The Diary of Kitty Koma

Vigil 10

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Ich habe einen innigen Hass auf Stockfotos. Als es damit losging, war ich immer noch der Meinung, dass sich eine Firma Gedanken machte, wie sie denn den Startbildschirm ihrer Software/ihre Homepage etc. gestalten wollten und dann ein Fotoshooting ansetzte.
Schließlich arbeitete ich mit Leuten, die mindestens alle zwei Jahre 300-800 € für Porträtfotos von sich ausgaben. Ganz früher in der Zeit der von Fotografen handgemachten Barytpapier-Abzüge war das noch teurer.

(BTW. Die Software Starmoney startete jahrelang mit der jungen Supernanny. Die hatte als Model gearbeitet und war auf diesem Foto in der Klischeepose „Frau legt auf dem Bauch auf dem Bett und schaut zufrieden auf den Laptop“ zu sehen.)

Ich fragte meinen Ex vor fünf Jahren völlig entsetzt, warum auf der Kontaktseite seiner Homepage ein fremder Typ mit Elektroequipment in der Hand abgebildet ist und nicht er oder einer seiner Mitarbeiter. Worauf er meinte, er habe das Foto schließlich teuer bezahlt, um da einen freundlichen, kompetent aussehenden Menschen vorzeigen zu können.

Als sich das sinnentleerte Gepose im Stil von Lachende Frau mit Salat häufte, merkte ich dann auch, dass diese Bilder aus dem Archiv kamen. Ganz schlimm wurde es, nachdem auch die Online- und später auch die Papier-Ausgaben* der Tageszeitungen mit Symbolbildern, die ein aktuelles Geschehen illustrieren sollten, aufmachten und mehr Handlung in die Bilder kam.
Typen mit gelben Bauhelmen, umringt von Untergebenen, über Plänen gestikulierend.
Banker mit gelockertem Schlips, im Hintergrund Bulle und Bär.
Rasende Züge, Feuerwehren in Aktion, nach Unfällen herumliegende Fahrräder…
Menschen, die sich schmerzverzerrt den Bauch oder den Kopf halten oder depressiv aus dem Fenster auf eine verregnete Landschaft schauen.

Während die Fotos von unserem eigenen Leben immer dokumentarischer und authentischer werden, faken Stockfotos diese Authentizität für Produkte und Dienstleistungen. Was für ein visueller Müll. – Mal davon abgesehen, dass manche Fotos den Fotografierten mit der Zeit peinlich sein könnten.

* Früher ging das nur in den halbredaktionellen Beilagen mit Inneneinrichtungs- und Freßthemen.

Auch das noch:

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3 Kommentare

  1. Ich glaube, Susan Sontag hat mal was darüber geschrieben, wie die Posen auf Bildern unser Leben und Erleben mitbestimmen, aka: So sieht jemand aus, der sich freut. Das finde ich jetzt in der Frühe und auf die Schnelle nicht, danke aber trotzdem für diesen Denkanstoss. Muss ich mal nachlesen.
    Viele Grüße
    Jaelle Katz

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