6.4. – Karfreitag

Der Tag beginnt im „Alles fein“-Modus. Die obligatorischen morgendlichen zwei Stunden für mich, während der Graf noch schläft.
Dann gibt es eine Runde Wohnungsgebastel. Einmal die Küche cleanen, der Graf ist derweil am heimwerkern. Das Schöne ist, ich könnte zwar auch eine Menge von diesen Dingen, die der Graf macht, aber anders. Da kommt es auch mal zum Tine-Wittler-mäßigen Heißklebepistolen-Einsatz oder zur Verwendung von „Kleben statt Bohren“ wenn der Dübel nicht hält (was zum Ergebnis hat, daß man eher die Wand drumherum abreißt, statt jemals wieder den Dübel herauszubekommen). Da der Graf meine allzu pragmatischen Lösungen nicht mag, bin ich in der Regel von solchen Jobs beurlaubt.
Dafür lasse ich ihn nicht in die Küche. Er kann sowieso nur Wasser heißmachen.

Mal ein Themasprung: Pollenflug. Als Allergiker sollte man scheinbar so weit oben wie möglich wohnen. Bisher bekomme ich die Birken-, Hasel- und Erlenpollen nur am Rande mit. Früher war das schlimmer. Obwohl… in der Dachwohnung in C-Burg war es genauso schlimm. Da war zeitweise die ganze Wohnung gelb gepudert und ich habe gelitten wie Tier. Vielleicht liegt es daran, daß es nicht nur 12 Meter Haushöhe, sondern noch 23 m Berg (hoch für Berliner Innnenstadt-Verhältnisse) dazu sind, es hier verdammt windig ist und unten das Zeug wabert?

Am Abend ging es dann zum Karfreitags-Steakessen, zu dem der Besitzer der Ennomane einlud.
Eine schöne Gelegenheit, Real Life-Bekanntschaften zu machen oder zu erneuern. So habe ich endlich die Frau Stedtenhopp und Acid23, The Lord of the Flauschs und eine Menge anderer netter Menschen näher kennengelernt und den Herrn Beethoven und den Herrn Horax wiedergetroffen. Es herrschte hohe Nerd- und Piratendichte und da ich die Grünen damals verpaßt und auch nicht soo viele Dissidenten live erlebt habe, war das ein schöner Moment zu sehen, daß es Leute gibt, die aufbrechen, um Geschichte zu machen.
Was mich am meisten erfreut und gewundert hat, ist, daß der Herr Beethoven nicht nur ein Filmfreak, sondern sogar angehender Filmemacher war, aber dann doch eine andere Lebenskurve genommen hat. Hach!
Das nächste Mal werden wir uns alle auf der Republica über den Weg laufen und ich freue mich schon drauf.

Der Rückweg führte über drei Späties, die Pappelallee und die Kastanienallee entlang und wir erstanden einige lebensnotwendige Dinge: Chips, Kuhflecken-Milka, Haribo Colorado und Toblerone als Dessert, einen Kiloeimer Joghurt, Koriander und Minze und ein Fladenbrot.

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5.4.

Der Gründonnerstag war für mich früher immer der Tag, an dem ich mich vorzeitig aus dem Büro schlich, weil ich einfach nicht mehr konnte. Dann kam Ostern, mit Reisen oder Besuchen und ich hätte doch nichts nötiger gebraucht, als ein paar Tage Nichts zu tun. Nur wer tut schon Nichts, wenn er doch glaubt, die letzte Minuten im Leben noch auswringen und hochpimpen zu müssen, um sich irgendwie bestätigt zu fühlen?
Heute ist er nur der Tag vor den Feiertagen. Das hat schon was.
Der Tag verging mit Büroarbeit und einem Probenabend ziemlich schnell und des Abends schaute der Vollmond vom Himmel und ich saß lesend auf dem Sofa.

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Kino, Kino…

Der Herr Beethoven hat mich mit einem Filmstöckchen beworfen. Mich, die Ex-Cineastin. (Manchmal habe ich das Gefühl, einfach zu viel Filme gesehen zu haben.)

Na denn man los:

1. Nenne einen Schauspieler, zwei Schauspielerinnen und drei Filme, die Du sehr gerne magst, und erzähle bitte warum!
Hm, ich bin ja nicht so schauspieler- sonder eher werkfixiert. Jetzt mal abgesehen von meinen frühen und späten Teenager-Schwärm-Zeiten und meine Schwärme Alain Delon, Don Johnson und Keanu Reeves haben das Altern eher nicht so super gemeistert.
Josef Bierbichler, das ist schon ein Hammertyp.
Zwei Frauen…
Jeanne Moreau
und natürlich Marylin Monroe Das war noch in den Zeiten, als Frauen schön waren, wenn sie Fleisch hatten und Seele, jede auf ihre Weise.

2. Bist Du schon einmal vorzeitig im Kino aus einem Film gegangen? Warum und aus welchem?
Ja, aber ich habe verdrängt, aus welchem. Ich glaube, das war irgendein unsagbar blödes Frauen + Probleme + Gespräche + entsättigte Farben + lange Kameraeinstellungen-Debüt-Gedöns, für das mir an diesem Tag die Zeit zu schade war und ich bin laut fluchend in einen anderen Film gegangen.
Meistens harre ich brav aus und in meine Hardcore-Festival-Zeiten habe ich die Zeit dann einfach zum Schlafen genutzt. Die Nächte waren meist kurz, weil es immerzu Parties gab.
Pro-Tipp: Auf Festivals in die Kurzfilmblöcke gehen. Da sind echte Perlen drunter und wenn einer blöd ist, ist er in 10 Minuten vorbei und der nächste fängt an.

3. Gibt es eine Filmszene, in der ein Song gespielt wird, die sich Dir beide untrennbar ins Gedächtnis gegraben haben?
Im Grunde fast jede Szene von Spiel mir das Lied vom Tod. Eine irre Verbindung von Musik und Film, wagneropernhaft. Claudia Cardinale, wie sie am Anfang und am Schluß über die Sweetwater-Baustelle geht, das musikalische Motiv dazu. Das ist wortwörtlich ganz großes Kino.
Die Anfangsszene von Apocalypse Now. The End von den Doors transformiert sich in das Geräusch des Deckenventilators. Ab dem Moment hat dich der Film eingesogen.

4. Welches ist Dein Lieblingskino und warum ist es das?
Noch immer und immer wieder das International in Berlin, mit dem weißen Perlen-Premierenvorhang, dessen eine Bahn teilweise verkehrt herum angenäht ist. Hier habe ich die letzte DEFA-Premiere erlebt und eine ganze Menge anderer schräger, interessanter und auch ätzender Premieren.
Wobei die Lichtburg in Essen auch sehr schön, aber für mich weit weg ist. Ich liebe die alten großen Kinos. Der Titania-Palast in Berlin ist es ja wenigstens noch von außen. Irgendwann werden wir die alten Kinosäle vermissen, da bin ich mir sicher.
Und ich habe einen Traum. Ich möchte einen eigenen Kinosaal haben. Im Keller meines Hauses irgendwo im Süden. Dort werde ich in einem weichen ledernen Clubsessel mit diversen Drinks lümmeln und mir Filme ansehen. Wenn ich genug habe, gehe ich nach nebenan ins Schwimmbad.

5. Lieber Filme oder TVSerien? Warum?
Hm, schwierige Entscheidung. Die Drama-Serie ist die spannendste Film-Innovation der letzten Jahre. Film in Romandramaturgie. Da ich es aber noch immer nicht geschafft habe, mir einen ordentlichen Fernseher anzuschaffen (bin da seeehr wählerisch und wenn mich etwas ärgert, sind es falsche Formatanpassungen und flaue, aber quietschebunte Bilder und der Graf tickt da genau so), bin ich kein richtiger Serienkonsument geworden.
Fernsehserie bedingt eine bestimmte Ästhetik. Die TV-Serie schrumpft die Welt in einen kleinen Rahmen. Festlegung auf ein Format, wenig Details, fast keine Arbeit mit Tiefenschärfe und dynamischen Zooms. Schnitte sind Erzählperspektivisch. TV-Serie ist Spielszenen- und Storyzentriert und nicht primär Bild- und Tonästhetisch. Für mich ist z.B. Mad Men ein vorbildliches Beispiel für perfekte Fernsehästhetik.
Kino hingegen ist ein synästhetisches Erlebnis. Du sitzt im dunklen Raum und kannst als Zuschauer Dinge betrachten, wie du sie nie betrachten konntest. Von ganz fern und ganz nah. Schnell bewegt oder festgefroren. Du kannst mit Zooms den Raum durchschneiden und mit Fahrten und Flügen deine Körperlichkeit vergessen. Es wird Hell, es wird Dunkel. Alles ist monumental. Dazu erlebst du Ton und Musik von allen Seiten. Das ist etwas anderes.
Insofern: Ich ziehe einen Roman noch immer einer Serie vor. Das kann sich aber ändern, sobald es an der Barnimkante einen ordentlichen Fernseher gibt, aber das hat keine Priorität. Kino darf immer sein. Ich habe es in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt und verstehe auch nicht, warum ich so oft zu Hause vor dem Computerbildschirm hocke, wo ich doch jetzt 3 Programmkinos in Laufweite habe. Aber das kommt wieder.

So und nun muß ich das Stöckchen weiterreichen. Meh. Ich hab doch auch nie Kettenbriefe weitergereicht. Und der Glamourdick wird dem Luckystrike doch sowieso die Fragen stellen, die mir nie im Leben einfallen und vielleicht hat der André Herrmann dann auch noch ein paar coole Antworten. Wißter ich hab schon so viel Kamapunkte eingebüßt durch nichtweiterreichen, da kommts auf die fünf jetzt auch nicht an. Es sei denn Glämmie hat keine Zeit, weil er schreiben muß, dann übernehme ich.

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2.+3.4.

Der Montag war so ein rechter „Kitty forscht“-Tag. Im Zuge der Klärung, wie groß denn der Mauerdurchbruch sein soll, frickelte ich den ganzen Tag mit einem 3D-Entwurfsprogramm herum, um zu sehen, wie es aussieht, wenn aus zwei Zimmern eines wird. (Bzw., letzter Stand der Dinge, lediglich eine Doppeltür in die Mitte der Wand gebaut wird.)

Der Dienstag war der Tag 0 auf dem geschäftlichen Zeitstrahl. Einmal ein organisatorisches Reset fahren. Darauf habe ich mich fast zwei Jahre vorbereitet und mit der Amtsausführung  gönnte ich mir den Rest des Tages in süßem Nichtstun. Was hieß: Schlafen, Buch, Bett.

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