Vigil 39

Alle Menschen sind gleich, mache sind gleicher. Sagt man zumindest ironisch.
In meiner digitalen Umgebung wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass Menschen gleich sind und Othering (feststellen, dass jemand anders als man selbst ist) bekommt den Wert einer moralischen Verfehlung.*
Am Mittwoch Abend ist ein Mann in Frauenkleidern brutal zusammengeschlagen worden, berichtet der Tagesspiegel. Um sich am Ende des Artikels dafür zu entschuldigen, dass man den Mann in Frauenkleidern zunächst als Transgender bezeichnet hätte, weil die Polizei von einem transphoben Verbrechen sprach. Nach Hinweisen aus der Community hätte man das geändert.
Interessante Sache. Wer will da mit wem nichts zu tun haben und warum? Finden die Fetischisten Transgender bäh und bemühen sich um die richtige Einordnung ihres Neigungsgenossen? Möchten die Transgender mit ollen Fetischisten nichts zu tun haben? Und was hat das alles damit zu tun, dass jemand schwer zu Schaden gekommen ist? Warum muss dann minutiös erklärt werden, welche geschlechtlichen Aggregatzustand oder welche Passion jemand hat?

*Wobei zu bemerken ist, dass es in den letzten Monaten besser geworden ist. Die Zeit scheint vorbei zu sein, in der auf Twitter werauchimmer von irgendwelchen Studentx angeblökt wurde, x solle seine wenauchimmer gerade in seinem mentalen Komfort störende Äußerung worüberauchimmer nicht mehr machen.

Auch das noch:

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3 Gedanken zu „Vigil 39

  1. * liegt aber mehr daran, dass auf Twitter immer weniger Leute wirklich noch aktiv lesen/posten.

  2. Dieses „aus der Community“ hat mich auch ein wenig aufgeregt, es hätte gereicht zu sagen, dass es nach Hinweisen geändert worden wäre. Ebenso blöd finde ich, dass da jetzt was mit Fetisch steht und man nicht einfach „transsexuellen Mann“ gegen „Transvestit“ getauscht hat. Ich gehörte übrigens zu denjenigen, die diesen Hinweis gegeben haben. Ich kenne aus dem eigenen Freundeskreis die Problematik, wie weh es tut, wenn man als Transfrau als Mann bezeichnet wird und bin davon ausgegangen, dass transsexuell in dem Fall stimmt und das „Mann“ eben ein unbedachter Fehler (oder doch bewusst transphob?) war. Transphobe Berichterstattung ist mit ein Grund für die weit verbreitete Diskriminierung von Transmenschen und die damit verbotene hohe Rate an Suiziden und Gewaltverbrechen gegen sie. Tatsächlich war die Situation in diesem Fall dann eben anders und ja, Gewalt ist immer scheiße und verachtenswert – wäre das Opfer trans gewesen, hätte die ursprüngliche Berichterstattung so gesehen noch eine zusätzliche Ebene der Diskriminierung (Gewalt?) hinzugefügt.

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