WMDEDGT Oktober 2014

Ein Sonntag ist ein fauler Tag, vor allem wenn er in einem langen Wochenende liegt.
Ich schlief bis kurz nach 9 Uhr und ging dann mit einer Tasse Kaffee in die Badewanne. Eine gute Stunde vergnügte ich mich mit Twitterschau, dem Entwurf des neusten Romans eines Freunds und zog die Brauen hoch über die endlose Seifenoper Feminismus. (Oma sagte an der Stelle immer, wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde, ich sage nur „Krabbenkorb-Syndrom“ und wundere mich, warum man vorzugsweise untereinander auf der Beziehungsebene agiert, wenn man eigentlich andere Dinge ändern will.)
Nachdem ich aus der Badewanne kam, sorgte ich mit Frühstück und viel Kaffee für normalen Blutdruck, denn so ein warmes Bad am Morgen bringt mich in die Stimmung, dass ich den ganzen Tag im Bett rumlümmeln mag.
Der Graf schlief lange und wir waren lange recht unentschlossen, ob wir jetzt gleich in die Sonne rausgehen oder lieber darüber redeten, wie man am besten aus einem eBook Korrekturfahnen rauszieht und diese einarbeitet, ohne Chaos zu verursachen. (Für alle Eingeweihten, ja, es wird nun endlich.)
Zwischendurch aß ich ein Käsebrot, aber so richtig hatte ich keine Lust, mich da draußen ins Gedränge zu stürzen.
Ich setzte mich dann doch lieber an meinen Pullover, weil nun die Stelle kam, wo ich Ärmel und Korpus – da es sich um einen von unten begonnenen Raglan-Schnitt handelte – zusammenfrickeln musste. Eigentlich ist das gut beschrieben, da mein Garn aber dünner ist, musste ich einiges umrechnen. Ich mag die älteren Arbeiten von Ysolda Teague sehr, weil sie plastisch sind und eine gute Konstruktionslogik haben, das war vor 5 oder 7 Jahren sicher kein Mainstream. Hätte ich den Pullover mit Draht gestrickt, wäre er ein guter Walkürenpanzer geworden.
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Am späten Nachmittag setzte ich mich in den Rosengarten und machte weiter, der Graf kam irgendwann dazu und machte vorher heimlich ein Foto von der konzentriert strickenden Frau mit den schwarzen Kleidern und Kopfhörern, die da auf der Bank saß. Hilfe, ich sehe aus wie meine Mutter!
Wir beschlossen, zum Essen zur Alten Liebe auf der Havel zu fahren. Auf der Fahrt dort hin lief uns ein verwirrter Typ fast ins Auto. Auch im Park auf der Bank neben uns hatte jemand gesessen, von dem man nicht wußte, ob er hochmodischer Hipster oder Penner ist. Da er ständig mit sich redete und furchtbar stank, wahrscheinlich letzteres. Ich habe das Gefühl, das hat in diesem Sommer zugenommen, weil es wahrscheinlich so gutes Wetter war. Es laufen Leute durch die Stadt, die nicht die üblichen abgeranzten Treber oder Punks sind, sondern diese Menschen sehen noch halbwegs bürgerlich-international aus, machen aber einen verwahrlosten und abgedrehten Eindruck, reden mir sich, brüllen rum, fuchteln, irren umher… Sind die alle auf einem Trip hängengeblieben oder ist Berlin neuerdings Home of the Schizos?
An der Havel angekommen, war es mittlerweile dunkel. Im Yachthafen neben der Alten Liebe waren schwimmende Häuser hinzugekommen, sehr schöne Locations. Ich aß Bratkartoffeln und Sülze, war aber not so amused, weil letztere fürchterlich zwischen den Zähnen knurpselte. Gute Sülze ist echt ein Glücksspiel.
Auf dem Rückweg, mittlerweile war es halb 9, stellten wir uns auf der Avus zünftig hinten im Stau an, als hätten wir einen Wochenendausflug gemacht. Nach einer weiteren Strickrunde und einer Anprobe, die mir zeigte, dass ich eine Runde auftrennen muss, ging ich auch schlafen, das muß so gegen 12 gewesen sein.

Die anderen WMDEDGT-Posts sind wie immer bei Frau Brüllen zu finden.

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2 Gedanken zu „WMDEDGT Oktober 2014

  1. ach, ihr nähnerds! immer müsst ihr mich mit zeitraubenden sachen anfüttern … *seufzt theatralisch* also muss ich wohl auch das stricken (wieder) lernen. die designs von ysolda teague sind der hammer! und pullover/ordentliche strickjacken sind bei mir absolute mangelware, weil ich ziemlich mäkelig bin, was farben und schnitte angeht.

    diese feminismus-geschichte bewirkt bei mir nur noch kopfschütteln. man regt sich über das benehmen der pöhsen männerz auf, vergisst aber darüber umgehend den griff an die eigene nase.

    • Aber sich über andere aufzuregen, ist doch viel interessanter!
      Ich kann dich nur bestärken, was das Stricken angeht. Es gibt sehr geile Anleitungen (allerdings meist auf Englisch, aber das sollte ja nur Fachterminologie stärken) und die Materialien kannst du mittlerweile aus der halben Welt beziehen.

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