Vigil 79

Was für ein Abend. Es war immer noch etwas trübe, wenn auch wärmer und die Luft und die Straßen waren vom Regen reingewaschen. Dazu dufteten Holunder, Robinien und Heckenrosen.
Wir liefen durch Mitte, auf die Schlossbaustelle zu. Alles strahlte, war klar und scharfgezeichnet.
Solche Abende hat Berlin nicht oft. Da ist man für ein paar Stunden abgelenkt von Dreck, Sperrmüll und Hundescheiße.
Berlin

Auf dem Rückweg gab es eine Schrecksekunde. Am Rosenthaler Platz flog ein Mädchen, getroffen von einer unvermittelt geöffneten Autotür in hohem Bogen vom Fahrrad (natürlich ohne Helm).
Sie stand gleich wieder auf und diskutierte mit dem Fahrer, außer ein paar Schrammen war nichts schlimmes passiert. Als wir uns als Zeugen anboten, hatte man sich schon geeinigt. Oder besser, der Autofahrer hatte seinen Charme spielen lassen und sie hatte scheinbar in der Dämmerung kein Licht am Rad.
Bei dem Unfall, den mein Großvater kurz vor seiner Pensionierung hatte, bemerkte man die Gehirnblutung erst nach 14 Tagen. Vorher waren auch alle der Meinung, es wäre nichts passiert.
Das muss sie selbst wissen.

Auch das noch:

  • Vigil 37Vigil 37 Es gibt einen weiteren Drops-Händler in Berlin, gleich bei uns um die Ecke, in der Brunnenstraße. Manchmal geht man ewig an einer Ecke […]
  • Vigil 06Vigil 06 Neulich standen wir beim Einkaufsbummel im Kaufhaus vor Bettwäsche, die von Fadendichte und Baumwollqualität so ungefähr dem entsprach, […]
  • Vigil 29Vigil 29 Erst kommt das Fressen, dann die Moral oder wie unsere Existenz unsere Wertmaßstäbe determiniert. Es war einmal, vor ungefähr 30 Jahren. […]
  • Vigil 64Vigil 64 Die Erkenntnisse der letzten Tage sind: Ich habe die Phase Chatkommunikation, Pinboards und Mailinglisten völlig verpasst. Ich bin erst […]

2 Gedanken zu „Vigil 79

  1. Vor einigen Jahren starb mein Vater an den Folgen eines Fahrradunfalls. Er war von einem Auto(fahrer) gerammt worden und über den Kotflügel des Autos mit der Stirn auf die Straße gestürzt. In den Wochen in denen er bis zu seinem Tod ab Hals querschnittsgelähmt, künstlich beatmet und sediert noch auf der Intensivstation lag, habe ich mich wierderholt intensiv mit den dortigen Rettungsärzten über typische Unfallverläufe und die möglichen Wirkungen von Fahrradhelmen unterhalten.

    Im Falle meines Vaters war die Aussage verschiedener Ärzte und Sanitäter, die den Fall kannten, dass das Tragen eines Helms für ihn insofern von Vorteil gewesen wäre, dass durch die veränderten Hebelverhältnisse (künstlich vergrößerter Kopfdurchmesser durch Helm) die Kräfte an der Halswirbelsäule höher gewesen wären, was zum kompletten Durchbruch und damit sofortigen Exitus geführt hätte und ihm so eine mehrwöchige Leidenszeit erspart hätte.

    • Horror. Aber auch mir wäre es lieb, wenn es dann schnell ginge.

Kommentare sind geschlossen.