Randvoll, nur nicht das Blog

Das letzte Monatsende und die darauf folgenden Tage waren Baustelle, Staustelle, Dramabühne, alles zusammen.
Die Übergabe des Gutshauses mit einem Tag Verspätung und im Galopp (hinterher ist man immer klüger, was man sich hätte schriftlich geben lassen sollen).
Ein sehr wichtiger Termin in Berlin für den Grafen mit allen Begleitumständen. Ein wichtiger Amtsbrief für mich.
Aber vor allem erst einmal der gelinde Schock, über 500qm ohne Möblierung zu sehen und zu begreifen: Woah! Das ist riesig. (und an anderen Stellen dann doch wieder nicht so riesig, dass man ein Bett stellen kann.)

Nachdem wir alle Schlüssel hatten und die ehemalige Eigentümerin mit Kindern, Hund und Kaninchen unter Hinterlassung eines Salons voll Restmüll/möbel plus einem Haufen Asbest im Park, davongefahren war, konnte man gut Charakterstudien beim Grafen und mir anstellen.
Ich fing an, den Hund rauszuputzen, bis mir fast der rechte Arm abfiel. Der Graf setzte sich aufs Sofa im kleinen Haus und dachte nach. Stundenlang. Dann ging er rüber und zerlegte die völlig versiffte Küche, die wir eigentlich erst einmal übernehmen wollten und das Holzstapelregal, das der Hund verpinkelt hatte. Dann dachte er wieder nach. Ich putzte wie besessen.

Mittlerweile verfeuern wir abends die Küche, das Regal und Äste vom im Herbststurm umgefallenen Baum an der Terrasse zum Park und wärmen uns in der hellen nordischen Nacht am Lagerfeuer und planen. Am Tag gehen wir durchs Haus und denken anschließend nach. Dann putze ich. Mittlerweile habe ich die Verkehrswege, den Saal und die schönste Wohnung geschafft. Der Graf denkt. Er weiß schon, wo wir anfangen werden.

Das ist alles nichts für Aktionisten. Das ist Langstrecke.

TBC

Es geht voran

Die Dinge gehen im Kutscherhaus langsam voran. Wie geahnt, kommen die Schwierigkeiten aus der Richtung, aus der sie kaum auszumachen waren. Das auf den ersten Blick recht intakte Bad ist nicht gut im Haus gelegen und wird verlegt.
Die Bausubstanz ist besser als zuerst befürchtet. Was feucht ist, ist vor allem kondensatfeucht. Bisher gibt es weder verfaulte Dielen noch Balken, ein Zeichen, dass keine Feuchtigkeit notorisch hochsteigt und eindringendes Wasser eingedämmt werden kann, indem die Dachrinnen gereinigt, repariert und das Fundament geflickt wird.
Wenn der kleine Werkstattofen angeheizt ist, kann es sogar gemütlich werden. Dem steht entgegen, dass wir immer dann zurück nach Berlin fahren, wenn das Haus gerade warm ist.
Aber vor allem steht: Entkernen und putzen, putzen, putzen. Unmengen Tapeten und Paneele abreißen, dicke Farbschichten runternehmen, Jahre alten Schmutz wegfeudeln, unsexy dysfunktionale Kachelöfen abreißen.
Der Graf hat in handwerklichen Dingen die Gabe, lange zu planen und dann relativ geräuschlos und elegant eine Lösung zu bauen. Das Gegenteil von „Klappern gehört zum Handwerk“.
Ich bin froh über die körperliche Arbeit und die frische Luft, bekomme wieder Muskeln und meine Haut sieht so gut aus, wie seit Jahren nicht, selbst wenn ich einen Zentner Dreck aus dem Stall gefegt habe.
Wir sehen rührende Dinge. Eine Schlittenkette, gezogen von einem Rasentraktor, zwei Fische, die aus einer Regentonne fallen, Seeadler in hohen Bäumen über einem Sumpf.
Das kompensiert, dass wir abends so dreckig wie Schweine sind, ziemlich oft frieren und es noch keine Entspannungszone gibt, weil alles Baustelle ist.
Wenn wir da sind, werkeln wir intensiv und wenn wir wieder in Berlin sind, ruhen wir uns aus und planen die nächsten Tage.
Es liegt noch eine Menge vor uns. Da war nur eine Zwischenmeldung.