Rites de Passage

Die Kaltmamsell fragte, warum Bloggerinnen, obwohl sie im richtigen Alter sind, nicht über die Wechseljahre schreiben.

Ich habe darüber nie geschrieben, weil ich den Wechseljahren in meinem Leben nicht viel Raum und Bedeutung gegeben habe. Wie ich aber im folgenden Text merke, war das ein tief einscheidender Lebensblock, dem ich teilweise nur einen anderen Namen gab.

Aber erstmal ein Intro:

Wir leben in einer Gesellschaft, die so lange wie möglich jugendlich bleiben will. Die das auch kann, weil die Jugend konsequenzenlos ausgedehnt werden kann.
In früheren Zeiten konnten erst Erwachsene verantwortlich an der Gestaltung der Gesellschaft teilnehmen. Erwachsen sein hieß, Sex haben dürfen und dessen Konsequenzen tragen – verheiratet sein, Kinder haben, die Familie ernähren. Wenn Sex keine unbeeinflussbaren Konsequenzen mehr hat, ist Familie und ihr ganzer organisatorischer Überbau eine private Entscheidung.

Auf privater sozialer Seite verbleiben viele Menschen in einem Status zwischen Jungendlichem und Erwachsenem nach alter Definition, obwohl sie bei der Arbeit hochgradig erwachsen und verantwortlich handeln müssen.
Wie kann sich eine Frau in so einer Umgebung damit auseinander setzen, dass sie merklich und sichtlich in die Wechseljahre kommt? In einer Gesellschaft, die verkündet „du kannst alles, wenn du dir nur Mühe gibst, hart arbeitest und es richtig willst“, ist ein Vorgang, der nicht umzukehren und auch nur marginal zu beeinflussen ist, kein attraktives Thema.

Denn mit den Wechseljahren ist eine Frau offiziell alt, sagt zumindest die Überlieferung. Wir wollen heute die Freiheit haben, uns so jung betragen, wie wir uns fühlen. Kinder bekommen mit über 40, mit 50 noch mal richtig wild durchstarten. Arbeiten und Leben wie Männer sowieso.

Unsere Körper sagen etwas anderes und wir respektieren das meiner Meinung nach viel zu wenig. Der Körper einer Frau hat eine ziemlich klar beschränkte und nur mittels schwerer Eingriffe veränderbare Fruchtbarkeitsphase, die unsere Existenz rhythmisiert und an ihrem Ende wendet.
Wir haben in der Fruchtbarkeitsphase nicht nur einen großen bogenhaften Biorhythmus, wir haben einen Zyklus, wir bluten jeden Monat oder werden schwanger. Wir lösen, wo auch immer wir sind, diesen kurzen männlichen „I nteressant für Paarung?“- Reflex aus. Ein Teil von uns ist immer verletzlich und in Reserve, denn innerhalb von drei Wochen könnte unser Leben durch ein Kind über lange Jahre anders verlaufen. Und mit Ende 40 ist diese Phase vorbei.

Ich habe diese Seite der Weiblicheit, als ich jünger war, vehement abgelehnt. Mein Frauenkörper, der diese Reaktionen von Männern auslöste, konnte von mir wie eine Waffe benutzt werden. Aber im tiefen Inneren wäre ich, breithüftig und weichhäutig wie ich außen war, lieber ein Mann gewesen. Ich habe mich lange als Hirn und Seele eines Mannes im Körper einer Frau gesehen.
(Keine der modernen Transgenderschicksalsspielchen. Ich habe es abgelehnt, eine Frau zu sein, mehr nicht. Wie wahrscheinlich viele heute auch, die an sich herumdoktern lassen, um ein Mann zu werden.)

Die erste Begegnung mit dem Thema Wechseljahre hatte ich mit 37. Da sagte mir meine Internistin, es wäre so weit, ich würde alt und meine Müdigkeit, Erschöpfung und Lustlosigkeit wären der Beginn der Wechseljahre, ich solle mich schon mal dran gewöhnen. Ich verließ heulend die Arztpraxis.
Das klärte sich mit anderen Ärzten im Verlauf eines Jahres. Ich hatte Hashimoto, eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse und männerfaustgroßes Myom im Muskelgewebe der Gebärmutter. (Die Ersatzhandlung des Körpers für nicht geborene Kinder, sage ich mir immer.) Ein heftiger Energiesauger.
Nachdem ich Jod wegließ und die Schilddrüse weitere Hormonhilfe von außen bekam, wurde es besser und als ich mit 40 dann das Myom mitsamt der Gebärmutter wegoperieren lassen musste (weil es sich plötzlich explosionsartig vermehrte und entzündete, bis das Organ wie ein Kartoffelsack aussah), kam ich in eine Lebenszeit, die ich als meine Amazonenphase bezeichnete.

Ich hätte nicht so lange warten sollen. Immer, wenn mein Gynäkologe mich darauf hinwies, dass das Myom besser raus sollte, weil es immer weiter wachsen und sich ggf. auch in etwas Bösartiges verwandeln würde, winkte ich ab. Jetzt noch nicht. Ich hatte über Frauen mit Total-OP, wie es damals fälschlich hieß, denn eigentlich werden bei dieser auch die Eierstöcke entfernt, aus allen Lagern Horror-Meldungen gehört.
Der Arzt meiner Mutter und Großmutter empfahl es allen Frauen ab 40, denn ein funktionsloses Organ, das zu Krebs neigt, müsse besser raus. Mit Sex sei dann sehr wahrscheinlich Schluss, das ginge nur noch unter Schmerzen, hieß es auch hinter vorgehaltener Hand. (Was viele Frauen auch begrüßten, endlich ist Schluss mit dem Schweinkram, den frau eh nur für die Männer macht.) Ein feministisches Beratungszentrum waberte argumentativ herum, dass Frauen nach so einer OP ihre innere Mitte und das Gleichgewicht verlieren würden und nicht mehr auf einem Bein stehen könnten. Als ich eine Beratungsstunde buchte und konkreter nachfragte, hatte man nur wenig Ahnung, aber viel Meinung, nämlich das solche Kastration eine männliche Attacke auf die Weiblichkeit sei.
Dann sagte mir eine ältere Kollegin: „Hab keine Angst. Bei mir war es das Beste, was mir passieren konnte.“ Sie hatte sich von diesem schmerzenden, wilde Blutungen erzeugenden Organ und der Verhütung befreit gefühlt und ihre zwei Söhne hatte sie schon mit Mitte Zwanzig bekommen.
Das half mir weiter.

Fun Fact: Als ich auf die OP wartete, begann ich zu bloggen. Alles, was ich in den letzten 12 Jahren schrieb, schrieb ich als Frau, die keine Kinder mehr bekommen konnte. Edit: Noch ein Fun Fact. Mein Blog sollte eigentlich Rites de Passage heißen, aber die url gab es nicht mehr. Das erste Blog hieß deshalb Durchgangsverkehr. Ich fühlte mich auf dem Weg zu etwas anderem, ohne das an den Wechseljahren festzumachen.

Als ich mich ein paar Monate nach der OP wieder berappelt hatte (das wäre einfacher gewesen, wenn ich nicht so viel gearbeitet hätte und nebenher noch ein Umzug anstand), verabschiedete ich jeden der unzähligen Tampons, den ich auch noch Jahre hinterher in diversen Taschen fand, mit fettem Grinsen. Mal abgesehen von häufigen Träumen über Babies und Schwangerschaften in den ersten Wochen, fühlte ich mich gut und weniger verletzbar. Es war vorbei. Der Gang tief ins Innere meines Körpers – eine Vagina ist ein Delta, kein Fjord, es hört ja nach der Gebärmutter nicht auf, danach kommen die Tuben und die sind offen in Richtung Eierstöcke und Bauchraum – war nun eine Sackgasse. Die Gezeiten von Blut und Säften waren eingedämmt.
Ich musste nicht mehr über Verhütung nachdenken und bemerkte den Zyklus nur noch an meiner Verfassung. Wenn ich das hohe C problemlos bekam und junge Männer beschnurrte, hatte ich einen Eisprung. Es gab immer mal Blutschatten, weil ich mich für die den Muttermund erhaltende OP entschieden hatte und das wars.
Ich mochte diesen Zustand sehr. Ich ging damit vor Männern aber nicht hausieren. „Dich hamse ausgenommen, du bist ja jetzt keine Frau mehr.“, war der naiv-ehrlich Satz eines, der aussprach, was wahrscheinlich einige Männer in meiner Umgebung dachten.
Es war meine Freiheit, meine Unverletzbarkeit, die ging niemanden etwas an.

Eine Nebenwirkung der Gebärmutterentfernung war, dass die Wechseljahre etwas eher und auch unmerklicher einsetzen. Der langsam endende Zyklus ist nicht offenkundig zu bemerken.
Mit der Sicht auf die letzten sieben Jahre glaube ich, dass ich viele Erscheinungen der Wechseljahre für Krankheitssymptome meines Burnouts gehalten habe. Oder besser, es war nie so recht zu trennen.
Ich habe über ein Jahr lang jede Nacht das Kissen naßgeschwitzt und dachte, das wären Nebenwirkungen von Medikamenten, die ich nahm. Ich war niedergeschlagen, ängstlich-panisch, müde, wenig belastbar, vergesslich und oft ziemlich matschig im Kopf – was hat das verursacht?
Ein Burnout als die Krankheit der Helden der Arbeit klingt im Heute gesellschaftsfähiger als der Fall einer Frau ins unattraktive Alter.
In der psychosomatischen Klinik, in der ich 3 Monate war, galten klimakterische Frauen als Normalfall. Nach einer heftigen Blüte in den 40ern kommt zum Ende des Lebensjahrzehnts die Krise und die hat eben häufig drastische psychosomatische Auswirkungen, das war dort der Tenor.

Einiges habe ich tatsächlich als völlig neu empfunden. Ich wurde wütend, konsequent und kompromißarm, die mentale Weichheit, die übergroße Antennen für andere hat und sich selbst zurückstellt, wurde geringer. Die Lust veränderte sich, wurde auch konsequent, kompromißarm und geradeaus. Das gefiel mir wesentlich besser als diese innere Programmierung „ich bin Gefäß, du weißt, was du von mir willst“, die mich in der Zeit als junge Frau beherrschte.
Ich glaube, eine gewisse Grund-Aggressivität geht tatsächlich auf das Konto des veränderten Hormonmix.
Ein anderer Teil an Verhaltensänderung wird sicher ausgelöst, weil sich das Spiel zwischen Männern und Frauen ändert. Wer ständig belagert wird, kommt gar nicht zum Agieren, sondern kann nur Reagieren. Nicht mehr unterschwellig in der sexuellen Aufmerksamkeit vieler Männer zu stehen, hat mich sehr entlastet.

Die Hitzewallungen sind ein eindeutig den Wechseljahren zuzuordnendes Symptom. Während meine Großmutter sich alle halbe Stunde entnervt das Gesicht abtrocknen musste und deshalb bald auf Make up verzichtete, habe ich nur das Gefühl, da schaltet jemand in Höhe des Nabels einen großen Brenner an und ich muss sofort meine Jacke abwerfen, weil es mich einmal richtig durchheizt. Während ich von der Pubertät bis Mitte 30 bei jeder Gelegenheit fürchterlich gefroren habe – Bettsocken ab September, drei Schritte auf kaltem Fliesenboden gaben eine Blasenentzündung – ist mir jetzt immer gut warm und ich mag das.
Ach ja und Brüste. Üppige Brüste. Auch nicht schlecht.

Die Hormonersatztherapie war in meiner Umgebung nie Thema. Ich habe es zu Anfang mal mit Mönchspfeffer etc. versucht, aber wenn ich nicht daran glaube, vergesse ich meist, das ich da etwas einnehmen sollte. Die Pille hat mir nur Probleme gebracht, Depressionen oder leicht manische Anwandlungen (je nach Präparat), Lustlosigkeit, Gewichtszunahme, da wollte ich nicht noch in den Jahren, in denen ich sowieso Achterbahn fuhr, noch an dieser Seite des Hormon-Mobiles herumspielen.

In diesem Lebensjahr bin ich wohl so langsam mit den Wechseljahren durch. Mein Kopf ist klarer, ich bin wieder belastbarer, nun auf eine zähe, langsame Art. Ich habe mein Verhalten, wie es scheint, endlich der neuen Existenz angepasst.

Bestimmte Dinge sind nicht schick, aber sind halt so. Dieser präsente Bauch, der einem wächst, zum Beispiel, während die Beine schlanker werden. Und erzähle mir keiner, da müsse man nur diszipliniert weniger Kalorien aufnehmen als man verbraucht und dazu ordentlich Krafttraining machen. A…lecken! Das habe ich mit Anfang 40 auch noch geglaubt.
Wenn dein Stoffwechsel Achterbahn fährt, hast du zu den unmöglichsten Zeiten Heißhunger und da du ständig müde bist, verbrennst du kaum etwas. Krafttraining? Mit welcher Kraft? Die braucht dein Körper, um die erlahmende Fruchtbarkeit in Gang zu halten – mit Nebenwirkungen wie Östrogenüberproduktion, Zysten und Myomen. Bis dann ruhigeres Fahrwasser kommt und dann kann man ja mal schauen, was geht.

In der guten alten Zeit waren die Wechseljahre für Frauen der Moment, wo sie kürzer treten konnten. Oft mit viel Drama. Ich hörte öfter, dass es die eine oder andere Oma oder Tante gab, die sich dann einfach dauerhaft ins Bett legte und erklärte, sie sei jetzt schwer krank und die anderen könnten allein weitermachen.
In der guten alten Zeit waren die meisten Frauen aber auch von vielen Schwangerschaften und harter Haus-, Garten- und Hofarbeit ausgepowert. Viele erlebten das Ende ihrer Fruchtbarkeit gar nicht mehr, weil sie vorher im Kindbett starben.

Im Zeitalter der möglichst restlos vermarktbaren Arbeitskraft, flexiblen Bindungen (damit der Partner-Konkurrenz der Frauen untereinander auch noch im mittleren Alter) und demonstrativen, willenskraftgesteuerten Jugendlichkeit ist diese kräftezehrende Phase schwierig zu bewältigen. Darüber zu reden, hieße ja, zuzugeben, dass man aus dem Club der Turnschuhträger aussteigt.
Meist kommen die Wechseljahre zusammen mit gerade schulpflichtigen/pubertierenden Kindern und dem Wiedereinstieg in die Arbeit oder mit Veränderungen im Job – das Arbeitsfeld ist durchgespielt oder der Sprung auf die nächsthöhere Karriere-Stufe steht an.
Was tun, wenn der Run um den Geschäftsführerposten ansteht, frau vielleicht nun auch die nötigen Eier dafür hat, es mit der männlichen Konkurrenz aufzunehmen, aber am liebsten ganze Tage schlafen will und alles vergisst? (Ich habe übrigens öfter darüber nachgedacht, wie Angela Merkel das geschafft hat.)

Wer vorher auf dem Ticket Aufmerksamkeit durch Schönheit und Weiblichkeit gereist ist, bekommt meist ernste Probleme, die sich zu tiefen Identitätsproblemen auswachsen können. Die reflexartige Aufmerksamkeit und Wertschätzung fällt weg. Wer das nicht durchschaut hat und die Attraktion zum Kern seines Selbst gemacht hat, fällt ins Leere. (Ich habe jahrelang mit Schauspielerinnen gearbeitet, ich weiß, wovon ich rede.)

Da Ehen nicht mehr für die Ewigkeit geschlossen sind und ggf. erduldet werden müssen, fangen nicht wenige Männer ein neues Leben mit einer jüngeren Frau an (neben exzessivem Fahrrad fahren in engen Spandexklamotten etc.) und gehen in die zweite Brutphase.
Männer kamen später in die Pubertät und ihr Fall ins Alter kommt meist mit dem Ende des Arbeitslebens. Frauen haben 8-10 Jahre Vorsprung und in vielen Partnerschaften gibt es darum Zoff und Desillusionen. – Klassiker: Mann in der Midlifecrisis wirft Frau vor, mit ihr sei nix mehr los.

In auf Familienverbänden aufbauenden Gesellschaften haben die älteren, nicht mehr gebärenden Frauen große Macht in der (weitläufigen) häuslichen Sphäre. Sie haben sich mit Söhnen bewiesen und können nun ihren Schwiegertöchtern Anweisungen geben, die für sie arbeiten. Der Mann ist meist in aushäusigen Geschäften unterwegs oder bei seiner Geliebten, die er schon wegen seines Status haben sollte und stört nicht.
Witwen verfügen allein über ihr Vermögen (so es eines gibt) und sind über dessen Verwendung keinem männlichen Familienmitglied Rechenschaft pflichtig, außerdem dürfen sie in aller Diskretion auch Liebhaber haben.

In der modernen Industriegesellschaft steht die klimakterische Frau zwischen allen Stühlen. Das emotional-körperliche Drama fängt die Krankenkasse auf, nicht die Familie. Frau muss funktionieren, wie alle anderen um sie herum auch. Ich sehe kaum ein normales Rollen-Vorbild für die Zeit nach den Wechseljahren. Das ist entweder die verrückte, schrille Alte mit den Tarotkarten im Anschlag oder das verblühende Wesen mit der praktischen Kurzhaarfrisur und dem Dauerabo auf Katzenwaisen. (ja, das sind Klischees, ich weiß)
Christine Lagarde wäre es für mich vielleicht, überhaupt die ganze Damenfraktion. Aber wo werden im heutigen Deutschland Damen gebraucht?

Vor einer ganzen Weile sagte mir eine Freundin, ich würde mich mit Lust zu alt machen. Es kamen noch andere Rückmeldungen von anderen: zu wild, zu weite Röcke, zu ungebändigte Haare… Ok., das war wohl der Ausschlag in Richtung Schrille Alte ohne Tarotkarten. Und Ende letzten Jahres sah ich älter aus als heute, weil durch zu viel Arbeit völlig fertig. Das hat sich ja Gott sei Dank geändert. Schauen wir mal, wo es hingeht.

Ich hatte auch den Grafen zum Thema Frauen und Wechseljahre befragt, weil er ein guter Beobachter ist. Er meinte, es wäre interessant zu sehen, wie Frauen mit der Herausforderung Altern (für jemand Außenstehenden sind die Wechseljahre Altern, nichts anderes) fertig werden.
Dass manche über diese Phase fast unmerklich hinweg rutschen und gut altern, andere verlieren viel von ihrem Wesen und ihrer Ausstrahlung und gewinnen nichts hinzu. Dass man es Frauen, die ohnehin unter großer Belastung stehen, ansieht dass diese Phase extrem anstrengend ist.

Er sagte, Frauen würden so unterschiedlichen altern, wie es Lebenskonzepte und -schicksale gibt.

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43 Gedanken zu „Rites de Passage

  1. wir sind um die fünfzig, das ist heutzutage noch nicht alt. das altern wird sichtbar und ist nicht mehr zu leugnen, das hat sich verändert, aber es geht gerade erst los und wird noch jahre weitergehen, das gesicht wird an kontur verlieren, wir bekommen truthahnhälse und die oberschenkel werden dellig – ich bin dafür, den moment zu geniessen und sich erst dann aufzuregen, wenn das alles passiert ist.

    bei den wechseljahren gebe ich dir in allem recht, eine riesige belastung und überflüssig wie ein kropf. lenkt einen durch den aufwand, den man mit ihr hat, davon ab, dass man nicht mehr fruchtbar ist, war man ja eh nur ein paar tage im monat für dreissig jahre unseres lebens, während die männer … usw usf.

    ich hoffe, der neue hormonmix wird einer und ist nicht nur abwesenheit. mehr biss und zielgerichtetheit wäre eine gute basis für die zukunft, so wie es jetzt läuft, also mitten drin in den wechseljahren, ist es mühsamund vor allem schlecht planbar, weil die schwankungen nicht mehr regelmässig sind wie früher. (man wird so doof! grad geld ausgegeben, das ich nicht habe, für etwas, das ich nicht brauche, wie ein teenager. vergesse ich hoffentlich bald.)

    • Ja, ich hatte auch Angst, dass nur Hormone weg sind und frau dann halb herumläuft. Das scheint aber nicht so zu sein.

    • Das Schöne ist ja: es fehlen zwar Hormone (mengenmäßig, nicht komplett), aber dadurch kommen andere eher zum Tragen. Wie bei Männern im Wechsel das Testosteron schwächer wird, weil die Keimdrüsen weniger produzieren, und bei ihnen daher das hauseigene Östrogen mehr zum Tragen kommt (ja, auch Männer haben das), ist es auch bei Frauen. Auch wir produzieren Testosteron, natürlich viel kleinere Mengen als die Männer. Fallen aber nach der Menopause die Horden an Östrogen weg, kriegen wir in der Tat mehr den Biss der Männer und die Fähigkeit, völlig selbstverständlich an uns selbst zu denken, nicht immer nur an andere. Sehr wohltuend, und eine spannende Entdeckungsreise, wie ich finde.

  2. Wow! Ganz hervorragender Text, ich Bookmarke das und hänge es über den Schreibtisch, denn alles das, das Leisten müssen und nicht in sich und dem Körper sein dürfen, jetzt aber doch endlich nach Familienphase wieder durchstarten müssen, das ist genau, worüber ich mir im Augenblick Gedanken mache, obwohl ich noch am Anfang der Phase stehe, allerdings keineswegs unmerklich. Mit Aussicht auf noch zehn Jahre… Plus pubertierenden Kindern…

    • Was ich in den letzten Jahren gelernt habe: Es ist alles nur eine Phase. Wie wenn die Kinder ganz klein sind und man denkt, das endet nie mit den vollen Windeln, dem Geschrei und der Babykotze. Und in der Rückschau waren es nicht mal zwei, drei Jahre.
      Ich bin mit einer nicht ganz zu günstigen Ausgangssituation in dieses Alter hineingegangen. Ich habe Kind und Vollkraftberuf zusammen bewältigt und war schon ziemlich fertig, als ich 40 war.
      Aber es ist schon wünschenswert, gut mit sich sein zu können. Je mehr frau es überspielt, desto anstrengender ist es mitunter.

  3. Danke für den Einblick in deine Gedanken. Burnout, Operation, Myom, Matschbirne…. das alles kenne ich und habe es nie im großen Zusammenhang gesehen, sondern nur im persönlichen . Ich muss das erst mal sacken lassen. Zeigt mir, wie wichtig es ist , sich darüber auszutauschen und beantwortet die Ausgangsfrage für mich, warum Frauen das eben nicht tun,

    • Ich habe es auch erst mit diesem Text in einen Zusammenhang stellen können. Vorher war das immer eine Kette von Ereignissen. Wenn diese in Zusammenhang gebracht werden, sind sie folgerichtig.

  4. danke für diese beschreibung. ich bin noch knappe 10 jahre davon entfernt und erlebe um mich herum nur mythen und panik was das thema angeht und eine erstaunliche sprachlosigkeit, schon fast tabuisierung, wenn man bedenkt welche themen sonst bis zur gänze besprochen werden…..

    • Ja, das kenne ich auch. Ich glaube, viele, die darüber sprechen, haben einen hohen Leidensdruck. Und das kommt dann schon so rüber, das man Panik bekommen könnte.
      Ich erinnere mich an eine Freundin, die mit Ende 50 meinte: „Und das hört nie auf! Das geht immer weiter!“ Da habe ich mich auch etwas gegruselt.

  5. Danke für diesen Text. Ich bin jetzt Mitte Dreißig, trete für eine breitere gesellschaftliche Akzeptanz der Endlichkeit von Lebensphasen ein (Erklärung: habe derzeit eine extreme Hasskappe auf den „Status zwischen Jungendlichem und Erwachsenem“, der – zumindest aus meiner Perspektive – bei meinen Co-Mittdreißigern pandemische Ausmaße erreicht) und möchte hiermit schon mal ein Dauerabo auf Katzenwaisen reservieren.

    • Die Hasskappe kommt mir bekannt vor. ;) und dann werden sie plötzlich kurz vor Toresschluß panisch, fangen an Kinder zu zeugen, Marathon zu laufen und wollen auch in der Arbeit endlich mal ernst machen.

  6. Großartiger Text von dem ich mir wünsche, dass ich ihn „seinerzeit“ hätte lesen können.
    An den Wechseljahren fand ich, wie so viele Frauen auch, am besten dass die Rote Woche endlich verschwand und das schlagartig. Jahrzehnte war es die reinste Metzgerei gewesen, mit Krämpfen die sich nur gedopt und gewärmt aushalten ließen.
    Sehr lästig waren Hitzewallungen, Schlaflosigkeit und Launenhaftigkeit, das Universum konnte ich mit Worten massakrieren. Als ich bei der Gynäkologin im auf links angezogenen Kleid saß, war ich dankbar für das Rezept für die Hormonersatztherapie. Die ich nach einem halben Jahr wieder abgesetzt habe, weil eine Freundin einen hochaggressiven Tumor in der Brust bekam und kurze Zeit später starb (der Krebs reagierte auf die Hormongabe).
    Und dann habe ich mich irgendwie durchgewurschelt mit Rhabarberextrakt, Globuli und Soja…nichts davon brachte was.
    Zur gleichen Zeit habe ich mit viel Anstrengung unsere Existenz gerettet. Durch eine Investition in die „blühenden Landschaften“ sind wir trotz richtig viel verdientem Geld fast auf der Straße gelandet.
    Und dann kam es ähnlich faustdick wie bei Ihnen: Hörsturz, Wirbelbrüche durch Osteoporose und Burnout. Brachte mich auch in die Klinik und anschließend hat mir eine wunderbare Psychiaterin das Leben gerettet.
    Reflektiert habe ich tatsächlich alles erst im Nachhinein. Manchmal war ich kurz davor den Strick zu nehmen. Es war die schlimmste Zeit meines Lebens.

    Mir fällt auf, dass es zunehmend selbstbewußte, gutaussehende grauhaarige Frauen gibt und eben die andere Fraktion, die verzweifelt versucht jegliche Spur des Alterns zu tilgen. Bei denen erlebe ich auch die Kritik: zu wild, zu jung, zu unangemessen. Da ist Verunsicherung und manchmal sicher auch Neid „die traut sich das“ im Spiel.

    Meine langen grauen Haare sind meine persönliche kleine Rebellion und ich finde mich damit einfach schöner.

    Nach all dem Erlebten geht es mir heute richtig gut, und mit meinen 66 Jahren habe ich heute weitaus mehr Selbstbewusstsein als in jungen Jahren.

    Ich denke, ich hätte die Wechseljahre entspannter erlebt, wäre nicht zeitgleich diese Existenzkrise gewesen.
    Sich davor ängstigen muss sich keine;-)

    • Oh, da spricht viel Erfahrung. Und ich weiß, wie es mir mit 66 gehen wird :) Eine gute Perspektive.

    • ihr macht mir mut.
      bei mir fangen die wechseljahre wohl grade sachte an, und ich fühl(te?) mich ganz schön alleine damit.

  7. Als jemand, der mit dem Gejammer der Umgebung – seit 38 in den Wechseljahren – bestehend groß geworden ist, danke ich sehr für diesen Text. Auch wenn die Umstände nicht die schönsten waren: So selbstverständlich positiv mit einem allgemein oft verteufelten Zustand umzugehen, lässt mich, nun fast 35, viel entspannter und freudiger auf diese Zeit zugehen!

    • Ach, ich glaube, die da so jammern, finden in jeder Lebenslage einen Dreh, ihre Mitmenschen zu schikanieren und einen Krankheitsgewinn zu haben.
      Wir müssen da alle durch und warme Füße sind doch eine gute Perspektive.

  8. Vielen Dank für deine Geschichte. Ich kann gar nicht genügend lesen und hören – bislang hatte ich mich nur mit Altern beschäftigt, sachlich und belustigt. Doch über die hormonelle Seite mit all ihren möglichen Auswirkungen muss ich erst noch eine Menge lernen.

    • Wie Pepa das auch schon sagte, wir sind medizinische Laien. Aber ich finde es beruhigender, zu wissen, was da grade mit einem passiert.

      Danke, dass du das Thema angestoßen hast. Mir hat das ein paar erdrutschartige Erkenntnisse über die letzten 7 Jahre beschert. Inklusive der Zuversicht, dass die neue Phase noch ziemlich viele gute Jahre bringt. Ich dachte nämlich, die 15 Jahre bis zur Rente müsste ich in diesem halbdebilen Zustand verbringen.
      Dann habe ich noch mal nachgeschaut und gemerkt: Das ist tatsächlich besser geworden.

  9. Ein ganz toller und grossartiger Text, danke! Ich bin gerade 40 geworden und habe definitiv mein letztes Kind bekommen und habe mir viel Gedanken darüber gemacht, was in dem nun beginnenden Jahrzehnt auf mich zukommt. Da passt dein Text gerade verblüffend dazu.
    Alles Liebe von Catherine ( die sich zB nur schwer vorstellen kann, ab jetzt so langsam für 30 Jahre ständig Haare färben zu „müssen“, weil für Frauen grau werden ja offenbar ein totales NoGo und sich gehen lassen ist)

    • :) 40 ist ein gutes Alter. Man muss ja nicht die harte Tour durch dieses Lebensjahrzehnt fahren, wie ich es gemacht habe.
      Die Mischung Straßenköterblond und Grau ist mir ein wenig zu mausfarben. Deshalb habe ich ganz feine gebleichte und goldblonde Strähnen und dazu die Strähnen, die schon weiß sind. Das kommt ziemlich gut.

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  11. Das ist der offenste, in positiver Bedeutung: intimste Text, den ich von dir je gelesen habe. Chapeau.

  12. ich stecke da mit 50 gerade mittendrin.

    ein ständiges auf und ab. du isst ein brötchen und denkst du bist im 7. monat schwanger. schwitzen und zu unmöglichsten zeiten in der nacht aufwachen.
    half braindead dann am tag. schwere glieder, müde, lustlos und teilweise
    einfach kein ziel. leicht genervt und extrem ruhebedürftig.
    und dann das kerlchen mit bald 16!! voll der halbstarke – hört kollegah, erzählt pubertierende witze und hat kraft für 3. ist ja auch selber weder fisch noch fleisch.

    gott sei dank muß ich beruflich nicht „auf die schicht“. da habe ich gut vorgeplant und bin mittlweile auch ein kleiner minimalist geworden. weil alles geht ja dann doch nicht. ist aber freiwilliger verzicht.

    dann gestern eine freundin – als ich anmerkte, daß die letzten tage nicht wirklich prickelnd waren……
    also, ich reinigemich ich ja schon seit jahren immer wieder gut aus. (leberreinigung alles furzlang), esse ja seit meinen 18 lebensjahr nur noch vegetarisch, rauche und trinke nicht, laß mich regelmäßig homöopathisch behandeln……also ich denke, daß mich es dann nicht so dolle trifft.
    und – das muß man schließlich einfach akzeptieren.
    da platzte mir dann der kragen und ich meinte, wir reden einfach weiter, wenn sie „soweit“ ist.
    ach, nimmst du es jetzt wieder persönlich?!
    darauf ein kurzes – du, ich bin wirklich nicht gut drauf. laß es gut sein und bis bald.
    tschüß!

    ich habe gemerkt, dass nur wenige menschen mit diesem heiklen thema wirklich gut umgehen können. oft höre ich – von männern – ach, das ist doch nicht so schlimm……oder ein betretenes schweigen.
    und dann die frauen, die ……also bei MIR……also ICH hatte ja damit ÜBERHAUPT
    KEINE PROBLEME. ja danke für den senf

    ich finds gut, daß du das thema angeschnitten hast – weil es ist echt wichtig, daß darüber ehrlich und sensinbel gesprochen wird.

    und jede frau empfindet es wohl anders. ich hatte z.b. eine total relaxte schwangerschaft ohne große probleme. war noch nie wirklich ernsthaft krank und
    habe seit meinem 16 lebensjahr viel körperlich gearbeitet (gastro)

    vielleicht ist es jetzt einfach mal an der zeit sich auszuruhen?!

    beste grüße
    dani

    • Ich glaube schon, mal etwas abtauchen und ausruhen ist nicht schlecht.

    • Ich glaube mich zu erinnern, dass die Gynäkologin Christiane Northrup in ihren Büchern (die ich wirklich empfehlen möchte) erklärt, dass der Wechsel das Pendant zur Pubertät ist (oder wo habe ich es sonst gelesen??? Fand es jedenfalls sehr hilfreich). Umbau von Wechsel- auf Gleichstrom. Mega-Umbau in jeder Hinsicht. Körperlich, geistig, emotional. Kein Wunder, dass der Schlafbedarf größer ist! Launenhaftigkeit. Alles auf dem Prüfstand. Das Östrogen, das auch auf das Temperaturzentrum im Gehirn einwirkt (sonst funktionierte das Temperaturmessen als Verhütungsmethode nicht), fällt plötzlich weitgehend weg. Chaos. Wallungen. Muss sich eben wieder alles einfangen. Wird schon wieder.
      Ich bin so heilfroh, dass ich endlich (mit 54) die Periode endlich los bin, dass ich sogar eine „Endlich frei-Fete“ im Kopf habe… :-) Dass der Organismus Zeit braucht, sich umzustellen – sie sei ihm gegönnt.
      Also… ja, ausruhen, wenn es uns möglich ist. Haben wir uns das nicht verdient?
      Wie ich zu den weißen Strähnen in meinen Haaren zu sagen pflege: die habe ich mir redlich verdient! :-)

  13. Ein sehr gerne gelesener, berührender Text, in dem ich mich erstaunlich oft wiedergefunden habe. Ich stehe kurz vor dieser Phase und verdränge den Gedanken daran sehr gerne. Es macht ja auch wenig Sinn, sich darum zu sorgen, wenn man nicht genau weiß, was auf eine zukommt; die Variationen scheinen da ja vielfältig.
    Erstaunlicher Weise empfinde ich aber nun neben der etwas difusen Angst vor den Wechseljahren auch eine gewisse Vorfreude auf das danach. Vielen Dank dafür!!
    Liebe Grüße
    Nina

    • Das freut mich. Mich freut das Feedback auf diesen Text, der seit langem mal raus musste, ohnehin sehr.

  14. Vielen Dank für diesen Text! Mit Mitte 40 bemerke ich auch schon erste Auswirkungen, aber es ist nicht immer alles so offensichtlich wie „Hitzewallungen“. Jetzt kann ich manches Empfinden vielleicht ganz anders einordnen.

    Mit Grüßen von der sonst stillen Leserin
    AnnJ

  15. Ich ordne auch erst seit Kurzem Dinge, die ich unter Befindlichkeiten verbucht hatte, korrekt ein. Bisher trifft es mich aber nicht besonders hart. Meine Hitzewallungen feiere ich offensichtlich ausschließlich im Schlaf ab, die Stimmungsschwankungen sind schon unangenehmer, richtig fies finde ich die Phasen schwerer Schlafstörungen, doch es fühlt sich alles handhabbar an.

    Eine Sache aber raubt mir aber doch den letzten Nerv: die Umfangsschwankungen – und die sind extrem. Ein Rock, der mir gestern noch passte, ist heute um satte 4 Zentimeter zu eng, übermorgen passt er wieder. DAS geht mir auf den Wecker, so von einem Tag auf den nächsten. Hat jemand einen Tip ob dagegen etwas zu tun möglich ist?

    • Oh, den mondartig schwankenden Bauchumfang habe ich auch. Ich habe keinen anderen Trick gefunden, als Gummizug im Rockbund. Mindestens je 10 cm links und rechts löst das Problem.

    • Dann muß ich es mir wohl endlich mal draufpacken, wie man das richtig näht. Meine bisherigen Versuche waren nicht der Hit.

      Zwei Dinge fallen mir dazu noch ein:
      Erinnerst du dich noch an die Damenhosen aus Trevira mit festgesteppter Bügelfalte und ‚Dehnbundbereichen‘ – ich verstehe nun wie diese Ungetüme in die Welt kamen. :)
      Und: In einem Punkt kann man die Sache positiv sehen – Endlich hat es einen Sinn Jeans in drei verschiedenen Größen im Schrank zu haben.

    • Ich schlampe das auch nur so hin.
      Und als ich damit anfing, fiel mir sofort die Autofahrerhose in den Annoncen vom ADAC-Magazin ein, die hatte auch einen Dehnbund.

    • Das Hosenproblem hat sich mit der Hose Marie von Robell erledigt. Man schlüpft rein, kein Reißverschluss drückt und der Bund passt sich dem jeweiligen Bauchumfang an ohne zu drücken. Und sie sieht gut aus. Allerdings kann man getrost eine Nummer kleiner kaufen, sie fallen groß aus.

    • Die geliebte Blue Jeans ist aber so nicht zu ersetzen. Und Hosen mit ‚angedeuteten‘ Tasche sind leider auch eher nix für die Tochter meiner Mutter. :)
      Nichtsdesto – der Tip ist nicht schlecht.

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  18. Ja ja ja auch ich freue mich unglaublich, dass endlich über die Wechseljahre und Menopause geschrieben wird. Ich hatte ein ähnliches Chaos wie Kitty, Wechseljahre mit burnout. Ging schon lange Jahre mit Verkürzung der Blutungen auf einen satten 3 WochenRhythmus plus schlachtfestartiger Schwälle und nie gekannter Bauchkrämpfe (endlich konnte ich meine seit Schulzeiten darunter schon leidenden Freudinnen etwas besser verstehen, hust) und Mönchspfeffer hat nicht geholfen, höchstens das psychische aufundab etwas abgeflacht. Dann kam die Pflege der Mutter dazu bis zum Krebstod (sie war dann 70 und ich 49), mehrere verwahrloste Wohnungen auflösen etc. Ein mehrjähriger Dauerstress auf 3 Baustellen, Arbeit ging weiter, Kinder gingen weiter, das ganze trara. Schließlich freute ich mich ein dreiviertel Jahr nach ihrem Tod und dem Aufgeräumthaben der schlimmsten Hinterlassenschaften auf endlich Durchatmen können.
    Pustekuchen.
    Da kam der Arbeitgeber dazwischen, kannst Du mal für ein Jahr eine halbe Geschäftsführung übernehmen bitte? War kein andres Eseltier da…sage ich ja.
    Volles Programm. Stress im Betrieb wie blöd, ich zahle mir meinen Coach selber, weil die Kommunikation sowas von am Ar… war, mir gehts immer schlechter, unerklärliche Gewichtszunahme, Hitzewallungen, Engegefühle am Hals. Dass ich den Hausarzt schier erschlagen musste, dass er endlich die Schilddrüse checkt, nur am Rande! Bingo. Hashimoto. Okay. Tabletten eingestellt, der Hormonsums sollte besser werden, aber die Kombination eben nicht – und dann kam es halt zum burnout. Rasende Herzschmerzen ohne Symptomatik, das ganze Programm 2x mit Blaulicht zur chest pain unit… Dann endlich psychosomatische Reha-Klinik. Rückkehr in den Job auf (endlich!!) verminderter Stundenzahl, Hitzewallungen kommen ggfls. von Entzündungsschüben der Schilddrüse und werden mit Selen gepuffert (wirkt) Ich schlafe viel, sage STOP (immer noch viel zu selten) wenn alles zu viel wird, komme so langsam runter (bin seit 1 Jahr und 2 Monaten wieder am arbeiten) und wieder in mir an. Ich habe fast keine Blutungen mehr (mal 3 Monate Pause und so, aber dann tröpfelts doch noch mal) und fühle mich deswegen nicht unweiblich, auch wenn der Hosenbund mit Stretch der weitaus geliebtere ist. Die Haare hab ich nie gefärbt, der Igelschnitt ist graumeliert und ich liebe ihn – trotz Doppelkinn. Durch bin ich noch nicht, noch gibt es Eisprünge und psychisches auf und ab, aber nicht mehr so krass und belastend wie vor 2, 3 Jahren. Dass der Hashimoto eingestellt ist (viel zu spät) tut viel dazu. Die Pubertiere sind gutartig, der Ehemann geduldig. Dafür Danke ans Universum.
    Herzlcieh Grüße, Eva

  19. Wieso nur wird man im Leben auf alles vorbereitet, doch niemand erklärt einem, wie diese Wechseljahre vonstatten gehen, woran man sie erkennt und wie man sie gut durchlebt und in die neue Rolle hineienwächst, mit neuem Selbstbewusstsein?

    Ich kann mich nicht erinnern, dass irgendeine weibliche Verwandte der Elterngeneration auch nur ein Wort über diesen Zeitabschnitt verloren hat.
    Manche sprangen plötzlich auf um die Fenster zu öffnen, andere klagten über Schlafstörungen, die nächste über Figurveränderungen.

    Eine gute Nachricht bekam ich neulich im Brustzentrum: die Mastopathien (schmerzhafte Knoten in den Brüsten), unter denen ich ein Leben lang zu leiden hatte, werden am Ende der Wechseljahre verschwunden sein und sie sind jetzt schon viel besser geworden, was mein Krebsrisiko deutlich vermindert.
    Das ist doch mal was.

    Ein toller Text. Danke.

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