28.9. 10

Der Tag vor dem Rückflug.
Das Wetter mochte sich wieder nicht so recht entscheiden. Mal kamen dunkle Wolken, dann brach die Sonne wieder hervor, es war kühler geworden.
Der Wetterbericht für die nächsten Tage stellte mich vor brutale Wahrheiten. Schon am Tag des Abfluges würde eine warme Schönwetterphase beginnen. Reise ab und es wird schön. – Wobei ich mich wirklich nicht beschweren konnte.
Im Städtchen Bosa war Markttag. Wir schlenderten die mit Buden gesäumte Straße hinauf. Man bot Kleider und Pullover an, die in Berlin mit gehörigem Ironiepotential schon wieder superhip wären. Ich suchte nach Schürzen. Die alten Vorbindeschürzen meiner Urgroßmütter, die wunderbar körpernah mit Abnähern und Biesen gearbeitet waren, fallen bereits auseinander. Ich fand schöne Leinenschürzen und im Verhandeln (der Preis hatte sich beim von der Stange holen verdoppelt) sah M.T., wie die Händlerin sogar versuchte, einen Einheimischen mit einem Taschenspielertrick um 5 Euro Wechselgeld zu betrügen. Wir gingen weiter. Überall wurde Zubehör zum Weinmachen abgeboten. Wer keine eigenen Rebstöcke hat, der setzt eben hundert Liter aus gekauften oder geschenkten Trauben an.
Mit hatten es die kleinen Edelstahltanks angetan. Ich habe nur ums Verrecken keine Verwendung dafür.
Bei einem Verkäufer psychedelisch geblümter synthetischer Tischdecken wurde ich fündig. Er führte schwarze Oma-Schürzen mit winzigen Blütenmustern. Genau das richtige. Nach ein bißchen Feilschen wurden wir uns einig und ich erwarb zwei Stück für acht Euro.
Dann gingen wir noch in einen Heimwerker-Haushalt-Eisenwarenladen. Ein Paradies des Krams aus verschiedenen Epochen. Ich hätte am liebsten einen ganzen Schwung Alugeschirr gekauft, beschränkte mich dann aber auf ein winziges Butterpfännchen, mit riesigen Gußhenkeln.
M.T. erwarb einen Schleifstein, weil ich mich über die stumpfen Gemüsemesser beschwert hatte.
Wir fuhren zurück und M.T. hackte im Garten auf die ersten zähen Unkräuter ein, denen das bißchen Regen schon gereicht hatte, um in die Höhe zu schießen.
Ich kramte so vor mich hin. Die Waschmaschine lief sonderbarerweise mit einem Normalprogramm die dritte Stunde lang. Oha. Da streikte irgendwas. Ich weihte beim Handspülen und Wringen im Garten die Omaschürze ein und M.T. baute das ehrwürdig alte Stück auseinander, um ihr noch eine Chance zu geben.

(Überhaupt! Erinnert sich noch jemand an Waschtage mit Oma? An den holzgeheizten Heißwasserkessel, die Zinkwannen mit Lauge, die Stampfer, Wringwalzen und Abtropfgitter? Ich hab sogar noch mit dem Waschbrett umgehen gelernt.)

Nach ein bißchen Herumspielen an klemmenden Relais wollte die Maschine wieder und die nasse Wäsche sprühte auf der Trockenspinne Tropfen in den Wind.
Ich machte Ricotta-Ravioli mit Salbeibutter warm.
Nach dem Essen putzten wir das Haus. Das Schöne ist, das sich die leichteren Möbelstücke nach draußen bringen lassen, dem großen Rundumschlag steht dann nichts im Wege.
Als am frühen Abend die Böden wieder blitzten (note to myself: Leifheit Bodenwischsystem!) machten wir weiter im Resteaufbrauchen. Es stand noch eine angefangene Flasche Prosecco im Kühlschrank, die für einen Spritz herhielt.
Dann Pizza bei Marco, drei Runden Backgammon und Schlafen.
Das Leben kann so einfach sein.

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2 Gedanken zu „28.9. 10

  1. Meine polnische Oma ließ zwar ihre Wäsche bei uns von meiner Mutter waschen (ihre Wohnung hatte weder fließend warm Wasser noch Waschmaschine) (im Westen!), doch Kochwäsche galt nur, wenn sie im riesigen Kessel im Keller ihres Wohnblocks gekocht wurde, buchstäblich. Ich habe Kessel, Feuer und vor allem den fast rudergroßen hölzernen Rührlöffel noch sehr gut vor Augen.

  2. REPLY:
    das haus, in dem ich jetzt wohne ist 1953 gebaut und hat auch keinen platz für waschmaschinen. aber wenigstens gab es warmwasser.
    kochwäsche hat was. allein der geruch.

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