Stoffe selbst bedrucken (Werbung)

Vor einigen Wochen wurde mir ein Gutschein angeboten, mit dem ich bei Originelle Fotogeschenke Stoff für ein Nähprojekt bedrucken lassen konnte. Ich war sehr gern dabei, weil genau das auf der „müssen wir unbedingt probieren“-Liste vom Grafen und mir stand.

Der Graf hat viele Fotos von grafischen Strukturen und Mustern. Da ich nicht unbedingt der Typ Bunt bin, landeten wir sehr schnell bei alten japanischen Motiven, die grafische Zweifarbigkeit voraussetzen und doch filigran und elegant aussehen, statt abstrakt-technisch.

Vorbereitung auf den Stoffdruck – Material und Muster sichten

Wir bestellten erst einmal das Musterpäckchen, um zu sehen, wie die Qualität der angebotenen Stoffe und die Ausführung des Drucks ist.
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Ich hatte relativ schnell den Seidensatin favorisiert, auch wenn der als Bedruckstoff wesentlich heikler ist als der Baumwollbatist, der auch noch in der engen Wahl war.
12328396_946171838812403_499140512_nWährend ich hin- und herüberlegte, wofür ich den Stoffdruck verarbeiten wollte – Vielleicht ein Kleid in A-Linie oder doch ein schlichter Rock? – gestaltete der Graf Muster-Rapporte.12930818_1687596584835213_904026000_n japanese pattern
Nachdem ich mich für Bambus, Schmetterlinge und Blüten entschieden hatte, wäre ich diejenige gewesen, die ihre Lieblingsfarbkombi nachtblau/hellgrau einfach bestellt hätte. Aber…

Ein Probedruck spart Überraschungen

Der Druckprofi im Haus verhindert Katastrophen. Wieder was gelernt: Stoff bedrucken ist gar nicht so großartig anders als Papier bedrucken. So was wird heutzutage von großen Tintenstrahldruckern erledigt.
Der Graf bestand auf einem Probedruck und das war gut so. Er legte nicht nur einen A1-Probedruck mit ein paar Dutzend Farbkombis unseres Musters auf kleinen Feldern an, sondern zusätzlich noch noch eine schöne Farbpalette, um zu schauen, wie andere Farbtöne kommen. – Falls wir ganz umdisponieren wollen und auch für spätere Projekte.
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Es ist schon ganz gut, dass wir uns dahingehend ergänzen. Ich bin „Trial and error, wir machen das jetzt einfach!“ und der Graf „Moment mal, das muss erst bis zum Ende durchgeplant werden!“. Das kracht zwar auch immer mal, aber letztlich gibt es ein Ergebnis und ich habe nicht tausend zufällige Zwischenschritte.

Der Probedruck auf Satinseide zeigte, dass die beste Farbkombination das Schwarz-Goldgelb war, das wir auch bei dem Seigeiha-Muster für unsere Etuis bevorzugen.
Wogegen mein favorisiertes Nachtblau nicht gut funktionierte. Auch eine Dunkel-Hell-Abstufung Ton in Ton funktionierte nicht so gut, sondern wurde unscharf. Es gab ein, zwei Varianten invers Hell auf Dunkel (das Muster ist eigentlich für Dunkel auf Hell gemacht, weil es für eine alte Reservefärbetechnik ist), die sehr schön aussahen, aber ich habe immer wieder Probleme damit, mit wallenden, hellen, glänzenden Muster-Stoffen herumzulaufen. Ich finde mich damit zu voluminös.

Der Rock entsteht

Wir bestellten paßgenau für einen Rock 80×180 cm bedruckte Satinseide.

Auf der Website wird dafür eine vorher angelegte tif-Datei der gesamten Stofffläche hochgeladen oder ein Rapport, der mit der Kachelfunktion automatisch vervielfältigt wird. Es ist auch unkompliziert möglich, Instagram-Sonnenuntergänge zu verwenden, die Fotogalerien der sozialen Netzwerke können einfach durchsucht werden (Flickr, Facebook, Instagram). Der Stoff kam sehr schnell, obwohl es hieß, das Seide ggf. zwei Tage länger dauert.
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Ich ließ den Stoff noch zwei, drei Tage auslüften und durchtrocken und bügelte ihn anschließend noch mal vorsichtig von links mit niedriger Temperatur.
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Es kommt tatsächlich genau das bedruckte Areal, versehen mit einem feinen Rand, was das Zuschneiden bei dem rutschigen Stoff leicht machte.

Ich machte einen simplen angeriehenen Rock mit einem 4 cm breiten Gummizug und französischen Nähten. Seidensatin muss unbedingt mit einer gratfreien, scharfen Nadel genäht werden, weil es sonst stumpfe Fadenzüge im glänzenden Stoff gibt. Auch Auftrennen hinterlässt Spuren, der Stoff ist sehr empfindlich. Glatter, feiner Seidenfaden ist besser als synthetischer Allesnäher, aber ich hatte keinen mehr und es gibt ihn auch nicht mehr so einfach zu kaufen wie früher.
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Die Seiten ließ ich für Gehschlitze offen, aber ich glaube, das werde ich rückgängig machen, denn der Rock ist weit genug. Die innere Inge wollte unbedingt einen Handsaum, den habe ich ihr gegönnt. Dafür habe ich sehr feinen Stickunterfaden verwendet.

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Fertig!
japanese-pattern-7Da wir mit diesem schlichten Rock die überraschungsärmste Minimalvariante gemacht haben, habe ich schon wieder jede Menge Ideen. Das Verfahren ist extrem stoffsparend. Ich hatte so gut wie keinen Verschnitt.

Wer einen Schnitt hat, der zu 100% passt und den in ein Grafikprogramm lädt (wie das geht, weiß ich nicht, aber man könnte selbst im CAD-Programm entwerfen oder die Teile einscannen), kann die Schnittteile mit Mustern versehen, so dass der Rapport immer passt und die Highlights an den präsenten Stellen sind. Dann können diese Schnittteile im Fadenlauf dicht an dicht im Fadenlauf auf die zu bedruckende Fläche gepackt werden, das spart endlosen Verschnitt und zu viel gekaufte Stoffbreite- letztlich ist das ja nur eine tif-Datei, die hochgeladen wird. Dann werden die auf den Stoff gedruckten Schnittteile ausgeschnitten und zusammengenäht.
Auch individuelle Bordüren und Farbverläufe ließen sich so ganz leicht herstellen. Außerdem lässt sich die weiße Unterseite gut in die Farbgestaltung integrieren.

Service

Bei der ersten Bestellung war ich darauf gefasst, dass die Stoffmuster aus England mindestens 10 Tage unterwegs sind. Erst als ich eine Mail bekam, wie die Lieferung gefiele, dachte ich: Moment mal! und konsultierte die DHL-App. Die Lieferung lag seit mehreren Tagen in einem Laden der Nachbarschaft und es gab nur keine Benachrichtigung.
Es geht nämlich wirklich blitzschnell und das wird einem nicht einmal als besonderes Feature angepriesen, sondern scheint normal zu sein. (In London liefert man sogar Same Day mit Fahrrradkurier, habe ich irgendwo gelesen.) Der Testdruck war nach zwei Tagen bei uns. Da in London hergestellt wird, passiert der Transport zwischen Heathrow und Frachtflughafen Leipzig über Nacht, die Sendung geht am Morgen in Berlin ins Lieferauto. Die Auslieferung in Berlin passierte einmal sogar per Expressboten.
Aber: Die Adressdaten von Auslandssendungen scheinen nicht kompatibel zu den kleinen mobilen Druckern der DHL-Boten zu sein und scheinbar haben sie keine Zeit, die Benachrichtigungskärtchen per Hand auszufüllen. Dass die Jungs nicht klingeln, wenn man oben wohnt, sondern die Sendung irgendwo abwerfen, ist ja Standard. Man weiß nur nie, wo, weil die Benachrichtigung fehlt. Also unbedingt auf die DHL-App schauen, sonst wird der ganze schnelle Service des Herstellers kurz vor der Zielgerade ad absurdum geführt.

 

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5 Gedanken zu „Stoffe selbst bedrucken (Werbung)

  1. Sehr interessant, tolles Muster und wirklich ein schönes Ergebnis. Sehr gut auch mit dem Musterpaket und dem Probedruck, ohne diese Möglichkeit ist es schon schwer, sich zu entscheiden, bzw. am Ende dann nicht enttäuscht zu sein. Auf jeden FAll ist die Sache mit der genauen Platzierung von Designelementen toll, a la Delaunay könnte man sich gleich Revers, Knopfleiste etc. aufdrucken, quasi ein Attrappenkleid.
    Jetzt hoffe ich, dass die Farbe auch bleibt und es sich gut trägt. Danke fürs Ausprobieren!
    Danke auch für den HInweis wg. DHL und Auslandspost, ich hatte mich schon gewundert, warum die manchmal so genervt sind, wenn ich sie bitte, einen Zettel beim Nachbarn einzuwerfen.

  2. Sie wissen bestimmt, dass die Muster Katagami sind, japanische Kimonomuster (https://de.wikipedia.org/wiki/Ise-Katagami). Ich finde hochspannend, wie die ursprünglichen Schablonen gefertigt wurden und welche Vielfalt es da gibt. Auch spannend: eine der größten Sammlungen von Katagama-Schablonen befindet sich in Dresden, hübsch sortiert nach Motiven. 2015 gab es eine Ausstellung im Japanischen Palais in Dresden, „die Logik des Regens“, in der 140 Schablonen gezeigt wurden, die sich alle mit Regen beschäftigten. Das nur als nutzloses Wissen zur Ergänzung. :)

    Der bedruckte Seidenstoff ist jedenfalls toll geworden!

    • Danke! In dieser Ausstellung waren wir und es könnte tatsächlich sein, dass die Bilder von dort waren. :)

  3. Ein spannender Bericht. Neulich war auf einer Website für individuellen Stoffdruck, die hohen Preise haben mich dann schon abgeschreckt. Der Seidenstoff bei diesem Anbieter ist nicht überteuert, das ist tatsächlich eine Überlegung wert Stoff für ein Seidentop oder ein schönes Tuch dort zu machen zu lassen.
    Dein Rock schaut sehr schön aus, sehr edel. LG Kuestensocke

    • Für ein Tuch könntest du sogar einen Saum mitmachen lassen. Und die Qualität der Seide ist sehr gut. Und du bestellst tatsächlich nur die Stoffmenge, die du brauchst, das fand ich sehr gut.

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