Schatten und Licht

Achtung,das wird ein Mäandertext, ich hatte einiges zu prokrastinieren.

Dirndlalarm

Die Woche über begleitete mich der Anfang eines Nähprojektes. Das Dirndl nimmt Gestalt an und hat in der ersten Ausführung nichts mehr mit einem Dirndl zu tun.
Aber dafür muss ich etwas ausholen. Seit langen Jahren liegt in meiner Stoffkiste ein fester schwarzer Seidenrips, Überbleibsel einer Gianfranco-Ferré-Kollektion. Da er 2002 aufhörte und 2007 starb, kann man ungefähr ermessen, wie lange mich der Stoff schon begleitet. Ich wollte schon immer einen langen, schmalen Rock mit Godets daraus machen, eine Art Reitrock. Dann kaufte ich in üppigeren Zeiten in meinen 30ern dieses Complet von Anna Scholz.
Anna Scholz
Schwarzer Seiden-Jaquard mit Leomuster, dazu gehört noch eine Jacke, die ein rotes Seidenfutter hat. (Passt mir heute leider nicht mehr, liegt aber noch im Schrank.)
Das Interessante daran ist der Schnitt. Anna Scholz näht für Frauen mit viel Busen, Bauch und Po. Deshalb hat dieses Kleid ein separates Körbchen für den Busen, damit das Oberteil nicht verrutscht, Schlitze an der Hüfte und quere Abnäher unter dem Hintern, damit der Rock kein Sack ist. Vor allem ist es ein Zweiteiler. Frau kann sich in der Taille bewegen und in Gegensatz zum Etuikleid, das dann entweder zerrt, zu eng ist oder aber ein bequemer Sack sein muss, bleibt die Bewegungsfreiheit erhalten. Das Schößchen mit den Schlitzen rutscht beim Drehen und Beugen einfach über den Rock und schlägt keine Falten.
Der Plan für den Seidenrips änderte sich, es sollte ein Zweiteiler werden. Unter anderem, weil ich mich an diese Szene aus Boccaccio ’70 erinnerte:

Was das mit Dirndl zu tun hat? Ganz einfach, das enge Leibchen, das die Figur formt, bleibt erhalten, man könnte sogar, wenn es nicht ganz hauteng ist, und Madame es züchtiger und bedeckter mag, eine Bluse darunter ziehen oder ein großes Tuch oder Cache-Coeur darüber nehmen. Nur der Rock hat sich geändert. Er ist eng und kurz geworden und damit ist er das Zugeständnis an die Moderne und die Stadt. Nächste Ausbaustufe ist dann ein kurzes Spenzer-Jäckchen, das braucht noch etwas. – Und ein klassischer weiter Rock, der wahlweise dazu getragen werden kann.

Ich nahm einen Nadelstreifenstoff und passend gekauftes Futter, die beide teurer aussehen als sie sind und begann auf der Basis meiner Grundschnitte für Rock und Oberteil zu arbeiten. (Ich hatte kurz die Idee, ein ganz klassisches Trachten-Dirndl aus Nadelstreifenstoff zu machen, dazu reichte der Stoff leider nicht.) Einziger Makel ist, dass meine Grundschnitte hinten unperfekt ausgearbeitet sind. Ich variiiere ja bisher noch Kaufschnitte, die sind oft so gemacht, dass die Alleinnäherin damit zurecht kommt und hinten nicht anpassen muss bzw. sich von hinten eh nicht sieht. Während ich vorn Teilungsnähte habe, habe ich hinten nur Abnäher, das muss ich noch perfektionieren.
n-dirndl
Vorn bin ich bei dem Ausschnitt geblieben, der mir am besten steht und den ich aber auch mit Bluse tragen kann. Hinten hatte ich einen Patzer zugeschnitten, über der Hüfte war es zu eng. Also wird dort mittig ein Keil eingesetzt, das ist dann auch die Stelle, wo Stickerei hinkommt.
Lily Embroidery
Osterlilien oder wie der Graf zutreffend bemerkte: „Oh, ein A…geweih!“ Vielleicht mache ich das noch mal in Schwarz, Silber ist schon sehr indezent. Ich bin gerade im Innenausbau, der mir sehr wichtig ist, ich soll ja in der Klamotte wohnen, das ist ja nicht nur Fassade. Der Rock braucht dringend eine Mischung aus Formbund hinten wegen Hohlkreuz und Gummizug vorn, wegen wechseljahresbedingter irrsinniger Bauchweitenschwankungen.
Das ist erstmal der Stand der Dinge. Zum Spenzerjäckchen könnte ich mir noch eine kleine drapierte Schürze aus Nadelstreifen vorstellen. Nächste Ausbau- bzw. Variationsstufe sind der klassische Trachtenmiederschnitt mit Trägern und Geschnür, dafür habe ich schon schwarzes Leinen und Futter und den Stoff für den Rock habe ich auch hier. Und wenn mir irgendwann langweilig ist, mache ich noch mal was aus Moleskin, das hat mich nämlich enorm beeindruckt, dass Heike von rothedinge eine Bezugsquelle für gutes Englisch Leder, wie der Stoff auch heißt, aufgetan hat.
Dann habe ich hoffentlich genug Übung und auch einen richtigen Rückseitenschnitt, um an den Seidenrips zu gehen, wenn mir den bis dahin nicht irgendein blödes Viehzeug aufgefressen hat.

Oh, und gerade ruft der Mann an, der mich seit langen Jahren fotografiert, wir haben seit Mai eine angefangene Fotosession liegen und Sitzung zwei folgt am Mittwoch. Bis dahin muss ich also fertig sein…

Archimedes und Gruppendynamik

„Wo ein Körper ist, kann kein zweiter sein.“ hat der gute Mann gesagt und wer noch richtigen Schulunterricht hatte, hat das in Physik gelernt. Die Erkenntnis soll ihm gekommen sein, als er in die Badewanne stieg und er Wasser verdrängte. Wäre er vor eine solide Steinwand gelaufen, hätte er wahrscheinlich nur geflucht. Es kommt auf die Konsistenz des Körpers an bei der Entscheidung, wer wen verdrängt. Aber fest steht, es kann oft nur einen geben, wenn der Raum begrenzt ist.
Mir lief gestern dieser Artikel über den Weg und ich hing mich etwas daran fest und der Graf und ich lieferten uns einen heftigen Disput dazu.
Einschub – ich trenne die ersten beiden geschilderten Fälle, in denen ein Mann ganz selbstverständlich meint, die Distanzschwelle einer Frau unterschreiten zu können, mal ab. Eine scharfe Zurechtweisung wie geschehen ist da das Mindeste, ich habe in solchen Situationen früher auch ganz gern mal reflexartig Backpfeifen verteilt. Das war sehr wirksam. Mag sein, dass Deutsche eine größere Distanzschwelle haben als Amerikaner, aber man fällt auch keinem Japaner laut schreiend, Rotz und Wasser heulend um den Hals, ohne größere kulturelle Verwerfungen auszulösen (mögen die auch ganz stumm sein).
Der letzte Fall von dem Mann, der gar nicht merkt, wie er immer mehr Raum nimmt und eine Szene dominiert, in die er freundlich integriert wurde, löste das Streitgespräch beim Grafen und mir aus. Sitzen wir doch auf zwei verschiedenen Polen. Ich bin die Frau, der Hang zur Dominanz unterstellt wird, die bei Männern (mitunter auch schwere) Irritationen auslöst, weil ich mir einfach völlig selbstverständlich meinen Raum nahm. Nun bin ich keine kleine zarte, dünne Frau, aber auch nicht überdurchschnittlich körperlich präsent. Ich bin Durchschnitt in Größe und Gewicht – in der natürlichen Verdrängung also, mein Verhalten scheint das Anstößige zu sein. Die Kommentare waren nicht nett, aber sehr vielredend. „Trampel, Maschine, Bulldozer, Mannweib, Hexe… etc. pp.“
Ich war eine Bedrohung, weil ich nur da war und ich habe es trainieren müssen, mich, wenn ich es denn brauchte, kleiner und unauffälliger zu machen, ohne mein Ego zu verletzen. Meine Strategie ist entweder Distanz (so interessant sind diese Bläher nicht) oder aber nicht ausweichen, Blickkontakt und immer mal einen gezielten Ellenbogenhieb verteilen bzw. kommunikativ gnadenlos in die Luftholpausen gehen. Manchmal gebe ich halt auch die Uschi und baue darauf, unterschätzt zu werden. Das ist ein gutes Manipulativ, auf Dauer widerspricht mir das aber.
Der Graf wiederum als sanfter, zurückhaltender Mann, hatte ein halbes Leben unter solchen Männern zu leiden und seine eigenen Strategien entwickelt, um aus ihnen die Luft rauszulassen oder sie wirkungsvoll in die Schranken zu weisen.
Ich greife, um einer solchen Situation beizukommen gern zu der alten Theaterweisheit „Den König spielen immer die anderen“. Es wäre zu kurz gegriffen und wirkungslos, einfach zu verlangen, das Leute das nicht tun sollen und Mimimi nutzt schon garnichts.
Wer erzieht Männer zu Männern? Zuerst die Mütter. Es sind ihre bewundernden Blicke auf den kleinen Mann. „Er ist so wild! … Er braucht so viel Platz, um sich auszutoben!“ (Es wäre interessant, mal zu schauen, ob das nicht die natürlichere Form der Existenz ist, natürlicher jedenfalls, als Mädchen auf Diät zu setzen und ihre Wildheit zu kontrollieren. Aber Affektkontrolle und gezieltes Ausagieren von Affekten in Gesellschaften, in denen Menschen eng zusammenleben, ist ein weites Feld, siehe Japan.)
Dann gibt es die Vorbilder. Papa (so es den überhaupt gibt), Anführer, Helden, Superhelden. Und dann gibt es Herden von Frauen, die aggressive Körperlichkeit und dominantes Verhalten billigen und bestätigen. „Unter 1,85 sehe ich mir beim Daten gar keinen Mann an.“ – „Er muss mir körperlich überlegen sein, sonst rührt sich bei  mir nichts.“ – „Er muss wissen, was er will und spüren, was ich will!“ – „Er muss mir zeigen, dass er ein Held ist.“ „Ich will einen Alpha!“ – „Ich ergreife auf gar keinen Fall die Initiative.“
Ich glaube, was nötiger ist, ist mit der eigenen Präsenz ein Korrektiv darzustellen und kein dankbares Publikum abzugeben (wenn auch aus Konvention und mit Zähneknirschen). Den König spielen immer die anderen und diese kleinen Könige suchen sich schon den Hofstaat, mit dem sie sich wohl fühlen. Aber mitunter sind sogar sie lernfähig.

Schlechtes Karma oder was?

Wir reisten gestern wieder ins Brandenburgische, um Sommerhäuschen anzusehen. Ein schönes Hobby, viel besser als Windowshopping. Diese Landschaften, die ich immer schlammig, staubig, übernutzt und frustrierend in ihrer Kargheit in der Kindheitserinnerung abgespeichert hatte, sind wunderschön geworden und ich weiß nicht, welchen Anteil daran mein Zustand und welchen der Zusammenbruch der ostdeutschen Industrie mit ihren Dreckschleudern hatte. An die entlegenen schönen Ecken kam ich nur mit den Eltern oder der Schulklasse, das war für mich selten entspannend. Als ich älter war, beschränkte sich mein Aktionsradius, weil ich kein Auto besaß.

Wir fuhren an einen größeren See, der zur Hälfte mit Seerosen bewuchert war. Er war von Wäldern und Sümpfen umgeben, ich fand gerade erst gewachsene Schirmpilze, ein wunderschöner Fleck Erde. Die Häuschen, die wir sahen, waren ok., aber nicht für diesen hohen Preis, der der Schwierigkeit, dort bauen oder besser erhalten zu können, nicht Rechnung trug. Die Verkäufer, die seit über zehn Jahren in diesem kleinen Paradies wohnten, sahen vollkommen fertig aus. Gesundheitlich und auch mental. Nach dem, was sie uns erzählten, hatte es wohl keine Zeit gegeben, die frei von harter Arbeit, Katastrophen, Streit und Schwierigkeiten war. Das geplante Konzept, mit dem sie angetreten waren, ist nie verwirklicht worden. Als wir nach Hause zurückgekehrt waren, recherchierten wir etwas tiefer zu dem Ort.
Eigentlich wirklich ein gesegneter Fleck Erde, der See und seine Umgebung. Seit Urzeiten besiedelt, was meist ein Zeichen ist, dass es sich in einer Landschaft gut leben lässt. Aber der Hof, den wir uns ansahen, der über hundert Jahre besteht, sitzt scheinbar über einem unguten Knoten Weltenergie. Hier lebte ein Serienmörder und begrub zwei seiner Opfer und hier wurden Terrorpläne gemacht, die jüngere deutsche Geschichte schrieben. Ungut. Was macht man mit so etwas? Ausräuchern und Gras drüber wachsen lassen? Mit einem Ritual umwidmen? Neu und mit anderem Leben beschreiben? Ich habe keine Ahnung. Ich bin gespannt, wer sich dem stellt.

Zumindest gibt es heute Pilze.
parasol

Auch das noch:

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  • 10.10. 1010.10. 10 42. ich weiß. Ich ließ das Handtuch trotzdem zu Hause. Irgendetwas hatte mich geritten, ich wollte unbedingt das Berliner Art […]
  • 1.4.1.4. Also in den April hat mich gestern keiner geschickt, sodern ich erlebte einen äußerst kommoden Tag. Der Graf zog die Spandexhöschen an, […]
  • Das Leben der anderenDas Leben der anderen Kaffee mit einem Klienten, der wiederum befreundet ist mit anderen, ehemaligen Klienten. Ichso: Wie gehts denn X.? Und vor allem seiner […]

9 Gedanken zu „Schatten und Licht

  1. Die Schnittdetails des Anna-Scholz-Ensembles sind ja spannend! Letztendlich ist man es nur gewohnt, was Abnäher betrifft in starren Bahnen zu denken, und bei der üblichen Konfektion kommt dann noch die Effizienz beim Zuschneiden und Nähen dazu. Ich bin sehr gespannt auf dein fertiges Ensemble. Meins ist aus ganz ähnlichen Stoffen, beim Oberteil (klassischer Dirndlmiederschnitt mit einem eckigen, tiefen Ausschnitt) finde ich die enge Passform bis jetzt gewöhnungsbedürftig. Nicht unbequem, dazu passt es zu gut, aber anders. Mal sehen, ob sich das im Alltag bewährt. Wenn ja wird es noch eines mit Schößchen geben.

    Und eine gruselige Sommerhausgeschichte ist das. Mich kann man ja sonst mit Esoterikkram jagen, aber bei Wohnungsbesichtigungen habe ich schon öfter gedacht: da kann man doch nur Selbstmord begehen. Oder ich fand die Wohnung ohne rational erfassbaren Grund deprimierend. Oder: eigentlich ist die Wohnung perfekt, aber ich will da nicht einziehen. und habe mich gefragt, ob da irgendwas Immaterielles an den Mauern klebt.

    • Ich bin jetzt fertig mit dem Teil. Nuja, perfekt geht anders. Man kann sich halt so schlecht an Rücken selbst die Abnäher stecken. Aber ich nähe das demnächst einfach noch mal.

  2. Wir haben uns angewöhnt vor einem Umzug in eine neue Wohnung (oder auch ins Haus) die Räume vorher auszuräuchern. In unserer ersten gemeinsamen Wohnung hatte unser Schlafzimmer eine komische Stimmung, wir haben uns nicht wohl gefühlt. Die Beziehung ging den Bach runter. Später haben wir erfahren das sich in diesem Raum 2 Menschen erhängt hatten – an der gleichen Stelle, im Abstand von mehreren Jahren. Schlechtes Karma eben.

    Mir ist völlig egal ob das als Spinnerei angesehen wird – es hat geholfen.

  3. Pingback: Results for week beginning 2014-09-15 | Iron Blogger Berlin

  4. ich gehe auf „das dritte thema“ in diesem post ein,
    das verhalten zwischen frauen und männern.
    ich habe auch den ausgangspunkt, den verlinkten text, gelesen.

    was ich jetzt gleich schreiben werde, wird sicherlich nicht sehr nett aufgenommen werden, weil es aus meiner sicht auch eine generationenfrage ist, situationen zu bewerten; und meiner meinung nach, aus sicht der frauen, heutzutage völlig über-zu-bewerten.
    ich versuche das mal auseinander zu puzzlen.
    zunächst meine ich, dass junge frauen sich selber ( oftmals maßlos) überbewerten. sich, und nur sich, wichtig nehmen, sehen und es nach ihren wünschen um sie herum „funktionieren“ sollte.
    hinzu kommt, diese generation hat schwer abzuschätzende, zuzuordnende erziehungswelten erlebt – oder, und das ist wohl mehrheitlich so, nicht erlebt.
    demzufolge leidet die mehrheit der heutigen unter 45jährigen sehr häufig an distanzlosigkeit – nach beiden richtungen. in der wahrnehmung auf das eigene ich bezogen, aber ebenso in der eigenen ausübung.
    erschwerend kommt hinzu, dass kritik zwar ausgeteilt aber absolut nicht verkraftet wird.
    alleine diese drei herausgegriffenen aspekte zeigen auf in welcher komplexen schwierigen situation sich heute junge menschen befinden (können).
    einerseits, trotz des wissens, zu ignorieren dass es immer noch eine Männerwelt ist, und andererseits dann völlig verunsichert sein wenn die sich dann machomäßig verhalten.
    es fehlt die reflektion des (vorhandenen) wissens und es fehlt der wille zur sinnvollen kompromißbereitschaft.
    die angeführten „Wunsch-Männer-Frauen-„Träume“-“ zeigen deutlich, dass frauen, vermutlich mehrheitlich, keineswegs einen festen standpunkt ihrerselbst haben.
    sex, spaß, partys – aber bitte alles ohne jede verantwortung in bezug auf das eigene handeln beim „mitmachen“.
    es ist die oberflächllichkeit, die überzogene selbstwerte unreflektiert gedeihen läßt.
    wenn sich die schätzungen von experten beweisen ließen, sind nach deren auffassung aktuell mehr als 60% der deutschen bevölkerung psychisch gestört. in ihrem verhalten, in ihrer wahrnehmung und in ihrem handeln.
    das straßenbild, gibt das teilweise sehr gut wieder.

    und noch einmal zu dem zitierten text: wenn ich nicht will dass mich einer anfasst – oder ich nicht will dass er sich dadurch bedankt, sage ich das. vorher. und schreie nicht rum.
    es sind die einfachsten dinge die oftmals nicht berücksichtigt werden und dann kommt so ein sch . . . dabei raus wie dort beschrieben.
    dass mich einer einfach „überfällt, angreift“ kann ich sicherlich nicht völlig verhindern, wohl aber durch scharfe beobachtungsgabe durch realisierende wahrnehmung meiner welt um mich herum, zumindest abschätzen.
    sich selbst zu schützen gehört auch zum leben.
    es ist anmaßend immer nur von anderen zu erwarten sie müßten auf mich rücksicht nehmen damit ich mich nicht um mich und meine belange selber kümmern muß.

    ein schwieriges thema, um es so kurz und bündig hier zu diskutieren. stundenlange gespräche, und sicherlich mit heftigen disputen verknüpft, scheinen angemessener. eine lösung wird sich aber dennoch nicht ergeben, solange zwei geschlechter nebeneinander (her) leben. egal ob freiwillig oder unfreiwillig. ;-)

    • Nein, ich bin mit den Kerngedanken d’accord. (Mal abgesehen von de 60% gestört-These, Normalität ist eine kulturelle Mehrheitsdefinition. Wenn 60% als gestört definiert werden, ist Gestört das neue Normal.)
      Ja, es ist eine Frage der Lebenserfahrung (also die Generationensache). Wer ins Leben geht, lernt irgendwann, dass das, was Menschen in einem sehen und das, wie sie sich verhalten, nicht unbedingt mit der Selbstwahrnehmung und der eigenen Sicht auf diese Menschen korreliert. Hat man mit Elterninstanzen (Eltern, Lehrer, Dozenten) und Freunden zu tun, ist die soziale Interaktion abgefederter und empathischer. Aber es ist ein Lernprozeß, dass andere Menschen einen nicht so sehen und sich einem nähern, wie man es sich wünscht und man hat das Recht darauf, das zu korrigieren und sich zu positionieren. Das Leben ist nicht nur nett und gut und es wollen alle nicht nur das Gleiche.
      Ich glaube, es ist auch nicht nötig, allen zu sagen „fassen Sie mich nicht an!“, nur weil ein Amerikaner noch nicht gecheckt hat, dass Deutsche nicht angefasst werden wollen. Das ist das normale „mein Tanzbereich, dein Tanzbereich“, das man ohne Drama knapp klarmachen kann.
      Das hat was mit Erwachsenwerden zu tun, zu merken, dass sich die Welt nicht immer nur um einen selbst dreht. Es ist nun mal ein Fakt und auch kein neuer, dass junge Frauen extrem viel Aufmerksamkeit bekommen, genauso viel wie alte mächtige Männer.
      Nur muss frau mit dieser Aufmerksamkeit umgehen können. Das kann man restriktiv regeln – junge Frau darf nur mit Begleitung eines Familienmitglieds auf die Straße, mit Schleier und Blickkontakt ist untersagt – oder durch andere gesellschaftliche Spielregeln, die es der Frau erlauben, jeglichen Ort allein aufzusuchen, unbrav und streetsmart zu sein und sich gegen Störer der eigenen Kreise zu positionieren.
      Per Appell funktioniert das selten. Die weibliche Welt würde sich totlachen, wenn Männer öffentlich dagegen protestieren würden, wenn sie wider Willen zum Vater und Unterhaltszahler gemacht werden. Da sagt man auch „Paß halt selber auf, du Depp!“

      Diese ganzen Diskussionen sind grade so Häwelmann. Im eigenen Bettchen bleiben, aber über den ganzen Himmel fahren.

  5. mein hirn versagt den dienst beim mäandertext :-)…. denn ich starre gebannt auf das geschneiderte, das ich bomfortionös finde und hoffe, wir sehen es mal angezogen?
    lg ro

    • das geschneiderte ist fertig und wird demnächst auch präsentiert :)

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