Vereinbarkeit – Alles auf einmal, geht das?

Triggerwarung: Ich meine mal wieder rum. Ich bin keine Soziologin, keine Politologin. Ich habe Augen im Kopf und ein Hirn und kann graben, wo ich stehe. Deshalb sind die Dinge, die ich aufschreibe, wie immer sehr subjektiv.

Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Geht gar nicht, sagen die einen. Natürlich geht das, habt euch nicht so, sagen die anderen, wer will findet Wege.

Ich bin bei diesem Thema tief gespalten, darüber hatte ich hier und da auch schon geschrieben.

Zum einen verstand ich die westdeutschen Frauenbiografien nicht. Was ist so attraktiv daran, sich in einer Wohnung oder einem Haus festzuzuzeln, als Mittelpunkt des Universums 1-2 Kinder und einen Mann zu haben, knappes Geld zu verwalten und immer nur über Kinder, Kochen und von Dritten gehörtes zu reden? Ausbildung? Ja, da war mal was, aber das diente nur dazu, mal rauszukommen, um jemanden kennenzulernen und ein Fallback zu haben, falls man niemanden abkriegt wird alles überschrieben, wenn er endlich da ist und der normale Lebensplan beginnt. (Das ist jetzt etwas polemisch formuliert, aber ich habe das zu meiner großen Befremdung genauso ansehen können. Ein halbes Germanistikstudium mit Ziel Lehramt, dann Ehe und Aufgabe aller eigenen Lebenspläne, von da ab ist das größte Thema, was man ihm kocht, wenn er mittags nach Hause kommt. Frauen, die genauso alt waren wie ich, Anfang der 90er.)

Die ostdeutschen Frauenbiografien sah ich aber genauso kritisch. Als ich das Abitur hatte, wollte ich auf gar keinen Fall eine dieser todmüden, abgearbeiteten Frauen werden, die zwar große berufliche Aufgaben übernehmen konnten, wenn sie nur wollten, aber immer nur hinterher rannten. Selbst die Chefärztin hatte abends den Haushalt und die Kinderbetreuung zu erledigen.
Auch wenn die Kinderbetreuung tagsüber sehr gut war – wer gab sein Kind wirklich gern morgens um 6 in der Krippe ab und hoffte, dass es nicht im Laufe des Tages Fieber bekommt und abgeholt werden musste (von der Mutter selbstverständlich), um es nach 6 Uhr abends erst wieder zu sehen?
Es war ja nicht nur die Familienarbeit selbst. Es war die Energie und Hirnkapazität, die in Verantwortung, Organisation, Planung und Aufmerksamkeit ging. Ist genug Milch im Haus? Ist die Wurst noch gut? Was stelle ich auf den Tisch, damit alle davon essen? Gibt es gerade etwas, für das es sich anzustellen lohnt? Der Staubsauger ist schon wieder kaputt und muss zur Reparatur-Annahmestelle drei Straßenbahnstationen vom Haus entfernt gebracht werden. Bügeln, Wäsche schleudern, irgendwann zum Friseur, für den frau sich aus dem Betrieb schleicht. Von schönen Kleidern träumen, die immer nur die anderen kaufen, weil sie die Zeit haben, sich mitten am Tag in der Jugendmode anzustellen.

Die Männer lebten ihr Männerleben. Taten beruflich sehr wichtige Dinge. (Oft die selben, wie die Frauen. Aber eben wichtig!) Kamen und gingen, wann sie wollten, waren niemand Rechenschaft pflichtig. Besorgen gespundete Bretter und Betonbohrer. Wussten, wo es Zement gab und wie man den Trabbi noch mal zum Laufen bekam, obwohl der Keilriemen ständig riss. Gingen auf Dienstreisen, hingen noch einen Tag Freizeit irgendwo ran und warfen nach der Rückkehr ihre Schmutzwäsche ab. Brüllten mal kurz rum, weil die Wohnung dreckig und unaufgeräumt war. Kontrollierten die Schulhefte der Kinder. Sagten der Frau, dass da was passieren müsse, das ginge so nicht. Erwarteten Begehren und Sex und keine ungekämmte, verschwitzte Mutti in der Kittelschürze, die um 9 Uhr ins Bett fällt und einschläft.

Das war oft von beiden Seiten aus anders gedacht und geplant. Aber für den Rückfall in die alten Rollen reichte es, als Mann in Sachen Kinder und Haushalt ein wenig ungebildet, desinteressiert, aber proaktiv zu sein.
Keine Zeit für den eigenen Putzanteil haben (wichtige Dinge!). Mit dem Kind, das Bronchitis hat, im kalten März mit dem Fahrrad durch die halbe Stadt zum Kinderarzt zu fahren (das muss Rad fahren lernen!) und für die anschließende Lungenentzündung bleibt die Frau zu Hause. Komisches Essen (Aber das ist leckere Würfelbrühe!) auf den Tisch stellen, wenn die Frau auf Dienstreise ist. Alle Wäsche in die Maschine schmeißen (das geht doch ganz schnell!) und das 60 Grad-Programm anstellen.
Was tut frau mit solchen Heldentaten? Ausrasten? Dann macht sie in Zukunft alles allein und ist noch die blöde Zicke. Erziehen? Dann hat sie noch ein zusätzliches Kind. Das Gespräch suchen? Wann bitte?
Außerdem kann sie das Auto nicht reparieren, vor der Schlagbohrmaschine hat sie Angst und die ganze Organisation rund um Handwerkliches ist ihr ein Rätsel. Und überhaupt wofür? Um noch mehr tun zu müssen?

(Fun Fact: Männer, die ganz selbstverständlich ihre Wäsche machten, bügelten, einkauften und kochten lernte ich erst nach der Wende kennen. Der ostdeutsche Normalo-Mann hatte bis auf Aufenthalte in Kasernen, Studenten- und Ledigenwohnheimen nie allein gelebt und wechselte von den Eltern zur Ehefrau.)

Ich hatte in der DDR panische Angst, in diese Doppellast-Falle zu laufen. Ich wollte Filme machen oder Theaterstücke inszenieren. Dafür hätte ich aber entweder mein Kind vernachlässigen oder aber Zeitkonto und Rückzugsmöglichkeiten eines Mannes haben müssen.
(Vernachlässigen heißt in diesem Fall, nicht unbedingt, im Kindergarten abgeben. Ein heute sehr bekannter Theaterregisseur war plötzlich alleinerziehender Vater. Der Deal mit der Mutter war von Anfang an: Du willst das Kind, du übernimmst es, wenn wir uns trennen sollten. Die Frau hat das durchgezogen. Er suchte fortan händeringend nach einer neuen Partnerin, die die Sorge um das Kind übernimmt und ernährte derweil eine Zweijährige ausschließlich von Vanillepudding, legte sie um 18:30 Uhr ins Bett, schloss die Tür zu und ging bis 23 Uhr zur Abendprobe.)
Ich hatte das große Glück, nach dem Fall der Mauer auf einen Mann zu treffen, dem Arbeiten nicht so wichtig war, der finanziell auf Karriere nicht angewiesen war und mit Kindern sehr gut konnte. Aber selbst in dieser Situation habe ich mich vorzeitig kaputtgearbeitet. Es war zu viel. (Kann man aber auch als individuelle Konditionierungs- oder Organisationsschwäche betrachten. Besseres Zeitmanagement, andere Prioritäten, was auch immer…)

Ich hatte noch andere Vorbilder, auch wenn ich ahnte und wußte, dass ich so ein Leben nicht würde leben können. Die Großmutter hatte nie (erwerbs-)gearbeitet, hatte Lyzeumsbildung und mit 17 geheiratet. Sie konnte einen großen Haushalt und wichtiges Gesellschaftsleben organisieren und war die starke Frau hinter einem erfolgreichen Mann. (Das war nicht so nicht abzusehen, aber es kam so.)
Die Mutter der Jugendliebe war eine etwas anstrengende, aber wunderschöne Frau mit künstlerischen Ambitionen, die dafür sorgte, dass die genormte Plattenbau-Wohnung schick eingerichtet und sauber war und dass es ihrem Mann und den Kindern gut ging, dass es gutes, gesundes Essen gab, die richtige Literatur im Regal stand und alle gut angezogen waren. Der Deal war: Er konzentrierte sich aufs Geld verdienen, sie musste nicht irgendwo als technische Zeichnerin am Brett stehen, sondern konnte malen und Mode entwerfen, wenn die Hausarbeit erledigt war.
Ich sah sehr genau hin. Das war nicht nur eine Frage des Geldes.
Bei uns wurden Unmengen an verdorbenen Lebensmitteln und schlecht gepflegten Klamotten weggeworfen, es gab teure Fehlkäufe und die stressige Situation für alle Beteiligten verleitete zu Kompensation an anderer Stelle.

Für schlecht ausgebildete Frauen in einfachen Berufen konnte das Teilzeit- und Hausfrau-Konzept auch in der DDR ganz gut funktionierten, wenn der Mann regelmäßig arbeiten ging. Für gut ausgebildete Frauen lohnte es sich nicht, weil sie genauso viel oder oft sogar mehr Geld als ihr Mann verdienten. Das gab wenig Anreiz, plötzlich nur noch zu Hause zu bleiben. Trotzdem war die Situation unbefriedigend, weil – trotz niedrigerer Produktivität und weniger anstrengender Arbeit als heute – die Frauen am Abend und Wochenende ihre zweite Schicht leisteten.

Edit: Der Mann war in der DDR nicht mehr der Familienpatriarch. Aber warum sollte er seine Komfortzone verlassen und sich neben Arbeiten und Handwerken nun noch den Haushalt zu einem Teil anhängen?
Mein Eheratgeber aus dem Jahr 1968 aus dem Verlag für die Frau hat ein Kapitel zu Vereinbarkeit. Der große Tenor ist: Es ist alles eine Frage der Organisation, auch Männer können Hausarbeit lernen, die Frau braucht die Freiheit, sich im Beruf zu verwirklichen und der Haushalt und die Kindererziehung können auch tiefer gehängt und an andere Strukturen delegiert werden. – Argumente, wie sie auch heute aktuell sind
Das Buch ist der Hinsicht sehr weit vorn, aber theoretisch. Andere Publikationen zeigen die klassische Rollenverteilung. Der Mann „hilft mit“.

Im übrigen gab es in Zeiten der politischen Wende in der DDR eine Bewegung aus jungen Familien, denen wichtig war, dass sie sich ihr familiäres Lebenskonzept allein aussuchten. Die Selbstverständlichkeit „Mann und Frau gehen arbeiten, die Kinder werden fremdbetreut“ erschien ihnen kritikwürdig. Das war zum Teil bedingt, weil diese – oft religiösen Menschen – keine ideologische Einflussnahme auf die Kinder wünschten, aber ihnen war auch der Gedanke zuwider, dass alle Familienmitglieder in einem entfremdeten Apparat verschwanden – die Eltern in ihren Betrieben und die Kinder in der Fremdbetreuung – und sich der familiäre Kontakt auf das Wochenende und kurze Abende beschränkte.

Ich verfalle jetzt nicht in „früher war alles besser“. Handwerker- und Bauernfamilien, deren Arbeit in die Großfamilie integriert war, waren bei weitem nicht so produktiv und nur selten auskömmlich wohlhabend. Entfremdete Erwerbsarbeit und Spezialisierung ermöglichten die hohe Produktivität der modernen Industriegesellschaft und damit den heutigen gesellschaftlichen Wohlstand.
Aber ich habe den Eindruck, dass dieser Effekt in Europa weitgehend ausgereizt ist. Wir profitieren heute zusätzlich von der Ausbeutung von Menschen in ärmeren Ländern. (Nur so können wir uns leisten, Menschen, die die hohen Ansprüche an Erwerbsarbeit hierzulande nicht (mehr) erfüllen können oder die gerade nicht benötigt werden, ohne Arbeit zu lassen und knapp zu alimentieren. Bei Hartz IV ist die Ausbeutung in Ländern wie Bangladesh und China Bestandteil der Kalkulation.)

Die Freistellung der Frauen von der Erwerbsarbeit war lange Zeit Ausdruck von individuellem und gesellschaftlichen Wohlstand. Eine Menge Bestandteile unserer Kultur zeugen noch davon – Gesetze, die die Hausfrauenehe stützen und das populäre Bild der „guten Mutter“ wie auch des „Erfolgsmannes“.
Das hat sich überlebt, weil Potentiale brachliegen. Arbeitskräfte mit Potential (Bildung, Verhalten, Konditionierung, Sprachbeherrschung) für Arbeit in modernen Industriegesellschaften sind angesichts niedriger Geburtenraten scheinbar knapp.
Dass Frauen arbeiten gehen, ist also nicht nur im Interesse ihrer Selbstverwirklichung. Diese Gesellschaft kann sich nicht mehr leisten, Frauen teuer gut auszubilden und dann als Arbeitskraft zu verlieren. Als in Leistungsfähigkeit und Verhalten dem Mann gleichwertige Arbeitskraft wohlgemerkt, denn die Arbeitswelt, wie wir sie kennen, ist männlich codiert. Sie erfordert lange Abwesenheit von der Familie, Fokussierung auf die Sache und flexible Verfügbarkeit und hat kaum Platz für Menschen, die im Zweitjob nach Feierabend noch als Hausfrau und Mutter arbeiten.
Das klingt alles ganz fürchterlich. Als wären wir eine Armee, die zur Rekrutierung für die Arbeitswelt bereit steht. Aber unsere Kultur ist dominiert durch entfremdete Erwerbsarbeit und Konsum durch Kaufen. Dann ist das halt so.
(Das Argument „das Geld eines Alleinverdieners reicht nicht mehr für eine Familie“ würde ich hingegen nicht unbedingt akzeptieren. Unsere Großelterngeneration war wesentlich anspruchsloser und sparsamer. Wer in der Großstadt wohnen und einen schichtenadäquaten Lebensstil führen will, kommt halt mit dem Geld einer Verdienerin nicht mehr aus.)

Es gibt eine ganze Menge Ansätze, das Problem zu lösen:

  1. Verzicht auf Kinder, Konzentration auf Leistung und Karriere. Damit wird der Mangel an optimalen Arbeitskräften aber auf die nächste Generation verschoben.
  2. Delegierung des Problems an das Individuum: Frauen und Männer sollen sich über die Verteilung der Familienarbeit einigen. Das führt zu verbaler Aufgeschlossenheit bei gleichzeitiger Verhaltensstarre und ändert das auf männliche Bedürfnisse und Potentiale eingerichtete Arbeitsleben nicht.
  3. Vergesellschaftung familiärer Strukturen. Die Gesellschaft schafft Organisationen, um den Anteil der Familienarbeit zu verringern, wie Kindergärten, Ganztagsschulen, praktische, leicht zu pflegende Wohnungen, der Haushalt wird aufgelöst, Arbeiten wie Essen kochen und Hausarbeit werden genormt, optimiert und nach außen delegiert. Das ist das Modell der (kommunistischen) Moderne und funktioniert in individualisierten Gesellschaften schlecht.
  4. Das Konzept Dienstpersonal wird neu aufgelegt. Die sonst kostenlose Familien-Arbeit erledigen bezahlte Helfer, deren Qualifikation ihnen keine Chancen bei moderner Industriearbeit ermöglicht, deren Kenntnisse in Familienarbeit aber wertvoll sind. Diese Kosten werden steuerlich berücksichtigt. Das ist in Europa derzeit nicht bezahlbar, organisierbar und ich denke, auch nicht politisch gewollt.
  5. Ältere, aber nicht zu alte Familienmitglieder übernehmen die Familienarbeit. Das wäre die Rückkehr der Großfamilie. Das funktioniert im ländlichen Raum, in Bayern und Baden-Württemberg recht gut. Für Städter, die zudem örtlich flexibel sein müssen, ist es schwierig.
  6. Alles wie gehabt, aber ohne Geschlechterfixierung. Der für die Erwerbsarbeit erfolgversprechendste Partner geht arbeiten und erwirtschaftet so viel, dass der andere Partner  für die Familienarbeit freigestellt werden kann. Bleibt das Problem, den unbezahlt arbeitenden Partner ausreichend finanziell abzusichern, auch über den Bestand der Partnerschaft hinaus. – Oder ihn einfach für die Arbeit zu bezahlen.
  7. Beide Partner arbeiten Teilzeit. Dafür müsste sich die Arbeitswelt enorm ändern, die in großen Bereichen so organisiert ist, dass Arbeitnehmer mental und körperlich 100%ig zu Verfügung stehen muss, wenn dies nötig ist.
    Bis hin zu Umzügen und Ortswechseln der Arbeit hinterher, die dann auch beide machen müssen. Ich habe starke Zweifel, dass sich der Aufwand wirklich lohnt. Das mag in Ausnahmen funktionieren, in der Masse könnte das schwierig werden.

Was meiner Meinung nach überhaupt nicht geht: Dass ein Mensch in einer Partnerschaft ganz entspannt sein Tun hat, während der andere fast zusammenbricht oder sich kaputtarbeitet. Oder beide sich kaputt arbeiten, weil sie die gesamte Organisation nicht hinbekommen.
Das Ergebnis der Versuche von Vereinbarkeit von Kindern und Familie sehen wir ja nicht sofort. Es kann sein, dass die Gesellschaft entspannter wird, weil eh keiner mehr den Nerv hat, über Gebühr Arbeitsleistung zu erbringen. Kann auch sein, wir versacken irgendwo in Mittelmaß und Chaos. Oder es hängt eine ganze Generation ausgebrannt und fertig 10 Jahre vor der Rente zu Hause, weil man doch nicht alles haben konnte.

Ich weiß es nicht. (edit: Die meisten Veränderungen passieren aus Not oder Komfortgewinn, nicht aus „man müßte mal“. Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist aus Sicht der Partner gerade beides nicht unmittelbar gegeben. Es gibt nur die mittelbare Not, dass Frauen beruflich weit abgeschlagen und finanziell verelendet sind, wenn die Ehe zerbricht. Aber das ist komischerweise selten öffentliches Argument. Über die Reform des Ehegattenunterhaltes von 2008 wird selten gesprochen. Die Zahlen sprechen für sich, 39% der Alleinerziehenden bekommen Hartz IV.)

Edit: Ich habe so einen Text schon einmal geschrieben, merke ich, vor einem Jahr beschäftigte mich das schon mal. Textlich etwas pointierter, aber in den Schlußfolgerungen nicht so detailliert.

Auch das noch:

  • BerufskrankheitenBerufskrankheiten Ich checke ja alle Leute darauf, ob sie ihr Alter gemogelt haben. Registriere Altersflecke auf den Händen, Hautkonsistenz beim Lächeln und […]
  • Ham se übahaupt jedient?Ham se übahaupt jedient? Setzen wir doch einmal den Reigen der peinlichen Geständnisse fort. Ich mag Uniformen. Nicht das nach Schweiß, Stiefelwichse und Tabak […]
  • Die Splitter des zerschlagenen SpiegelsDie Splitter des zerschlagenen Spiegels Die letzten Tage waren ein gesellschaftlicher Ehekrach. Die Frauen schrien heraus, was sich lange angestaut hatte. Worüber sie sich […]
  • In die ZukunftIn die Zukunft Ich bin gar nicht der Typ für Vorhaben zum neuen Jahr. Als ich noch Fitness-Studios frequentierte, mied ich im Januar jegliche Betätigung […]

28 Gedanken zu „Vereinbarkeit – Alles auf einmal, geht das?

  1. Uff, ein ganz schöner Hammer dein Text. Und Gedanken, die mir auch schon im Kopf rumschwirren. Noch habe ich keine Kinder, aber ich muss mir langsam mal Gedanken darüber machen, denn ich bin schon über 30. Mein Job ist in der Beziehung derjenige, der mehr Geld abwirft. Außerdem ist mein Freund eindeutig der Kinderaffinere von uns beiden. Allerdings weiß ich nicht, wie gut das mit Kinderbetreuen klappt. Meine mUtter hatte immer Kinderfrauen bzw. meine Oma, die sich um mich und meinen Bruder gekümmert hat. Sie war, wie mein Vater voll berufstätig. Ich weiß also, dass es klappen kann. Allerdings sind die beiden schon lang nicht mehr zusammen. Und ich frage mich schon, ob das eine mit dem anderen zu tun hat…

    • Ich habe richtig fitte, beruflich erfolgreiche Frauen in Führungspositionen erlebt, die hatten allesamt Kindermädchen und/oder Haushälterinnen und wenn die Kinder älter wurden, gingen sie auf ein Internat. Das wird in diesen Kreisen als normal betrachtet.
      Das mit dem Kinderbetreuen ist für Frau und Mann gleichermaßen eine Lernaufgabe. Mein langjähriger Lebensgefährte hat sich nach meiner Tochter noch um zwei eigene Kinder gekümmert. Er war die ersten 4 Jahre zu Hause. Das braucht nur etwas Geduld.
      Und es ist glaube ich egal, ob Frau berufstätig ist oder nicht, Ehen halten heutzutage oft nicht lange.

  2. Schön formulierte Analyse. Ich hab noch zwei Punkte:

    – Nur ein einziges Kind bekommen und sich darauf konzentrieren, trotzdem Geld zu verdienen. Ein Kind lässt sich zwischen Mutter, Vater und Großvater immer noch irgendwie so organisieren, dass sogar halbwegs Pausen bleiben. Eine Sollbruchstelle auch für Partnerschaften ist anscheinend das zweite Kind.

    – Damit einher geht die Entwicklung zu typischen Frauenberufen, die entweder mehr Zeit oder mehr Flexibilität erlauben. Die Häufung von Frauen im öffentlichen Dienst ist kein Zufall. Es ist einfach die einzige Branche in der frau sich halbwegs sicher sein kann, dass all die gesetzlichen Schutzmaßnahmen tatsächlich eingehalten werden. (Dass dann trotzdem der Mann, der _nicht_ Elternzeit genommen hat zum Abteilungsleiter befördert wird, ist eine andere Sache. Aber der Arbeitsplatz ist sicher.)

    Ich hätte gern eine Kristallkugel um mal 17 Jahre in die Zukunft zu gucken, wenn mein Kind 20 ist. Vielleicht ist aber ganz gut, wenn ich das nicht kann…

    • Gute Punkte, ja. Ich bin selbst im öffentlichen Dienst und die Frauen sagen ganz offen, dass sie wegen der Jobsicherheit und Zeit für die Familie „dabei“ sind.

    • Wenn ich Seminare zur Gehaltsverhandlung mache, rate ich denen, die ordentliches Geld verdienen wollen, von reinen Frauenbranchen ab. Aber es stimmt, es gibt ein paar kleine Inseln der Seligen: Der öffentliche Dienst und Stellen in Großkonzernen, die Tarifregelungen unterliegen.

  3. Ich glaube, Teilzeit wird das Rennen machen. Muss allerdings viel flexibler werden. In der Schweiz gibt es Modelle von 20-90%. Wenn man das im Laufe des Lebens immer mal hoch- oder runtersetzen könnte, wäre es toll. Auch Menschen ohne Kinder fragen sich ja, wie viel Lebenszeit sie wirklich ihrem Job widmen möchten…

    • Auch in den Niederlanden gibt es viele Menschen, die Teilzeit arbeiten. Hier ging es nicht nur um Kinderbetreuung, sondern auch darum, dass es recht schwachsinnig ist, dass ein Teil der Bevölkerung Vollzeit arbeitet und ein anderer Transferleistungen empfängt.

  4. Danke für den guten Text! Was für ein Gedankenanstoß!

    Mein Gefühl ist, daß mehr Teilzeit für beide Geschlechter im Moment nicht an sachlichen, sondern an Mentalitätsgründen scheitert. Gründe für diese Annahme: Bekannte (Männer und Frauen), die in klassischen Frauenberufen (Lehrer, Krankenpfleger, …) arbeiten, haben organisatorisch überhaupt kein Problem, teilzeit zu arbeiten, wenn sie es denn wollen.

    Ich (Software-Branche, >90% männliche Beschäftigte) mußte ich mich hingegen per TzBfG über den ausdrücklichen Willen mehrerer Chefs hinwegsetzen. (Was auch nur möglich ist, wenn man wg. Arbeitskräftemangel genug Hebel hat. Hier ist der Anspruch aus dem TzBfG, der ja für alle gilt, die nicht in Kleinstbetrieben arbeiten, etwas zahnlos.) Die eigentliche Arbeit zu organisieren, war hinterher hingegen dann überhaupt kein Problem.

    Ich habe mehr als einen Chef erlebt, der sich selbst in Arbeit gestürzt hat und auf gemeinsame Zeit mit Kindern verzichtet hat und eventuell auch deswegen Schwierigkeiten hatte, seinen Angestellten ein anderes Modell zu gönnen.

    Und ich sehe junge Leute, denen eingeredet wird, es sei doch alles schick mit Vollzeit-Fremdbetreuung ab dem 1. Geburtstag, die sich dann aus Unerfahrenheit in dieses Modell stürzen, bis es knirscht.

    Tatsächlich sehe ich hier schon auch Unternehmen in der Verantwortung: wer sich gute Arbeitskräfte erhalten will, muß sie als Menschen mit einem Leben behandeln und das bedeutet je nach Lebensphase eben nicht immer volle Verfügbarkeit. In vielen Unternehmen gibt es große Lippenbekenntnisse, das Geschlechterverhältnis zu normalisieren. Mehr Teilzeit für Männer und Frauen wäre ein tatsächlicher Schritt dahin.

    Und da die Gesellschaft in der Lage war, das für Frauenberufe zu gewährleisten, sehe ich nicht, warum es nicht möglich sein sollte, das auszuweiten.

    Was praktisch vor allem passiert: Unternehmen machen Lobby für mehr Fremdbetreuung. Das ist, da staatlich organisiert, die billigste Variante.

    • Das trifft den Kern des Problems. Die Unternehmen sind in der Verantwortung, Teilzeit, wo es geht, möglich zu machen. Da die Führungsetage in der Regel das klassische Modell lebt, will sie nichts anderes denken. (Es würde auch mehr Menschen Chancen auf einen Arbeitsplatz geben.)

  5. Ein sehr interessanter Post und vor allem die Eindrücke von früher fand ich sehr spannend. Ja es war und ist unglaublich anstrengend den Familienalltag zu organisieren und die Last der Verantwortung kann sehr schwer wiegen. Oft sieht man nur die reine Zeit Arbeit oder Kinderbetreuung, aber die Orga-Arbeit drumherum, die die geistigen Kapazitäten in anspruch nimmt wird oft nicht in Zeit oder Kraft umgerechnet. Teilzeitmodelle sind sicher auf dem Vormarsch. In Großunternehmen oder Behörden lässt sich damit oft eine ausreichende Produktivität darstellen. Die kleineren und kleinen Unternehmen haben es aber schon sehr viel schwerer, Teilzeit-Verfügbarkeit der Mitarbeiter zu kompensieren. Wenn alle Teilzeit-Mitarbeiter um 14 Uhr das Büro oder die Werkstatt verlassen, wer ist dann danach für die Kunden/Projektpartner da, die erst ab 16 Uhr anrufen, nämlich dann, wenn sie selber Feierabend haben oder der täglich Meeting-Marathon beendet ist? Teilzeit Mitarbeiter wollen meist nicht am Nachmittag/abend arbeiten, sondern am frühen nachmittag die Arbeit beenden. Es bleibt spannend welche Konzepte sich durchsetzen oder neu entwickeln. LG Kuestensocke

    • Das Teilzeitproblem hatte mein vormaliger Arbeitgeber auch. Die Vertriebsmitarbeiter mussten für die Kunden da sein, solange die Kunden Bedarf hatten. Das sind in der Saison auch mal schnell 50-55 Std. die Woche. Die Stellen sind nicht teilbar, weil viel zu viel Zeit für Übergabe und interne Kommunikation draufgehen würde.

  6. „Es kann sein, dass die Gesellschaft entspannter wird, weil eh keiner mehr den Nerv hat, über Gebühr Arbeitsleistung zu erbringen. Kann auch sein, wir versacken irgendwo in Mittelmaß und Chaos. Oder es hängt eine ganze Generation ausgebrannt und fertig 10 Jahre vor der Rente zu Hause, “

    Genau das ist ja inzwischen schon die traurige Realität geworden. Prägnanter hätte man es nicht zusammenfassen können.

  7. Liebe Kittykoma, Ihr Blog ist mein Lieblingsblog – ich mag Ihre Gedankenanstöße, ihren Blick auf die Welt, Ihre Sprache so sehr. Ich warte noch auf Ihr Buch – bitte, schreiben Sie eins!!!

    Zur Vereinbarkeit.
    Momentan herrscht ja das Modell:
    – Erzähle allen, sie seinen als autonome Individuen ihres Glückes Schmied und wären deshalb supi in der Lage, sich selbst ein partnerschaftliches Modell zusammenzu, äh, schmieden.
    – Gleichzeitig regle man die Stellschrauben so, dass im Trennungsfall die Frau die Gearschte ist. Das macht weiter nicht viel aus, denn
    a) irgendwer wird sich schon um die Kinder kümmern, auch wenn der finanzielle Supergau bei der Trennung ins Haus steht. Dieser Irgendwer wird in den aller, allermeisten Fällen die Frau sein
    b) dieser Irgendwer wird gut zu tun haben und damit ist von ihrer Seite wenig Widerspruch oder gar organisierter Widerstand zu erwarten.

    – Sollte eine Trennung stattfinden, können wir dann seufzen, die Augen gen Himmel rollen und sagen: „Tja, du hättest es ja in der Hand gehabt, aber du wolltest ja unbedingt Teilzeit arbeiten und länger als ein Jahr aussetzen. Dabei haben wir sooooo viele sooooo schöne* Kitaplätze! Selbst schuld, kein Mitleid, ab nach HArtz IV.“

    * das ist gelogen

    Wir individualisieren ein strukturelles Problem und wundern uns, dass viele Frauen, sagen wir, vorsichtig abwarten, bevor sie sich in das Abenteuer Familiengründung stürzen (falls sie einen willigen Mann finden, der ja in der Gleichung gern vergessen wird. Die Verantwortung für das Aussterben der Deutschen wird ja gern vor die Türen der Frauen, inbesondere der Akademikerinnen abgeladen.)

    Ich werde jetzt trotz aller Risiken das Unter-Dreijährige selbst betreuen, bei Kind I war mir das nicht möglich und ein uinwahrscheinlicher STress für Mutter UND Kind die Folge. Ich will das Kind und mir nicht noch mal antun; und Teilzeit ist für den Vater nicht drin. Ich bin aus unterschiedlichen Gründen so privilegiert, dass ich in 3 Jahren einen sicheren Job habe und wahrscheinlich im Alter nicht ganz so arm sein werde wie viele andere Mütter. Das ist mir sehr bewußt.

    • Danke! Das freut mich!

      Wir individualisieren ein strukturelles Problem und wundern uns, dass viele Frauen, sagen wir, vorsichtig abwarten, bevor sie sich in das Abenteuer Familiengründung stürzen (falls sie einen willigen Mann finden, der ja in der Gleichung gern vergessen wird. Die Verantwortung für das Aussterben der Deutschen wird ja gern vor die Türen der Frauen, inbesondere der Akademikerinnen abgeladen.)

      Wie wahr! Das mit der Individualisierung dieses Problems geht mir mittlerweile gewaltig auf den Zeiger.

  8. wichtiger Beitrag, danke! Wir leben derzeit das beide arbeiten Teilzeit Modell Mann 30 Stunden, Frau 28 Stunden, 2 Teeniepubertiere. Vor den Kindern war ich die Vollzeitarbeitende, er immer Teilzeit , 20 Stunden. Ich war Hauptverdienerin. Das Kinder kriegen schob ich, bis mir klar war wieso und es ihm an den Kopf warf: Ich wollte ein paar Jahre mit Baby aussetzen und hatte nicht das Gefühl, dass er uns würde ernähren können in der Zeit – war dann auch so. Für 4 Jahre Elternzeit mit zwei Kindern hab ich mein gesamtes Erspartes verbraten. Alles. Dann einen neuen Job gesucht. Gefunden. Mit 10 Stunden begonnen, 1 Kind noch gestillt, nach 5 Jahren war ich auf 32 h, er immer noch auf 20… Es gab Zores. Und noch mehr Zores. Ich hab definitiv mehr Gelderwerbsarbeit von ihm eingefordert plus mehr Haushaltsarbeit. Ging bis fast Trennung. Irgendwann wurde er wach. Stockte Stunden auf, arbeitet mehr mit, verlegte seine langjährige Arbeitszeit von 16 – 20 Uhr auf 9-15 Uhr. Seitdem läufts. Aber es war Kampf, Krampf, Krieg, Zores ….. Dann pflegte ich meine Mutter bis zu deren Tod, rauschte über die Dreifachbelastung nach und nach in nen burnout… Fazit: Es ist schwer, andere Modell zu finden, ganztägige KiTa war für uns keine Option, Familienunterstützung gab es keine. Vorgelebt wurde uns in unseren Familien anderes. Aber: Anders machen ist lernbar, es ist ein Prozess, klar, man hätte auch dran kaputt gehen können. Altersvorsorge haben wir wenig… Lieben Gruß, Eva

    • Vo außen sieht das klassisch aus: Das Leben der Frau ändert sich tiefgreifend, das des Mannes nicht oder nur unter massivem Druck. Respekt dass du das hinbekommen hast!

  9. Ich lebe Version 6, wie Du weißt: klassische Rollenverteilung bei finanzieller Gleichberechtigung und Risikoausgleich.
    Das geht aber nur, weil ich es eingefordert habe. Kein Mann sagt von sich aus: „Ich geb Dir mal die Hälfte vom Gehalt ab.“ Das muss man schon verlangen! Und zwar am besten aus einer starken Position heraus, also nicht, wenn schon das (ungeplante) Baby unterwegs ist.
    Es ist wichtig, sich über die Lebensplanung zu unterhalten: Wollen wir Kinder? Wer kümmert sich dann darum? Was passiert mit dem Geld?
    Und liebe Damen, wenn ein Mann solche Gespräche abblockt oder nur mit Killerphrasen antwortet, ist er eh nicht der „richtige“!

    Ich finde, dass verschiedene Modelle nebeneinander existieren können müssen. Ich mag mich für mein „Hausfrauendasein“ nicht rechtfertigen müssen. Ich mache meinen Job und werde dafür bezahlt. Wäre ich Haushälterin oder Erzieherin, wäre das doch auch ein ehrbarer Beruf. Und wenn jemand (wie z.B. mein Mann) lieber außer Haus in Vollzeit arbeitet, muss das auch okay sein. Wer Einrichtungen wie Kindergärten nutzt, muss das ohne schlechtes Gewissen tun können. Leben und leben lassen!

    Liebe Grüße,
    Henriette

    • Jetzt haben sich unsere Kommentare überschnitten… :-)

    • Du bist übrigens die einzige Frau, die ich kenne, die ihre finanzielle Absicherung in dieser Situation eindeutig geklärt hat. Das finde ich sehr groß.

    • Na da bin ich dann Nummer 2 :) Eigentlich halte ich es für selbstverständlich, dass das verbleibende Gehalt geteilt wird, wenn einer der Kinder wegen aufhört zu arbeiten.
      Das „sich in einer Wohnung oder einem Haus festzuzuzeln, als Mittelpunkt des Universums 1-2 Kinder und einen Mann zu haben, knappes Geld zu verwalten und immer nur über Kinder, Kochen und von Dritten gehörtes zu reden“
      habe ich auch ganz anders erfahren. Es war eine tolle Zeit, mit vielen Kontakten, Erlebnissen, Freude am Kind und einem großen Netzwerk von Eltern und Kindern, das bis heute trägt. Hätte ich so nie gehabt, wenn ich in meinem alten Vollzeitjob geblieben wäre.
      Oje, sehe gerade, bin fast einen Monat hinten dran mit meinem Senf
      (Wenn wir uns mal wiedersehen musst du mir erklären, wie du das mit dem Copyrightvermerk beim Textkopieren gemacht hast :))

    • Ich wäre durchaus gern Hausfrau gewesen, aber auf hohem gesellschaftlichen und finanziellen Level. (Da wird man dann auch meist nicht mehr Hausfrau genannt.) Was heißt: Geräumiges Haus an schönem Ort in guter Umgebung, Geld genug, um Hilfen zu bezahlen und die Kinder gut auszubilden, guter Partner, der es anerkennt, was ich leiste etc., Möglichkeit, mich zu verwirklichen, selbst auszugehen und Kontakte zu haben etc.

    • ach so, das mit dem Coprightvermerk ist ein WordPress-Plugin.

  10. Interessante Sichtweisen. Mein Kind ist jeden Tag 10 Stunden in der Krippe und fühlt sich dort sichtlich wohl. Das kann also auch gut funktionieren. Steht und fällt aber immer mit den Erzieher(innen).
    Ich arbeite Vollzeit (allerdings Büro mit Gleitzeit) eben weil ich meinem Partner keinen Vorwand geben wollte all die Familienarbeit bei mir abzuladen… Funktioniert, auch wenn wir eher 65/35 haben als 50/50.

    • Meine Tochter hat sich in der Krippe auch wohl gefühlt. Ich habe es als Kind gehasst. Ich bin bis 5 1/2 Jahren mit einem riesigen Garten aufgewachsen und einer Oma, die immer da war. (und wenn sie nicht da war, dann jemand anders) Ich musste mich zwar selbst beschäftigen, Oma war nicht so die Kinder-Entertainerin. Der Wechsel in Kindergarten und Hort ist mir schwer gefallen. Ich wußte einfach nicht, was ich da in der Fremde sollte.

  11. Ich habe einen Partner mit 2 Kindern geheiratet, wovon eines in unserem Haushalt aufwuchs. Es war ein ständiges Durchwurschteln, von der Nachmittagsbetreuung kam der Sohn früher nach Hause als wir beide von der Arbeit. Und da wurde, zusammen mit mitgebrachten Freunden eine Menge Blödsinn angestellt. Wir gingen dann in die gemeinsame Selbständigkeit und konnten uns die komfortable Lösung leisten, den Sohn in ein Internat zu geben.
    Ich selber habe mich für die Variante 1 entschieden, die Erfahrung mit einem schwierigen Scheidungskind war ausreichend. Und mein Partner war sehr jung Vater geworden, auch er hatte keine Lust auf weitere Kinder. Wir waren Hedonisten und konnten uns es uns leisten, die Kohle nur so rauszuhauen. Kinder hätten bei alledem nur gestört.
    Während unserer jahrzehntelangen Selbständigkeit war ich selbstverständlich bei meinem Mann angestellt und beziehe dadurch eine eigene Rente.

  12. Es klingt ja auch immer so einfach: Elterngeld bis zum ersten Geburtstag, dann ein garantierter Kitaplatz…
    Dabei wird aber schon allein nicht die Tatsache berücksichtigt dass nur wenige Kinder am 31.7. geboren sind. Kitaplätze werden aber nur zum 1.8. frei!
    Außerdem muss man das Kita eingewöhnen (hat bei uns zwei Wochen gedauert, bekomme ich direkt nach der Elternzeit solange Urlaub?), dann kommen im ersten Kita-Herbst die ganzen Infektionen, wegen denen das Kind und ein Elternteil dann doch zuhause bleiben müssen.
    Außerdem ist ständig irgendwas: mal bitte erst später bringen, dann mal früher abholen, dann ist Studientag der Erzieher (Kita fällt aus), Konzeptionstag (Kita fällt aus) oder Renovierung (Kita fällt aus, bei uns IMMER am ersten Tag nach den Weihnachtsferien!) usw.
    Hinzu kommen die Verpflichtungen für Kitaeltern: Kuchen backen für das Sommerfest, Adventskränze basteln für den Weihnachtsbasar und bitte auch dort verkaufen, „freiwilliger“ Elterndienst, weil eine Erzieherin krank ist,…

    Sehr putzig fand ich ja, dass bei der Arbeit meines Mannes die Neubesetzung einer Stelle diskutiert wurde. Bei Frauen bestünde ja das Risiko, dass sie schwanger werden, also wurde lieber ein Mann eingestellt. Tja, direkt nach Ende der Probezeit ging dieser dann in Elternzeit. Einem Mann sieht man halt nicht so an, ob er Vater wird. Vielleicht lernen die Chefs mal daraus…

  13. Danke für den Text. Ich mag Ihre sachorientierte Herangehensweise. Diskussionen zu „Frauenthemen“ (ächz) sind mir sonst oft zu künstlich emotionalisiert.

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