Ich möchte kein Eisbär sein

Ringsum schmilzt das Eis, wir drängen uns weiter zusammen, ab und an fallen welche über den Rand;
Es gibt Sätze, die sitzen einfach.
Wenn ich in den letzten Jahren meine kleinen Branchenanalysen unter Beachtung meiner Untersparte der Mediendienstleister gegeben habe, habe ich von Konzentrationsprozessen gesprochen, die unumgänglich seien, weil Branchenreifung und Marktentwicklung parallel laufen (schließlich haben 80% von uns kleinen Krautern in den Boom reingegründet), ich schloß meistens mit dem coolen Satz: Demnächst werden die ersten über die Klinge springen. In meiner intellektuellen Gewitztheit war ich mir immer sicher, daß ich das nicht wäre, denn ich wüßte ja, wie es funktioniert. Nur wird Draufsicht nicht mit einer Versicherungspolice belohnt. Wenn dann noch einiges zusammenkommt: Heikle Gesundheit, energiezehrende, langgezogene Beziehungsfindung und ein Mix aus allzuviel Selbstsicherheit und Überdruß, dann sage ich mir: He paß auf, daß du nicht demnächst auf der Autobahn herumhoppelst und mit großen Augen in die sich nähernden Scheinwerfer schaust.

Auch das noch:

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8 Gedanken zu „Ich möchte kein Eisbär sein

  1. Liebe Miß Kittykoma, ich kenne mich in Ihrer Branche nicht aus, aber ich glaube nicht, daß es so schlimm kommt, wie zur Zeit alle tun. Bei mir häufen sich die Anfragen für pralle Projekte im nächsten Jahr – und meine Kunden und Interessenten sind alle in dem Teil der Realwirtschaft zu Hause, die – angeblich – gerade den Bach runter geht…
    Bangemachen gilt nicht, ich denke, wir kommen mit einem blauen Auge davon, wenn es keine Kernschmelze gibt.

    Oder ist das auch nur Pfeifen im Wald, was ich da mache?

  2. REPLY:
    mir hat laut pfeifen und singen immer geholfen, wenns in den keller ging.
    und in der letzten krise, da hat es mich zerfressen, weil ich glaubte, mit keinem über meine geschäftliche talfahrt reden zu dürfen. ich dachte, nur mir ginge es so…
    war aber auch meine erste krise in der selbständigkeit.
    aber ich freue mich für ihre auftragslage. bei mir siehts derzeit nicht so klasse aus. allerdings haben wir nebensaison.

  3. Marktkonzentration? Sowas wie Monopolisten-Konzernbildung? Das ist in meiner Branche seit ein paar Jahren sehr extrem der Fall. Das Ding ist, wir leben sehr viel besser seitdem, denn alles was immer größer und gröber wird, kann irgendwann speziellere Bedürfnisse nicht mehr bedienen, und die laufen dann alle uns zu. Also unsere Scholle wird dadurch nur größer und nährt uns auch einigermaßen redlich.

  4. REPLY:
    ein gutes argument. mir widerstrebt es nämlich enorm, eine menschen-intensivhaltung zu betreiben…

  5. Ich bin mit Unterbrechungen so zehn Jahre selbständig in dieser Branche. Krise war irgendwie immer, weiter ging es irgendwie auch. Ich frage mich aber schon, ob ich 2009 noch die Ideen und Manöver in petto haben werde wie in früheren Zeiten. Gesundheit ist zum Beispiel ein Thema, das letzte Jahr hat mir in der Hinsicht einiges von meiner Unbekümmertheit genommen. Ich habe Grenzen kennengelernt.

  6. REPLY:
    sich motivieren für wagnislose langeweile. genau das ist es. welches talent soll ich dafür motivieren? welchem absolventen kann ich sagen: hey, da könnten spannende jobs drin sein. (mal abgesehen, von 1-2 ausnahmetalenten im jahr, die nicht immer bei mir aufschlagen) wem soll ich erzählen, daß es toll ist, mit 80%er wahrscheinlichkeit im subventionierten lore-roman die fresse hinzuhalten?

    edit: hbo ist bezahlfernsehen mit einer relativ anspruchsvollen und differenzierten klientel. das kann free-tv garnicht leisten und auch nicht finanzieren.

  7. REPLY:
    ich bin seit 13 jahren dabei. immer selbständig. ja, krise war schon immer bzw. veränderung, die zur krise geredet wurde. der zusammenbruch des neuen markts war eine ernste zäsur. und das, was der neue markt mit seiner geldvernichtung tatsächlich angestoßen hat, nämlich die verlagerung von informationsvermittlung und entertainment ins internet, das ist noch ernster zu nehmen für uns. ich habe mich in der letzten woche mit urschleim-detail-fummelkram beschäftigt, der mich die letzten 15 jahre zurückführte. nach 1999 gab es in der (fiction)-branche nur noch eine innovation und die hieß telenovela. ein genre, das ich zunächst skeptisch als dritte-welt-fernsehen bezeichnet habe. und es läuft und läuft und läuft, dank angst vor hartz IV sogar mit hervorragendem personal.
    einen kreativen schub aus dem pay-tv, so wie es die amerikaner von hbo bekommen haben, haben wir nicht zu erwarten.
    und dann kommt meine disposition dazu. alles grade nicht so prickelnd.

  8. REPLY:
    Diese Behäbigkeit begreife ich nicht, wie sich die Sender nur noch verwalten, wie der Mut für kluge und ungewöhnliche Stoffe, Dialoge, Serienkonzepte fehlt – so wie es HBO in den USA vormachen. Wie ich für diese wagnislose Langeweile motivieren soll, ist mir mehr und mehr ein Rätsel. Ich will nicht sagen, ich sei branchenmüde, dazu mag ich das Medium oder die besseren Inhalte zu sehr. Aber falls es 2009 wirklich zu Umbrüchen kommen sollte, würde ich auch gerne was ganz Neues ansteuern.

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