Im Kücheneinrichtungsdschungel

Der Graf hat mir irgendwann mal den Spitznamen Pfannenkind verpaßt. Weil ich mein Essen am liebsten in die Pfanne haue und kräftig anbrate. Weil das so schnell Hüftröllchen gibt, bin ich seit einiger Zeit auf Grillen umgestiegen, ich hatte mir doch irgendwann so ein Monster angeschafft. Nach dem Essen klebt der Geruch dann gern tagelang in der Küche.
Dann gibt es zwei Möglichkeiten: 1. Man sagt sich, das haben Generationen so gemacht und die sind auch nicht dran gestorben. Man erinnert sich aber mit Schaudern an die Kohlsuppe-Kotelett-Windeltopf-Odeur-Symphonien in Omis altem Mietshaus. 2. Man beschließt, eine Dunstabzugshaube zu kaufen.
Und da fängt der Horror an. Der Herd steht zwar am Schornstein, daneben hängt aber auch die Therme der Gasheizung. Können Sie ermessen, was das bedeutet? Yep. Schornsteinfegerbesuch, mit ordentlicher Rechnung und der wird einem sagen, was man ohnehin schon weiß, für eine Ablufthaube braucht es nicht nur einen Schornsteinzug, sondern ein Schaltsystem, das Zuluft freischaltet, sobald das Teil läuft, sonst läuft der Abzug der Therme rückwärts. Teurer Spaß, der sich entweder am Fenster realisieren läßt oder eine Kernlochbohrung durch die Außenwand erfordert. (lassen Sie sich den Begriff mal auf der Zunge zergehen: Kern-Loch-Bohrung, klingt fast wie Wanddurchbruch Haha!) Jedenfalls könnte man mit deutscher Technik und Wertarbeit mal so richtig auf die Kacke hauen.
Also Umluft. Und da wird es schon dünne am Anbietermarkt, wenn das Teil nicht nur ein Plazebo sein soll. Alle schicken italienischen Kopffrei-Designerteilchen, die wie eine angeklappte Schreibmappe an der Wand hängen, fallen dann schon mal raus. Denn da liegt auf dem Fettfilter eine Mini-Aktivkohle-Matte und das ist nicht mehr als ein Witz. Auch das schwedische Möbelhaus ist dann auch nur noch mit den teuersten Teilen in der Wahl, denn die billigen bringen für Umluft nicht genug Power mit. (Muß man wissen – die meisten Werte, die angegeben sind, gelten für Abluft. Umluft wird lauter und drückt das umgesetzte Luftvolumen in den Keller, denn der Motor muß die Luft durch den Filter pressen.)
Um das Spiel mit den vielen Unbekannten noch ein bißchen trickreicher zu machen, wäre auch der Preis des Aktivkohlefilters beachtenswert, denn hat man Pech, muß man den mehr als zweimal im Jahr wechseln.
Wahnsinn oder? Denn eigentlich reden wir von einem Metall-und einem Kohlefilter in einem Kasten, in dem ein Ventilator arbeitet, mehr nicht.
Nach Abzug aller NoGoes bleibt nur noch ein stinknormales Teil in Kaminform übrig. Das sollte dann 1. Solide verarbeitet sein. Denn man muß es von innen immer mal putzen können, ohne sich die Finger an Metallkanten zu zerschneiden, außerdem muß es den fettigen Mief tatsächlich an die Filter durchleiten und keine heimlichen, leicht entzündlichen Fettseen provozieren. 2. Sollte es leistungsfähig und nicht zu laut sein. 3. Sollten die Aktivkohlefilter tatsächlich funktionieren und trotzdem kein Vermögen kosten.
Die Rettung in der Informationskonfusion brachte das Chefkoch-Forum. Da sind jede Menge Männer dabei, die sich dem Küchentuning verschrieben haben. Ok., man wird natürlich belächelt, wenn man nach der Qualität eine Whirlpool-Geräts fragt, aber die Jungs haben Ideen.
Und eine davon hat einen besonderen Charme: Kaufe ein Gerät, das nicht so wahnsinnig teuer ist, dir gefällt und die richtige Leistung hat (Formel: Küchenvolumen mal 10) und schau einfach nur, daß in den Luftabzug ein Profi-Aktivkohlefilter mit entweder 125 oder 150 mm Durchmesser paßt. Der kostet dann zwar über 200€, hält aber 2-3 Jahre und ist mit Kohle aus einem Tütchen nachzufüllen. Und wenn das Gerät zu laut ist, kann man es sogar noch etwas dämmen.
Na dann schaun wir mal…

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2 Gedanken zu „Im Kücheneinrichtungsdschungel

  1. Vielleicht solltest du doch eine Kernlochbohrung erwägen, so eine große Sache ist das auch nicht. Wir haben Angebote eingeholt (bei uns ist allerdings auch noch eine Strecke bis zur Hauswand zu überwinden, da Kücheninsel mitten im Raum) für die Aufhängung inkl. Kernlochbohrung unserer Ikea-Haube; kostet ca. 500-700 (offiziell, Meisterbetrieb) und geht relativ schnell (wir haben das schon mal gemacht). Da hast du dann echte Abluft, ist schon besser.
    Aber irgendwie ist in diesem Dunsthaubenzeug immer der Wurm drin, denn unsere aktuelle ist noch immer im Karton und ich frage mich, ob sie jemals hängen oder direkt bei der Auktion landen wird.

  2. Echte Abluft ist zwar was feines, aber der Gedanke, so viel schöne warme Luft im Winter nach draußen zu pusten, ist auch nicht fein.
    Es ist jetzt doch eine Berbel geworden, Vorführmodell zum 2/3-Preis, mit 11kg Kohlefiltern intus…

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