Und schüttelt weise das Haupt

Bei diesem Thema bin ich mir nicht sicher, ob es nur mir so geht.
Wer zur Ausbildung auf ein altes Segelschiff geht, sollte wissen, daß er in die Wanten klettern muß.
Daß Militär in den unteren Chargen nicht unbedingt mit freier Entfaltung des Individuums sondern mit dem Lernprozeß, daß Befehle ausgeführt werden müssen, zu tun hat, sollte auch klar sein. Wo Ängste nicht mit Händchenhalten und gut zureden, sondern mit Arsch zusammenkneifen überwunden werden. Sonst wärs nämlich eine gemischte Kampfsport-WG auf Diskussionsbasis.
Wer davon träumt, Ballerina zu werden, muß es aushalten, vor Hunger zu frieren, vor körperlicher Erschöpfung zu weinen und sich vom Ballettmeiser anschreien zu lassen, die Perspektive, vor Erreichen des vierzigsten Lebensjahres ein körperliches Wrack zu sein, inkludiert. Wer das nicht will, kann AusdruckstänzerIn werden.
Ich verstehs nicht.

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37 Gedanken zu „Und schüttelt weise das Haupt

  1. Es ist die neue, verlogene, politisch korrekte Welt, Darling… Eat your cake and have it!

  2. …wer über einer Altstadtkneipe einzieht, muss nachts mit den Geräuschen feiernder Menschen rechnen. Wer ein Häuschen zum Schnäppchenpreis an einer Bahnlinie kauft, dem wackeln hin und wieder die Gläser in der Vitrine. Doch in beiden Fällen wird lustig gegen die selbstgewählten Lebensumstände vor Gericht gezogen. Nur so kann ich mir die Fassungslosigkeit erklären.
    (Nadar y guardar la ropa. Spanisch für keep the cake and eat it, nur mit Schwimmen und Kleider nicht nass machen.)

  3. Ich stimme Ihnen zu. Es gibt definitiv Berufswege, in denen man sich vorher deutlich weniger vorstellen kann, was da so auf einen zukommt.

  4. yep. ging mir auch so. jetzt sitzt man mit popcorn auf der couch und fragt sich, wie um himmels willen das wohl weiter gehen mag.

  5. Das Ganze ist mehr als die Summe der einzelnen Komponenten. Es gibt Zeiten, da steckt man selbst härteste Bedingungen zuversichtlich weg und andere wiederum, an denen man aus purem Selbstzweifel besteht und/oder seinen Körper hasst, weil er nicht das tut, was man von ihm will. Und zwar nicht nur als Ballerina.

    Dass solche ungnädigen Worte wie oben gerade von Ihnen kommen, die selbst Höhen und Tiefen sehr gut kennt, wundert mich ein wenig.

  6. REPLY:
    es ist die frage, ob man bereit ist, sich in die knochenmühle zu begeben und ob man sich klar macht, worauf man sich einläßt.
    das gilt für (meine) businesskaspereien genauso wie fürs militär. die entscheidung, etwas nicht mehr mitzumachen, ist eine individuelle und selbst zu verantwortende.
    das militär ist nicht an der höhenangst einer offiziersanwärterin schuld. oder anders formuliert: eine institution, deren vornehmliche eigenschaft ihre unerschütterlichkeit, härte und änderungsresistenz ist, ist schwer anpaßbar an individuelle befindlichkeiten.
    meine ungnädigkeit resultiert daraus, daß mir militärisches nicht fremd ist.

  7. REPLY:
    daß die bundeswehr ne ziemliche gurkentruppe ist, mußte der ostblock 1989 mit großem erschrecken erkennen. wundert mich, daß das erst jetzt zum thema wird.

  8. REPLY:
    vielleicht ist es eine auswirkung des narzissmus, der manchen beherrscht. mit einigem geschrei wird das leben doch ein wunschkonzert.

  9. REPLY:
    Muss man, so man (nicht nur als Frau) zur Deutschen Bundeswehr geht, um dort eine Ausbildung zu machen, also automatisch mit sexuellen Übergriffen rechnen (Das entspricht meinem derzeitigen österreichischen Informationsstand bezüglich der Ereignisse auf der Gorch Fock.) ? Gehört das sozusagen zum Paket ?

  10. REPLY:
    waren sexuelle übergriffe ursache für den sturz aus der takelage?
    das sind zwei verschiedene fälle. ich bezog mich auf den aktuellen.

    frauenhaß und übergriffe sind beim eindrigen in eine männerdomäne immer inkludiert. zumindest in den ersten jahren, bis sich das umfeld verändert hat. wer zuerst vorwagt, muß hart sein und sich zu wehren wissen. – und sich klar sein, worauf sie sich einläßt.

  11. Es geht ja nicht nur ums Hochklettern. Natürlich kostet das Überwindung.
    Hier ist eine junge Frau abgestürzt und zu Tode gekommen, die vermutlich hochgejagt wurde. Und die Schiffführung ist einfach darüber hinweggegangen. Man ist zur Tagesordnung übergegangen.
    Das ist der Punkt.
    Das wäre in jedem anderen Betrieb auch der Punkt.
    Sie ist den jungen Kollegen vor die Füße gefallen. Wie soll man das wegstecken. Dass die meutern, ist völlig in Ordnung.
    Wir haben Friedenszeiten, zumindest bei der Marine.
    In unserer Armee dienen Büger unseres Landes.
    Und es ist eine Bürgerpflicht, gegen Unrecht einzutreten.
    Und eine tote junge Fraun ist Grund genug.

  12. REPLY:
    nee, das sehe ich nicht so. befehlsverweigerung ist auch in friedenszeiten nicht zulässig.
    wie bitte sollen die leute plötzlich ganz anders reagieren, wenn sie in kriegszeiten ihren ersten toten sehen?
    wir reden vom militär. das ist eben kein normaler betrieb. das ist permanentes training des ausnahmezustandes. wie das moralisch zu bewerten ist, steht auf einem anderen blatt. und wie das in eine moderne gesellschaft paßt, die eher psychische als körperliche torturen schätzt, ohnehin.

  13. Minderheitenvotum:
    Wir sollten ein bisschen abwarten, nicht schon wieder vorher wissen wollen, wie es dann nachher doch wieder nicht war …
    Dann werden wir auch wissen, was eigentlich das Beklagenswerte an den Umständen ist. Narzismus der Untergebenen oder Machtmissbrauch der der Chefs. Oder was anderes.

    Mit ähnlichen Begründungen könnte man übrigens Polizistinnen auch unter die Nase reiben, sie hätte vorher wissen können, dass in solchen „Kerleansammlungen“ eben mal ein bisschen „zugefasst“ wird, wenn keiner hinguckt.

  14. REPLY:
    selbst solche institutionen sind wandlungsfähig, wenn auch mit knirschen und krachen.

  15. Dazu kann ich nur sagen:
    Augen auf bei der Berufswahl.

  16. REPLY:
    Libe Frau Koma, vielleicht darf ich ein paar Fakten zur Diskussion beitragen:
    Wer sich bei der Marine bewirbt, muss NICHT unbedingt damit rechnen, in eine Takelage klettern zu müssen – zeitgemäße Marineschiffe fahren ohne Segel. Übungen auf einem Segelschiff dienen allenfalls zur „Menschenbildung“ – und da geht es in der Bundeswehr in einigen Bereichen wohl leider voraufklärerisch zu. Aber das bitte nicht verallgemeinern!
    Zudem ist das Aufentern auf der Gorch Fock laut ständigem Befehl freiwillig. Wenn jemand trotzdem durch Androhung von Nachteilen dazu genötigt wird, wäre das rechtswidrig und strafbewährt.

    In meine 15 Monaten Wehrdienst wurde mir die Duchsetzung meiner Rechte als Staatsbürger in Uniform leicht gemacht. Z.B. führte meine Beschwerde über einen Vorgesetzten wegen einer verbalen Bedrohung in einer politischen Diskussion zu einem Beförderung aufschiebenden Aktenvermerk für den Vorgesetzten.

    Ich sehe die Gefahr, dass durch die Umbildung der Bundeswehr in eine Berufsarmee das Klima in der BW nicht menschenfreundlicher wird. Das Konzept der „inneren Führung“ muss erhalten, ja weiter entwickelt werden. Es zeichnet unsere Armee vor anderen aus.

  17. REPLY:
    ah, endlich jemand, der den laden besser von innen kennt.
    ich schließe aus ihren äußerungen, daß es darauf ankommt, haltung zu zeigen und sich seiner position und seiner möglichkeiten bewußt zu sein. – und das ist nicht das schlechteste.

  18. Denkansatz „das Opfer ist schuld“ finde ich allerdings – gelinde gesagt – befremdlich. So argumentieren in der Regel Täter.

  19. REPLY:
    Eine Alternative zu „Übergriffen“, wie sie womöglich im Urwald vorkommen, sind (auch unter Männern) Diskussionen.

  20. REPLY:
    den habe ich nicht vertreten. es geht um selbstverantwortung. das ist etwas anderes als schuldzuweisung.
    wer allerdings so weltfremd oder naiv ist, offizierIn zu werden, ohne den herrschenden strukturen begegnen zu wollen, der tut mir nicht mal leid.
    oder sehen sie eine krankenschwester in der ausbildung, die kein blut sehen kann, als opfer herrschender verhältnisse?

  21. REPLY:
    eine armee ist der falscheste ort für diskussionen.

  22. REPLY:
    als Ursache von Gewalt kann auch bei einer Krankenschwester ein Trauma auslösen. Es kommt immer auf die Umstände an. Und so lange über die Zustände in einer Armee nicht diskutiert werden darf, wird es wohl immer Kriege geben.

  23. REPLY:
    herrschaften, ich würde es nett finden, wenn sie hier nicht tendenziös und anonym dikutieren würden. sonst werde ich die anmeldemodalitäten ändern.
    das ist immer noch mein blog.
    eine armee bietet weder platz für traumapoeten noch waldorfschüler.
    sie ist eine sehr konservative einrichtung zur austragung von konflikten auf eine archaische art und weise.
    im übrigen können sie sich über die grundlagen von kriegsführung in sämtliche antiken trägödien informieren. sie sollten nicht nur „troja“ kennen, weil brad pitt so sexy war.

  24. REPLY:
    Ein sehr naher Verwandter von mir ist Berufssoldat bei der Bundeswehr. Wenn ich ihm glauben darf, sind die Befugnisse von Offizieren sehr klar definiert und erlauben wenig Spielraum. Es besteht das dauernde Risiko, mit Beschwerden überzogen zu werden, zurecht oder zuunrecht.

    Insofern ist bei den fraglichen Fällen zu klären, ob die Spielregeln eingehalten wurden oder nicht.

    Eine Armee einfach so als sehr konservativ einzustufen, passt nicht so ohne weiteres. „Logistik“ wurde beim Militär erfunden, also die Problematik, große Mengen Gerümpel in der richtigen Menge, zur richtigen Zeit an den richtigen Ort zu bringen. „Organisation“ gab es in Armeen ebenfalls lange, bevor Unternehmen über hierarchische bürokratische Strukturen nachdachten, mit denen man einen Haufen Leute dazu bringt, halbwegs an einem Strang zu ziehen.

    Konservativ wird eine Armee erst dann, wenn sie Veränderungen in der Gesellschaft nicht mitbekommt und ihre Systeme darauf ausrichtet. Mit veralteten Methoden kriege ich keine Leistung aus einer Gruppe von Menschen, weder als Firma noch als Armee.

    In einem stimme ich allerdings uneingeschränkt zu: einmal sollte ich als Betroffene(r) in dem fraglichen Fall schon Mut aufbringen – entweder beim Hochklettern oder beim Verweigern des Hochkletterns.

    Hoffentlich habe ich das jetzt nicht zu garstig formuliert…

  25. REPLY:
    Nö, haben sie nicht.
    Konservativ meine ich im Sinne von veränderungsresistent.
    Das läuft einfach verdammt langsam. Schließlich geht es nicht um Politik, wo je nach Wählerstimmung das Fähnchen in den Wind gehangen wird.
    Insofern halte ich diese langsamkeit in einer hyperflexiblen Gesellschft sogar für gut.
    Ja, standing und selbstverantwortung kann einem auch in diesem Beruf niemand abnehmen.

  26. du tust ja grad so, als hätte man immer eine wahl…

    sieht „das haupt weise schütteln“ eigentlich anders aus als ein gewöhnliches haupt-schütteln?

  27. REPLY:
    Ich tue nicht nur so, ich bin in diesem Fall überzeugt davon. Eine Offiziersausbildung macht man in diesem Land immer noch auf freiwilliger Basis.

    Zu Abschnitt 2: ihnen hätte ich so viel ironieresistenz nicht zugetraut.

  28. REPLY:
    vermutlich definiere ich ironie anders.

    das betrifft den gesamten beitrag von „ihnen“ zu dem thema…

    keiner weiss, was die beiden toten erlebt haben,
    also lieber mal nen gang runterschalten.

    ot und garnicht ot:
    oder sind die so eine, für die vergewaltigungsopfer eh selber schuld sind, was musste die schlampe auch einen rock tragen…


    was musste die schlampe auch zum militär gehen, männersache…

  29. REPLY:
    Das ist simples betroffenheitsknöpfedrücken. Auch und vor allem das ot, dus. Sich zum Offizier ausbilden zu lassen istnicht wie mal eben ein bißchen Philosophie studieren.
    Wer in eine männerdomäne eindringt, sollte nicht erwarten, mit offenen armen empfangen zu werden. Die ersten Frauen, ie die akademische Laufbahn eingeschlagen haben, wurden das auch nicht.
    Ich weiß, wovon ich rede. Wahrscheinlich im Gegensatz zu vielen anderen. Ich wollte selbst Offizierin werden und in meiner Familie gibt es zwei Männer, die die Offizierslaufbahn abgebrochen haben.

    Was den Nachsatz angeht: es ging hier um Höhenangst und das Unvermögen einer jungen Frau, ihre Rechte gegen ihren Vorgesetzten zu verteidigen. Ob das einer Frau oder einem Mann passiert (und es Sund auf der Gorch Fock in den letzten Jahren auch einige Männer aus der Takelage gestürzt) ist ein Fakt von gleicher Wertigkeit.

  30. REPLY:
    ach so ich vergas, du warst ja dabei …

    ich bin ja auch dafür, dass die frauen zu hause bleiben und die kinder aufziehen und den haushalt machen, dass männer endlich mal wieder in ruhe zur arbeit gehen können und auch genug arbeit für „alle“ da ist.

  31. REPLY:
    Ja? Na viel spaß dabei. Und grüß eva hermann von mir.
    etwas langweiligeres und unterfordernderes kann ich mir nicht vorstellen.

  32. REPLY:
    du hast ja echt ne meise, madame ;-)
    spiel doch deinen krieg alleine, das wirkt alles so hart und auch etwas frigide. ätzend.

    domina – das wäre ein super beruf für dich!

  33. REPLY:
    ich finde, du solltest dich etwas zügeln, zwei menschen sind tot und wir kennen alle die umstände nicht.

  34. REPLY:
    Dafür gibt es mein Blog. Damit ich mich mit den Ereignissen, die mich interessieren, auseinandersetzen kann.
    Es hat in diesem Zusammenhang auch genug tote männer geben, was aber scheinbar jeder für normal hält.
    Du kannst deine Meinung gern in deinem Blog äußern.

  35. REPLY:
    gut, habe verstanden.

    ich finde, du hast eine recht eigentümliche aber nicht uninteressante art und nehme an du möchtest genauso wie alle anderen menschen (!) auf diesem planeten geliebt werden.

    also wünsche ich dir: alles liebe.

    sers

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