WMDEDGT Januar 2020

Heute ist wieder der Monatsfünfte, Frau Brüllen fragt, was wir den ganzen Tag gemacht haben.

Ich wachte in der allerfrühesten Morgendämmerung auf, der Himmel wurde gerade etwas heller und drehte mich noch mal um, weil Sonntag war. Als ich das nächste Mal aufwachte, schien mir die Sonne ins Gesicht und es war 10 nach 10.
Ich sprang auf, schaltete erst mal die Elektroheizung an, zog die Arbeitsklamotten über, in denen ich auch Katzenkontakt habe und ging hinunter zu Mimi und Shawn. Die schnurrten mich zwar an – klar, sie hatten Hunger – hatten aber schon eine Protestnote wegen zu späten Dosenöffnens hinterlassen. Draußen war es gut kalt, aber sonnig. Ich ließ die beiden raus, füllte vor dem Hochgehen einen Korb mit Holz und Anzündholz und heizte den Bullerjan in unserer Wohnung und den Kaminofen im Herrenzimmer an.
Dann frühstückte ich erst einmal in Ruhe und machte mir anschließend eine Sonntagsfrisur. Nachdem ich die Öfen nachgelegt hatte, weckte ich den Grafen und heizte den großen Ofen unten im Saal mit Kohlen.
Wir räumten das Herrenzimmer auf, ich fegte und wischte den Eingangsbereich im Saal, was ich seit Wochen aufgeschoben hatte und der Graf holte Holz, während ich den Tisch im Herrenzimmer mit Kaffeegeschirr deckte und den am Vortrag gebackenen Kuchen aufschnitt. Ein Schokokuchen mit karamellisierten Walnüssen, der nur zwei Drittel der Backzeit gebraucht hätte, hätte ich meiner Nase getraut. So war er hart wie ein Keks. Er hätte sich sicher gut mit Vanillepudding in Schichten im Glas gemacht, aber dazu fehlte die Zeit.
Da die Gäste auf der Autobahn langsamer vorankamen als gedacht, drehte ich mit den Katzen noch ein Runde durch den Garten. An der Terrasse wächst viel Baldrian. Bisher war das noch keiner Katze aufgefallen, aber heute scheuerte sich Shawn intensiv dort, wo im Sommer eine Pflanze steht. Nicht mal Futter konnte ihn weglocken.
Dann saß ich mit dem Grafen im Herrenzimmer und strickte, bis der Besuch kam. Große Wiedersehensfreude.
Wir plauderten, tranken Tee und aßen den zwar harten, aber doch recht wohlschmeckenden Kuchen. Ich freute mich sehr über die Begegnung. Der Besuch, der auf der Durchreise war, fuhr weiter und ich sammelte die Katzen ein, denn es war inzwischen dunkel.
Mimi kam mit etwas Verspätung. Sie ist zwar erst vier Monate alt, aber in den Büschen jammert es nachts schon und ich würde es nicht so prickelnd finden, wenn einer der hier rumstreunenden Gangsterkater sie demnächst schwängert. Da muss ich einen Blick drauf haben. Für eine Kastration ist sie jetzt noch etwas klein.
Der Graf und ich saßen noch ein bisschen am Ofen und danach fuhr er nach Berlin, um nach dem rechten zu schauen und ich räumte den Kaffeetisch ab.
Den Abend verbrachte ich strickend vorm Fernseher und unterhielt mich nebenher der Chat mit der Family* und dem Herrn Spontiv. Ich aß etwas Suppe und ein Brötchen und fror, obwohl das Thermometer sagte, das sei jetzt wohl etwas übertrieben. Eine Decke brachte Abhilfe und ich glaube, mich zu erinnern, das war letztes Jahr genauso. Januar und Februar sind meine Tiefpunktmonate.
Nachdem ich die Katzen schlafen gelegt hatte, ging ich auch ins Bett und stalke nun den Grafen auf seinem Rückweg hierher per App.

*Das Enkelkind hatte nach einem Sturz so was ähnliches wie „ich binne nicht tot gesagt“ :)

Die anderen WMDEDGT-Tagebucheinträge finden sich übrigens hier.

WMDEDGT November 2019

Frau Brüllen fragt immer am Monatsfünften, was wir den ganzen Tag gemacht haben.

Ich stand um 7 Uhr auf und ging hinunter, die Katze füttern.
Seit gestern wohnt die kleine bunte Katze in der ehemaligen Küche am Seiteneingang und lernt Hofkatze und Mäusejägerin.* Dann heizte ich den Ofen an und frühstückte in Ruhe. Draußen regnete es seit 36 Stunden.
Gegen 11 gingen wir in einer Regenpause nach draußen. Der Graf war gestern Abend mit dem Transporter auf der Wiese stecken geblieben. Er puzzelte mit Spaten und Wagenheber Bretter und Bohlen unter die Reifen. Der Boden hat derzeit die Konsistenz von Wackelpudding. Ich blieb Laub harkend in der Nähe, falls er Assistenz brauchte und die Katze tobte über die Wiese. Die Kühe des Biobauern waren von den Weiden wieder in den Stall getrieben worden und erzählten sich lautstark wie der Sommer war. (Und riefen nach ihren Kälbern? Keine Ahnung. Aber die sollten jetzt weg sein, die waren ja schon groß.)
Irgendwann fing es wieder an zu regnen, ich harkte weiter, zog aber die Katze unter dem Auto vor und brachte sie rein.
Der Graf war irgendwann aus dem Loch raus, mußte aber noch 30 Meter matschige Wiese überwinden, ohne sich wieder festzufahren. Ich harkte weiter und war langsam feucht.
Irgendwann war es geschafft und ich auch.
Ich setze eine Waschmaschine mit unseren schmutzigen und nassen Sachen an, machte das Curry von gestern warm und ging unter die heiße Dusche. Wir aßen, es regnete und wurde langsam dunkler. Ich war hundemüde, die letzte Woche war anstrengend.
Ich cancelte die Baumarkttour, die der Graf mit mir geplant hatte, baute noch einen gerade gelieferten Katzenschlafplatz, eine ovale Höhle aus Filz, zusammen und brachte sie nach unten. Das war eine gute Wahl. Fortan war die Katze da nur noch mit Futter herauszubekommen.
Ich machte es ihr nach, legte mich hin und schlief fast drei Stunden.
Dann hing ich Wäsche auf, räumte die Geschirrspülmaschine aus und setzte mich strickend vor den Fernseher. Und dann war Schlafenszeit. Im Kuhstall aber noch nicht, die Damen haben grade eine aufregende Zeit.

Nachtrag: Ich dachte beim Laub harken intensiv und lange darüber nach, wie wichtig es ist, ab einem bestimmten Alter seine Dinge geordnet zu haben. Materiell, finanziell und mental. Die Freundin, die mich gestern wegen des Nachlasses ihrer Eltern um Hilfe bat, hat kucken lassen, warum sie es nicht schafft. Das Haus ist völlig kaputt und noch nicht abgezahlt, es ist messihaft zugestopft und Schulden und unbezahlte Rechnungen gibt es auch. Sie wiederum kann noch nicht loslassen und will die irrsinnige Anhäufung von Zeug detailliert sichten. Ich kannte ihre Eltern. Das hätte ich nie gedacht. Sie müssen gelebt haben, als wären sie unsterblich.

Die anderen Einträge sind hier.

*Das war ja alles ganz anders gedacht, es sollten zwei Maikätzchen sein, von denen eine starb und die andere nun bei der Freundin meines Bruders lebt. Dann gab es bei den Nachbarn noch einen Septemberwurf und ich hatte mit wenig gutem Gefühl (weil zu spät im Jahr für Hofkatzen) zugesagt, zwei zu nehmen, sie sollten aber lange bei der Mutter bleiben, bis sie viel gelernt hatten und kräftig waren. Man kann ja prima Pläne machen… Als die Kleinen drei Wochen alt waren, kurz vor dem Kälteeinbruch Anfang Oktober, verstieß die Mutter sie. Die Nachbarin und ich zogen drei mit der Hand auf, von denen zwei es nicht schafften. Die Bunte war von Anfang an die kräftigste, sie hat es bis jetzt gut überstanden, obwohl es lange nicht so aussah und sie einiges an Entwicklung nachholen muß. Eigentlich sollte sie bis Ende des Jahres zu Katz und Kater zurück in den Stall, aber die Mutter verjagte sie. Und nun ist sie jetzt schon bei uns und bekommt wahrscheinlich noch eine Gefährtin an die Seite.
Der Graf ist erst mal so mittel amüsiert, weil: ist klein, wuselt rum und hört nicht aufs Wort, aber das wird sich schon geben.

WMDEDGT September 2019

Wie immer am Monatsfünften fragt Frau Brüllen in die Runde, was wir an diesem Tag getan haben.

Wie oft in letzter Zeit, kann ich nicht mit Uhrzeiten dienen, es wird hier gerade nicht nach der Uhr gelebt, sondern nach dem, was dran ist.

Ich wachte gegen 8 Uhr auf, las noch etwas im Bett und frühstückte nur kurz, denn der Regenradar kündigte ab Mittag einen Wetterumschwung mit Regen an.
Zwei Mäuse waren in den Fallen. Eine davon ein großer Mausekönig. Wahrscheinlich wollte er nicht glauben, daß es wirklich keine erreichbaren Lebensmittel mehr gab und war selbst losgezogen. Seit gestern sind sie nämlich in großen Plastikboxen.
Ich hing zuerst die Arbeitsklamotten auf die Leine, dann startete ich noch eine Waschmaschine.
Dann packte ich dünne Zweige von den gestern gefällten Weidebüschen in die Schubkarre und fuhr sie zum Feuerplatz. Ich legte ein Stück Rasen am kleinen Haus mit Fliesenschutt aus und begann, eine Rundholzmiete aus den zersägten Stämmen zu legen.
Die Wäsche war fertig, ich hing sie auf.
Dann hebelten der Graf und ich einen kleinen Stubben aus der Erde.
Als es zu regnen begann, nahm ich die Wäsche ab und hing sie innen auf, sie war sowieso fast trocken.
Wir aßen etwas und machten Pause. Dann bauten wir den Kaffeeautomaten vollständig auseinander (also nur die Brühgruppe) und merkten, daß uns noch Dichtungen für das Drainageventil fehlten und zwei Sprengringe kaputt waren, einer mußte vorher schon kaputt gegangen und in den Kaffeesatz gefallen sein, ein anderer zerbrach beim Abziehen. Wir weichten die Teile in Kaffeemaschinenreiniger ein.
Als wir im Gartensalon saßen und bastelten, hatte es aufgehört zu regnen, aber es war recht windig. Der Raum war schlagartig kalt und roch nach Keller. Wir beschlossen, morgen auf jeden Fall das Loch in der Kellerdecke, daß wohl früher ein Abflußrohr durchließ und das für diese unerwünschte Luftzirkulation sorgte, zuzumauern. Vorher stopften wir zum Test etwas hinein und der Graf wechselte gleich noch die Glühbirnen im Gewölbe, die alle kaputt waren.
Als wir wieder hochkamen, roch der Raum schon ganz anders und war nicht mehr kalt. Wir trugen noch die schwere Platte meines Arbeitstisches, den wir aus Berlin mitgebracht hatten, ins Herrenzimmer.
Der Graf verschwand in die Werkstatt und ich schraubte, mittlerweile recht müde, die Tischbeine an die Platte. Jetzt haben wieder alle drei Nähmaschinen Platz und ich muss nicht mehr umbauen.

Damit war der Arbeitstag beendet. Ich räumte die Spülmaschine aus und ein und aß etwas. Danach ging ich in die Badewanne.
Jetzt ist es Mitternacht und höchste Schlafenszeit. Allerdings habe ich einen mächtigen Schluckauf und draußen lärmen die Käuzchen.

Die anderen Berichte finden sich hier.

WMDEDGT August 2019

An jedem Monatsfünften fragt Frau Brüllen, was wir den ganzen Tag gemacht haben.

Es ist ein Montag. Ich wachte gegen 4 Uhr in Berlin auf, weil ich den Grafen auf seiner Bettseite vermisste. Er war im Zimmer nebenan und las, weil er nicht schlafen konnte. Ich nölte und mutterte ein bisschen rum, weil wir frühmorgens schon losfahren wollten und mit jemand, der kaum geschlafen und nicht gefrühstückt hat, hätte das schwierig werden können. (Es sei denn, ich wäre gefahren, aber ich bin ohne Frühstück völlig handlungsunfähig.)
Gegen 8:30 Uhr standen wir auf, später als geplant, aber ausgeschlafen, räumten unsere Sachen zusammen, aßen Eis zum Frühstück – etwas anderes war nicht im Kühlschrank – und holten uns im Türkischen Supermarkt eine Flasche Cola. Gleichzeitig gaben wir dort den Schlüssel für den Augustgast zum Abholen auf.

Der Graf fuhr uns nach Norden.
Während der Fahrt telefonierte ich, ob es bei der Einquartierung von 5 Erwachsenen und 2 Kindern am Wochenende bliebe, denn das würde die Arbeit dieser Woche bestimmen. Wir müßten dafür noch ein Zimmer einräumen und ein weiteres streichen.
Kurz nach 12:30 Uhr kamen wir an. Ich ging gleich in die Küche und machte einen Clafoutis mit roten Johannisbeeren. (Ich bin so eine langweilige Köchin, wenn was gut klappt, mache ich es immer wieder.) Dann räumte ich Kaffeegeschirr in einen Korb und deckte auf der Terrasse den Tisch.

Weder der Graf noch ich wußten, wann wir eigentlich mit unserem Gast, Lehmbauer aus dem übernächsten Ort, verabredet waren. Es war wohl nur unbestimmt „nachmittags“. Ich schaffte es noch, mich zu schminken, meine fleckige Bluse auszuwechseln und die Zehennägel zu lackieren und las etwas im schon wieder quälend lahmenden Internet, dann war er da.

Wir aßen Kuchen und tranken Kaffee und drehten wir eine Runde durchs Haus, um über die eine oder andere Wand zu sprechen.
Danach plauderten wir noch etwas über sein Haus, ein ebenfalls denkmalgeschütztes barockes Gebäude.

Nachdem er wieder weg war, war es bereits 18 Uhr und wir fuhren kurz entschlossen nach Rostock in den Baumarkt, für Dachlatten und einige Malerutensilien. Wir waren sensationell schnell mit dem Einkauf fertig und so hatten wir Zeit, bei Ikea nebenan etwas zu essen und beim Gang nach draußen noch zwei Kopfkissen zu kaufen.

Kurz vor 21 Uhr waren wir zurück. Ich goß die Blumen und setzte eine Maschine Wäsche an, damit ich sie anderntags morgens aufhängen konnte. Dann räumte ich das stehengebliebene Kaffeegeschirr nach oben und blieb noch etwas auf der Terrasse sitzen. Der Graf war zu seinem Lieblingsplatz in der Senke gegangen. (So ganz zufällig ist dort das LTE-Signal am stärksten.)
Die Eulen und Käuzchen hatten jede Menge im Park zu tun und kommunizierten das lautstark. Ab und zu gab auch eine Kuh einen Kommentar ab. Im Gebüsch nebenan raschelte es. Vielleicht haben wir ja wieder einen Igel. Die Spülmaschine plätscherte von oben ins Abflußrohr neben der Terrasse. Die Luft war wunderbar.
Ich dachte an den Rosenthaler Platz 24 Stunden vorher. Wir standen an der Ampel, neben uns wartete ein Typ auf seiner Vespa. Mitte 40, berufsjugendlich, Sonnenbrille, obwohl es schon dunkel war. Er drehte immer wieder am Gasgriff, wie ein 15jähriger und ließ den Motor aufheulen. Es stank überwältigend nach Benzin. Nichts mehr für mich.
Als es leicht zu regnen begann, ging ich rein und machte mich bettfertig.
Und jetzt wird geschlafen, der Tag morgen ist arbeitsreich.

Die anderen Texte stehen hier.