Vigil 66

Als die Amerikaner vor ein paar Jahren mit der „True Love Waits“-Kampagne gegen Teenagerschwangerschaften vorgingen, habe ich hämisch die Backen aufgeblasen. Moral gegen Hormonrausch! Vergiss es! Wie wenig selbstbestimmt erschien mir der Umgang mit der eigenen Lust. Die Direktive „Beine zusammenklemmen“ klemmt bei vielen lebenslang etwas ab.
Aber es scheint – zusammen mit Langzeit-Verhütungsmitteln – zu funktionieren.
Ich könnte mir vorstellen, dass auch eine Art von Ermächtigung einsetzt: Ich bestimme, wann es so weit ist und nicht du halbes Hähnchen mit deinem Gefasel vom Samenstau.

Wenn früher Sex nicht mit positiver Aufmerksamkeit und Anerkennung gleichgesetzt wird, sondern die Leistungen Selbstkontrolle und Grenzen setzen Anerkennung erfahren, ist das schon ein gewaltiger Paradigmenwechsel.

(Ich falle aus der TLW-Philosophie ganz raus, ich gehörte zur Generation der wüsten Mädchen. Aber zumindest war ich mit so viel Selbstkontrolle begabt, dass ich keine unerwünschte oder zufällige Schwangerschaft erlebt habe.)

Auch das noch:

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  • Die Akte EifersuchtDie Akte Eifersucht Vor Jahren hätte ich noch gesagt: Eifersüchtig? Bin ich nie. Das war Grundhaltung: Leben und Leben lassen. […]
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  • Web-KammerWeb-Kammer Meine Name ist Lena Berkova. Ich liebe Sex durch die Web-kammer Du gibst mir die Kommandos - und ich es erfulle Bist du interessiert? Komm […]

4 Gedanken zu „Vigil 66

  1. Ich könnte auch darauf verzichten, dass an unserer Kreuzung eine große Werbung vom Dildoking hängt mit dem Spruch „Sex macht schön!“
    Denn das ist ja leider nur ein Teil der Wahrheit. Sex macht auch schwanger. Und manchmal krank. Und oft schwindet der Respekt, den Männer vor Frauen haben, wenn sie sie erst im Bett hatten. Aber das schreibt der Dildoking leider nicht hin…

    Liebe Grüße,
    Henriette

    • Ach, das ist ein weites Feld. Ich bin ja aus der Hedonistinnenfraktion. Eine versierte, gute Geliebte zu sein, die sich und ihren Körper liebt und kennt (und den des Mannes dazu), gibt einer Frau großen Wert. Größere, als über Verweigerung oder Verknappung zu regieren.
      Sex macht schön, frei und entspannt. Krank macht er genauso viel oder wenig, wie andere Sachen, die Spaß machen. Das mit dem Respekt… wer sich selbst bestimmt, nicht Werkzeug oder Gefäß eines Mannes sein will und sich damit respektiert, ist auf den Respekt von anderen weniger angewiesen und hat vielleicht auch aus Erfahrung eine Art Spackenradar antrainiert. Da ist sehr schnell klar, was ein Mann für Spaß und was ein Mann fürs Leben ist. Die anderen werden halt ignoriert. (Schmerzhafte Irrtümer vorbehalten.)
      Das mit dem schwanger werden sehe ich auch. Ich bin absolut dagegen, Sex und Zeugung völlig zu entkoppeln. Schon weil Zeugung dann der rein technische Vorgang „wir müssen jetzt mal“ wäre und Sex für Männer ein zu bequemer und konsequenzenloser Selbstbedienungsladen ist. Wer keinen Nachwuchs will, muss erfolgreich verhüten. Und das ist in vielen Fallen eben auch der Mann.

  2. Hm, ich könnte mir vorstellen, dass das abschreckende Potential dieser MTV-Dokusoaps auch ganz gut wirkt.
    Ansonsten bin ich ganz Ihrer Meinung, es ist sehr sinnvoll, die Mädchen in ihrem Selbstbewußtsein zu stärken und zu „ermächtigen“.

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