Gardinen

Die andere Oma (die für mich auch immer „die andere“ hieß) lebt ja noch. Und das, obwohl sie seit 38 Jahren sterben will. Bei jeder Gelegenheit verteilt sie das Erbe, beschimpft das Leben, sich selbst und ihre langwierige Existenz auf Erden. Es ist immer wieder herzerfrischend, ihr zuzuhören.
Seit ich meine erste Wohnung mein eigen nannte, haben wir eine Diskussion über das Aussehen meiner Fenster. Ich hänge prinzipiell nur Gardinen vor die Scheiben, wenn mich Leute bei Intimitäten sehen könnten. Oma wird das wohl nie begreifen:
Sie: Mädel, du brauchst Gardinen.
Ich: Brauche ich nicht.
Sie: Aber das sieht doch aus wie bei den Russen. (in holländische Fenster konnten wir leider nicht sehen)
Ich: Mir doch egal.
Sie: Ich bezahl sie dir auch.
Ich: Das ist nicht nötig.
Sie: Aber ich schäme mich doch so!
Ich: Also, ich habe nichts zu verbergen.
An richtig guten Tagen sprang die Diskussion wieder auf den Anfang zurück.
Nun ist die gute Oma ins betreute Wohnen gezogen. Und meine Mutter drängelt (wir erinnern uns, sie kann auf keine Leiter mehr steigen), daß ich komme und mich um die Anpassung der Gardinen kümmere. Ich, um Gardinen. Hervorragende Idee.

Auch das noch:

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6 Gedanken zu „Gardinen

  1. In meiner ersten eigenen Wohnung hatte ich gerade stolz Jalousien angebastelt, um kurz darauf von der Mitsechzigerin aus dem zweiten Stock zu hören: „Gardinen brauchen Sie aber schon. Das sieht ja aus wie bei den Asozialen.“

  2. REPLY:
    die meisten leute brauchen halt gardinen, um ihre häßlichen tapeten [no-go nr.2] zu verstecken …

  3. Jaaaaa – die Gardinen… wissen Sie, so geht einem wenigstens nie das Thema aus, mit der älteren Generation. Ihre Mutter hat das schon sehr geschickt ausgesucht.
    *gacker

  4. kämpfe gerade meine Galle nieder. Wortwörtlich die selben Diskussionen hatte ich an meinen früheren Wohnort jahrelang mit meiner Mutter.

    Hier im hellen, großen Wohnraum mit viel Grün herum verzichten wir ohne Genöle von irgendeiner Seite auf Vorhänge. Befreiend, irgendwie.

  5. Wir haben aus Überzeugung keine Gardinen und ringen seit einem Jarh darum, einfache Rollos gegen die Einsichten der anderen anzubringen, aber bisher… Die Wände sind zu schwierig und die Zeit zu kurz. Da müssen die Nachbarn eben abends weggucken, wenn ich mich umziehe. :o) Und das Bad hat eh keine Fenster.

    Ich finde das ja sowas von schrecklich, wenn man die schönen Fenster zuhängt und die Hälfte vom Tageslicht wegfiltert…

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