The Diary of Kitty Koma

Vigil 12

Letzte Woche erzählte eine Bekannte, dass aus der Schule ihres Sohnes Probleme signalisiert wurden. Es gäbe einen Punkt, da würde er einfach aus dem Geschehen aussteigen und sich zurückziehen und das ginge nicht. Sie meinte, zu wissen, wann – immer dann, wenn ihm die Umgebung zu viel, zu unruhig und zu laut wurde.

Auch wenn es unpopulär ist, ich habe dem Gebot von Stillsitzen und Ruhe im Frontalunterricht viel zu verdanken. Ich brauchte im Unterricht Ruhe, Konzentration, Vereinzelung und so wenig wie möglich Ablenkung. Dann schaffte ich in der Grundschule gut das doppelte Pensum der anderen.
Interaktion und Kommunikation mit anderen? – Aaanstrengend!
Beim Lärm- und Aktivitätspegel in heutigen Schulklassen hätte ich es wahrscheinlich nicht weit geschafft, das hätte mich ausgesogen. Die große Stunde der Anderen war in der Pause und im Sportunterricht, beides Ereignisse, die ich lieber in der Besenkammer abgesessen hätte.

Was machen introvertierte, die Stille liebende Kinder eigentlich heute? Gibt es einen Platz für ihre Bedürfnisse? Oder ist vor allem Platz für die Extrovertierten?

Auch das noch:

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10 Kommentare

  1. Letzteres.

  2. Die Introvertierten gehen unter.

  3. nein – nicht untergehen – sich mit gleichgesinnten zusammentun.
    damit man nicht denkt man ist eigenartig – halt nur einfach anders als die andern.
    selbstwert stärken!

    gibt da einen interessanten blog zu – und mittlerweile auch massenhaft lektüre.
    man muß nur suchen……….

    • als Kind ist das aber schwierig, wenn man davon abhängig ist, von Mitschülern und Lehrern akzeptiert zu werden.

  4. Mein Sohn ist auch so ein introvertierter Typ, ihm war es schon im Kindergarten zu laut. Er guckte sich das Treiben lieber an, als mitzumachen. Fußballtraining dem Papa zuliebe war im ein Gräuel, er ist kein Teamplayer und Kinder sind grausam. Sein Glück war das er in der Grundschule seine beste Freundin fand, sie etwas vorlaut, aber immer ehrlich und direkt und jetzt im Gymnasium ist sie immer noch sein bester Kumpel. Die 5. bis 7. Klasse im Gymnasium waren schwer, die Kinder und die Klassenlehrerin mussten sich an ihn gewöhnen. Aber bei den ersten Anzeichen von Ausgrenzung gab es ohne Anstoß vom Elternhaus gleich Praventionsmaßnahmen und Gespräche mit allen beteiligten Schülern um Mobbing zu vermeiden. Dieses System in der Anfangszeit hat geholfen ihn gut zu integrieren und die Klasse akzeptiert ihn jetzt so wie er ist. Mit Erwachsenen kann er sich schon immer gut unterhalten, er ist sehr wissbegierig und hat ein großes Allgemeinwissen. Nur Smalltalk ist ihm ein Graus und Freundschaften pflegen kann er auch nicht so gut, zum Glück gibt es Internet, da muss man nicht raus und da gibt es noch andere wie ihn. Ich bin fast genauso wie er und deshalb habe ich ihn immer gestärkt und gesagt Du musst dich nicht verbiegen um akzeptiert zu werden, es gibt auch für dich den richtigen Menschen und den richtigen Platz.

  5. Als introvertierter Mensch hatte ich es in der Schule schon zu meiner Frontalunterricht-Schulzeit (bis 1987) nicht leicht. Als ich meinen reichlich extrovertierten Patensohn II vor ein paar Jahren morgens in die Grundschule brachte und die Tischanordnung sah – Gruppenarbeit galore! – habe ich die Lehrerin gefragt, wie die „stilleren Kinder“ damit klarkämen. Sie hätten keine, war die Antwort, das seien alles aufgeweckte Kinder, keine Schweiger. Aha, dachte ich.

    • Ich frage mich ja, wann das mal jemandem auffällt, dass mit den heutigen Unterrichtsmethoden nun wieder die anderen Kinder hinten runter fallen.

  6. Hier agiert die Grundschule je nach Aufgabe. Erklärungen und Einführungen in der Klasse (alle Kinder), beim Arbeiten am Arbeitsplan (Lernweg) können die Kinder sich auch vor das Klassenzimmer setzen oder zB einen Hörschutz tragen, damit jeder ‚in Ruhe‘ und für sich konzentriert arbeiten kann.

    ich mag das Modell. Viele Kinder ziehen die ruhigen Gangarbeitsplätze vor.