schnell beim Nachbarn und baten ihn, in den Briefkasten zu schauen. Ich warte noch immer auf Post wegen der Reha und die Amtsarzttermine kommen gern übel knapp an.
Dann aßen wir schnell die Reste vom gestrigen Mangold-Hühnchen-Curry.

Der Graf musste noch mal snapchatten, ich räumte inzwischen die Gläser aus der Spülmaschine, alles schmutzige Geschirr hinein und machte noch einmal einen Rundumschlag durch die Wohnung, denn kurz vor unserer Rückkunft würde die Putzfrau kommen.

Wir beluden das Auto und fuhren noch mal ums Eck, Pfandflaschen abgeben, ein altes Vor-Urlaubs-Ritual. Dann ging es los. Im Gegensatz zur letzten Tour nach Süden waren wir schnell da. Nur die Autobahn um Berlin war leicht verstopft. Wir kamen vor 18 Uhr an.
Diesmal wohnen wir in Strehlen, einem Viertel mit Jugendstilvillen in einem alten Hotel mit modernem Anbau, das das Erlebnisgastronomie-Konzept verfolgt. Und das ist noch schlimmer als Art-Hotels mit zweifelhaftem Geschmack. An jeder Ecke wird man angekalauert. Das Badezimmer heißt FKK-Zone, der Teppich im Fahrstuhl simuliert den Sturz in den offenen Fahrstuhlschacht, an der Minibar ist ein Aufkleber mit einem Männchen, das an einem Kuheuter saugt und beim Verlassen des Zimmer fragt einen eine Checkliste, ob man Kondome dabei hat. Grau-en-voll! Netter Service und ein sauberes, praktisches Zimmer mit guten Betten würde zumindest mir reichen.

Wir packten aus und aßen eine Kleinigkeit. In Laufweite befinden sich 3 Bäckereien. Dann tändelte wir noch etwas rum und schliefen ein halbes Stündchen.
Um halb 8 gingen wir spazieren. Dabei merkten wir, dass Stehlen nicht Striesen ist und der Weg zur Elbe damit fünfeinhalb Kilometer lang war. Dafür lag der Große Garten ein paar Minuten, ein paar Dutzend Jugendstilvillen, einen Mormonentempel und ein verlassenes Bahnhofsgebäude entfernt.
Wir machte eine Runde um den Carolasee und der Graf moderierte den Sonnenuntergang.

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Ein von Kitty Koma (@kittykoma) gepostetes Video am


Das, was er filmt, gibt es alles auf Snapchat zu sehen. (Was nicht meine Spielwiese ist.)
Wir schauten kurz ins Carolaschlößchen, fanden die Karte eher so „Me too!“ (aus jedem Dorf ein Hund, italienisch, spießig deutsch, Burger, hausgemachte Limonade, „Pfiffige Pfifferlingskarte“ und und…), aber dafür recht teuer. Uns war nach Bulette mit Kartoffelsalat, aber der Biergarten hatte zu. (Überhaupt musste es hier mittags stark geregnet haben, überall waren noch Pfützen und die Luft war extrem feucht.)
Gegen 21 Uhr schauten wir, dass wir in der Nähe des Hotels noch eine Kleinigkeit zu essen bekamen. Ein weiterer Biergarten hatte in der Stunde, in der wir unterwegs waren, ebenfalls schon zu gemacht. Wir landeten Garten eines Italieners, dessen Beleuchtung grade kaputt gegangen war und aßen im Licht der Straßenlaternen.
Gegen 11 Uhr wurde es dann so kühl und dunstig, dass wir ins Hotel zurückgingen.
Morgen fahren wir früh ins Elbsandsteingebirge, wo die Freundin 30km läuft, also heißt es jetzt, schnell zu schlafen.

Die anderen Texte stehen hier.

* Die Elektrowerkstätten, die früher Laurastar Bügelstationen repariert haben, dürfen das nicht mehr, seit der Hersteller den Kundendienst zentralisiert hat. Die Ersatzteile gibt es nun unter der Hand.

WMDEDGT Juli 2016

Gestern war der 5.  und ich bin noch immer hier, statt in der Reha. Die Rentenversicherung hat noch einmal einen Berg Formulare gesendet, um ganz sicher zu gehen, dass sie wirklich leisten müssen. Nun denn. Das kann dauern, denn mein Doc ist jetzt erst mal im Urlaub. Ich werde wohl statt Anfang/Mitte Juli erst im August verschwinden und bin jetzt in der Warteschleife.

Gestern klingelte der Wecker um 7:00 Uhr. Ich zog mich fix an, diesmal etwas wärmer als an den anderen Tagen, denn es schien kalt und frisch zu werden. Im Obergeschoß mit Südfront merkt man das oft nicht, die Wände heizen sich so auf.
Ich frühstückte Joghurt mit Kirschen und Banane und trank meine üblichen zwei Tassen Kaffee mit Milch.
Dann machten der Graf und ich noch einmal eine Runde durch die Wohnung, denn es war Putzfrauentag. Dabei wurde mir schon wieder so warm, dass ich einen gut Teil der Sachen wieder auszog.
Gegen 9:30 Uhr verließen wir das Haus und setzte uns erst einmal in den Weinbergspark. Die Bibliothek würde erst in einer halben Stunde öffnen. Außerdem hatten wir noch etwas zu besprechen. Ich hatte am Wochenende zwei Prototypen für einen Stadtrucksack genäht, aber es sah noch nicht so zufriedenstellend aus. (Wobei alle Probleme des Innenlebens gelöst wurden, vor allem der Wechsel von französischer Naht zum Tunnel oben. Sehr gute Näharbeit ist u.a. angepeiltes Alleinstellungsmerkmal.)
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Dann gingen wir noch zu Frau Tulpe, Stoffe sichten. Die sind da zwar a…teuer, aber auf dem Markt sind solche Dessins nicht zu bekommen.
Da das Wetter doch richtig schön war, hatte ich noch gar keine Lust, in der Bibliothek zu verschwinden und verschob das auf den Mittag, da war Regen angekündigt. (Ist schon mal jemandem aufgefallen, dass die Wettervorhersagen ziemlich präzise geworden sind?)
Wir gingen in den Hof des Fabisch und hielten uns zwei Stunden an einem Getränk fest. Das WLAN war nicht so der Bringer, ich musste mich immer nach links drehen und den Arm in Kopfhöhe halten und hatte dann einen 20cm-Streifen gutes Netz. Aber ich hatte mein Strickzeug mit.
Als sich der Himmel zugezogen hatte, war es dann doch schon fast wieder so weit, dass die Wohnung wieder frei war. Wir machte noch einen Gang zur Bibliothek und ich gab ein Buch ab. (Wahnsinn, wie einfach das geworden ist, man schmeißt es in den Automaten und gut ist.)
Dann wollten wir noch schauen, was der eine der beiden Fleischläden in der Veteranenstraße an Bratwürsten hat, aber er öffnete erst um 14 Uhr.
Es war inzwischen viertel nach Eins und wir brauchten, bevor wir in die Nachmittagsdinge eintauchten, etwas zu essen und probierten Ketels Grill am Pappelplatz. Da bekommt man unter dem Preis von Currywurst/Pommes Schranke bei Bier’s eine Bärlauchbratwurst vom einst glücklichen sächsischen Schwein, okaye Pommes und Saucen zum Aussuchen. Dit is schon ziemlich schnafte. (Für Nichtberliner: Das ist ne fette Empfehlung!)
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Dann ging es ziemlich flott den Berg hoch, denn der Graf musste mit Kollegen Mediengestalter-Abschlussarbeiten sichten.
In die Wohnung zurückgekommen, machte ich mir im hinteren Zimmer ein Nestchen, da vorn die Herren tagten und arbeitete an Hanami weiter.
Das ist eine ziemliche Fummelarbeit, denn ich mag es nicht, wenn Seidengestrick zu locker ist, auch bei Ajour-Mustern. Dann ist man zwar schneller fertig, aber die Gefahr, dass sich beim Benutzen Fäden ziehen, ist hoch. Das Material verhakelt sich nicht ineinander wie Mohair oder Alpaca.
Also knibbelte ich ein paar Stunden vor mich hin, aß zwischendurch Kirschen, hörte lauten Donner bei strahlendem Sonnenschein und bemerkte, dass ein heftiger Wind begann.
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Es war 19 Uhr und die Herren waren gegangen. Wir plauderten etwas und ich schaute mir einige Rezepte für Schwarze Nüsse an und beschloss, dass die grünen Walnüsse, die seit über einer Woche im Kühlschrank wässerten, noch ein paar Tage Wasserkur brauchten.
Der Abend verklimperte so. Der Graf ging noch einmal auf ein Bier nach unten, ich strickte und sah mit Vergnügen, dass eine Bestellung für ein Stiftetui eingegangen war. Mit weniger Vergnügen sah ich, dass das letzte WordPress-Update bei meinem Theme die zweite Neben-Spalte gefressen hatte, samt Inhalt. Der Jetpack-Support schickte mir auch eine Anfrage, wie die Hilfe gefallen hätte – ich hatte gar keine Mail bekommen und überhaupt funktioniert die Distribution der Posts zu Twitter und Facebook, obwohl die Verbindungen im Menü nicht existieren. Komische Sache.
Dann war auch schon Schlafenszeit und ich fiel in einer stürmischen Mitternacht ins Bett.

Sie lasen ein Kapitel aus „Aus dem Leben einer Taugenichtsin“ und hier sind die anderen Tage der anderen Menschen.

WMDEDGT Mai 2016

Heute war alles einfach, denn heute ist Feiertag.
Ich stand trotzdem um 9 Uhr auf (ich wollte eigentlich bis 10 schlafen), ich war wach.
Dann pusselte ich vor mich hin: Buchweizenbrei zum Frühstück kochen, Spülmaschine und Waschmaschine anmachen, dem Grafen Kaffee bringen, frühstücken, ein bisschen lesen…
Der Graf zog sich derweil in sein Büro zurück und schraubte an einem Buch.
Gegen halb 11 hatte ich kalte Füße und versuchte, schnell meine neusten Socken fertigzustricken, um sie anzuziehen. Es waren nur noch ein paar Reihen, aber wie das so ist, genau dann zieht sich das hin.
Ich zog mir dann lieber andere Socken an und setzte mich an die Nähmaschine.
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Der mit eigenem Muster bedruckte Seidenstoff wollte endlich verarbeitet sein. Nachdem alle anderen Vorarbeiten so lange gedauert hatten, ging das aber ganz schnell, denn der Schnitt des Rockes ist sehr einfach. (Zum Stoff bedrucken gibt es noch einen ausführlichen Artikel.)

Gegen 14:30 Uhr war der Rock bis auf den Handsaum fertig, den ich am offenen Fenster in der Sonne sitzend, nähte. Zwischendurch machte ich mir einen Linsenpuffer mit Salat und Blumenkohl.

Danach machte ich mich an die Endfertigung des schwarzen Sweat-Jerseyjacketts. – Letztes Paßformfeintuning und das dünne hellgraue Jersey-Futter an der Overlock zusammentackern.
Durch zu viel Bequemlichkeitszugabe musste ich ihn schnittweise viel enger machen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass der doch recht feste Stoff so nachgibt. Um 19:30 Uhr fehlten nur noch ein paar Schulterpolster, die wollte ich aber nicht mehr machen, denn ich hatte Hunger.

Der Graf hörte auch auf zu arbeiten und wir gingen etwas essen, danach drehten wir eine Runde um den Block. Es war angenehm, wenn auch frisch und die Straßen waren voller Menschen. Er zog noch etwas weiter und ich ging nach oben. Ich war ganz optimistisch, nun die letzten 7 Reihen an der Socke fertig zu bekommen, aber nach kurzer Zeit trennte ich das Stück zum dritten Mal auf. Inzwischen war es auf kurz vor 12, ich schreibe also noch kurz diese Aufzeichnung und gehe jetzt ins Bett.

Eine Erinnerung habe ich noch. Der langjährige Lebensgefährte, in Bayern aufgewachsen, kannte ostdeutsches Herrentagsbrauchtum nicht und machte mit einem aus England kommenden Freund an diesem für ihn kirchlichen Feiertag eine Dampferfahrt auf dem Müggelsee. Als sie heimkamen, waren sie völlig entnervt. Kein EC-Automat war zugänglich, damit niemand in die Banken pinkelte, alles war hackestrackezu und der Dampferkapitän holte zweimal wegen Schlägereien der betrunkenen Passagiere die Wasserpolizei.

Die anderen Aufzeichnungen sind wie immer bei Frau Brüllen zu lesen.