Früher

war vieles besser. Public Viewing war improvisiert und rotzig. Ein paar Typen schleppten ihren Fernseher auf die Kneipenterrasse und ein Rudel mit Bier in der Hand hing davor herum. In der Strandbar oder im Biergarten kämpfte ein grissliges Beamerbild mit dem verdämmernden Tageslicht.
Es war meistens nicht viel zu sehen, es sei denn, man setzte sich zwei Stunden vor Spielbeginn an die vermeintlich richtige Stelle, bis sich Zuspätkommende ins Blickfeld stellten, aber die Stimmung war Spitze.
In diesem Jahr ist alles anders. Ich bin noch immer nicht ganz menschenmassentauglich und die derzeitige Umgebung pflegt eher einen behäbigen Stil. Daher landeten wir in gediegenen Etablissements, mit Platzreservierungen, Decken für die Damen, HD-TV und hausgemachter Bratwurst für 6 €. Das ist ja alles ganz nett und kein Gastronom will auf Umsatz verzichten, weil sich anderswo die Leute um ein paar Bierkästen und einen Beamer stapeln. Nur es macht keinen Spaß, Fußball in Anwesenheit von ein paar Daytradern und Immobilienerben mit ihren aufgetakelten Weibern zu sehen. Oder sich, um Zutritt zu einem Hotelhof zu bekommen, vor einer erdbeerfarben gesträhnten Azubine zu erniedrigen, die wichtig mit einer Gästeliste wedelt und einen mit 10 Mitarbeitern des Monats eines Westdeutschen Mediamarktes, die ein Incentive abfeiern, in die pralle Sonne setzt. – Natürlich unter der Behauptung, alle Plätze im Schatten seien von wichtigen Menschen reserviert.
Da lobe ich mir die Enoiteca auf dem Walter-Benjamin-PLatz, die einfach einen Fernseher und zwei Lautsprecher in ein offenes Kiosk-Fenster gepackt hat. Vor allem, wenn der Mann, der drinnen bedient, die italienische Niederlage damit bewältigt, daß er über der Bildschirmkante mit Messern, der italienischen Flagge und anderen Requisiten Kasperle-Theater spielt.

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4 Gedanken zu „Früher

  1. Statt Enoiteca habe ich Eroteca gelesen. Und vermutlich häte mir das mehr gefallen.

  2. yep…. da muss ich zustimmen.
    schon auch deshalb, weil ich heute auch „früher“-tag hatte.
    z.b. haben wir früher als jugendliche nicht überall unseren müll einfach fallen und liegen lassen in den parks.
    vor allem aber ist mir heute im schwimmbad aufgefallen, dass früher ein dickes kind in der klasse eine ausnahme war und dementsprechend gehänselt wurde.
    im freibad heute, waren die jungen leute zwischen 8 und 18 zu 60% richtig dick….. unglaublich….

  3. REPLY:
    leider waren alle anwesenden so jenseits von eros…

  4. REPLY:
    ja, das ist mir auch schon aufgefallen, die quote von einem dicken kind ist heute locker zu überbieten. vor allem die kleinen türkenjungs sind furchtbar fett.

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