Sonntagsmäander im launischen Sommer

Sonntagsmäander. Kann man ja mal wieder machen.

#Nuxologie

Frau Wortschnittchen brachte mich darauf, Schwarze Nüsse einzulegen. Ich kann zwar noch gar nicht wissen, ob und wie sie schmecken, das kann man erst in zwei Jahren sagen.
Aber nach Studium mannigfacher Rezepte und den ersten Test, habe ich ein paar praktische Bemerkungen. (Wobei ich die Nüsse am Johannistag in Norddeutschland gepflückt habe, könnte sein, sie waren noch nicht ganz so weit waren.)

  1. Wässern, wässern, wässern. Sie waren auch am 13. Tag noch leicht bitter. Das Gefäß mit den wässernden Nüssen in der Stadtwohnung am besten in den Kühlschrank stellen, sonst gären sie.
  2. Das mit dem Schwarzwerden beim Wässern funktionierte bei mir auch nicht, die Nüsse wurden aber sofort schwarz, als sie im Zuckersirup lagen.
  3. Die Bitternis des Zuckersuds nach dem Aufkochen der Nüsse verliert sich am nächsten Tag, keine Angst davor.
  4. Bei der Wahl des Aufbewahrungsglases einkalkulieren, dass die Nüsse sehr schrumpfen und schmaler werden. Damit brauchen sie weniger Platz und Zuckersirup. Ich bin nach einem Tag von einem 1,7-Liter- auf ein 1-Liter-Gefäß umgestiegen (für 850g). Die Nüsse sind jetzt so groß wie große schwarze Oliven.
  5. Da beim Schrumpfen Wasser austritt, verdünnt sich der Zuckersirup. Ich habe ihn mit 2 Teilen Zucker und 1 Teil Wasser angesetzt – so viel Wasser wie Nüsse in Gewicht und doppelt so viel Zucker. Nachdem ich die Nüsse darin aufgekocht hatte, wurde er so dünn, dass ich ihn durch Einkochen um ca. 1/3 reduziert habe. Er hatte dann die Konsistenz von dünnflüssigem Honig. Heute – das Glas ist schon geschlossen und vakuumiert – ist er wieder so dünn wie Ahornsirup.
    Weil ich bei Zucker dick kochen auch schon verbranntes Karamell erzeugt habe (je weniger Flüssigkeit am Schluss im Topf, desto höher steigt die Temperatur auf kleinster Flamme – so lange, bis der Zucker verbrennt), würde ich im Nachhinein die Nachzuckern-Methode bevorzugen. Also am ersten Tag einen Sirup 1:1 oder 1,5:1 kochen und die Nüsse darin aufkochen und einen Tag stehenlassen, damit sie Flüssigkeit abgeben. Dann um ca. die Hälfte einkochen und den Rest Zucker (ergänzend zu 2:1) zugeben und klarkochen. (Zucker klären heißt, ihn so lange zu kochen, bis die Flüssigkeit wieder vollkommen transparent ist, erst dann ist er richtig aufgelöst.) Dabei muss man wahrscheinlich aufpassen, das sollte ziemlich dickflüssig werden.
    Dann würde ich die Nüsse im Sirup kurz mit heiß werden lassen und ab gehts ins sterilisierte Glas, den noch einmal sprudelnd aufgekochten Sirup hinterher.
  6. Da einige schreiben und sagten, sie hätten Probleme mit Schimmel gehabt: Die Nüsse schwimmen bei mir oben im Glas. Wenn sie noch nicht richtig kandiert sind (die Flüssigkeit in den Zellen stark durch Zucker angereichert ist) könnten sie tatsächlich an der Oberfläche schimmeln, wenn man die Gläser nicht noch mal brutal mit Omas Methode einkocht, also keimfrei macht. Ich werde in den nächsten Tagen das Glas morgens und abends drehen, damit auch die oben schwimmenden Nüsse genug Zuckersirup abbekommen.

Die Dienstbotenfrage

Frau Modestes sehr lesenswerter Blogpost zum Thema Vereinbarkeit hatte in den Kommentaren ein Detail, an dem ich mich festhing. Wenn man ernsthaft über Vereinbarkeit von Familie und (auskömmlich bis gut bezahltem) Beruf nachdenkt, ist man schnell beim Thema häusliche Helfer.
Sämtliche beruflich sehr erfolgreiche Mütter (was auch heißt spontane Reisen und längere Auslandsaufenthalte, wenn die Niederlassung XY aufgebaut werden musste), die ich kennengelernt habe, beschäftigten ein/e Person/en, die ihnen gegen Bezahlung die Kinderbetreuung und/oder die Hausarbeit abnahmen. Waren die Kinder größer, gingen sie in ein Internat.
Natürlich kamin den Kommentaren sofort das Argument, dass die Beschäftigung niedrig bezahlter wenig qualifizierter Arbeitskräfte fragwürdig sei. – Bis hin  zu den ausgemalten Konsequenzen, dass diese Menschen am Schluss wenig Rente bekämen und womöglich selbst wenig Zeit hätten, ihre Kinder großzuziehen. Also noch mal im Klartext: Frau mit hohem Bildungsniveau und entsprechender beruflicher Qualifikation leistet entweder Doppelschichten in Beruf und Haushalt oder unbezahlte Familienarbeit und hat in Variante 2 wenig bis gar keine Rente – das ist in Ordnung. Frau arbeitet und bietet einem Menschen mit niedriger beruflicher Qualifikation (oder vielleicht auch mit höherem Alter) eine Tätigkeit (sicher nicht irre gut bezahlt, aber vielleicht besser als irgendwo an der Kasse zu sitzen) – das geht nicht, weil es diesen Menschen übervorteilt.
Was ist das für eine Denke? Ist die Aufopferung für die Familienarbeit keine beschissen belohnte Anstrengung? Oder putzen Frauen mit Familie plötzlich gern?
Da steckt das Klischee der opferbereiten Mutter dahinter und das gefällt mir nicht.

Turnbeutel-Rucksack-Prototypen

Wir haben uns in den letzten Tagen Gedanken über die derzeit oft getragenen Hipster-Rucksäcke gemacht und herausgekommen ist ein Modell aus schönem Material, mit gut vernähtem Innenleben (ich hasse bekanntermaßen offenliegende abgekettelte Nähte) und verstellbarer Kordel. Dazu demnächst mehr.
rucksack

Auch das noch:

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  • Und sonst…Und sonst… ### Merke, daß der Sommer in diesem Jahr an mir vorbeigerauscht ist. Da will ich doch wenigstens das letzte müde Zipfelchen […]
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15 Gedanken zu „Sonntagsmäander im launischen Sommer

  1. danke für die nuxologischen ( :D ) tipps! ich habe vorgestern die erste charge getestet und war mit dem ergebnis noch nicht zufrieden – kein wunder, es fehlten wichtige schritte (kochen der nüsse).
    da kann ich jetzt also den zweiten anlauf deutlich beruhigter ende dieser woche starten.

  2. Ich kann mich dann hoffentlich auch endlich in den Nuxologie-Reigen einreihen. Die Nüsse sind – nach einer schier unendlichen Geschichte des Versendens, Nichtlieferns, Verschwindens und nun endlich Ankommens – bei mir angekommen und werden verarbeitet. Danke für die gute und ausführliche Vorarbeit! Wir werden die Nüsse schon knacken…

  3. Die Dienstmädchenfrage stelle ich mir auch. Ich meine, ich frage doch sonst auch Profis und bezahle sie für ihre Dienste. Mich und meinen Bruder haben auch Kinderfrauen gehabt. Und haben teilweise noch heute Kontakt! Ohne Großeltern muss man sich was einfallen lassen!

  4. Sowohl mein Vater als auch meine Mutter hatten früher Kindermädchen, dabei waren meine Großmütter nach der Hochzeit nicht mehr berufstätig (vorher schon). Die Kinderbetreuungsfrage so zu lösen, ist also nix Neues, wohlhabendere Familien haben das schon immer so gemacht. Ebenso haben beruflich erfolgreiche Frauen in der Bundesrepublik in den 1960er und 70er Jahren ihre Kinder daheim von Kindermädchen oder/und Haushälterinnen (mitunter auch von Au Pairs) betreuen lassen – aber damals wie heute war und ist es eine Frage des Geldes.

    Die gelernte Floristin und ihr Berufskraftfahrer, die nicht so bekannte Theaterschauspielerin können zusehen, wie sie das mit Kita oder Tagesmutter hinbekommen. Das klappt dann halt nicht immer unbedingt so gut (nein, die Ganztagskita-Angebote in Berlin-Mitte sind kein Maßstab) – und so einen Kinder-Kutschier-Dienst, wie Madame Modeste ihn gern hätte, können die sich auch nicht leisten. Und es wundert mich auch nicht, wenn Frauen aus den Leichtlohngruppen, deren Verdienst für die Fremdbetreuung der Kinder draufgehen würde, sagen, dass sie dann lieber selbst daheim bleiben.

    • Für Frauen aus unteren Lohngruppen ist das tatsächlich kein Thema. Da ist auch oft nicht das Thema, dass der Mann zu Hause bleibt, weil sie ggf, die Chance auf einen besser bezahlten Job haben. Weil untere Lohngruppe oft mit bestimmten Werten korreliert.
      Und dann ist da noch das Ehegattensplitting, das schlecht bezahlte Arbeit für die Frau nicht lohnenswert macht.
      Was die minder erfolgreiche Schauspielerin angeht, die Branche kenne ich recht genau. Wer in dem Beruf die Kinder nicht vernachlässigen will (was die Arbeitszeiten fast verlangen), muss sich halt mit Kolleginnen in die Kinderbetreuung reinteilen. Irgendjemand sitzt in der Branche immer grade zu Hause.

    • Ich frage mich bei den Akademikerinnen, die wegen des Kindes komplett aufhören, erwerbstätig zu sein, ja öfter, inwieweit sie ihre Arbeit eigentlich mochten – oder ob das Kind nicht auch ein willkommener Grund war, es sein zu lassen.

      Mir fällt bei Studentinnen immer wieder auf, dass sie im Studium keine konkrete Vorstellung davon entwickeln – geschweige denn einen Plan – was sie hinterher eigentlich damit machen und wohin sie wollen (und wie das gehen könnte). Da wird zwar oft fleißig gelernt und es werden eifrig Credit Points gesammelt, aber was nach dem Examen kommen soll, bleibt vage. Da wird erst einmal abgewartet, bis man den Abschluss hat, dann wird man sehen, und überhaupt erst einmal schauen, wie sich das mit dem Freund so entwickelt und wo der eine Stelle findet usw. So mögen sie zwar einen Job finden (nicht unbedingt im Traumberuf, wenn sie den überhaupt kennen), laufen aber Gefahr, unter ihren Möglichkeiten zu bleiben. Es wirkt alles etwas orientierungslos, dabei ist es heute Dank Internet viel einfacher, an nötige oder noch fehlende Informationen zu kommen.

      Sie berichteten seinerzeit ja auch schon einmal darüber, wie Sie versuchten, Studentinnen aufs Pferd zu helfen, was Karriere und Verdienst anging.

    • Ich bin Akademikerin und gerade in der Situation, länger Elternzeit zu nehmen – ich mag meinen Beruf sehr gerne, müsste aber lügen, wenn ich sage, dass ich mich mit einem einjährigen Kind wieder ins Getümmel stürzen möchte. Ich habe keine Karrierepläne, die diesen Wiederinstieg erforderlich machen würden, ich bin sehr gerne mit dem kleinen Kind zu Hause, ich vermisse meine Arbeit momentan nicht wirklich. Nach jahrelanger Arbeit in meinem Beruf freue ich mich ehrlich über eine Pause – andere Leute würden wohl vielleicht ein Sabbatical machen, um ihre Batterien für die nächsten paar Jahr/zehnt/e aufzuladen, ich mach das in Form meiner Elternzeit.

    • Ich kann das sehr gut nachvollziehen, dass Sie gern mit Ihrem kleinen Kind zusammen sind und sich über eine Pause vom Beruf freuen. Oft ist es nur so, dass aus einer längeren Elternzeit eben ein ‚Sabbatical‘ für immer wird, wie es auch Manu in ihrem Kommentar bei Madame Modeste schildert:

      http://modeste.me/2016/07/03/versuchs-mal-mit-vereinbarkeit/comment-page-1/#comment-37453

      Und wie sie auch sagt, es ist eben auch eine Frage des Verhandelns. Ich weiß von einem Industrieunternehmen – der Personalvorstand ist eine Frau – der einer Mutter während der Elternzeit anbot, sich um ein Projekt zu kümmern, das nur vier Wochenstunden im Homeoffice erforderlich machte, damit sie den Kontakt zur Firma nicht völlig verliert. Das hat gut geklappt, alle waren zufrieden und die Akademikerin kehrte nach der Elternzeit zurück. Es handelte sich übrigens um eine Naturwissenschaftlerin, die im Labor arbeitete.

    • Ja, wenn ich nicht mit mehr Glück als Verstand wo gelandet wäre, wo a) es Homeoffice nicht gibt und ich b) nach der Elternzeit mit Sicherheit wieder arbeiten kann, hätte ich wahrscheinlich auch so eine Variante probiert.
      Aber nachdem ich zufällig eben in so einem kleinen Vereinbarkeitsparadies gelandet bin, verstehe ich mittlerweile wirklich die Frauen, die sich einen Job nach den Kriterien „Sicherheit und Kindervereinbarkeit“ aussuchen. Kann dann im Familiengründungs-Ernstfall viele Probleme sparen.

    • Ich habe gar nichts dagegen, wenn Leute zu Hause bleiben, um sich um ihre Kinder zu kümmern. Ich möchte nur nicht in Form eines Elterngehalts oder versicherungsfremder Leistungen wie Rentenpunkten für Erziehungszeiten oder kostenlose Mitversicherung für Angehörige dafür aufkommen müssen. Wer es sich leisten kann und will, seine Frau selbst zu versichern und zu finanzieren: Viel Freude dabei. Und viel Freude allen beiden im Scheidungsfall.

      Mein Modell einer Einbeziehung von Betreuungskosten in die Werbungskosten würde allerdings langfristig auch dazu beitragen, dass Mütter durch mehr Arbeit und konstantere Karrieren mehr verdienen und dann auch Steuervorteile besser nutzen könnten. Mir ist bewusst, dass das Menschen in prekären Situationen nicht hilft, aber das ist aus meiner Sicht ein Gegenstand der Sozialgesetzgebung, nicht der – in diesem Zusammenhang diskutieren – Gleichstellungspolitik.

  5. Ja, man lügt sich doch die Tasche voll, wenn man so tut, als wäre a) das Vereinbarkeitsproblem nicht eine reine Geldfrage und b) jeder Beruf so unglaublich erfüllend, dass eine vorübergehende Existenz als Hausfrau dagegen nur abstinken könne.

    Die einzige Kita hier, die ein garantiertes Betreuungsverhältnis von 3 festen Erziehern auf 12 Kinder (unter 3) bietet, kostet 590 Euro pro Monate. Fünfhundertneuzig Euro pro Monat.
    Vereinbarkeit ist SO für viele eben nicht finanzierbar – oder, in einer schlechteren Kita, eben nur auf Kosten der Kinder.

    • Naja… Für eine Elektroingeneurin mit 50.000 € Jahresgehalt brutto (und das ist niedrig angesetzt für eine Frau mit Berufserfahrung) sind 590€ Kinderbetreuungskosten schon zu machen.
      Und was die beschissenen Jobs angeht: In der klassischen Konstellation bleibt die Arschkarte dann beim Mann. Der muss nämlich seinen Job machen und Geld nach Hause bringen, ob der Job nun beschissen ist oder nicht. Frauen haben nicht per se das Schicksal, schlecht bezahlte, beschissenene Jobs haben zu müssen. Ich wundere mich ohnehin, wie wenig Frauen auf guten Verdienst Wert legen.

    • Bei uns kosten die 3-Zimmerwohnungen oft über 1000 Euro – für eine Alleinerzieherin ist so, selbst wenn sie gut verdient, eine richtig gute Kinderbetreuung kaum mehr drin.
      Alles andere – ja, ich glaube, viele Frauen haben nach wie vor wenig Training im Umgang mit Geld- und Gehaltsforderungen,woran immer das liegen mag.

    • Frauen haben nicht per se das Schicksal, schlecht bezahlte, beschissenene Jobs haben zu müssen. Ich wundere mich ohnehin, wie wenig Frauen auf guten Verdienst Wert legen.

      Mich erstaunt auch, dass so viele Jugendliche Einzelhandelskaufleute werden wollen. Nix gegen den Beruf, aber Verdienst und Karrieremöglichkeiten sind so pralle nicht.

  6. ein paar ergänzungen zur #nuxologie:
    * bei den gewürzen machen sich auch rosa und schwarzer pfeffer, kardamom und wacholderbeeren richtig gut.
    * beim einstechen richtige gummihandschuhe nehmen, die zarten latexdingerchen schlagen durch.
    * die kaloriensparfüchse oder süßstoffgewöhnten können auch erythrit nehmen, der verhält sich sehr ähnlich wie zucker (auch was kristallisieren angeht) und konserviert auch. man kann damit allerdings keinen sirup kochen: nach normal flüssig kommt „kristallisiert beim abkühlen aus“.
    * einkoch-anfänger, die nicht mit richtigen einkochtöpfen arbeiten, legen am besten ein dünnes gitter zwischen topf und gläser. das verhindert platzende gläser und eine sagenhafte sauerei, wenn das wasser verkocht ist (nächster anfängerfehler, dank relativ kleinem topf) und der zucker-gewürz-kleister verbrennt und die ganze hütte blau einnebelt. ich hab das mal für Sie getestet ;))

    die nüsse aus dem glas, das nicht richtig gehalten hat, werden in den kommenden tagen verputzt. ich bin gespannt!

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