Dorfnotizen – Der Schluß

So, vorgestern hat mich der Graf mich Sack und Pack wieder nach Hause chauffiert.
Ich hatte das Nähen schon Freitag Abend beendet und alles zusammengepackt. So ganz zufrieden war ich nicht, eigentlich wollte ich mehr schaffen.
Als ich mir aber auf der Rückfahrt ausrechnete, aus wie vielen Einzelteilen das Mittelteil besteht – nämlich 423 – wunderte mich nicht mehr, dass ich das Gefühl hatte, im Schneckentempo zu arbeiten.
Primavera hat zum Schluss dann noch zwei Kissen fertig gemacht. Wie schon geschrieben, sie plant lieber.
Herrenkissen
Das ist ein Herrenkissen für ihren Sohn, bestehend aus Woll- und Leinenstoffen, die vorher Hemden und Hosen waren. Hier die Farbauswahl für ein nächstes, das Streifen hat.
Farbauswahl
Mir völlig unverständlich, warum sie sich nicht eine kleine Kollektion zusammenstellt, die sich gut verkauft, ohne endloses Planungsgedöns für Dinge, die nie fertig werden, aber jeder gestaltet sich sein Leben selbst.
Dann setzten wir uns auf einen letzten Kaffee zusammen.
Last CoffeeDie drei Wochen waren eine gute Zeit und wir würden das beide gern im nächsten Jahr wiederholen. Dieser fiese, in Berlin einfach unerträgliche Februar bietet sich dafür sehr an.

Ich habe von Primavera wertvolle Hilfe bekommen, ohne die ich wieder mal einen aufwändigen Augenkrebsverursacher hergestellt hätte. Umgekehrt habe ich gestupst, geschoben und Struktur gemacht. Das ist für mich nicht selbstverständlich. Zu Hause versacke ich auch sehr gern in meinen Dingen, komme vom Hundertsten ins Tausendste und schiebe Unangenehmes weg. Ich war in der luxuriösen Situation, dass meine Stör- und Ablenkungsstrukturen zu Hause bleiben.
Dabei wünsche ich mir nichts sehnlicher, als Dinge am Stück abzuarbeiten. Konzentriert und kompakt. Danach hätte ich frei. Das ist übrigens die größte Lernaufgabe, die mir der Unternehmensberater, der mich fit machen sollte, vor fast vier Jahren gestellt hatte. Ich habe ein halbes Berufsleben Feuerwehr gespielt und auf das reagiert, was reinkam. Ich muss erstmal begreifen, dass es nun endlich an der Zeit ist, zu agieren.
Naja, ganz so schlimm isses nicht, die Evaluationen des Seminars letzte Woche waren exorbitant gut. Aber Psychohygiene wäre es in jedem Fall.

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4 Gedanken zu „Dorfnotizen – Der Schluß

  1. Ich sehe auf 2 von 3 Bildern einen Aschenbecher, das ist absolut politsch inkorrekt, aber sieht so selbstverständlich gemütlich aus. Es gibt so Orte, da gehört das so.
    Die Nähergebnisse sind beeindruckend, wenn ich mal groß bin werde ich das auch können ….

    • Oh ja! Das ist ein Raucherhaushalt! Ich zwar nicht, aber die Hausherrin.

  2. Ich sehe lecker Kaffee, Kerze und rieche Gemütlichkeit. Schlimm wäre immer eine Uhr auf dem Foto. Uhren sind die modernen Peitschen in diesen Zeiten.

    • Dort gibt es zwar eine Uhr, gleich daneben, aber wichtig ist die nicht. Den Rhythmus machen die Sonne, die Jahreszeit und das Wetter.

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