Aber natürlich mit Häkeldiplom!

Die Vergangenheit hat es uns Frauen ermöglicht, tun zu dürfen was wir wollen.Sie hat Ihnen das Schreiben ermöglicht und anderen das Stricken, oder was auch immer jeden von uns glücklich macht!

Das ist ein Zitat aus einem Kommentar unter dem Brigitte-Artikel „Hilfe, ein Häkeldiplom!“ Oder warum der DIY-Trend ein Ende haben muss. Eine Journalistin hatte über ästhetisch fragwürdige und in ihren Augen rückständige Praktiken von Frauen – die Handarbeiten machen und darüber bloggen – geschrieben und gefragt, ob das denn nicht Abgesang auf den Feminismus und narzisstische Dauerbelästigung sei und Frauen an der Selbstverwirklichung im Beruf hindere. Sie selbst sei, statt Handarbeitsunterricht zu nehmen, zu den Jungen in den Werkunterrricht gegangen. Ihr Role Model ist eine Psychologin, die Kampfsport betreibt und öffentlich im Käfig kämpft. Derzeit ist ihr beruflicher Status, mit einem autobiografischen Buch über Depressionen auf Lesetour zu gehen.
Dazu muss man nicht viel sagen. Erstens ist der Text ist eine einzige, polemisch-unglückliche Steilvorlage, zweitens übernehmen das schon die anderen Frauen und das so gründlich, dass die Redaktion die Kommentatorinnen bereits mehrmals zur Sachlichkeit gemahnt hat. Frauen beschäftigen sich also mal wieder miteinander. Mit Kratzen, Beißen, Spucken. Super, Mädels!

Pastellfarbenes Blümchen- und Karoidyll

Dabei spricht Heide Fuhljahn Dinge aus, die ich in meinem stillen Kämmerlein ebenfalls denke. Warum diese ästhetische Zurückwendung an die 50er Jahre? (Aber nicht in die großbürgerliche Eleganz von Dior oder Givency sondern in kleinbürgerlichen Kitsch und Plunder, dazu schrieb ich vor einem Jahr schon mal was) Eine Zeit, in der Frauen ohne Erlaubnis des Mannes nicht arbeiten gehen durften und ihn abends adrett gekleidet in der blitzsauberen Wohnung empfingen und seinen Worten über den harten Arbeitstag lauschten. Warum geben sich Frauen im Netz infantile Namen, die alle irgendwas mit -elfchen, -zauberin und -seele (aber auf jeden Fall -chen!)zu tun haben oder firmieren nicht als eigenständige Person, sondern als „Thorbens-Ludwigs Mama“?
Warum geht es plötzlich darum, Dinge selbst perfekt zu können, die Frauen in den 50ern und 60ern am liebsten dem Personal, aber dann mangels Personal der Industrie oder Dienstleistern überlassen haben? Die Mütter der Babyboomer waren stolz darauf, das Kochen, Putzen und Flicken lernen verweigert zu haben.

Das interessiert mich viel mehr, als so eine Frauenkeilerei. Oder langatmige Pamphlete, wer wie zu denken und zu reden hätte.

Da war die Welt noch in Ordnung

Eine ästhetische Zuwendung zu vergangenen Zeiten ist ja nun nicht neu. Es wird ja alle paar Jahre ein Revival eines Stils ausgerufen. Es gab ja auch vor nicht allzu langer Zeit Jungs, von denen jeder Revolte und abgeranzte Lederjacken erwartete, die aber plötzlich missfarbene Pullunder und Trainingsjacken trugen und statt Gebrüll und drei Gitarrengriffen langzeilige Texte zur Kompliziertheit von Liebe und Gesellschaft sangen.

Das allumfassende Fifties-Revival ist sehr eng mit unseren Zeittendenzen verknüpft. Schauen wir doch mal wie das anfing. Denn zuerst wurden diese Elemente von Frauen adaptiert, die alles andere als Heimchen am Herd waren. Eine  tätowierte Frau wie Gretchen Hirsch in einem Fifties-Kleid ist vor allem eine Provokation und ein ironisches Statement. Aber auch Symbol einer Suche – nach dem weiblichen, nicht sportlich durchoptimierten Körper, nach Kleidung und Material jenseits indischer Kleiderfabriken.
Dieser ironische Impuls fand ein Echo bei genau den Frauen, die auf der Suche nach Identität sind und diese Identität in der ästhetischen und handwerklichen Zelebrierung des Hausfrauendaseins und der Mutterschaft in der Kleinfamilie finden. Das ist nichts schlimmes. Es ist nur eine Botschaft.

Mir fiel zuerst eine Parallele ein. Erinnert sich noch jemand an die Flohmarkt- und Fernwehklamotten der Hippies? Victorianisches und Tracht aus aller Welt.
„Hair“ hat den Look ganz gut konserviert:

Aber ich denke auch an die Sgt. Pepper-Uniformen. Und dann kam Yves Saint Laurent, kleidet Frauen in etwas, das  dann irgendwann „Folklorelook“ genannt wurde und somit auch tragbar für die Angestellte in Sindelfingen war. Da wurde aus Provokation und Ironie dankbare Adaption.
Wann fand das statt? In einer Zeit, in der Frauen begannen, über Partnerschaft, Schwangerschaft und Berufstätigkeit selbst zu entscheiden. Mit allen Vorteilen, wie freie Partnerwahl ohne moralische Stigmatisierung und allen Nachteilen, wie Alleinerziehendendasein oder Kinderlosigkeit. Da trug man plötzlich Kleider aus einer Zeit bzw. aus Gesellschaften, in der „die Welt noch in Ordnung war“. Wo jeder seinen Platz und seine Bestimmung hatte.
Man redete von ehrbaren Handwerksberufen, einige arbeiteten auch wieder mit der Hand, aber viele taten das nur als Hobby.

Und das ist nicht das erste Mal. Die Präraffaeliten und die Nazarener gingen auf die Suche nach dem Ursprung, die Romantik favorisierte Märchen und Legenden, baute Schlösser um und bestimmte nachhaltig unser Bild vom Mittelalter. Im deutschen Biedermeier schlug sich das nieder, das ausgeprägt bürgerlich und anti-feudal war und den Rückzug ins private, bodenständige und familienbezogene Leben propagierte. Man feierte das Handwerk und die Schönheit der Natur in einer Zeit, in der überall Fabriken mit rauchenden Schloten gebaut wurden und Ansammlungen wildfremder Menschen zusammenkamen, um ihre Arbeitskraft zu verkaufen.

Und heute?

Womit sind wir heute konfrontiert? Wir erleben eine neuerliche feministische Selbstvergewisserung, die – auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht – in die Anforderungen der Zeit passt. Bei der seit Jahrzehnten möglichen Teilhabe von Frauen an höherer Bildung, dem momentanen Bevölkerungswachstum und den gestiegenen Ansprüchen an die Qualifikation von Arbeitskräften kann es sich eine Industriegesellschaft wie Deutschland gar nicht leisten, Frauen erst auszubilden und dann ausschließlich Familienarbeit machen zu lassen. Zudem gibt es jede Menge Bedarf an weiblich konotierter Arbeit und wesentlich weniger an männlich konotierter (ich rede von der Masse an Arbeit, nicht von der Führungsspitze). Die Ehe als Versorgungsinstitution existiert zwar noch, aber die Versorgung des nicht erwerbstätigen Ehepartners (i.d.R. die Frau) ist nach Ende der Ehe seit 2008 nicht mehr garantiert. Und Ehen enden verdammt schnell. Außerdem leben und arbeiten wir länger, die Reproduktionsphase einer Frau ist nur noch eine von mehreren Lebensepisoden und nicht mehr ihre Endstation.

Die Köpfe kommen da nicht so schnell hinterher. Dazu paßt auch das Eingangszitat: Wir Frauen konnten früher das machen, woran wir Freude hatten.
Die Männer zetern rum, weil Frauen ihre angestammten Reviere erobern wollen und freiwillig begibt sich niemand von ihnen aus der Komfortzone und macht Familienarbeit ohne wesentliche gesellschaftliche Anerkennung. Den Frauen scheint aber angesichts ihrer veränderten Möglichkeiten auch etwas blümerant zumute zu sein, aber es hat keiner gesagt, dass das Neue und Andere ohne Mühe, Anstrengung und Rückschläge ist. Das Credo lautet nun „es war nicht alles schlecht!“ und sie holen verstaubte Rollenmodelle raus.
Christiane Frohmann schrieb über das Reaktionäre des Retro einen sehr guten Text: Geht doch zurück nach früher!

Aber das Verrückte ist, daß Frauen nun plötzlich beginnen, sich die Anerkennung für die Familienarbeit selbst zu geben. Übers Internet geht das ganz einfach.

Ich sehe darin nicht einmal nur eine Restauration eines überkommenen Frauenbildes. Es ist nur Teil einer Facette eines großen Ganzen, das Frausein bedeutet, wenn man denn den Mut hat, das zu leben.
Auch wenn Männer vermeintlich tun und lassen können, was sie wollen, sie sind wesentlich beschränkter in ihrer Rollenzuschreibung, die sie auf Stärke und Leistung festlegt. Eine Zuschreibung, die sie bei Versagen und Verweigerung sehr schnell ins gesellschaftliche Abseits bringt. (Nicht vergessen, männliche Hartz 4-Empfänger haben z.B. kaum Chancen auf eine Partnerschaft.)

Ich glaube, wir Frauen haben viel eher die Wahl, was wir tun und lassen können. Wir können männliche Rollenbilder adaptieren, wie es auch Heide Fuhljahn scheinbar getan hat. Wir können aber auch einfach Frauen sein. Aber in jedem Fall wäre es fein, es zu unterlassen, die Lebensentwürfe und Ideen anderer Frauen abzuwerten.

Ich pendele doch auch zwischen den Welten. Ich kann Heimchen am Herd genauso wie Handarbeitsmutti, Businessbarbie und knallharter Typ. Ein Mann, der das versucht, würde wahrscheinlich für verrückt erklärt.

Also, meine Damen, könnten Sie bitte aufhören, sich die Köpfe einzuschlagen? Feiern Sie lieber ihre Wahlmöglichkeiten.

edit: Was mir noch einfiel: Das öffentliche Hausfrau- und Handarbeit-Zelebrieren bringt im Gegensatz zu vielen Jobs, die eine Frau mit Familie machen kann, wenigstens sichtliche und fixe Erfolgserlebnisse und Ansehen, was scheinbar mehr wert ist als Geld und Status aus abhängiger Arbeit. Das ist der Punkt, wo man auch noch mal sehr intensiv über heutige Arbeitsphilosophie, -strukturen, -dichte und -organisation nachdenken sollte. Denn auch das ist eine Botschaft.

und noch ein edit: Niemand würde eine solchen Aktion um die Freizeitaktivitäten von Männern starten. Wenn die angeln, Modelleisenbahnwelten bauen oder Zinnfiguren bemalen, wird das höchstens nachsichtig belächelt, wenn es allzu skurrile Formen annimmt.
Ich revidiere daher auch einige meiner Schlußfolgerungen. Hey und wenn jemand Spaß daran hat, sich als Betty Draper zu inszenieren, so what! Etwas mit den Händen zu tun, nachdem einem den ganzen Tag der Kopf gequalmt hat, ist zutiefst befriedigend.
In meiner Twitter-Timeline debattieren die #nähnerds über ihre Habilitationen und wie frau an eine Professur kommt und nebenher gibt solche Tutorials (von Mama macht Sachen), an denen sich jede geschäftsreisende Business-Barbie orientieren kann (ca. 50% der Sachen sind selbst gemacht).

Wo bitte ist also das Problem????

Auch das noch:

  • Watzefack?Watzefack? Dieser Blogpost. Der sich über die Übergriffigkeit sogar von Männern beklagt, die sich Feministen nennen. Und die sich anschließende […]
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41 Gedanken zu „Aber natürlich mit Häkeldiplom!

  1. Es ist vor allem dieses Verächtlichmachen und Verekeln von Vorlieben, Hobbys, Dingen, über die sich andere freuen, die mich an diesem Text aus der Brigitte stören. Wobei ich auch das oft infantile Gehabe erwachsener Frauen nicht aushalten kann. Finde ich auch als Zeiterscheinung sehr befremdlich. Bloß, habe ich dann gleich das Recht, andere herabzusetzen, indem ich sie ätzend kritisiere? Wenn’s ernst wird, kann ich immer noch was sagen, aber sonst muss ich eben meinen Toleranzrahmen etwas erweitern.

    • Ja, da stimme ich zu ud ich frage mich, warum die das in der Redaktion nicht gemerkt haben, daß da grade ihre Zielgruppe mit Mist beworfen wird. Ich veröffentlich doch in der ADAC-Zeitung auch keine Polemik über Porschefahrer mit kleinen …

  2. Da frage ich mich doch, ob die Menschen, die andere Menschen durch den Kakao ziehen, kein eigenen Leben haben. Oder halt keine Beobachtungsgabe, oder halt keine Lebenserfahrung. Toleranz gegenüber dem eigenen Geschlecht oder liebevollen Umgang auch mit Besonderheiten anderer Menschen ist ein seltenes Pflänzchen.
    Warum kann man es sich nicht vorstellen, dass auch eine Führungspersönlichkeit abends vor dem Fernseher strickt? Oder sich vor die Eisenbahn im Keller setzt? Einfach nur so? Ohne es begründen zu müssen? Warum kann man nicht von allem etwas haben? Warum muss man immer erklären, warum man was gerne macht?
    Einfach Freude am eigenen Sein haben, zumindest ne kleine Weile am Tag. Das darf man sich und anderen gönnen.
    Danke für Ihren Artikel, Frau Kitty.

    • :)
      Da haben sich mehrere Leute ein fettes Eigentor geschossen.
      Die Journalistin, die in der „Stimmen“-Rubrik ihr Buch mit einem kleinen Aufreger bewerben wollte und voll in die Sch… getreten ist. (Eine tragische Gestalt, wer in dieser Rubrik postet, hat mit Sicherheit keinen Job im gelernten Beruf und verarbeitet halt die Depressionen mit einem Buch. Wenn man etwas weiter recherchiert, sieht man, die Frau ist schwer krank. http://www.welt.de/regionales/hamburg/article115437507/Zu-traurig-zum-Leben.html)
      Und die Brigitte, die dieses bösartige Abwerten anderer, um sich selbst zu präsentieren, zulässt, nebenher überhaupt keine Ahnung von den Beschäftigungen ihrer Zielgruppe zu haben scheint und nicht in der Lage ist, die Sache zu deeskalieren.

    • Mir tut der Shitstorm leid, wahrscheinlich wird von der Brigitte da momentan auch noch viel Übleres rausmoderiert. Versteh ich auch nicht, dass da keiner vorher mal drüber nachgdacht hat.

    • Wie das Schicksal es spielt, kenne ich zwei männliche Führungspersonen, von denen der eine in seiner Freizeit mit seiner X-Box Autorennen fährt und der andere im Keller mit einer kleinen Eisenbahn Runden dreht. Hat sich kein Mensch je beschwert od er denen falsches Bewußtsein oder so vorgeworfen.

  3. Und mit deinem letzten Gedanken wären wir wieder bei den Anforderungen der Zeit, und die erklären dann auch solche wütenden Artikel wie der aus der Brigitte: da entziehen sich Frauen einfach der Verwertung ihrer Arbeitskraft, steigen aus den oft finanziell sowieso nicht sonderlich attraktiven Frauenjobs aus und schaffen sich ihr eigenes Bezugs- und Belohnungssystem. Wenn das alle machen würden! Gerade jetzt, wo frauen wieder mehr als Arbeitskräfte gebraucht werden. Für jemanden, der die neoliberale Ideologie verinnerlicht hat, ist sowas eine ungeheure Provokation: Wer als Arbeitnehmer noch Zeit für ein Hobby hat (das nicht wie Marathonlaufen etc. der Selbstverbesserung dient), strengt sich im Beruf nicht genug an. Frauen, die entscheiden, einfach nicht mehr mitzumachen, stellen das System fundamental in Frage. Und daher erklärt sich für mich die Wut und die Häme.

    • Ja, da stimme ich dir vollkommen zueinem . Das ist das blöde an Blogartikeln, daß die so schnell geschrieben sind, daß solche Gedanken erst im Nachsatz kommen. Frauen entscheiden, in einer männlich organisierten Arbeitswelt nicht mitzumachen oder halt nur das, was sie zur Ernährung brauchen. Wertschätzuung nach männlichen Kategorien triggert sie nicht und Status und Karriere wie sie momentan definiert sind, sind es nicht.

    • Ja! Jajaja! Damit bringst du viele meiner diffusen Gedanken zu diesem Thema auf den Punkt, Lucy.

    • Aber viele Frauen, die ein bisschen hobbymäßig handwerkeln und die Ergebnisse auf DaWanda verkaufen, tun das mit der sicheren Rückendeckung eines Partners, der das Gehalt nach Hause bringt. Sonst würden sie nämlich nicht zu solchen unrealistischen Preisen ihre Produkte verkaufen.
      Und insofern ist das nicht als knallharter Protest gegen ein „System“ zu lesen, sondern als „Ich hol das Beste für mich raus, das System ist nicht mein Problem“. Versteht mich nicht falsch, das ist eine legitime Haltung (wie auch das Anstreben von Vorstandsposten oder das hauptberufliche Kindererziehen), aber das zum großen politischen Protest hochzustilisieren trifft es meiner Ansicht nach überhaupt nicht.

    • Oh, Entschuldigung, das habe ich nicht gesehen, als ich die Kommentare per App freigeschaltet habe.

  4. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr sehe ich, wie so ein Angriff eigentlich viele vereint, die sich sonst auch nicht grün wären (Sternchenelfe vs. feministische Näherin). Leide herrscht außerhalb der vernetzten Welt aber immer noch das Weltbild der Autorin vor, d.h. Mann oder Frau, die nicht (mehr) für Geld arbeiten, müssen sich rechtfertigen.
    Und ja, ich glaube auch, dass viele Jobs für Menschen mit Familie unattraktiver sind als Arbeit zuhause, das öffentliche Image ausgenommen. (Siehe gerade der Artikel in der SZ zur Ausbeutung von Akademikern im Wissenschaftsbetrieb, Das klappt ja nur, weil über den Jobtitel ein Status vermittelt wird. Kann sich nur leisten, wer den Lebensunterhalt von anderswo herbekommt).
    Den 50er-Jahre-Retrotrend sehe ich nicht so sehr in Verbindung mit DIY. Das ist jetzt nur eine Mode, u.a. weil die Elterngeneration diesen Look gruselig findet (meine Mutter z.B. ist beim Anblick von Nierentischen gleich wieder im Muff der 50er). 60er und 70er-Looks sind ja auch da, bei den ganz Jungen 80er, 90er, man will eben immer wieder etwas anderes sehen und sich abgrenzen.

    • Solange das vereint sein nicht nur darin besteht, auf einer rumzuprügeln, die sich sehr offenkundig daneben benommen hat und es tatsächlich hilft, das Empfinden zu schärfen, für das, was man da tut. ok.
      Es gibt eine Synergie zwischen Retro und DIY, nämlich dort, wo das Bild der properen Hausfrau in ihrem Puppenheim ironiefrei reproduziert wird und das Selbstbild zementiert. Das ist ästhetisch oft fragwürdig, aber da soll jeder nach seiner Facon selig werden, aber es sagt auch ganz viel über die Wünsche und Sehnsüchte nach Überschaubarkeit, einem festen Platz und Sicherheit.

      Ich fürchte, wir haben in vielen sinnstiftenden Tätigkeiten mittlerweile den Status erreicht, dass das Geld von woanders herkommen muss. Das ist im Kunst- und Kulturbetrieb genauso. Und mittlerweile nicht mehr nur in den wirklich freien Berufen, sondern auch im ganzen Dienstleistungsapparat drumherum.

    • Ergänzung: Zu einem Teil ist DIY Verweigerung des wirtschaftlichen Wachstumsdogmas. Leute, die sich in diesen Kreisen bewegen, sind keine klassischen, kalkulierbaren Konsumenten mehr. Es gibt zwar eine weitere Industrie, die daran verdient, nämlich die für die Werkzeuge, Materialien und Halbzeuge, aber das ist nicht Mainstream.
      Ich denke immer wieder über Parallelen zum Heimwerken nach. Das machen Menschen, weil Handwerker zu teuer sind und es dafür keine industriellen Lösungen gibt (so wie bei Konfektion oder Möbeln).

    • Nein, ich muß mich etwas korrigieren. Männer haben neben ihren Berufen auch ihre wunderbare Welt der erfüllenden Kleinigkeiten. Sie machen nur keine Staatsaktion daraus.
      Hier habe ich das aufgeschnappt: „Kein Mann käme auf die Idee zu sagen „Du Arsch spielst in der Alte-Herren-Mannschaft für Traktor Mopsdorf, mit dir führe ich keine Diskussion über die kalte Progression!“ Aber Frauen die stricken oder Stoffe mit Pilzen drauf vernähen sind alle doof, ja klar!“ http://tagfuertag.typepad.com/weblog/2014/10/gedanken-%C3%BCber-das-leben.html

  5. Guter Blogbeitrag, danke.
    Die Macht der Männer ist die Geduld der Frauen. Ein alter Spruch.
    Man möchte ergänzen:
    ….und ihre Zerstrittenheit…..

  6. Vielen Dank dafür! Ich habe mir einen Kommentar zu Frau Fuhljahn erspart, hatte allerdings gehofft, dass wir solcherart polemischen Hardcorefeminismus hinter uns gelassen hätten. Das, was ich praktiziere, nenne ich gerne Lippenstiftfeminismus – ich nutze nämlich alle meine Möglichkeiten aus, bin gut ausgebildet, habe einen guten Job und schaffe da auch was, muss mich aber nicht darüber definieren. Ich gönnte mir den Halbtagsjob und dafür zwei Kinder, ich pflege Hobbies wie nähen (wirklich gut, weil Oma Damenmaßschneiderin war), stricken, kochen und backen. Anerkennung bekomme ich in beiden Feldern. Und genau das ist doch, was wir den Männern voraus haben, die Möglichkeit des Mosaiks. Wir sollten das genießen, jede in der ihr genehmen Mischung. Und wenn ich morgens den Lippenstift auflege, dann tue ich das, weil ich das sehr mag und nicht, um irgendeinem Mann zu gefallen oder die Kollegin auszustechen.
    In diesem Sinne nochmal: vielen Dank fürs laut sagen!

    Grüße! N.

    • Du liebe Güte, das soll „Hardcorefeminismus“ gewesen sein? Das hatte doch mit Feminismus null zu tun,das war nur Frust & schlechte Laune.

  7. Ein sehr kluger Artikel. Ich sehe es immer noch im Zusammenhang mit dem Trend „Cocooning“, und es ist auch nicht-entfremdete Tätigkeit, die unmittelbar Erfolg verschafft. Wie ist es mit den Schichten, in denen sich dieser Trend etabliert hat, ich würde vermuten, wirklich arm kann man bei all dem benötigte Zubehör nicht sein.
    Ich weiß auch nicht ob es etwas rückwärts Gewandtes ist, und ob man all die persönlichen Motive unter einen Hut bekommt. Ich kann nur für mich sprechen – wenn ich die Wahl habe mache ich am liebsten mein eigenes Ding, eine Arbeit und ein Produkt, hinter denen ich auch moralisch stehen kann, und was für mich der wichtigste Aspekt ist – was sich optimal mit meinem Dasein als Single-Mama verbinden lässt. Da müsste schon etwas sehr Tolles locken, um das aufzugeben :) LG! Ela

  8. Liebe Frau Kitty,

    ich war gerade bei Ihrem Nachbarn, dem Herrn Lucky zu Gast und las dort von Ihrer Freude an Hörbüchern. Die habe ich auch gerade für mich entdeckt und wollte mal fragen, ob Sie Buchempfehlungen hätten! Hätten sie? Das wäre fein, Danke!
    Und sorry für o.t.

    • Ich bin leider, was Hörbücher angeht, absolute Novizin, ich habe ja erst im Frühjahr wieder mit dem Stricken begonnen. Das Kind gibt mir Ratschläge und so höre ich derzeit „Harry Potter“ (ist aber absolut empfehlenswert!)

  9. Danke für diesen Artikel.

    Ich zitiere mal aus einem anderen Blog zum Thema:
    Ich bin der Pilotin sehr dankbar, dass sie so viel Arbeit und Anstrengung investiert hat, um mich sicher in den Urlaub fliegen zu können. Falls sie neben ihrer Ausbildung keine Zeit hatte, das 1×1 der Handarbeit zu erlernen, zeige ich mich übrigens gern behilflich, wenn sie mal einen losen Knopf an ihrer Uniform hat. Und natürlich freue mir ein Loch in meine selbstgestrickte Mütze, wenn die Pilotin sich abends im Hotelzimmer unter einem Quilt schlafen legt, den ich genäht habe, und den sie vielleicht als kleines Stück Zuhause in ihrem Rollköfferchen immer dabei hat.
    Zitat Ende

    Hier geht es zum ganzen Artikel:
    http://ringelmiez.de/2014/10/07/

    • ja, ellas Artikel dazu ist sehr gut. Sie bringt noch die Perspektive des Nähprofis dazu.

  10. Hallo Kitty,
    Dein Artikel sollte unbedingt als „nachgehakt“ ebenfalls in der Zeitschrift erscheinen!

    Mit lieben Grüßen
    moni

  11. ich schleiche seit Tagen um dieses Posting und hätte um ein Haar kurzerhand einen launigen Kommentar abgegeben.
    …. Ja, hätte ich nicht da schon einige der Kommentare hier gelesen. Denn offen gesagt, geht mir diese Art neuer Weiblichkeit vermutlich genauso gegen den Strich, wie der geschmähten Kolumnistin.
    *Schultern zuckend schnell in Deckung gehend*

    • Eine genauere Erklärung wäre jetzt natürlich interessant.

    • ok., ich sollte echt keine Kommentare aus der App freischalten und darauf reagieren. Ich kriege nämlich nicht mit, worauf sie sich beziehen und antworte in guter alter Egokaspermanier auf mich bezogen. Ich bitte um Entschuldigung.

      Rosmarin, ich bin zu dem Thema sehr gespalten. Einerseits bin ich selbst Teil dieses Neobiedermeier und habe viel Spaß dabei. Andererseits graust mir bei manchen Heimchen-am-Herd-Selbstinszenierungen, weil sie von einem massiven Selbstbetrug sprechen. Sie betreffen nämlich nicht nur die Freizeit, sondern einen kompletten Lebensentwurf. Und das ist ein Zeichen, dass nicht nur die Männer sondern auch eine Menge Frauen die Zeit zurückdrehen wollen. Sie wünschen sich Verhältnisse zurück, die mittlerweile des Inhalts entbehren und deshalb können sie nur noch die Fassade aufbauen. So archaische Familien- und Geschlechterverhältnisse, wie sie diese Frauen inszenieren, gibt es in Deutschland genuin allerhöchstens noch in bäuerlichen Migrantenfamilien. (Oder bei den Hauselfen in „Harry Potter“.)
      Da gruselt es mich ob des Selbstbetrugs.

      Was mich an Fuhljahn stört, ist ihre Tendenz, sich selbst (der es scheinbar nicht stabil gut geht mit ihrem Lebensentwurf) aufzuwerten, indem sie andere massiv abwertet. Ihr Rollenmodell habe ich selbst Jahrzehnte gelebt. Sie findet die Psychologin, die in ihrer Freizeit Käfigkämpfe bestreitet, gut. Ich habe vor 15 Jahren davon geträumt, Überlebenstraining im australischen Outback zu machen.
      Das ist auch legitim.
      Gestern bin ich darüber gestolpert, Ursula K. Le Guin meint, dass die neue Frau ein minderer Mann ist.
      Es gibt so viele Versuche, sich neu aufzustellen. Als Mädchen (also nie erwachsen werdend), als Geschlechtswandlerin oder -ignorantin (nicht umsonst schreit immer irgendjemand „Geschlecht ist ein Konstrukt“), als Tendenzlesbe (weil Männer so scheiße sind, ist das die logische Konsequenz seit 1915), als Businessbarbie (sich brav und perfekt allen Anforderungen anpassend), als harte Braut, die Eier aus Stahl hat, usw. usf.
      Oder aber man macht die Volte und versucht die Zeit umzukehren. Die ironiefreie Selbstinszenierung als 50er-Jahre-Hausfrau (was ja in den Medien eine sehr plakative Zeit war, die die Tendenz spiegelt, die in Krieg und Vorkrieg viel freier gewordenen Frauen an den Herd zurückzuholen) ist zeitgleich auch Signal an den Mann: Laß dich bloß nicht scheiden, denn ich opfere mich für unsere perfekte Welt auf und bring so viel wie möglich Geld nach Hause, denn ich bringe – wie nachdrücklich sichtbar gemacht wird – Hochleistungen im unentgeltlichen Bereich.

      Es bleibt also kompliziert.

  12. Hallo die Damen,

    der Artikel über den hier diskutiert wird ist hart. Muss man zugeben.
    Allerdings muss ich der Autorin geringfügig recht geben. Aufmerksamkeit wollen
    wirklich viele auf sich ziehen. Aber ich glaube auch, dass sich unsere Welt immer
    wieder wandelt. Jeder Mensch will Anerkennung das ist eine ganz natürliche Sache.
    Anerkennung – so wurde ich erzogen – muss man sich verdienen. Auch nicht ganz richtig.
    Man muss sich selbst anerkennen, das bedeutet mit sich und dem was man tut glücklich sein.
    Frauen und Männer sollen sich in in den Bereichen selbst verwirklichen können
    die ihnen Spass machen, die sie glücklich stimmen.
    Ich habe nichts gegen Karrierefrauen und Männer – jedem das Seine. Auch finde ich toll
    dass es Menschen gibt die für die Rechte demonstrieren.

    Was mir besonders an DIY gefällt ist dass das Bewusstsein für selbst hergestellte Dinge wieder in den Vordergrund tritt. Wenn ich mich so umschaue … viele Kinder können nicht mal mehr richtig spielen oder was basteln. Ich finde es toll, dass es Mütter gibt die begeisterte Bastler und Werkler sind. Und dieses Hobby oder das Bewusstsein an ihre Kinder vererben.

    Ich bin ein Mann und ich stehe dazu dass ich sowohl meine Karriere als auch von mir selbst hergestellte Dinge liebe. Und warum? Weil ich mir das gönne. Es tut mir gut mich beruflich als auch im Privatleben auszutoben. Ich danke allen kreativen Müttern und Vätern, die mir im Internet Anregungen verschaffen. Schwarze Schafe gibt es überall.

    Liebe Grüsse, Daniel

  13. Nachtrag: Und steht hinter dem ganzen Lächerlichmachen solcher Handarbeiten nicht auch eine Abwertung manueller Arbeit oder Hausarbeit an sich? Sprich, es ist natürlich viel wichtiger, ein Essay zu schreiben, als die Küche zu putzen. Wer studiert hat, häkelt nicht. Wer studiert hat, weiß nicht, wie sie einen Saum anheften kann. Wer studiert hat, die hat natürlich eine Putzfrau. (Von Männern ganz zu schweigen, da hat das mit dem Bildungsstandard gar nix zu tun. Anderes Thema.) Ich kriege jedesmal so einen Hals, wenn ich in England höre (von ganz normalen Frauen): Oh if I ever need to clean the toilet myself again… horrors! Ja, schlimm das, gutes Personal ist so schwer zu kriegen. Ein bisschen Dünkel spielt eben auch mit. Herabsehen auf die eigenen Mütter, Großmütter zum Beispiel. Oder auf Frauen, die nicht so privilegiert sind. Wie gesagt, nur ein Verdacht.

    • Liebe/r Schneizel,
      Einspruch. Frau, die studiert hat und im universitären Mittelblau arbeitet, putzt zu hause selbstverständlich selbst und näht auch zumindest mal ’nen Ikea-Vorhang auf die richtige Länge um, denn Dienstleister wie Haushaltshilfe oder Änderungsschneider sind bei bei einem BAT IIa -Einkommen (meist auch noch auf halber bezahlter Stelle bei voller geleisteter Stundenzahl) wirklich nicht drin. Schon gar nicht, wenn man Familie hat. Ich kenne kein Arbeitsumfeld, in dem Dünkel und materielles Gehabe so verpönt sind, wie in geisteswissenschaftlichen Fakultäten.
      LG, Steffi

  14. Pingback: Results for week beginning 2014-10-06 | Iron Blogger Berlin

  15. Guten Abend
    und vielen Dank für die beiden letzten ausgesprochenen Gedanken zum thema „nachmach-kits“ im Sinne von Kreativität à la Malen nach Zahlen. Ich glaube, diese Sets verkaufen sich so gut, weil es viele Menschen gibt, die den Wunsch haben, kreativ zu sein, aber Anfangshemmungen haben und so ein Bastelset für sie so hilfreich ist wie Stützräder zum Radfahrenlernen.

    Das Dumme ist nur, mit Stützrädern lernt man nicht unbedingt schneller und besser Radfahren, dennoch montieren viele Eltern sie heute immer noch an die Kinderfahrrädchen ihres Nachwuchses. Ich muß gestehen, als Kind habe ich auch ab und an zu solchen Kreativ-Stützrädern gegriffen, aber schnell festgestellt, dass das eher eine Blockade für das Ausleben einer künstlerischen Ader ist.

    Ihr seht, mir geht es ähnlich wie euch, nur konnte ich bisher meine Gedanken so schlecht in passende Worte fassen. Sie kommen nicht von ungefähr, denn in einem Buch über Handarbeiten, das in den fünfziger Jahren verfasst wurde, wird genau dieses Thema angesprochen – nur waren es damals Sticksets für Kreuzstichkissen mit ausgesprochen kitschigen Motiven.

    Der Autor regte seine Leser dazu an, sich eigene Gedanken zu machen und ein eigenes Gespür für zusammenpassende Farben zu machen anstatt zu „venezianischen“ Kissenplatten, Szenen mit Jagd- und Bauernmotiven oder Küchentüchern mit sinnigen Sprüchen wie „trautes Heim Glück allein“ zu greifen.

    Für mich war das schon vor Jahren ein wichtiger Beitrag – nur war dieser in einem Buch erschienen und in einem sachlichen, aufs positive gerichteten Ton geschrieben – und ich glaube, solche Texte regen einen eher zum Nachdenken und Nachmachen an als Artikel wie der in der Brigitte, wo die Ablehnung mitt dem Holzhammer vor den Bug der Leserschaft gedonnert wurde.

    Lieben Gruß
    Ulrike

  16. „ich hau noch einen drauf“hier:
    „getroffene hunde bellen“ – das haben wir schon in der 1. klasse der grundschule in den endfünfzigern zu hören bekommen . . .
    – – – der artikel ist nach meiner auffassung (und wahrnehmung !!!) weder böse noch abwertend. da hat jemand etwas beobachtet und für sich eine meinung daraus gebildet ( die nun öffentlich ist).
    ja und – – – warum denn nicht ?
    ich finde es immer wieder erstaunlich, dass von denen, die allesamt auf einen raufhauen im selben atemzug verlangt wird, dass der, den sie gerade aus „vermeintlichem Recht“ verprügeln, doch bitte und gefälligst tolerant sein solle . . .
    häh?
    und wo ist da die eigene toleranz, den mit der anderen-anders-meinung zu tolerieren???
    hardcore-feminismus – – – wie viele wattebäuschen muß frau am tag verteilen um so einen artikel dort einzustufen?
    ehrlich, das ist sowas von oberflächllich gelesen, und gar nicht verstanden was da geschrieben steht, sondern eigene text-interpretation durch die leserin. (insofern hat doch die B.-Red. genau das richtige gemacht, in dem sie diesen artikel veröffentlicht hat)

    ich habe das schon dutzende male erlebt und immer wieder den gleichen spruch dazu gesagt: stellt euch doch bitte mal neben euch und hört euch selber zu – – – ihr würdet vermutlich sehr erstaunt sein, wie sehr sich die wahnehmung des eigenen ichs verändert.
    dazu bedarf es tatsächlich des willens und der fähigkeit sauber zwischen objektiver und subjektiver wahrnehmung zu trennen und es bedarf einer sehr ausgeprägten hohen toleranzgrenze.
    diese fähigkeiten vermisse ich (beinahe mehrheitlich) bei frauen.
    ***ja, ich bin auch so ein „nestbeschmutzer“ – – – btw: DIY gibts bei mir auch . . . nicht nur in der küche, der nähmaschine. nein, auch mit der bohrmaschine, der stichsäge, dem akkuschrauber, der kleisterbürste, dem kartuschenkleber, dem schraubenschlüssel und dem spannungsprüfer ***

  17. Zu dem Kommentar von mom am 12. 10. (Erwiderung auf meine Bemerkung):

    Da fühle ich mich vollkommen missverstanden, ich habe dieses Ausklinken nicht „zum großen politischen Protest hochstilisiert“. Aus der Sicht der Akteure betrachtet ist das Ausklinken eine rein private, sehr individuelle Entscheidung – aus der Perspektive des Systems betrachtet ist das ein bedenkliches Ausscheren aus den Mechanismen, die unser Wirtschaftssystem am Laufen halten. Ich bezog mich auf die Systemperspektive.

  18. „Die Männer zetern rum, weil Frauen ihre angestammten Reviere erobern wollen (…)“

    Nein, darum geht es nicht. Es geht um bevorzugung. Darum dass bei Frauen das Leistungsprinzip ausgesetzt werden soll, dem wir uns ALLE unterwerfen müssen.

    Entweder schaffen Frauen (oder jeder andere Mensch) es von selbst nach oben oder eben nicht. Falls nicht, gehören sie dort nicht hin. Aber eine „Bevorzugung weil: Vagina“ ist nicht hinzunehmen. Und ich sehe absolut keine Verpflichtung für einen Mann kampflos beiseite zu treten, nur weil eine Frau seinen Platz beansprucht.

    Aber all das will den Frauen von heute EINFACH NICHT IN DEN KOPF. Es scheint, als sei ihnen beigebracht worden, dass Männer irgendwie Menschen zweiter Klasse sind, die sich bitteschön mit einem eingeschränkten Rechtekatalog zu begnügen haben.

    Wenn wir Männer uns über so eine Behandlung beschweren, werden wir entweder als Versager verlacht oder des Frauenhasses beschuldigt.

    Tolles Patriarchat haben wir da.

    • Auch ohne Quote brennt Männern der A…, wenn sie sich nicht nur mit ihren alten Konkurrenzgefügen auseinandersetzen müssen. Und auch ohne Quote wird sich das Arbeitsleben im Hinblick auf die Geschlechterzusammensetzung massiv verändern. That’s it.
      Warum Potentiale brachliegen und im Haushalt versauern lassen? Die Erwerbs und Sorgearbeit läßt sich besser zwischen den Geschlchtern aufteilen, als eines über Gebühr zu belasten.
      Mich interessieren weder feministische noch maskulistische Grabenkriege. Die schaue ich mir gern von außen an. Dieses sich gegenseitig beschuldigen, dass der Geschlechtsantagonist einen zum schlechteren Menschen erklärt, ist nichts anderes als Schulhof von Leuten, die nix besseres zu tun haben. Wer genug Power hat, ob Frau oder Mann, und die gezielt einsetzt, braucht über Zurücksetzung nicht zu klagen, sonder geht seinen/ihren Weg.
      Potential setzt sich durch. Regierungschefin ist nicht umsonst eine Frau. Und auch Quoten- vs. Status-Quo-Gedöns ist uninteressant oder nur eine historische Marginalie. Wer nicht richtig will und kann, schafft es ggf. über Status Quo, aber nicht über Quote. Und wenn wir Gleichstand von männlichen und weiblichen Psychos, Idioten und Flachpfeifen in den Chefetagen haben, können wir uns gern noch mal unterhalten.

      Außerdem das war hier nicht mein Thema.

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