WMDEDGT Dezember 2017

Frau Brüllen fragt wieder was wir am Monatsfünften getan haben.

Ich stand pünktlich um 7:30 Uhr auf, als der Wecker klingelte und kochte mir einen Kaffee. Ich wollte noch unseren Gast abpassen, der sehr früh aus dem Haus gehen würde. Wir redeten noch kurz ein bisschen, er ist Fern-Student an einer Universität in Berlin und hatte eine große Präsentation zu halten, dann nahm er sich noch ein Kaffee und ging. Danach räumte ich das Gästezimmer auf, zog das Bett ab, lüftete und machte eine Waschmaschine fertig. Seit wir anfangen zu packen und warten, dass das kleine Haus frei wird, vermieten wir nämlich ein Zimmer an Berlingäste.
Dann frühstückte ich Ananas und Banane mit Joghurt, trank  zwei Tassen Kaffee und las das Internet leer.
Ich putzte kurz das Gästezimmer und bezog das Bett neu, denn der nächste Gast würde ziemlich früh kommen.
Später schaute ich mir an, was ich an meinem Hausmantel noch zu machen hätte. Das zieht sich nun schon ziemlich lange hin, aber ich komme immer nur dazu ein paar Nähte zu machen, beziehungsweise wieder aufzutrennen. Abends bin ich immer viel zu müde dazu.
Gegen 12:00 Uhr kam der neue Gast, ein Spanier aus London, der ziemlich müde und durch den Wind war, er sah nach Liebeskummer aus.

Ich packte mein Strickzeug ein und fuhr mit der Straßenbahn nach Pankow, da das Kind nun bald nach Oranienburg zieht, wollte ich noch einmal das Enkelkind bepuscheln und die beiden hätten derweil Zeit, Kisten zu packen. Auf dem Weg zu ihrer Wohnung kam ich beim Fleischer vorbei und kaufte einen Riesenberg Hackfleisch,  unsere Vorräte waren aufgebraucht. Außerdem nahm etwas Mittagessen für mich mit, es gab nämlich Jägerschnitzel. Bei Kind und Schwiegersohn angekommen, aß ich mein Mittagessen und schaute zu, wie sich das Enkelkind den Kürbisbrei im Gesicht verteilte.
Gegen halb zwei schnallte ich sie mir vor den Bauch und ging mit ihr eine reichliche Stunde spazieren. Sie schlief natürlich sofort ein, und wurde nur kurz wach, wenn ein lautes Flugzeug über uns hinweg flog oder ein Auto hupte. Kam ungefähr gegen halb vier Uhr zurück, es war schon fast dunkel  und spiele noch ein bisschen mit dem kleinen Mäuschen. Sie fand es natürlich wesentlich interessanter, ihren Eltern zuzuschauen, was gerade alles in Kisten verschwindet. Ich lockte sie dann immer wieder weg, in dem ich mit einem Spielzeug klapperte. Ich glaube, sie robbte an diesem Nachmittag gut 100 m. Da sie mit ihren acht Monaten noch in der Phase ist, wo sie alles anknabbern muss, biß sie mir in den großen Zeh. Das tat ziemlich weh! Als ich Aua! schrie, fing sie natürlich fürchterlich an zu weinen. Aber sie war dann schon bald getröstet.
Gegen 17:30 Uhr versuchten wir, ob sie vielleicht mit mir im Schlafzimmer ein bisschen schlafen wollte. Nun sind die ein Schlafrituale moderne Eltern nicht unbedingt deckungsgleich mit denen, die Mode waren, als das Kind ein Baby war. Da legte man das Baby ins Bett, deckte es zu, legte es wieder hin, deckte es zu und wiederholte das noch ein paarmal, bis das Kind eingeschlafen war. Ich hatte mir das Enkelkind von den Bauch geschnallt, in der Hoffnung sie schläft dann. Aber sie interpretierte das als Kindesentführung und schrie gar fürchterlich. Als das Kind dann wieder ins Zimmer kam, strahlte sie über alle Backen und ließ sich bei Mama auf dem Arm verwöhnen. Also so richtig klappt das mit dem Omaservice nicht.
Ich kuschelte mit ihr noch ein bisschen und fuhr gegen 18:30 Uhr wieder nach Hause.
Mein Bruder hatte sich inzwischen gemeldet. Wir verständigen uns darüber, was unsere Mutter zum Geburtstag bekommen sollte. Dabei schickte er mir noch ein wunderbares Foto. Im guten alten Oderkaff hat jemand seinen Leichtflieger so präpariert dass er, um seinen Enkel am ersten Advent zu erfreuen, als Weihnachtsmann mit beleuchtetem Rentier über den Himmel flog. Jeder weiß, wer es war, keiner sagt was, weil ansonsten womöglich die Fluglizenz weg ist.

Zu Hause angekommen, begleitete ich den Grafen noch kurz in den Asiaimbiss und machte mir zu Hause ein Leberwurstbrot. Ich war furchtbar müde, um 20:00 Uhr saß ich mit kleinen Augen auf dem Sofa und um 21:00 Uhr ging ich einfach ins Bett.

Das war also mein Tag, die anderen Einträge stehen hier.

WMDEDGT November 2017

Frau Brüllen fragt, was wir heute den ganzen Tag gemacht haben und ich hatte heute einen richtig netten Sonntag.

Ich stand um 8:30 Uhr auf und ging für eine Stunde in die Badewanne.
Als es um halb 10 zum Kirchgang läutete, machte ich mir Joghurt mit Banane und Ananas und trank einen halben Eimer Kaffee dazu. Ich hatte schlecht geschlafen, obwohl ich vom Vollmond in keiner Weise beeinflusst werde.

Um 11 Uhr machte ich mit dem Grafen zusammen einen Rundumschlag durch das Gästezimmer und das Bad: Betten beziehen, Staub wischen, durchfeudeln.
Seit wir Kisten packen, um Teile unserer Existenz nach Norden zu verlegen, haben wir des öfteren Kurzzeitmitbewohner in einem unserer Zimmer.
(Aber es bleibt spannend. Nach der Ansage, 30. September, nein doch nicht, 31. Oktober, gibt es nun die Information, dass vielleicht nach dem 30. November das kleine Nebenhaus für uns frei wird.)

Dann setzte ich mich gegen 12 Uhr an den Nähtisch. Es gibt jetzt eine schicke Lupenleuchte, da trenne ich doch noch mal so gern auf. Ich musste den Versuch von gestern Abend, einen nahtverdeckten Reißverschluss einzunähen und gleichzeitig den Karorapport nicht zu verschieben, noch mal wiederholen. Es wird ein Glockenrock mit Schottenkaro, wenn ich das mit dem Reißverschluss denn mal hinbekomme.

Um 13 Uhr kamen unsere Gäste an. Zwei chinesische Studentinnen. Wir rannten erstmal frontal in höflich kommunizierte unterschiedliche kulturelle Erwartungshaltungen. Die jungen Frauen wollten am nächsten Morgen zum Frühstück kochen und fragten nach Töpfen, Pfannen und Gewürzen – obwohl sie weniger als 24 Stunden bei uns sein würden. Das war dann auch das erste Mal für uns. Sonst sieht man von den Leuten nichts, sie sind den ganzen Tag unterwegs und machen sich höchstens einen Kaffee oder stellen ein Doggy Bag von letzten Restaurantbesuch in den Kühlschrank.
Aber ok. Ich glaube, die Welt des Gastgebens sieht in Asien anders aus. Vielleicht wundern sie sich über unsere komische Distanziertheit und dass kein Essen auf dem Herd kocht. Während unsere Botschaft ist: Fühl dich frei, mach dein Ding und störe unsere Kreise nicht.

Eine halbe Stunde später packte ich eine angestrickte Babyhose in meine Tasche und fuhr zu Kind und Schwiegersohn nach Pankow. Das mittlerweile schon fast 7 Monate alte Enkelmädchen war beim Essen. Was in dieser Phase heißt, dass der Kartoffel-Broccoli-Brei auf Gesicht und Armen klebt und sich in die Haare vorarbeitet und es neben einem wasserdichten Lätzchen noch eine Windel um den Hals gibt, in die das Essen gut eingearbeitet wird. Aber es schmeckt ihr und sie nagt ebenso begeistert an Apfelstückchen.
Der Schwiegersohn putzte das Mausebärchen sauber und ich schnallte sie mir warm angezogen vor den Bauch. Ich lief mit ihr in Richtung Schloßpark Niederschönhausen. Zuerst wippte sie noch begeistert in ihrer Trage (Omas Bauch ist scheinbar wie ein Wasserbett), aber nach ein paar Minuten schlief sie. Ab und zu spannte ich den Schirm auf, weil es leicht regnete. Ich schaute mir den Majakowskiring an, da, wo bis in die 60er die DDR-Regierung wohnte. Vor langen langen Jahren war ich in einem dieser Häuser, das damals Gästehaus war, auf einer Party. Aber Pankow war nie richtig meine Go Area, ich erinnerte mich erst allmählich daran, dass das hier gewesen sein muss.
Die Freunde, denen ich kurz Hallo sagen wollte, waren leider nicht da und so fuhren wir zwei Stationen mit der Straßenbahn zurück und liefen den Rest der Strecke. Das kleine Mädchen war längst wach und amüsierte sich königlich darüber, wenn ich mit ihr wie ein Pferd durch die Gegend galoppierte.
Um 16 Uhr war ich zurück und wurde gebeten, noch zu bleiben, weil die beiden Eltern beim Möbel rücken waren. Ich spielte noch ein bisschen mit der Kleinen – in Holzkugeln beißen, durch die Gegend robben, Mamas Tasche anlutschen, ich fing sie immer wieder ein, wenn es in Baustellennähe ging. (Sie robbt mittlerweile nicht mehr nur Mama hinterher, sondern erkundet von sich aus die ganze Wohnung.)
Da mein Telefon extrem interessant war, versuchte sie sich zum Sofa hochzuziehen, um es zu erhaschen. Da geht es wohl bald mit Stehen weiter.

Kurz vor 18 Uhr brach ich auf und fuhr nach Hause. Der Graf war inzwischen von einem ausgedehnten Flohmarkttrip zurück.
Wir grillten uns Hamburger und als Dessert gab es Crème brûlée. Für den Grafen gab es dann als Charlotte-Lindholm-Fanboy den Tatort.

Die zwei Mädels sind seit zwei Stunden wieder da. In der ersten Stunde haben sie Tee gekocht. bzw. heißes Wasser. Meine Grüntee fanden sie komisch. Die Gutschlafen-Teemischung von Primavera haben sie nicht angerührt. Jetzt duschen sie seit einer Stunde.

Es ist 22 Uhr, ich stricke jetzt noch etwas an der Babyhose weiter, mit einem Hörbuch auf den Ohren und werde gegen Mitternacht ins Bett verschwinden.

Die anderen Blogposts sind hier zu finden.

WMDEDGT Oktober 2017

Frau Brüllen fragte wieder, was wie am Monatsfünften getan haben. Das war gestern und ich komme erst jetzt dazu, es aufzuschreiben, denn das Leben hat derzeit eine hohe Schlagzahl.

Um 8 Uhr war ich wach und stand auf. Ich drehte die Heizung, das Warmwasser und die Kaffeemaschine an. Wegen zweier temporärer Mitbewohnerinnen ist das derzeit Teil meines Morgenprogramms, denn die Heizung hat die eine oder andere Besonderheit.
Gegen 9 Uhr aß ich Joghurt mit Birne, Banane und Dattel und trank zwei Tassen Kaffee.
Dann schaute ich nach der Wäsche, bei der ich im Moment kaum hinterher komme und putzte kurz das Bad.
Der Graf war um 10:30 Uhr auch fertig, wir klärten noch die eine oder andere Sache, holten Post vom Bezirksamt mit dem Anwohnerparkausweis aus dem Briefkasten und machten uns im Regen auf den Weg in die Demminer Straße, ca 800m von uns entfernt, wo mangels besagten Anwohnerparkausweises der neu erstandene Transporter parkte.
Ein wegen angedetschten Schalldämpfers beeindruckend röhrendes Gefährt, das auf der Rückscheibe  „Rasselbande an Bord“ in Fraktur stehen hat. Die Vorbesitzer sind ländliche Sachsen mit 4 Kindern.
Wir parkten ihn in einer Einfahrt vor der Haustür, räumten noch einmal die Ladung – gebraucht erstandene Haushaltsgeräte – um, fixierten sie mit Spanngurten und montierten einen neuen Plattenwagen, um sie im Norden in die Scheune zu bekommen.

Dann erstanden wir noch beim Weinhändler unseres Vertrauens 2 Europaletten und los gings. Es war schon 13:30 Uhr, es regnete noch immer und machte der Unwetterwarnung alle Ehre und ich war gut durchgefeuchtet am dauerfrösteln.
Wir fuhren die A19 entlang, überlegten, was wir tun wollten, wenn wir zu früh im Norden ankämen und keiner uns die Scheune aufmachen könnte, da verwandelte sich der stramme Wind in den angekündigten ernsthaften, bösen Orkan und der Regen in einen Wolkenbruch. Der Sturm drückte Unmengen von Wasser auf dem Asphalt fest und das Auto schusselte drüber. „Der nächste Parkplatz ist unserer.“, meinte der Graf und so saßen wir irgendwo nördlich der Müritz anderthalb Stunden im Auto, aßen unsere Reisevorräte und der Sturm rüttelte und schüttelte uns. Gott sei Dank gab es weit und breit keine Bäume.

Gegen 16:00 Uhr ließ der Wind nach und wir fuhren weiter. Diesmal nahmen wir eine Abkürzung auf der Landstraße, die uns am Haus eines Menschen vorbeiführte, den wir im Sommer bei einem Fest kennengelernt hatten. Wir fuhren mal ran, wie man das auf dem Dorf so macht und ließen uns das große alte Haus zeigen (das aber im Gegensatz zu unserem als Neubau bespöttelt wird, da in der Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut).
Da steckt durch 10 jährigen Leerstand viel, viel Arbeit drin, die er größtenteils allein macht, aber die Substanz ist sehr solide.
Er meinte: „Wer sagt, er hätte Gott sei Dank keinen Schwamm im Haus, hat ihn nur noch nicht gefunden.“ und zeigte uns einen freigelegten Balken, über dem jahrelang eine Badewanne gestanden hatte, der bröselig wie Zunder war. Schwamm, durch den Leerstand wahrscheinlich abgetötet, der mag es nämlich warm, aber den Balken hat er vorher aufgefuttert.

Nach dem Rundgang stiegen wir wieder ins Auto und beeilten uns, weiterzukommen, denn es wurde bald dunkel. Der Sturm hatte aufgehört, es kam sogar etwas die Sonne und der blaue Himmel zwischen dramatisch jagenden Wolken durch. Wir ritten in unserer zukünftigen Heimat in der Dämmerung um 18:30 Uhr ein. Die Verkäuferin unseres Hauses, die gerade ihre neue Wohnstatt ausbaut, hatte uns gesehen und kam mit ihrem Auto angebraust, um uns zu begrüßen, sie hatte bei dem Wetter nicht mehr mit uns gerechnet. Wieder was gelernt, auf der Stichstraße ins Dorf sieht man jeden, der kommt.
Die Hausdächer waren intakt und alle Bäume rund um Haus und Scheune auch, das ist beruhigend. Ein guter Ort, wenn auch nicht mit exponierter Lage und weiter Sicht. Dafür aber windgeschützt. Die Alten wussten in den Zeiten vor den Versicherungen ganz gut, wohin sie schadlos bauen können.
Wir sprachen kurz mit dem Mietern des kleinen Hauses an der Scheune, die uns eigentlich jetzt im Herbst Platz machen sollten, denn ihr eigenes Haus am Dorfanger ist seit Jahren in der Fertigstellung. Aber wie das so ist in Vorpommern. Da geht die Welt hundert Jahre später unter. Es sei auch mit zweimonatiger Verschiebung nicht zu schaffen, obwohl man sich bemühe, hieß es.
Der Mann des Hauses trug mit uns die Küchengeräte in die Scheune. Sie kamen auf die Paletten und wurden mit einer Plane bedeckt. So haben wir zwar schon eine Heißmangel, einen Kühlschrank und eine Tiefkühltruhe dort, aber noch keine freie Wohnstatt.
(Eigenbedarfsklage oder so Zeug wollen wir nicht. So tritt man nicht im Dorf an.)

Um 19:30 Uhr fuhren wir wieder los. Wir wollten in Richtung Ostsee, auf den Darß. Der Graf wollte die Füße ins Meer stecken und Hunger hatten wir auch. Als wir nach 20 Uhr ankamen, plädierte ich für erst Essen. Weniger aus naturgegebener Verfressenheit als aus dem Wissen, dass es in den Ostseeorten in der Nebensaison keine Berliner Küchenöffnungszeiten gibt. Wir gingen in 5 noch offene Restaurants und alle winkten ab. Man warte nur bis die Gäste fertig wären, die Küche hätte längst aufgehört. In einem Laden mit Ambiente und guter Karte entfuhr mir ob dessen das Wort „Sch…!“ und im Dönerimbiß, der auch gerade schließen wollte, lachte ich nur noch irre.
Als wir mit hängenden Ohren zur Seebrücke fuhren, um etwas stürmisches Meer zu tanken (also der Graf, ich war viel zu durchgefroren), um hinterher zum nächsten McDonalds zu fahren, der von dort auch gut 40 km entfernt ist, sahen wir noch einen Griechen, der tatsächlich die Küche bis 23 Uhr offen hielt. Also gab es Gyros mit Pommes und hinterher für mich zwei Ouzo, denn der Graf wollte ja noch fahren und mir war zum ersten Mal am Tag warm.
Auf das Meer verzichteten wir dann beide und machten uns gegen 22:30 Uhr auf den Heimweg nach Berlin. Der Vollmond war aufgegangen und beleuchtete jagende Wolken. Die Autobahn war recht leer. Viele hatten heute auf Reisen verzichtet und sogar LKWs waren im Stall geblieben. Wir schnurrten in amerikanischem Tempo unsere Kilometer runter, ich nahm zwischendurch eine Mütze Schlaf, denn nach Mitternacht kann ich mich nur noch mühselig wachhalten, während der Graf ein Nachtmensch ist.
Um 1 Uhr hielten wir kurz auf einen Red Bull und etwas Bewegung an frischer Luft und klebten die Anwohnerparkpakette an die Scheibe.
Jetzt haben wir auch die Lösung, warum sie bei so vielen Berlinern an einer Seite schlapp rumhängt.

Früher nahmen die Damen im Amt nämlich, nachdem sie das Kennzeichen mit Filzstift auf die Sichtseite eingetragen hatten, die Schutzfolie von der Klebeschicht ab, pappten diese auf die Sichtseite und verwandelten die Vignette in etwas, auf dessen Beschriftung man nicht mehr rummalen kann und von dem man eine weitere Schicht abzieht, um sie ins Fenster zu kleben.
Heute wird die Vignette im Stück per Post geliefert, den Trick mit der Aktivierung der Klebefolie weiß aber niemand. Und so hängen die Parkvignetten lappig in den Fenstern, die eine oder andere mitleidige Seele spendiert ihnen vielleicht noch etwas Klebestreifen.
Man hat scheinbar im Amt weder Zeit, die Schutzfolie abzuziehen, noch den Bürgern eine Erklärung mitzuliefern, wie das Ding zu bedienen ist.

Dit is Berlin.

Wir kamen gegen 2:30 Uhr dann in Berlin an, fanden unsere Straße unversehrt vor und auch glücklich einen Parkplatz und ich fiel sofort ins Bett.

Alle weiteren Berichte von diesem Tag finden sich hier.

WMDEDGT Mai 2017

Frau Brüllen fragt wieder, was wir den ganzen Tag gemacht haben. Nun denn.

Um 7:30 Uhr klingelte der Wecker und um kurz vor 8:00 Uhr taperte ich zum Kaffeekochen in die Küche. Ich aß wie immer zum Frühstück Joghurt mit Obst und schaute ein wenig quer durchs Internet. Nebenher kochte ich Milchreis für die gestressten Jungeltern
Um 9:00 Uhr setzte ich mich an die Strickmaschine. Sie war gestern angekommen und ich wollte nach und nach die Komponenten testen und Proben stricken. Am Abend vorher hatte ich schon einmal ein Lochmuster angestrickt, am Anfang voller Fehler, weil sich nach und nach erst die Öl-Verharzungen im Lochmusterschlitten gelöst hatten. Auch von langem Stehen können Maschinen kaputt gehen. Ich strickte zwei Mustersätze fehlerlos und versuchte dann einen kleinen Hack, um ein Missoni-Muster zu bekommen, aber das ging gründlich schief.
Also machte ich mich schon einmal rausgehfein und wickelte nur noch Wollreste zum Weiterstricken auf, denn wir hatten bald eine Verabredung.

Gegen halb 11 Uhr klingelte es. Es war der Paketbote mit dem Stoff für das Hochzeitsgastkleid. Es soll ein nachgebautes Tia Dress werden, das Schnittmuster zu kaufen lohnt für mich nicht, weil ich das Oberteil sowieso neu konstruieren muss. Ich hatte zwei schwarzweiß gemusterten Baumwollsatins für den Rock bestellt und uni schwarz für das Oberteil. Das dramatische Rosenmuster bei dem ich skeptisch war, ob es funktioniert, überzeugte mich auf Anhieb, der andere, den ich nur zur Sicherheit bestellt hatte, war falsch geliefert. Wenn man zwei schwarze Stoffe mit weißem Punktmuster im Lager hat und den mit den kleineren Punkten „Schwarz mit großen Punkten“ nennt und den mit den größeren „Schwarz mit weißen Punkten“ sind Verwechslungen vorprogrammiert. Ich telefonierte kurz mit dem Händler und mailte ein Foto.

Dann rief meine Mutter an. Meine Eltern waren unterwegs nach Berlin, das Urenkelchen anschauen und wir sollten sie begleiten. Die beiden waren allerdings zunächst am Stadtrand gestrandet, weil der Regionalzug nicht durchfuhr und dann noch eine Weile im Bahnhof Ostkreuz herumgeirrt. Jetzt waren sie aber auf dem Weg zu uns, wenn auch verspätet.
Ich drapierte kurz die Stoffe auf die Puppe, um zu schauen, wie es aussah. Der Graf monierte natürlich mit Fachmannsblick, dass die Schwarztöne nicht ganz zusammenpassen. Aber ich bin ja Gott sei Dank keine Perfektionistin.

Kurz darauf vermeldeten meine Eltern, dass sie fast da sind, wir holten die von der Straßenbahnhaltestelle ab und gingen erst einmal zum Vietnamesen drei Häuser weiter, eine Kleinigkeit essen und bestellten auch noch zwei Portionen zum MItnehmen.
Dann pingte mich das Kind an: Ob wir auf dem Weg zu ihnen schnell etwas einkaufen könnten. Ich ließ mich instruieren, was gebraucht wurde.
Wir nahmen nach Pankow ein Taxi und es passierte der Berliner Klassiker, auf die Frage, ob Ec-Kartenzahlung ok. sei, wand sich der Fahrer, das Kartenlesegerät sei nicht so richtig in Ordnung etc. Klarer Fall von Steuerbeschiß, wie bei fast allen Taxis.
Ich sprang schon am S-Bahnhof Pankow raus, kaufte kurz ein und lief dann zur Wohnung vom Kind.
Das Enkelmädchen schlief süß in der Trage vor Schwiegersohns Bauch und als wir es etwa später im Ganzen zu Gesicht bekamen, konnten wir feststellen, dass es nun, mit 3 Wochen, nicht mehr wie ein aus dem Nest gefallenes Vögelchen, sondern schon wie ein (wenn auch kleines und zartes) Baby aussah.
Es gab alkoholfreien Sekt und Geschenke und wir plauderten und himmelten das schlafende Kleine an. Als es dann laut vernehmlich was trinken wollte, brachen wir auf und begleiteten die alten Herrschaften noch zum S-Bahnhof.

Wir liefen den halben Weg zurück, statt mit der Straßenbahn durchzufahren und kauften zwischendurch noch ein Eis. Zurückgekommen, es war inzwischen 18 Uhr, las ich, dass der Stoffhändler eruiert hatte, dass der Stoff im Lager falsch ausgezeichnet war. Von dem anderen Stoff gab es aber leider nur noch die Hälfte der benötigten Länge. Ich switchte um auf einen anderen Stoff, der mir sehr gefallen hatte und setzte ich mich wieder an die Strickmaschine.
Nun war noch der Motorschlitten zu erproben. Das dauerte, von zwei Käsebroten unterbrochen, bis kurz vor 11 Uhr. Er funktioniert ziemlich gut, bis auf den Umstand, dass er immer an der gleichen Stelle beim Rechtsstricken 1-2 Maschen verliert. Warum auch immer, das muss ich herausbekommen.

Ich machte mir dann noch einen Mitternachtssalat und setzte mich an diesen Text. Jetzt geht es aber schleunigst ins Bett!

Die anderen Texte sind hier zu lesen.