Kontraste

Am Morgen von Tag 11 ritten wir in Wernersdorf vom Hof und machten uns auf den Heimweg. Mit Halt in Hirschberg. Wo ich sogar die Buswendestelle wiedererkannte, an der wir damals auf der Fahrt ins Gulag Ferienlager Pause machten, die noch genauso ostblockhäßlich ist wie damals. Das Städtchen selbst ist schön, aber das bekam ich damals nicht zu sehen. Auch in Bunzlau hielten wir noch einmal an. Überwiegend häßlich. Und Deutsche mögen sie nicht, alle Erläuterungen an historischen Gebäuden waren in Polnisch und Englisch.
Der Weg nach Forst führt durch Kilometer von Wald und ringsum ist so gut wie nichts. Dann hatte uns Deutschland wieder und es waren 30 Grad. Berlin kochte und die Invalidenstraße war voller junge Menschen, von denen keiner Deutsch sprach. (So viele Menschen! So viele Steine und Mauern! So wenig Horizont!)
Die Wohnung war noch erstaunlich kühl, weil die Fenster geschlossen waren. Dann ging die Waschmaschine in Dauerbetrieb und ich begann, den vor der Fahrt aufgebauten Schrank einzuräumen. Mit schönen, teuren Klamotten, die mir demnächst wieder passen sollen.
Die Wohnung wurde wärmer und wärmer. So richtig war meine Seele noch nicht angekommen und er Graf hatte eine fette Rumhängdepression, die er mit dem Sortieren von Urlaubsfotos behandelte. Ich packte die Koffer um.
Am Samstag ging es dann weiter, zu La Primavera, die sich auf ihre alten Tage taufen ließ. So richtig mit Untertauchen und allem Drum und Dran. So isset, die Wessis treten aus der Kirche aus, die Ossis treten ein. – Und sind sich scheinbar noch nicht im Klaren darüber, daß sich die Institution Kirche nicht so recht umgehen läßt und eine evengelische Taufe ein Kircheneintritt ist.
Wir fuhren in Berlin bei 28 Grad am Morgen los und standen gleich nach Verlassen des Berliner Rings im Stau. Die Leute waren alle komisch drauf, ich hatte morgens getrödelt und so beschlossen wir, ganz langsam zu machen und zur Not die Zeremonie ausfallen zu lassen. Wir umfuhren einen Stau und mußten Kühlwasser nachfüllen und ich gab mit meinem langen, im Wind flatternden und tief dekolletierten Festkleid und Sonnenbrille auf der Tanke ein gutes Road-Movie-Still ab.
Und so kamen wir zwar zu spät, aber auch noch zum ausgiebigen Schwimmen im Rugensee. (BTW. Es hatte sich mittlerweile auf 20 Grad abgekühlt.)
Im Haus, besser im paradiesischen Garten von LaPrimavera, fand ein schönes Fest statt. Wir bauten unser Zelt neben vielen anderen auf und feierten mit. Das kind war auch da, ich sah ganz alte Freunde wieder. Einfach schön.
Ja und dann schliefen wir in der Taukühle in Klamotten im  Zelt. So ganz anders als die Tage vorher.

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