In jedem Anfang…

wisster schon, Hesse. Tropfte mir gerade so ins Hirn.

Der Umzug ist also geschafft. Ich habe Bekanntschaft mit dem php-Timestamp-Bug gemacht und mit übergroße Dumpfiles gerungen und nun ist alles fein.
Das Layout ist noch ein Provisorium, da denke ich mir noch etwas aus, aber ansonsten sind endlich alle Kitty-Artikel unter einem Dach und der „Durchgangsverkehr“ aus den Frühzeiten folgt in den nächsten Tagen.

Der September war eine wilde Zeit. Die wilde Zeit ist nun vorbei, alles läuft wieder in ruhigen Bahnen, ich schreibe Erklärbär-Geschichten für die Verwertung von Müll und der Modebrangsche hab ich dickes Ding so quer gelegen, daß sie mich nicht schlucken konnte.
Und so hat jede Sache ihren Sinn. Ich bin wieder fit und arbeitsfähig. Auch wenn die ersten Tage im Job die Hölle waren, aus der ich abends zitternd und jammernd emporgekrabbelt kam. Ich weiß, wofür ich mich eigne und wofür nicht. Daß ich in Teamfähigkeit wohl immer eine 4- bekommen werde, mich aber hervorragend zur Troubleshooterin eigne. Daß bei mir die Entscheidung heißt: Entweder Boß oder Außenseiter, beides finde ich ok. Daß ich prima Konzepte machen und sogar Arbeitsprozesse organisieren kann, die dann im Tagesgewurstel – hier: hinter Praktikanten herarbeiten – steckenbleiben. Daß ich Alphatier meinen Auslauf und mein großzügiges Revier brauche.
Ich habe eine Firma von innen kennengelernt, deren Arbeitsstrukturen ein prima Ausstellungsobjekt für das Museum für Verkehr und Technik wären. Abteilung Datenverarbeitung. Ja, es gibt noch Stellen, an denen mit vielfach kopierten, handgeschriebenen Zetteln gearbeitet wird und an manchen Stellen, um eine Information zu bekommen, keine Datenbank konsultiert, sondern Ordner gewälzt und Listen angelegt werden. Wo Mails kritisch beäugt werden, weil sie unhöflich und Telefonate oder persönliche Besuche besser sind.
Eine Portion altes Alternativ-Westberlin war auch dabei. „Kennste jemanden, der mir das billig macht?“ – die alte Frage.
Ich hatte manchmal Flashbacks. Diese Westberliner Ein-Mann-Filmfirmen, die es auch Mitte der 90er noch gab. Autor, Produzent, Regisseur in Personalunion. Einen Etat bekommen und dann mit billigen Arbeitskräften und Berufsanfängern, die fasziniert vom Glamourfaktor waren, so wirtschaften, daß okayer Profit übrig blieb. Was hat meine alte Chefin damals über die geflucht. Natürlich alles antikapitalistisch, wir sind alle gleich und solidarisch, aber komischerweise hatte am Schluß einer immer mehr Geld in den Händen und hat sich davon eine Immobilie gekauft. Wo die Ansage eines normalen Preises für eine Leistung ein Affront war, weil man Teil einer großen Bewegung war. Und natürlich waren diese Unternehmer alles Leute, die selbst keinen Milimeter von ihrem Preis runtergehen würden. Und dieses Verhalten verliert sich nicht in der Etabliertheits- und Wachstumszone.

Für jemanden, der knapp überschlagen, 5.000 Arbeits-Verträge in seinem Berufsleben verhandelt hat, ist das interessant anzusehen und dann eigentlich nur noch mit den nötigen Sicherungen auszusitzen. Über den Rest decken wir den Mantel der Liebe und des Schweigens. Offizielle Sprachregelung ist, daß ich für Spezialprojekte (also alles, was mit Internet zu tun hat) weiterhin mit Spezial-Stundensatz zur Verfügung stehe. Zu gut Deutsch: Die Rolle des nützlichen, billigen Idioten, die mir mehrmals angetragen wurde, habe ich abgelehnt.

Auch das noch:

  • 27.3.27.3. Keine besonderen Vorkommnisse. Außer dem Beginn des Versuchs, mal nicht die Hosen passend zum Bauchumfang neu zu kaufen oder im […]
  • Mühselig ernährt sich das EichhörnchenMühselig ernährt sich das Eichhörnchen Arbeit Am Samstag Abend war ich platt wie eine Flunder, das war eine dicke Woche. Zwei Tage "da war noch Arbeit übrig" in Kreuzberg, […]
  • 12.4.12.4. Es konnte losgehen. Die Wand wurde freigeräumt und wir malten mit der Schlagschnur 2,4x2,2m an, dann korrigierten wir die Position noch […]
  • Es ist soweitEs ist soweit Vor einer Woche stehe ich bei Dussmann in der Taschenbuch-Abteilung vor dem Buchstaben F. Nach Fitzgerald ist es Zeit, endlich Faulkner in […]

16 Gedanken zu „In jedem Anfang…

    • Ich wäre ja ganz gern schon vorher schlauer. Aber wer ist das schon.

  1. „Kennst Du jemanden, der das billig macht?“ Diese Frage kenne ich in einer anderen Form. Irgendein Computerproblem soll gelöst werden: „Kannst Du mir das rasch einmal in 5 Minuten erklären!“

    Ich habe gelernt, folgende Antwort zu geben: „Nein, das schaff ich nicht. Ich habe selbst 20 Jahre gebracht, bis ich das verstanden habe.“

    Abgesehen davon: Gratulation zur Übersiedelung!

    • Fatalerweise gibt es immer irgendjemanden, der es billig macht und dann irgendwas halbfertiges, verhackstücktes liegenläßt.
      Wie sagte schon meine Oma? Billig ist teuer.

  2. Das hört sich richtig aufgeräumt und damit gut an. Glückwunsch zu den Entscheidungen und dem Umzug.
    „Ja, es gibt noch Stellen, an denen mit vielfach kopierten, handgeschriebenen Zetteln gearbeitet wird und an manchen Stellen, um eine Information zu bekommen, keine Datenbank konsultiert, sondern Ordner gewälzt und Listen angelegt werden.“ Fühle mich ertappt ;-). Aber es ist nicht immer ganz leicht Veränderung durch- und umzusetzen. Bleib wie Du bist und ändere dich täglich. Ich weiß nicht von wem das ist, es scheint mir treffend. Alles Gute weiterhin.

    • Danke für die guten Wünsche!
      Ich bin ja nicht gegen Zettel. Schnell etwas hinscribbeln ist praktischer als es einzutippen. Wenn dann aber die Zettel dutzende Male kopiert duch die Firma wandern, handschriftlich ergänzt werden und am Schluß keiner mehr weiß, was er da überhaupt macht und woher er welche Information bekommt, wird es fatal.
      Die Zettelwirtschaft entsteht dort, wo genormte Papierkommunikation abgeschafft wird und Computer angeschafft werden, mit denen aber keiner umgehen kann/will.

  3. Herzlichen Glückwunsch zum gelungenen Umzug, Miss Kitty!
    Sieht sehr schick und gleichzeitig (noch?) ein wenig minimalistisch aus, aber mir gefallen der weiße Hintergrund und die freundliche, orangene Schrift sehr gut. Bin gespannt, wie es hier (und in Ihrem Leben) weitergehen wird….

    • Das Theme ist so extrem puristisch. Aber vielleicht schraube ich auch nur noch an Details und lasse es so. Es ist schon gewöhnungsbedürftig, daß die ganzen Infoschnipsel in der Fußzeile sind.
      Und das Leben Herr Kay… Es geht js automatisch weiter, da kann man nix machen.

    • oh gott, ja, zettelwirtschaft und listen kenn ich aus eigener anschauung – und habe mich deswegen – analog zu dor – auch grade weit aus dem getriebe rausgenommen. das home office bekommt mir und meinem output weitaus besser.

      glückwunsch zum umzug auch von mir! sieht toll aus! (ich mag es ja auch minimalistisch.)

      und die antwort auf „kannste mal schnell …“ vom steppenhund, die werde ich mir einrahmen :D

      bis bald!

  4. Eine Kleinigkeit: Der neue Feed ist im Gegensatz zum alten gekürzt, ist das Absicht? Gekürzte Feed sind doof :)

  5. ui, wie schön hier! kriege ich lust, meinen eigenen umzug endlich mal in die wege zu leiten.

    glückwunsch zu allem!

  6. liebe frau kitty,
    leider bin ich grade zu platt, um ausführlich zu kommentieren.
    aber glückwunsch, zum gelungenen umzug,
    und wirkich 5000 verträge verhandelt ? (erneutes wow)
    und yep…. verweigern sie sklavenarbeit und verhindern sie diese auch, falls möglich…
    und… good luck sowieso
    und herzensliche grüße eh :-)

    • Ich war selber erschrocken, als ich mir das ausrechnete.
      :)

  7. Freue mich, von Ihnen nun hier zu lesen. Gern auch Tagebuch.

    Die Antwort von Steppenhund kopier ich mir auch gleich in die stationäre Festplatte hinter der Stirn. Geht ja auch mit „Könnse mal eben dies, das und jenes schreiben, fotografieren, usw.“ Perfekte Antwort.

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