Der Blick des Fremden

Seit 17 Jahren lasse ich mich von Profis fotografieren. Mein Beruf hat es mit sich gebracht, dass ich auf gute Porträts in der Öffentlichkeit Wert lege, in Internetzeiten noch mehr als vorher und natürlich auch unaufwändiger an so eine Session komme – oft als freundliches Dankeschön.
Mit den Jahren sind diese Fotos zu einem Indikator meiner Entwicklung geworden. Mal sehe ich fertig und verkrampft aus, mal wunderschön und ohne Herz, mal todtraurig und vollkommen leer, mal wie ein Mädchen und diesmal? Ich habe lange gezögert. Seit einem Jahr habe ich die Session hinausgeschoben, aber da ich auf den alten Fotos kaum noch wiederzuerkennen bin – die Haare 30 cm länger und die Wechseljahre sind nicht nett zu Frauen – war es nun Zeit.
Seit 2004 werden die Fotos von einem Freund gemacht, der Fotograf, Videokünstler und Filmemacher ist. Wir gehen an den Potsdamer Platz, laufen dort den Lichtreflexen der verglasten Gebäude nach und es passieren erstaunliche Dinge.

Aber der erste Termin im Frühjahr war es noch nicht. Nett aber müüüüde. Außerdem hatten wir ein neue Location probiert, das ging irgendwie nicht. Vorige Woche waren wir wieder am Potsdamer Platz und Madame hatte einen guten Tag.
Jana Kunath
Ansonsten war alles wie immer. Fotografen achten ja nicht so recht aufs Styling, dafür hat man Personal. Dass meine Kette schief hing und die Frisur auch, das ist eben jetzt so. Ich bin zufrieden, sehr sogar. Jetzt muß ich nur noch gut auswählen. Es gibt solche Glowposen wie oben, dann Frauen gegen den Sturm (hab ich gleich auf der About-Seite verwurstet), nette Damen
Kitty-2014-b_1
und wilde Gorgonen.
Kitty-2014a_1
Jetzt muss ich die Bilder nur noch gut abhängen lassen und nicht auf die Schere zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung hereinfallen. Wir sehen uns anders als Fremde. Was wir als Makel oder Sonderbarkeit empfinden, ist für andere nur Lebendigkeit. Nächste Falle: So einen Glow wie im oberen Foto kann man leider nicht mit sich führen, wenn man irgendwo Hände schütteln geht. Also eher tiefer stapeln, auch wenn die Eitelkeit mit den Zähnen knirscht.

Aber der Indikator sagt mir: Alles richtig gemacht. Nein, nicht gemacht. Es istso gekommen, es bleibt nur noch anzunehmen. Ich bin ok. Ich fühle mich nicht dick und alt, obwohl ich es nach landläufigen Selbstgeißelungsansichten von Frauen wohl bin. (Mir so was von egal.) Ich habe ehrlich erworbene Falten, ein paar Kilo zu viel sind die beste Haut- und Haarpflege, die ich je hatte und ich zögere seit anderthalb Jahren, das Grau zu überfärben und finde es gut.
Ich sehe eine Frau, der es gut geht und die dafür sehr dankbar ist.
Jetzt muss ich die gut 200 Bilder nur noch ein paar Tage abhängen lassen, bis ich mich entscheiden kann.

Auch das noch:

  • Tagebuchbloggen – 14. & 15. Oktober 2013Tagebuchbloggen – 14. & 15. Oktober 2013 Ich wußte ja, dass diese Woche heftig wird. Montag und Dienstag waren Tage, an denen es swusch! machte und dann waren sie auch schon […]
  • 29.11.1129.11.11 Bürotag. Korresponzenz erledigen, Pixel schubsen. Fasziniert den Thread im EP-Forum zum Thema Drogen verfolgen. (Der Artikel ist noch mal […]
  • Jahresrückblickfragebogen 2016Jahresrückblickfragebogen 2016 Zugenommen oder abgenommen? Es pendelt, mit leichter Tendenz nach unten. Wobei ich kein Interesse mehr habe, so auszusehen wie vor 10 […]
  • *FG**FG* SonneSonneSonne. Den ganzen Tag lang. Wenn ich vom Effizienzgedanken besessen wäre, dann hätte ich mich ärgern müssen, […]

25 Gedanken zu „Der Blick des Fremden

  1. sehr schöne bilder!
    der glow ist spektakulär – im wahrsten sinne des wortes. ich liebe ja die gorgone :) und die „nette dame“ hat ein inneres leuchten, das (mir) das herz erwärmt.

    in summe: klasse!

    • Wir hatten in der letzten Session schon so was mit Wind und Glow. Das ist der Moment, wo die Sonne ganz tiefstehend die Potsdamer Straße runterleuchtet. Aber das legt die Latte hoch. Stell dir vor, ich habe dann im tiefen Berliner Februar eine Begegnung mit jemandem der/die mich nur von diesem Foto kennt. Das geht schief.
      ES wird wohl für den Job die nette Dame werden.

  2. Alles drei sehr schöne und interessante Fotos, die verschiedene Seiten Deiner Persönlichkeit zeigen. Mir persönlich gefällt das erste Foto am besten. Dicht gefolgt von Nummer zwei. Das dritte ist nicht so „meins“. Liegt vermutlich daran, dass ich so schnell einzuschüchtern bin und Gorgonen machen mir etwas Angst. <– Weichei, ich!

    • Die Gorgone hatte die Anweisung „Halt die Augen offen!“ und fand die im Gesicht klebenden Haare fürchterlich. Also eigentlich isse ganz harmlos.

    • Der Matl ist ein Meister. Er hat zwei meiner Kataloge konzeptfotografiert, wir hatten richtig viel Spaß.

  3. Rrrroarrr – ich liebe das dritte Bild. Auch wenn ich es nicht 100 Prozent mit dir in Verbindung bringe, ist das ein ganz tolles Foto: Savannenblick, Göttin, Kriegerin, „und dann werden Sie mich sagen hören: Alle!“.

    • Das kann ich schon sein. Ich halte mich damit nur sehr zurück das geht nicht in jedem Umfeld. (Und natürlich „Alle!“)

  4. Sehr, sehr hübsche Fotos. Und eine sehr hübsche Frau.

    Ich mag besonders das erste Foto. Klar: Man sieht, dass Sie keine 20 mehr sind, aber das soll auch so und genau das finde ich wunderbar. Selbstbewusste Natürlichkeit – oder natürliches Selbstbewusstsein? Egal. Hübsch jedenfalls. Sehr, sehr hübsch. Und überzeugend. Freundlich. Aufgeschlossen und sympathisch. Man möchte Sie sofort kennenlernen.

    • Danke! So, hat mir ein berühmter Castingdirektor beigebracht, müssen Fotos sein. Man muss das Gefühl bekommen, den betrachteten Menschen gern kennenzulernen.
      Was das Alter angeht – ich kann verstehen, dass Frauen sich auf einem Stand konservieren wollen, der noch nicht wehtut. Frau ist Aufmerksamkeit auf Grund ihres Äußeren oft sehr gewöhnt und das Abflauen dieser Aufmerksamkeit kann oft mit wenig kompensiert werden. Mir wäre das schlichtweg zu anstrengend.

    • Ich denke mal, die wird mein neuer Miz-Kitty-Ava. Der letzte war auch so ähnlich.

  5. Sie strahlen ja von innen heraus. Und das ist wunderschön. Bitte sagen Sie nichts gegen die Fotos, nicht mal denken!

  6. Glow und Gorgone natürlich!!! (Und mit drei Ausrufezeichen!)

    Die drei Fotos sind alle toll.

    Ich sehe den inneren Glow aber immer bei Ihnen in echt. Auch im tiefsten Februar in Berlin. Neenee, nehmense ruhig wieder so was für in Offiziell!

    Ansonsten: Die Gorgone ist großartig – einfach, weil Sie so mädchenhaft, verwegen und abenteuerlustig zugleich wirken!

  7. MIr gefällt auch das oberste am besten. Die Frau darauf schaut viel jünger aus als auf den anderen Fotos. „Glow“ ist mir zu künstlich.
    Aber beim ersten Bild würde man nicht(!) sagen: man sieht, dass diese Frau einmal sehr schön gewesen ist. Man sagt: diese Frau ist zeitlos schön. Und vom Blick her scheint es ein Geheimnis zu geben. Das ist das Anziehendste an einer Frau.
    Es spricht für den Fotografen, wenn er so unterschiedliche Stimmungen wie auf den drei Fotos einfangen kann.
    Herzliche Grüße
    P.S. Ich will Sie nicht kennen lernen. Ich kenne Sie ja schon:)

  8. BRAV0 an Fotograf und schöne Frau !!!!
    Alle drei Bilder sind ganz wundervoll. Die grazile Hand auf dem Glowbild ist umwerfend. Die „nette Dame“ hat Tiefe und gefällt mir sehr.
    Die Gorgone finde ich spektakulär :-)

  9. Pingback: Results for week beginning 2014-09-22 | Iron Blogger Berlin

  10. Bei ersten Bild fühlen Sie sich selber wegen der nicht einzuhaltenden implizierten Vorbedingungen unwohl. Das zweite wirkt auf mich einen Tick zu brav – so sind Sie nicht. Das dritte ist mein Favorit, weil es nach Ihnen aussieht, stimmig wirkt – und außerdem sehr hohen Erinnerungswert hat. Sie haben Angst, Leute damit zu verschrecken? Für die gilt: Wer die Hitze nicht verträgt, soll besser gar nicht erst in die Küche kommen.

  11. Ehrlich, so von unbekannt zu unbekannt – die Fotos sind toll, Sie sehen toll aus. Besonders das erste gefällt mir, es strahlt laut meiner völlig subjektiven Wahrnehmung energievolle und doch ruhige Professionalität aus. Ich würd Sie sofort engagieren.

Kommentare sind geschlossen.