24.9. 10

Am Morgen kam der Regen.
Die Weinbauern holten die Körbe wieder aus den Reihen, die sie vorsorglich hingestellt hatten. Nun hatten sie mehr als eine Woche Zeit bis zum nächsten Spätsommereinbruch. Dem Schwein auf der gegenüberliegenden Talflanke rettete das Wetter das Leben.
Das Feuer brannte schon und der Wasserkessel hing darüber. Der Mann, der allen beim Schlachten hilft, hielt mit seinem Auto am Eingang der kleinen Schweinefarm und näherte sich. Er trug schon sein weißes T-Shirt, das am Nachmittag blutgetränkt sein würde.
„Kein guter Tag für Schweine.“, bemerkte der Gastgeber, der neben mir auf der Terrasse den Morgenkaffee trank.
Die Tiere wurden mit Futter abgelenkt. Gleich würden die Männer eines zur Seite treiben.
Es tröpfelte. Warmer, leichter Regen. Da unten machten sie erst einmal eine Zigarettenpause unter dem Schleppdach und warteten ab. Wir hielten noch eine Weile im Freien aus. Regen auf der Haut. Dann öffnete sich der graue Himmel. Es schüttete. Das Feuer ging aus. Wir flüchteten. Der Schlachter sprang ins Auto und die Schweine dankten dem großen Eber mit den dichten weißen Borsten, der da oben herrscht, für die Gnade.

Wir trödelten bis zum frühen Nachmittag im Haus herum. Es war einfach nichts weiter zu tun. Ab und zu zuckte ein Blitz vom Meer durchs Zimmer. Zeit zum Festplatten polieren,für MP3-Change und den Mittelteil von Juliet, Naked. Es sieht so aus, als würden sie sich kriegen. Je älter ich werde, desto mehr mag ich Bücher mit Happy End. Zur Romantikerin schaffe ich es allerdings nie. … Hoffe ich.
Gegen drei Uhr ließ es sich nicht ignorieren, daß der Regen aufgehört hatte und die Sonne schien. Zeit für den Garten. Der Gastgeber belud die den Anhänger, der an die Agria angehängt war, mit der Motorsense und allen verfügbaren Scheren.
Die Stichstraße, die zum Haus führt, wuchert binnen kürzester Zeit mit Dornenbüschen und Brombeerranken zu. Zeit, wieder eine Schneise zu schlagen. Ich bediente die große Heckenschere und verpaßte den Büschen einen militärischen Kurzhaarschnitt. Die Zeit verging wie im Flug. Wenn ich erst einmal dabei bin, wildwuchernde Pflanzen zu beschimpfen und bekämpfen, bremst mich so leicht nichts und ich vergesse völlig die Zeit.

Als tatsächlich alles erledigt war, sprang ich unter die Dusche und machte mich kleinstadtfein. Ich wollte wissen, ob ich die Produkte der Lieblingspizzeria des Gastgebers vertrage. Mit Weizenmehl ist das nach wie vor so eine Sache. Mal habe ich kein Problem, mal ein ganz gewaltiges.
Marcos Pizzeria hat eine Besonderheit: Der Cheffe höchstpersönlich steht am Ofen. Er schlägt den Teig hauchdünn, legt Holz nach und dreht die Pizzen, damit sie gleichmäßig braun werden.
Es war köstlich und ohne böse Konsequenzen, was mich einfach nur glücklich machte.

Der Rest des Abends verging mit Backgammon. Ich lerne gerade und bin nun in der Phase, in der ich meine Fehler selbst machen muß und bei weitem noch nicht alles überschaue. Aber es wird. Ich mag ja so abstrakte Spiele viel lieber als Geschichtenspiele wie Die Siedler von Catan oder Monopoly. Die regen mich einfach zu sehr auf.

Dann gegen zwölf kam das Sandmännchen und fragte mich, ob ich freiwillig ins Bett gehe oder ob er nachhelfen soll. Ich ging freiwillig, aber las noch heimlich Juliet, Naked zu Ende. Ich bin ja der Meinung, sie haben sich bekommen. Außerdem gefällt mir die Moral. Ein Künstler kann ein großes Werk schaffen, aber trotzdem ein neurotisches Arschloch und kein Erlöser sein. Und wenn es ihm dann gut geht, ist er vielleicht kein so großes Künstler mehr.
Was heißen will: Ein bißchen Macke braucht der Mensch.

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