15.7. 10

Die Nacht war bewegt. Als ich endlich in der brütenden Hitze eingeschlafen war, weckte mich das Krachen der weit offenen Fenster. Ein Sturm war aufgekommen. Ich machte alles dicht, aber nicht so dicht, daß ich das Gefühl hatte zu ersticken. 20 Minuten später, ich war gerade wieder fest eingeschlafen, kroch ein Geräusch in meine Träume. Regen. Es wäre ein Grund gewesen, sich noch einmal erleichtert umzudrehen, aber mir fiel ein, daß der weiße Sonnenschirm noch auf dem Balkon war. Im Hochsommerschlafkostüm und komplett verpeilt, bastelte ich die sturmfeste Vertäuung auf. Regen auf der Haut ist schön, der Gedanke, daß der Sonnenschirm gleich in den Hof kracht, weniger.
Ich kroch wieder ins Bett. Der Regen hatte nach einigen Minuten aufgehört. Die Wohnung war durch die geschlossenen Fenster unerträglich stickig. Ich schlief eher schlecht.
Morgens mußte alles ganz schnell gehen. Frühstück im Stehen, Wohnung aus dem Messiemodus rausholen, denn der Mann kam am Nachmittag aus der Heimat zurück, Blumen gießen.
Ich radelte nach Schöneberg zum Unternehmensberater. Nachdem wir ein halbes Jahr lang katastrophale Sitzungen hatten, weil ich im Grunde zu nichts in der Lage war, läuft es jetzt hervorragend. Wir entwickelten die Grundstruktur der Homepage, die nun nur noch in Design und gut zu lesende Worte gebracht werden muß und er schaute auf das, was mir Mercedes in die Hand gedrückt hatte und fand es höchst befremdlich. Ich merkte auch, daß einige Sachen, die dort standen, hinten und vorne nicht stimmten.
Der Weg vom Unternehmensberater zum Büro ist mittlerweile herrlich kurz. Einmal quer über den Bayerischen Platz.
So langsam nervt die provisorische Küche, aber ich hatte vom Umzugsbroker immer noch kein Angebot, was es kosten würde, die Sachen aus dem Lager zu holen und fürs Fenster- und Fußbodenputzen war es mir doch zu heiß.
Im schaffe-schaffe fiel mir auf, daß der Festnetzanschluß nicht funktioniert (ich telefoniere ohnehin immer über Skype). Der Rest des Nachmittags verging im Preisvergleich der Telefonanbieter.
Schnelles Internet ohne blödsinnige Fernsehportale und Festnetz abgespeckt auf fast nichts, das wäre ok. VDSL funktioniert dort. Hm. Mal schauen.
Am Abend mußte ich den Mann enttäuschen, ich war zu müde, um noch mal in irgendeine Kneipe loszuziehen. Außerdem finde ich es blöde, in meiner finanziellen Situation in Kneipen zu essen. Wegen des Unterhaltungswerts ist es mir nicht wichtig und dieses permanente Ausgehaltensein krieg ich dann doch bei der einen oder anderen emotionalen Situation aufs Brot geschmiert. Nix für mich.
Ich ging früh ins Bett. Endlich eine Nacht, in der es möglich war, etwas früher Schlaf zu finden.

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7 Gedanken zu „15.7. 10

  1. Bei Ihnen klingt zusehends ein kämpferischer Unterton durch, der weder verbissen noch verzweifelt ist, sondern sich ganz natürlich nach gesundem Selbsterhaltungstrieb anhört und mir deshalb außerordentlich gut gefällt.

  2. REPLY:
    ich habe meinen alten „biss“ wieder. darüber bin ich sehr froh.

  3. REPLY:
    das ist eine gemengelage. so ein kippen zwischen überverantwortlichkeit und ausgenutzt fühlen. aber das ist nicht mein problem.
    dieses „in guten wie in schlechten zeiten“ hatte ich schon früh angesprochen, da von der anderen seite die kindliche maßgabe „ich will spaß, sonst nichts“ kam. die antwort war: das ist ja schrecklich, weil eheähnlich. wobei sich ansagen und lebenspraxis unterscheiden. ich habe in meinen schlechten zeiten sehr viel unterstützung bekommen.

  4. „und dieses permanente Ausgehaltensein krieg ich dann doch bei der einen oder anderen emotionalen Situation aufs Brot geschmiert
    .“

    nicht gut. gar nicht gut. hat ich auch mal, so einen, der immer alle wieder und wieder auf irgendwelche brote schmieren musste. das ist nicht besonders großzügig. und mangelnde großzügigkeit ist für meine definition von beziehung mittlerweile 1. K.O. kriterium. muss dann irgendwie auch immer an dieses „in guten und in schlechten zeiten“ denken. männer, die auf die guten zeiten warten sollte man in schlechten aussortieren. trifft vielleicht nicht auf deine/eure situation zu. ist aber für mich ein reizpunkt. und du kannst det irgendwie jetz ooch nich jebrauchen, behaupt ich mal.

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