One More Time

Celebrate and dance are free
Music’s got me feeling so free

Zu Silvester ist es mit mir des öfteren heikel. Es gab Jahre, in denen ich am liebsten freiwillig aufs Feiern verzichtet hätte, weil kurz vor 12 der große dicke fette moralische Kater über mich herfiel und mich die Mitmenschen dann entweder mit Bergen von Taschentüchern trösten oder mich irgendwo beim Minusgraden im Gebüsch suchen mußten.
Und so hat Gott wahrscheinlich auf seinen himmlischen Terminkalender geschaut und sich gesagt: „Mensch, die Kitty braucht jez aba langsam ma n nettet Silvester. Vor zwei Jahren ham wa schon mal jeübt, jetzt aba richtich.“
Als erstes Rogacki, zusammen mit tout ancien Ouest-Berlin. Damen mit dicken Goldklunkern und sogar eine mit weißem Nerz mit Schlangenlederbesatz (kommt gut, ihn mit Cocktailsauce zu bekleckern).
Dann Philharmonie und die Philharmoniker. Kreuzfahrtprogramm, sehr mehrheitsfähig. Gott sei Dank. Die Gattin des neben uns sitzenden Herren plapperte so laut auf ihn ein, als säße sie vorm Fernseher. Manchmal bereut mann auch die Entscheidung, als zweite Ehefrau ein pralles, junges, blondes Bimbo geheiratet zu haben.
Dann Spindler & Klatt. Meine erste kommerzielle Silvesterparty ever. Den Freunden zu liebe, die von weitweither kamen und meinten, ein Berliner Club zu Silvester wäre cool. Hm, es kann aber auch formidabel sch… werden. Teure Karten, mieses Essen, peinliches Programm, profikneurotische Prollos und dümmliche Lolitas, der Optionen gibt es viele, vor allem bei einem Abend zum Thema Burlesque. Ich hatte einen Plan B entwickelt, mit Hilfe dessen wir uns bei Nichtgefallen quer durch schräge Kreuzberger Locations hangeln würden.
Aber Gott machte einen guten Job. Ich habe mich selten eine ganze Nacht lang so amüsiert.



(War nicht einfach, Kitty nicht frontal und niemand anderer auf den Bild gabs fast nicht…)
Die Herren sorgten für 6 Flaschen, die am Ende der Nacht leer waren und wir dafür um so voller. Praktischerweise tanzten wir gleich auf einem dieser Lotterbetten, die einem dorten angeboten werden. Um uns herum gärte ein Sumpf aus Wodka Red Bull und Glassplittern und uns taten nicht mal die Füße vom Tanzen weh, weil wir barfuß waren und dann noch auf dieser Gogo-Girl-Position, einen halben Meter über allen anderen. Es gab einen kurzen Moment von „Nimm die Pfoten von meiner Frau!“. Aber da die Herren wechselseitig mit der Dame des anderen befaßt waren, wurde er neutralisiert.
Um 5 Uhr morgens stand ich barfuß auf dem frostkalten Kreuzberger Pfaster und versuchte, meine Schuhe anzuziehen. Dann schlug ich vor, einen längeren Fußmarsch quer durch den Wrangelkiez anzutreten. Die andere Dame versuchte, sich vor der Kälte in den gegenüberliegenden Puff zu flüchten, doch die Mädels hatten schon Feierabend. Und wenn dann nicht doch noch ein Taxi gekommen wäre, hätte es zwei Erfrorene am Mariannenplatz, eine ungelernte Prostituierte und einen frischgebackenen Single gegeben…
Es gibt Getränke, die ein Mensch zum Betrinken bevorzugen sollte. Wodka und Champagner machen diesen luziden Rausch, der einen in keinem Augenblick tumb und blöd macht. Wenn am nächsten Morgen nicht der Kater über einen kommt, sondern man den Kopf hebt und denkt: „Au Mann, du bist ja immer noch blau!“ und dieses Gefühl von Stunde zu Stunde langsam nachläßt und einer angenehmen Müdigkeit Platz macht, so ist das schon recht komfortabel.

in diesem Sinne: Möge bei euch allen das Jahr so laufen wie diese Party!

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24 Gedanken zu „One More Time

  1. … nach einem sehr gelungenen Jahresbeginn, ohne Melancholie und Weltschmerz, allenfalls ein wenig Kopfschmerz am Tag danach…

  2. Ein wunderbares neues auch für Sie! Alles wird gut, hat doch die komische blonde Frau im Fernsehen immer gesagt, bevor man sie rausgeworfen hat.

  3. Wodka und Champagner klingt nicht schlecht. Auf den Champagner könnte ich allenfalls verzichten:)

  4. das klingt nach einer wirklich schönen party!

    (und am rande: irgendwo in diesem blog war im vergangenen jahr ein seufzer über die nicht-mehr-bikini-figur: nach diesen bildern nehm ich ihnen das nicht mehr ab! echt! das kann nicht „alles nur der schneider gerettet“ haben. so, nu isses gesagt.)

    gesundes und erfolgreiches 2009 wünsche ich – möge es besser werden als 2008!

  5. REPLY:
    nicht mal kopfschmerz, das war ja das schöne!

  6. REPLY:
    s.o. ich wollte aber meine begleiter nicht mit abbilden, deshalb sieht es etwas autistisch aus.

  7. REPLY:
    wodka für alltags und champagner für ganz besonders mag gut sein ;)

  8. REPLY:
    das muß der abend gewesen sein. ehrlich! ich hatte beschlossen, eine schöne frau zu sein und dann war ich das. jetzt moppele ich wieder so recht und breit durch den alltag.
    und danke für die wünsche! es wird, es wird!

  9. REPLY:
    fein. das mit der matratze konnte ich mir nicht ganz erklären. macht nix, kann ich jetzt nämlich immer noch nicht … (o;

    rubrik: wieso – weshalb – warum?

  10. REPLY:
    das ist doch ganz einfach -> quadratisches loungesofa mit leinenbezug, das ist auch auf einem der fotos zu sehen. wir sind zum tanzen nicht nach unten gestiegen. ein paar mutige haben es auch auf dem holzrand versucht, der noch höher ist, da gab es aber einen üblen absturz. die frau hat noch heute blaue flecken.

  11. Richtig so! Nachdem Dein Jahr echt bescheiden war (war es doch?) muss man es todtanzen. Übrigens bist Du die Einzige, die von einer wilden Party berichtet. Dieses Jahr scheinen alle einen Gang runtergeschaltet zu haben.

    Liebe Kitty, möge 2009 schimmern und scheinen. *B

  12. Sie haben das sehr richtig gemacht. Dann auf ein fantastisches 2009!

  13. Sie haben das in der Tat beneidenswert gefeiert. Nicht nur mit den richtigen Getränken, auch mit einer sehr schönen Erscheinung.

    Alles Gute und viel Schönes für 2009, Wodka und Champagner jeweils zu der Gelegenheit, die Ihnen passt!

  14. Sie ham die Haare schön! Haare schön!
    Mal abgesehen von allem anderen!

  15. REPLY:
    danke! vielleicht wird es nicht glamourös. aber schimmernd würde ich es mögen!

  16. REPLY:
    nach diesen fotos habe ich beschlossen, sie noch ein bißchen wachsen und vor allem den quatsch mit dem färben zu lassen.

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